Haftbefehl (Rapper)

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Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[1]
Azzlack Stereotyp
  DE 59 12.11.2010 (1 Wo.)
Kanackiş
  DE 10 24.02.2012 (2 Wo.)
  AT 36 24.02.2012 (1 Wo.)
  CH 12 26.02.2012 (4 Wo.)
Blockplatin
  DE 4 08.02.2013 (5 Wo.)
  AT 6 08.02.2013 (3 Wo.)
  CH 7 10.02.2013 (3 Wo.)
Singles[1]
Chabos wissen wer der Babo ist
  DE 30 08.02.2013 (8 Wo.)

Haftbefehl (* 16. Dezember 1985[2] in Offenbach; bürgerlich Aykut Anhan[3]) ist ein deutscher Rapper zazaisch-kurdischer Abstammung[4], der zurzeit bei Urban/Universal Music unter Vertrag steht.[5]

Leben

Anhan wurde in Offenbach geboren, als Sohn zazaischer Kurden aus dem ostanatolischen Dersim.[4] Seine Schullaufbahn beendete er nach eigenen Angaben ohne Abschluss[6] und flüchtete 2006 vor einer wegen Betrugs drohenden Haftstrafe nach Istanbul. Von dort aus zog er in die Niederlande weiter, wo er in Amsterdam und Arnheim lebte. In dieser Zeit schrieb er seine ersten Texte.[7] Nach seiner Rückkehr in die Heimatstadt Offenbach begann er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, die er jedoch nach drei Wochen abbrach.[8] Anschließend betrieb er ein Wettbüro in der Offenbacher Kaiserstraße und begann mit der Aufnahme seiner ersten Lieder. Als der Inhaber des Labels Echte Musik, Jonesmann, die Musik von Haftbefehl hörte, war er von dessen Fähigkeiten überzeugt und nahm ihn unter Vertrag.[9] Haftbefehl war mit acht Beiträgen an dem Label-Sampler Kapitel 1: Zeit für was Echtes beteiligt, außerdem erlangte er durch Beiträge auf dem Sampler La Connexion und auf den Soloalben von Kollegah und Manuellsen Aufmerksamkeit.

Am 29. Oktober 2010 erschien sein erstes Soloalbum Azzlack Stereotyp, das auf Platz 59 der deutschen Album-Charts einstieg. Nach der Schließung des Labels Echte Musik gründete Haftbefehl sein eigenes Label Azzlackz, bei dem neben den Frankfurtern Celo & Abdi sein Bruder Capo, Veysel[10][11] und Kurdo unter Vertrag stehen. Unter anderem unterstützt er die HipHop-Streetwearmarke Thug Life Clothing.[12]

Im Frühjahr 2012 erschien Haftbefehls zweites Album Kanackiş, das die Top Ten der deutschen Album-Charts erreichte und u.a. Gastbeiträge von Künstlern wie Jan Delay und Sido beinhaltet. Anlässlich des 15. Todestages des amerikanischen Rappers The Notorious B.I.G. veröffentlichte das splash! Magazin im Februar 2012 das Mixtape The Notorious H.A.F.T., auf dem namhafte Produzenten (z.B. Shuko, Brenk) verschiedene Acapellas von Haftbefehl im musikalischen Gewand der Neunziger Jahre präsentierten.

In den Single-Charts landete Haftbefehl erstmals mit der Single Chabos wissen wer der Babo ist, die sich insgesamt acht Wochen in den Charts hielt und mit Platz 30 ihre höchste Platzierung erreichte. In der Szene wurde dem Lied durchaus größere Bedeutung zugemessen, wie an den zahlreichen Remixe und Referenzen deutlich wurde. Aber auch über die Szene hinaus hinterließ der Song, und insbesondere das Wort Babo, zazaisch für Vater oder auch Chef, bleibenden Eindruck: Babo fand Eingang in die deutsche Jugendsprache und wurde im November 2013 von einer Jury unter Leitung des Langenscheidt-Verlags zum Jugendwort des Jahres 2013 gewählt.[4]

Kritik

Die Tageszeitung Die Welt kritisierte Haftbefehl wegen einiger antisemitischer Textstellen wie „ticke Kokain an die Juden von der Börse“ (aus dem Lied Psst), des Lieds Free Palestine sowie eines Auftritts in einem Video, wo einer seiner Mitstreiter mit einer Bazooka-Attrappe in der Hand Freiheit für Palästina forderte. Zudem kritisierte der Welt-Artikel auch weitere Aussagen der von ihm unter Vertrag genommenen Rapper Celo & Abdi. Haftbefehl gebe aber auch zu verstehen, dass er jede Kultur respektiere und nichts „gegen Juden habe“.[13] Weitere Kritik kam von Marcus Staiger, der in einem Artikel für die Zeitschrift Spex ebenfalls aus Free Palestine zitierte und gleichzeitig darauf aufmerksam machte, dass Haftbefehl „sich gern als jüdischer Teppichhändler Jakob Goldstein ausgibt, um bei der Zimmerreservierung in Hotels eine bevorzugte Behandlung zu bekommen“. Diese Witze seien „im Verein mit einer Fangemeinde, die gerne nach einfachen Lösungen sucht, (…) eben ganz und gar nicht ungefährlich.“ [14]

Stil und Inhalt

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Ein zentrales Kennzeichen ist sein Akzent, der unter anderem dadurch charakterisiert ist, dass der Konsonant H von Haftbefehl häufig als stimmloser velarer Frikativ, also wie das ch im deutschen Wort Bach ausgesprochen wird.

Ein weiteres Charakteristikum seiner Vortragsweise ist, dass seine Texte zahlreiche dem Türkischen, Arabischen, Kurdischen und der Zaza-Sprache entnommene Vokabeln enthalten und teilweise auch entsprechende Satzstrukturen aufweisen. Der Reimstil und Flow von Haftbefehl orientiert sich in erster Linie am US-amerikanischen Gangsta-Rapper Notorious B.I.G., was sich in der Verwendung von übergehenden Reimen, Mittenreimen und Binnenreimen bemerkbar macht.

Inhaltlich behandeln die Texte von Haftbefehl meist das Leben im kleinkriminellen Milieu (z. B. in Ich nehm' dir alles weg oder Psst!). So rappt Haftbefehl beispielsweise detailliert über die Herstellung und den Verkauf von Drogen sowie über die Anwendung von Waffengewalt, wobei er eine ambivalente Meinung über das Leben als Krimineller zu transportieren scheint und sowohl die vermeintlichen Vorteile, als auch die Nachteile eines derartigen Lebensstils in seinen Liedern behandelt. Andere Themen in den Texten des Rappers sind die Diskriminierung von Migranten in Deutschland (Generation Kanack mit Manuellsen) und das Leben in sozial schwachen Bezirken (Glaub an den Herrn mit Manuellsen, Sommernacht in Offenbach).

Diskografie

Alben
  • 2010: Azzlack Stereotyp
  • 2012: Kanackiş
  • 2013: Blockplatin
Singles
Sampler
  • 2009: Kapitel eins: Zeit für was Echtes (Echte Musik- Labelsampler)
Mixtapes
EPs
  • Azzlack Kommandant (JUICE Exclusive)
Freetracks
  • 2009: An alle Azzlackz
  • 2009: Wieso, Warum (feat. Jonesmann)
  • 2009: Wir feuern dich (feat. Jonesmann & Criz)
  • 2009: Zu groß (feat. Jonesmann & Manuellsen)
  • 2009: Wie die Tränen meiner Mutter
  • 2009: Sound für die Nacht (feat. JAM)
  • 2009: Koma (Remix) (feat. Blaze, Jonesmann, Favorite & Vega)
  • 2010: Bitch da hast du
  • 2010: An alle Azzlacks
  • 2010: Schwarz (feat. Afro Hesse)
  • 2010: Psst! (MeineStadt2010)
  • 2010: Nightlife (feat. Inferno und Aikido)
  • 2010: Wir machen Patte (feat. Doezis und Kamran)
  • 2010: Ich nehm dir alles weg
  • 2010: Für die Jungs (feat. Omik K.)
  • 2010: OF Crackflow
  • 2010: Azzlack zerbersten (feat. Zerbersten)
  • 2010: Columbine! (feat. Silla, Twin und Criz)
  • 2010: Chabo Nation Azzlackz (feat. Son Saifa und Midy Kosov)
Juice-Exclusives!
  • 2009: Spiel mit dem Feuer (feat. Blaze, Criz und Jonesmann) (Juice-Exclusive! auf Juice-CD #99)
  • 2009: Duck dich (feat. Blaze, Criz und Jonesmann) (Juice Exclusive! auf Juice-CD #100)
  • 2010: Streichhölzer & Benzinkanister (Juice-Exclusive! auf Juice-CD #107)
Halt die Fresse
  • 2009: Halt die Fresse : 01 - NR. 32 - Haftbefehl
  • 2010: Halt die Fresse : 03 - NR. 78 - Haftbefehl
  • 2011: Halt die Fresse Gold - NR. 02 - Haftbefehl
  • 2012: Halt die Fresse : 04 - NR. 187 - Haftbefehl
  • 2012: Halt die Fresse : 04 - NR. 215 - Haftbefehl (feat. Xatar, Celo & Abdi und Capo)
  • 2013: Halt die Fresse : 05 - NR. 267 - Haftbefehl (feat. Veysel)
  • 2013: Halt die Fresse Platin - 01 - Haftbefehl

Quellen

  1. a b Chartquellen: Chartverfolgung Deutschland - Österreich - Schweiz
  2. Interview mit Haftbefehl. Bravo Hip-Hop 04/2011. S. 32
  3. Frankfurter Rundschau: Rapper aus Offenbach - "Haftbefehl" stürmt in die Charts. Abgerufen am 13. Januar 2011.
  4. a b c Matthias Heine: Babo ist zazaisch. 26. November 2013, abgerufen am 29. November 2013.
  5. Haftbefehl unterschreibt bei Universal. Abgerufen am 31. Januar 2014.
  6. Meinrap.de: Haftbefehl: „Die Beef-Geschichte zwischen Sido und Farid Bang ist doch fürn Arsch“ (Video). Abgerufen am 16. Januar 2012.
  7. http://hiphop.mediaquell.com/2009/05/26/interview-haftbefehl-mai-2009-895/
  8. http://rap.de/features/876/t4
  9. Biografie von Haftbefehl (Version vom 16. März 2010 im Internet Archive)
  10. Veysel auf laut.de
  11. [1]
  12. Thug Life präsentiert: Haftbefehl - Der Werdegang eines echten Azzlackz. Abgerufen am 26. Juli 2011.
  13. Boris Peltonen: "Kokain an die Juden von der Börse". Die Welt, 16. April 2012, abgerufen am 7. Juni 2012.
  14. alles zitiert nach Marcus Staiger: Keiner will was gesagt haben. Antisemitismus im deutschen Rap. Spex, abgerufen am 12. Juli 2012.

Weblinks