Havelland

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Dieser Artikel beschreibt die Landschaft Havelland in Brandenburg. Für den Landkreis in Brandenburg siehe Landkreis Havelland.
Teillandschaften und Gewässer des Havellandes

Havelland ist ein mehrdeutiger Begriff. Geografisch wird als Havelland das U-förmig von der Havel umflossene Gebiet zwischen Oranienburg im Nordosten und Rhinow im Nordwesten verstanden. Den nördlichen Abschluss des Havellandes bildet der Fluss Rhin und der Rhinkanal. In der Geschichte Brandenburgs stellt das Havelland eine historische Landschaft dar.

Der Landkreis Havelland umfasst den Kern des Havellandes. Hinzu kommen der Südteil des Ruppiner Landes mit dem Rhinluch, der Westteil des Berliner Bezirkes Spandau, Teile Potsdams, die Stadt Brandenburg an der Havel und einige Orte des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

Touristisch ist eine etwas andere Abgrenzung durch den Tourismusverband Havelland e. V. gewählt worden. Er schließt ein den Landkreis Havelland, die Stadt Brandenburg an der Havel und den Norden des Landkreis Potsdam-Mittelmark einschließlich der Gemeinden südlich der Havel, die sonst schon der Landschaft Zauche zugeordnet werden.

Theodor Fontane hat das Havelland wie auch die anderen Landschaften Brandenburgs beschrieben. Durch die Ballade Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland[1] hat er dieser Region zu besonderer Bekanntheit verholfen und auch seine Romanfigur Effi Briest wächst dort auf. Ein eigener Band der Wanderungen durch die Mark Brandenburg widmet sich dem Havelland.

Landschaft[Bearbeiten]

Havellandradweg bei Paaren im Glien
Hohennauensches Bruch im Naturpark Westhavelland

Ausgedehnte Urstromtalungen bestimmen das Landschaftsbild im Havelland. Inselartig ragen daraus Platten hervor, die meistens Grundmoränen tragen. Aber auch Endmoränen aus der Saale- und Weichseleiszeit kommen vor. Erstere wurden während des weichselzeitlichen Eisvorstoßes mehr oder weniger überprägt.

Die sandigen, trocken Platten tragen außer Ackerland ausgedehnte Waldgebiete. Die größte ist die Nauener Platte. Nördlich davon gibt es mehrere Ländchen. Westlich des Havelbogens liegt das Land Schollene.

In den Urstromtälern dehnen sich abseits der Havel nördlich der Nauener Platte Havelländisches Luch und Rhinluch, voneinander getrennt durch die Ländchen, südlich der Nauener Platte die durch kleinere Moränenhügel gegliederte Osthavelniederung mit zahlreichen Havelseen. Vor allem im Norden des Havellandes wurden seit etwa 1700 bis in die 1950er Jahre umfangreiche Gebiete durch Kanäle entwässert.

Der Westteil des Gebietes zwischen Rhinow und Pritzerbe gehört zum Naturpark Westhavelland. Dieser enthält in der Unteren Havelniederung das größte Feuchtgebiet im westeuropäischem Binnenland.

Besiedlung[Bearbeiten]

Das Havelland ist recht dünn besiedelt. An Havelübergängen entwickelten sich die größeren Städte Spandau (heute zu Berlin), Potsdam, Brandenburg und Rathenow. Weitere zentrale Orte für das Havelland sind Rhinow, Premnitz, Nauen und Friesack. Stark wachsend ist die Stadt Falkensee mit den umgebenden Ortschaften.

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Ackerbau und Viehhaltung prägen weite Gebiete des Havellandes. Vor allem rund um Werder ist Obst- und Gemüseanbau stark vertreten. Hier erfolgt auch die Verarbeitung zu Säften, Obst- und Gemüsekonserven. Die Havel und die Havelseen bieten noch einigen Fischern ein Auskommen.

Der Tourismus spielt eine zunehmend wichtige Rolle im Havelland, das zu den Naherholungsgebieten der Metropole Berlin zu zählen ist.

Am Rande Berlins ist in Wustermark ein Güterverkehrszentrum entstanden. In Paaren im Glien bietet das Märkische Ausstellungs- und Freizeitzentrum Möglichkeiten für größere Messen und Veranstaltungen.

Ein Problem des Havellandes war und ist die Verkehrserschließung. Die Havel ist einerseits eine wichtige Wasserstraße, vor allem zwischen Brandenburg und Oranienburg, andererseits ist sie mit ihren Seen und den großen Feuchtgebieten ein Hindernis für Straßen und Eisenbahnen.

Die wichtigsten Straßen sind die B 5 von Berlin über Nauen in Richtung Hamburg, von der die B 188 nach Rathenow abzweigt. Nord-Süd-Tangenten sind die B 102 von Brandenburg über Rathenow nach Rhinow und im Osten der Berliner Autobahnring A 10. Von Spandau aus führen zwei Eisenbahnstrecken mit Schnellverkehr durch das Havelland. Dies sind die Strecken Berlin–Hamburg über Nauen und die Lehrter Bahn über Rathenow. Im Westen verbindet die Brandenburgische Städtebahn Brandenburg mit Rathenow. Im Osten tangiert der Berliner Außenring das Gebiet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Havelland um Werder, Lehnin und Ketzin (= Werte der deutschen Heimat. Band 53). 1. Auflage. Selbstverlag des Instituts für Länderkunde, Leipzig 1992, ISBN 3-86082-014-1.
  • "Havelland. Ein Wegbegleiter", Edition Terra Berlin/Potsdam 2013, 1. Auflage, ISBN 9-783942-917117

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Havelland – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Havelland – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (ein Birnbaum in seinem Garten stand …) auf Wikisource

52.512.75Koordinaten: 52° 30′ 0″ N, 12° 45′ 0″ O