Xatar

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Xatar (2008)
Xatar (2008)
Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben
Nr. 415
  DE 19 11.05.2012 (… Wo.) [1]
  AT 52 11.05.2012 (… Wo.)
  CH 23 13.05.2012 (… Wo.)
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Xatar [ˈχatar] (* 24. Dezember 1981 in Kūh-e Qalā‘, Iran als Giwar Hajabi) ist ein deutscher Rapper und Produzent kurdischer Abstammung. Sein Künstlername „Xatar“ (Aussprache: Chatar) leitet sich vom kurdischen Wort "Xatar" ab, das gefährlich bedeutet.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Xatar wurde 1981 als Sohn einer bürgerlichen kurdischen Familie im westiranischen Dorf Kūh-e Qalā‘ (kurdisch: Qalue) bei Saqqez (kurdisch: Seqiz) als Giwar Hajabi geboren. Sein Vater war Dirigent und seine Mutter Schullehrerin. Seine Eltern flüchteten ein paar Jahre nach der Revolution im Iran 1979 in den Irak. In dieser Zeit brach auch der Erste Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran aus. Nach den Übergriffen des Regimes Saddam Husseins auf die kurdische Minderheit im Irak wurden auch seine Eltern gefoltert und kamen in Haft. Die Familie kam 1985 mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes als Asylbewerber nach Bonn und lebte in einem Hochhaus am Rande der Stadt.[2]

Giwar besuchte eine katholische Grundschule in Bonn und mit neun Jahren bekam er regelmäßig Klavierunterricht. Außerdem spielte er in seiner Freizeit oft Basketball. Nach der Grundschule besuchte er das Gymnasium bis zur elften Klasse. Er spielte auch in der Schulmannschaft des Gymnasiums und trainierte bei den Telekom Baskets Bonn. 1993 kam er über Dr. Dres Album The Chronic zum ersten Mal mit Hip-Hop in Kontakt. 1995 verließ sein Vater die Familie und Giwar lebte mit seiner Schwester zusammen bei seiner Mutter.[2]

Die Mutter zog nach der Trennung von ihrem Ehemann in den Stadtteil Brüser Berg, dort verbrachte Giwar seine Jugendzeit und war Mitglied der Bande Brüser Berger Assis. Die Mutter arbeitete als Kinderpflegerin, um den Klavierunterricht für Giwar und seine Schwester zu bezahlen. 1999 begann Giwar zusammen mit seinen späteren Labelkollegen Maestro, Samy und SSIO zu rappen und Beats zu produzieren. 2005 eröffnete seine Mutter ein Internetcafé in Brüser Berg und er unterstützte seine Mutter beim Betreiben von diesem. 2007 veröffentlichte er seine ersten Tracks Bonn Brüser Berg und zusammen mit Samy und SSIOLilane. Anfang 2008 gründete er das Label Alles oder nix Records, zu der noch die Rapper SSIO und Kalim, die Rapperin Schwesta Ewa, der Sänger Samy sowie die Produzenten Maestro und REAF gehören.[2][3] 2012 nahm Xatar die Rapper Kalim und Schwesta Ewa sowie den Sänger Aram Kaya unter Vertrag.

Im August 2008 wirkte Xatar neben Bintia und Ali As als „Rapcoach“ bei der RTL-2-Show Der Bluff mit. Darin sollte der Rapper einen Literaturstudenten in die Rolle eines glaubwürdigen Gangsterrappers bringen. Die Medienresonanz auf die Fernsehsendung fiel sehr negativ aus.[4][5]

Im November 2008 veröffentlichte Xatar sein erstes Soloalbum Alles oder nix über sein Independent-Label Alles oder nix Records, den Vertrieb übernahm Groove Attack. Auf dem Album sind Gastauftritte von Rappern wie Azad und Bero Bass. Des Weiteren veröffentlichte er drei dazugehörige Videoclips über Los Banditos Films. Er gab Konzerte mit anderen Rappern wie Azad, Joe Rilla oder Massiv und trat oftmals im Kölner Streetcinema Fight Night oder in der Rheinkultur auf. Im Juni 2009 gab Xatar ein 30-minütiges Interview bei Kurdistan TV.[3]

Im August 2011 erschien der Sampler AGB 2010 – Allgemeine Geschäftsbedingungen während Xatar und Samy in Untersuchungshaft saßen. Dieses wurde hauptsächlich vom Produzenten Maestro produziert. Auf dem Sampler sind Gastauftritte von Rappern wie Haftbefehl und Manuellsen.

Am 20. April 2012 erschien dann das Album "Nr. 415". Es war das erste Album in Deutschland das im Gefängnis aufgenommen wurde und landete auf Platz 19 der Deutschen Albumcharts. Features waren unter anderem Nate57, Haftbefehl, Celo&Abdi, Capo, Bero Bass, sowie die Labelkollegen SSIO, Kalim und Schwesta Ewa. Produziert wurde es von Maestro, welcher auch das gesamte Album abgemischt hat, sowie von REAF, M3 & Mete Makkat.

Xatar besitzt die deutsche und die iranische Staatsangehörigkeit und spricht neben Kurdisch, Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch auch Arabisch.

Musikalischer Stil[Bearbeiten]

Xatars Musik ist dem Gangsta-Rap zuzuordnen, der nach der Bundesprüfstelle den „Randbereich einer Subkultur“, basierend auf gewalthaltigem und frauenfeindlichem Hip-Hop darstellt.[6] Er rappt in leicht bönnschem Dialekt. Inhaltlich dreht sich ein Großteil seiner Lieder um das Leben auf der „Straße“. Außerdem rappt Xatar über Drogenhandel, Nachtleben, Prostituierte und Waffengewalt. Die beschriebenen schwierigen Lebensumstände in den sozialen Brennpunkten Bonns werden durch den harten Vortrag des Rappers noch verstärkt.

Kontroverse[Bearbeiten]

Aufenthalt in London[Bearbeiten]

Von 2005 bis 2007 wurde Xatar wegen Verdachts auf Drogenhandel per Haftbefehl gesucht. Er lebte während dieser Zeit bei Verwandten in London und studierte an der London Metropolitan University International Business und Music Business.[3][7] Zur Finanzierung des Studiums gründete er zusammen mit seinem Cousin eine Sicherheitsfirma, die Türsteher für Casinos und Clubs vermittelte. Der Haftbefehl wurde 2007 wieder aufgehoben. Xatar kehrte anschließend nach Deutschland zurück und gründete 2008 sein Label Alles oder nix Records.[3]

Körperverletzung in Bonn-Bad Godesberg[Bearbeiten]

Im Juni 2007 schlug Xatar einen Barkeeper vor dessen Cocktailbar in Bonn-Bad Godesberg nieder, nachdem dieser in einer Kölner Disco einen Freund Xatars beleidigt hatte. Xatar wurde vom Amtsgericht Bonn zu einer Geldstrafe in Höhe von 3750 Euro verurteilt.[8]

Körperverletzung in Los Angeles[Bearbeiten]

Im September 2009 wurden Xatar, Sido und Harris von einem Getränkehersteller nach Los Angeles in die Playboy Mansion eingeladen, dem Anwesen des Playboy-Gründers Hugh Hefner. Dort soll Xatar versehentlich seinen Drink auf das Kleid einer Dame verschüttet haben und sie soll ihm ins Gesicht geschlagen haben. Xatar soll ihr daraufhin die Nase gebrochen haben. Er wurde verhaftet und ins L.A. Pacific County Jail eingeliefert. Gegen eine Kaution von 50.000 US-Dollar wurde er freigelassen.[3][9]

Haftstrafe aufgrund eines Überfalls auf einen Goldtransporter[Bearbeiten]

Anfang Mai 2010 wurde Xatar im Irak festgenommen und nach Deutschland abgeschoben. Am 14. Juli 2010 wurde durch die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Anklage gegen Xatar erhoben. Ihm und fünf weiteren Tatverdächtigen wurde vorgeworfen, im Dezember 2009 auf der A 81 bei Ludwigsburg einen Goldtransporter überfallen zu haben. Die Gruppe habe dabei Gold im Wert von etwa 1,7 Millionen Euro erbeutet. Donald Stellwag wurde verdächtigt, sich als Informant wegen Tatbeteiligung beim „Goldraub“ strafbar gemacht zu haben. Ihm wurde vorgeworfen, einen Mitarbeiter des Beraubten ausgehorcht und dann Insiderwissen an die Täter weitergegeben zu haben.[10] Der Prozess gegen Xatar und die fünf anderen Angeklagten begann am 27. Oktober 2010 vor dem Stuttgarter Landgericht. Nachdem die große Strafkammer des Landgericht Stuttgarts in Aussicht gestellt hatte, im Falle eines Geständnisses die Haftstrafen auf sieben bis acht Jahre zu begrenzen, legte Xatar am 9. Mai 2011 ein umfassendes Geständnis ab. Er habe die Tat mit drei Mittätern begangen und dafür 25.000 Euro bekommen. Er belastete Donald Stellwag als Drahtzieher und Auftraggeber.[11]

Für den Goldraub müssen vier Angeklagte für sieben bis acht Jahre in Haft. Mit seinem Urteil folgte das Gericht am 22. Dezember 2011 in weiten Teilen den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Xatar muss als Organisator für acht Jahre in Haft. Je ein halbes Jahr weniger bekamen ein 27-jähriger Mitorganisator, der am Überfall direkt nicht beteiligt war, und ein 26-Jähriger, der bei dem Raub nach Ansicht der Kammer in vorderer Reihe gestanden hat. Sieben Jahre Haft verhängte das Gericht über einen 28-Jährigen, der nach der Tat die Beute umgeladen haben soll.[12]

Jugendgefährdung[Bearbeiten]

Im Februar 2010 indizierte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien das Album Alles oder nix. Seit dem 26. Februar 2010 darf das Album nicht mehr beworben oder an Minderjährige verkauft werden. Nach Auffassung des Gremiums waren sieben Lieder des Albums jugendgefährdend, da sie verrohend wirken und zu Gewalttätigkeiten anreizen würden.[13]

Im September 2010 wurde auf WDR eine Dokumentation namens „Heldenkult am Stadtrand – Wie Gangster zum Vorbild werden“ veröffentlicht. In dieser Dokumentation ging es darum, wie Xatar Jugendliche in ihrer Denkweise und in ihrem Handeln beeinflussen konnte.[14]

Diskografie[Bearbeiten]

Alben
Sampler
  • 2011: AGB 2010 – Allgemeine Geschäftsbedingungen
Single
  • 2008: § 31 (E-Single)
  • 2009: Kopf oder Zahl (E-Single; mit Manuellsen)
  • 2012: Interpol.com
Freetracks
  • 2007: Bonn Brüser Berg
  • 2007: Lilane (mit Samy und SSIO)
  • 2007: Alles oder nix Snippet (mit Samy& SSIO)
  • 2008: Rache und Sex
  • 2008: Schachmatt (mit SSIO)
  • 2009: Was würdest du für Para machen? (mit SSIO)

Trivia[Bearbeiten]

  • Xatar drehte seinen Videoclip der E-Single § 31 im Oberlandesgericht Köln. Im Videoclip droht er allen „Verrätern“ mit Blutrache und sein Labelkollege Samy überwältigt einen Polizisten, um an dessen Uniform zu kommen. Auch Xatars ehemaliger Anwalt Michael Hakner spielte in dem Videoclip mit.[15]
  • Der Rapper Haftbefehl erwähnt Xatar in seinem Track Glänzen. Darin rappt er: „Ich hol mir den Jackpot, wie Xatar aus Bonn, wie Biras mit Heroin die Million“. Damit meint er die 120 Kilogramm Gold im Wert von etwa 1,7 Millionen Euro, die Xatar und seine Komplizen aus einem Goldtransporter erbeutet haben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meinrap.de: Xatar und Alpa Gun charten in den Top 20. Abgerufen am 7. Mai 2012.
  2. a b c Christiane Florin: Ich will nicht weg von hier. Porträt über Xatar und seine Familiengeschichte In: Rheinischer Merkur, Bonn, 21. Oktober 2010
  3. a b c d e laut.de: Biografie über Xatar, abgerufen 11. Februar 2010
  4. Quotenmeter.de: RTL II-Show «Der Bluff»: Es geht noch schlechter, abgerufen 11. Februar 2010
  5. Christoph Cadenbach: Erst Goethe, dann Gangsta in Spiegel Online, abgerufen 11. Februar 2010
  6. Bundesprüfstelle.de Thema Hip-Hop-Musik, Seite 6 ff (PDF; 733 kB)
  7. rap.de: Interview mit Xatar: "Die Raps von Eazy E waren scheiße", abgerufen 11. Februar 2010
  8. D. Bickmann: Barkeeper verprügelt: Rapper Xatar (26) als Schläger verknackt in Express, abgerufen 13. Februar 2010
  9. Tobias Kargoll: Xatar in Los Angeles inhaftiert, abgerufen 11. Februar 2010
  10. Rap.de: Anklage gegen Xatar erhoben
  11. Tilmann Grewe: Goldräuber legt Geständnis ab in Nordbayern.de/Nuernberger-Zeitung, abgerufen 10. Mai 2011
  12. laut.de zum Urteil
  13. Mediabiz.de: Bundesprüfstelle indiziert Xatar-Album, abgerufen 5. November 2010
  14. Peter Schran: Heldenkult am Stadtrand - Wie Gangster zu Vorbildern werden in WDR, abgerufen 11. Januar 2013
  15. Dagmar Blesel, Rita Klein: Rapper drehte Drohvideo im Kölner Gericht in General-Anzeiger, abgerufen 19. November 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Xatar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien