Prignitz

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Dieser Artikel beschreibt die historische Landschaft Prignitz in Brandenburg. Für weitere Bedeutungen siehe Prignitz (Begriffsklärung).
Mohnfeld bei Kuhbier, westlich von Pritzwalk

Die Prignitz (in älterer Schreibweise auch Priegnitz, ehemals auch als Vormark bezeichnet[1]) ist eine historische Landschaft im Nordwesten des Landes Brandenburg. Im Wesentlichen erstreckt sie sich über den Landkreis Prignitz und Teile des Landkreises Ostprignitz-Ruppin. Kleine Teile der historischen Region Prignitz gehören heute auch zu Mecklenburg-Vorpommern (Landkreis Ludwigslust-Parchim) und Sachsen-Anhalt (bei Havelberg).

Allgemeines[Bearbeiten]

Storchendorf Rühstädt an der Elbe

Die Region besteht vor allem aus landwirtschaftlich geprägtem Flachland, Wäldern und Heidelandschaft. Wichtigste Städte sind Wittenberge, Perleberg, Pritzwalk, Wittstock und Kyritz. Auf den Dörfern wird gelegentlich noch Plattdeutsch gesprochen.

Seit dem Mauerfall verliert die Prignitz zunehmend an Einwohnern durch Wegzug in die Großstädte. Mittlerweile (2007) zählt der Landstrich zu den am dünnsten besiedelten Deutschlands. Es wird damit gerechnet, dass diese Entvölkerung noch Jahrzehnte anhalten wird.

Als kulinarische Spezialität der Region gilt der Knieperkohl.

Geografie[Bearbeiten]

Die Prignitz ist eine historische Landschaft zwischen Mecklenburg im Norden, dem Ruppiner Land im Osten, dem Havelland im Süden, der Altmark im Südwesten sowie dem Wendland im Westen. Im Mittelalter unterlagen die Grenzen im Norden und Osten des mit Prignitz bezeichneten Gebietes mit dem Wandel der politischen Verhältnisse wiederholt Veränderungen, während die Südwestgrenze durch den Verlauf der Elbe feststand.

Flüsse[Bearbeiten]

Fischtreppe am Schlatbach

Als größter Fluss der Region markiert die Elbe die Grenze zwischen Wendland und Altmark im Westen und Prignitz im Osten. Sie entwässert die gesamte Prignitz. Im Süden mündet die Havel bei Havelberg in die Elbe.

Durchzogen wird die Prignitz von kleineren Flüssen, die dem Gefälle der Landschaft folgend hauptsächlich von Nordosten nach Südwesten der Elbe und Havel zufließen. Dies sind vor allem die Alte Elde, die Löcknitz, die Stepenitz mit ihren Nebenflüssen Dömnitz und Karthane, die Jäglitz und die Dosse. Im äußersten Osten berührt das Gewässersystem des Rhins die Prignitz.

Seen[Bearbeiten]

Die Prignitz ist im Wesentlichen eine Altmoränenlandschaft. Als solche ist sie verglichen mit anderen Brandenburger Landschaften arm an größeren Seen. Bei Lenzen finden sich der Rudower See und das Rambower Moor, bei Kyritz die Kyritzer Seenkette, bei Wittstock das Gebiet um den Dranser See und den Großen Baalsee. Im äußersten Osten berührt die Prignitz die Mecklenburgische Seenplatte.

An künstlichen Seen sind der Preddöhler und der Sadenbecker Stausee zu nennen. Der Dossespeicher Kyritz ist ein Stausee, in dem mehrere natürliche Seen der Kyritzer Seenkette aufgingen.

Städte[Bearbeiten]

Die Prignitz ist eine ländlich geprägte Region mit sechs Kleinstädten. Die bevölkerungsreichsten unter ihnen sind Wittenberge und Wittstock/Dosse. Weniger als 13.000 Menschen leben jeweils in den ehemaligen Hansestädten Pritzwalk, Perleberg, Kyritz und Havelberg. Perleberg übt in der Prignitz traditionell eine Verwaltungsfunktion aus – heute ist Perleberg Kreisstadt des Landkreises Prignitz.

Weniger als 5.000 Einwohner weisen die vier Landstädte der Prignitz auf. Meyenburg und Putlitz liegen im Norden der Prignitz. Bad Wilsnack war im Mittelalter eines der bedeutendsten Pilgerziele Mitteleuropas. Lenzen (Elbe) ist einer der ältesten Orte der Prignitz, als Slawenburg 929 urkundlich erwähnt.

Die einstige Stadt Freyenstein ist heute Ortsteil der Stadt Wittstock/Dosse. Teilweise städtische Rechte hatten in der Vergangenheit auch die drei Orte Flecken Zechlin im Osten der Prignitz, heute Ortsteil der Ruppiner Stadt Rheinsberg, sowie im Mittelalter die Städtchen Nitzow, heute Ortsteil von Havelberg, und Dossow, heute Ortsteil von Wittstock/Dosse.

Geschichte[Bearbeiten]

Der früheste Nachweis der Landschaftsbezeichnung Prignitz findet sich in einer Urkunde des falschen Woldemar aus dem Jahr 1349.[2]

Vom Ende des 14. bis ins 16. Jahrhundert führte der Pilgerweg Berlin–Wilsnack durch die Prignitz. Ziel war die Wunderblutkirche in Wilsnack, in der der Priester nach der Brandschatzung des Ortes 1383 durch Raubritter drei mit Blut befleckte Hostien fand. Dieses als Wunder gedeutete Ereignis zog Tausende von Pilgern an.

Das Kloster Stift zum Heiligengrabe ist die bedeutendste Klosteranlage in der Prignitz unweit der Bischofsstadt Wittstock. Nach der Aufhebung der Klöster wurde Heiligengrabe ein adliges Damenstift und hatte in Brandenburg-Preußen eine besondere Stellung.

Verkehrsverbindungen[Bearbeiten]

Fernstraßen[Bearbeiten]

Bundesstraße 189 bei Spiegelhagen

Durch die Prignitz führt die Bundesautobahn 24 von Berlin nach Hamburg. Am Autobahndreieck Wittstock/Dosse zweigt zudem die A 19 nach Rostock ab. Planungen zufolge wird die A 14 die Prignitz zukünftig in Nord-Süd-Richtung durchqueren und bei Wittenberge über die Elbe geführt.[3]

Mehrere Bundesstraßen führen durch die Prignitz:

Bahnstrecken[Bearbeiten]

Die erste Eisenbahnstrecke durch die Prignitz, die Berlin-Hamburger Bahn, wurde 1846 in Betrieb genommen. Begünstigt durch die zentrale Lage zwischen den beiden Großstädten entstand in Wittenberge 1875 das Eisenbahn-Ausbesserungswerk. Die Berlin-Hamburger Bahn ist die am meisten frequentierte Strecke durch die Prignitz. Sie ist durchgehend elektrifiziert und für Geschwindigkeiten über 200 km/h ausgelegt. Wittenberge ist zudem über die Magdeburg-Wittenbergesche Eisenbahn an die Altmark und die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt angebunden. Der Prignitzer Teil der einstigen Bahnstrecke Wittenberge–Lüneburg–Buchholz wurde hingegen infolge des Zweiten Weltkrieges als Reparationsleistung demontiert.

Im Projekt Prignitz-Express wurden Teile der Bahnstrecken Wittenberge–Strasburg und Kremmen–Meyenburg in den 1990er und 2000er Jahren ausgebaut. Der Prignitz-Express verbindet nun die vier bevölkerungsreichsten Prignitzstädte Wittenberge, Perlberg, Pritzwalk und Wittstock/Dosse über Neuruppin mit Berlin. Darüber hinaus wird Personenverkehr auf der Bahnstrecke Meyenburg–Neustadt (Dosse) durch die Eisenbahngesellschaft Potsdam (EGP) gewährleistet. Die EGP gewährleistet ebenfalls Schülerverkehr auf der Strecke Pritzwalk–Putlitz im Auftrag des Putlitz-Pritzwalker Eisenbahnfördervereins.

Der Betrieb der von der Eisenbahngesellschaft Potsdam befahrenen Strecken ist gefährdet. Das Bundesland Brandenburg halbiert im Jahr 2013 seine Zuschüsse für den Bahnbetrieb Meyenburg–Pritzwalk und Pritzwalk–Neustadt (Dosse), 2015 soll die Förderung ganz eingestellt werden.[4] Auch die Verbindung Pritzwalk–Putlitz ist nur bis Dezember 2014 gesichert.[5]

Tourismus[Bearbeiten]

Wunderblutkirche in Bad Wilsnack

Die Prignitz gehört zu den am dünnsten besiedelten Landschaften Deutschlands. So ist der Tourismus geprägt von ihrer Natur, der weiten Kulturlandschaft und den historischen Stadtkernen der kleinen Städte. Diesem Charakter entsprechend überwiegen in der Prignitz Formen des sanften Tourismus.

Besondere Bedeutung für die Region hat das Radwandern. Neben dem Elberadweg, beliebtester Fernradweg Deutschlands[6], und der landesweiten Tour Brandenburg existieren mehrere regionale Routen wie die Gänsetour und die Bischofstour. Zum Jahr 2012 wurde ein Knotenpunktnetz mit 50 Knotenpunkten aufgebaut, das eine individuelle Tourenplanung unterstützt.[7]

Anlaufstellen für Naturfreunde bieten im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe unter anderem das NABU-Besucherzentrum im Europäischen Storchendorf Rühstädt und das BUND-Besucherzentrum in der Burg Lenzen.[8]

Der Pilgerweg Berlin–Wilsnack führt von Berlin zur Wunderblutkirche in Bad Wilsnack. Im Mittelalter war Wilsnack als Wallfahrtsort Ziel von Pilgern aus ganz Europa, und damit ein früher touristischer Wirtschaftsfaktor für die Region.[9] Wilsnack verlor seine Bedeutung jedoch nach der Reformation. Mit der Erforschung der Pilgerfahrten gewann der Pilgerweg neue Beliebtheit.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Götze: Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler des Kreises Ostprignitz, In: Die Kunstdenkmäler der Prov. Brandenburg. Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler, 68 S., 2 Tafeln, 37 Abb. im Text, Berlin 1907
  • Alfred Götze: Die vor- und frühgeschichtlichen Denkmäler des Kreises Westprignitz, In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg, Berlin 1912, 68 S., 2 Tafeln, 79 Abbildungen im Text
  • A. Rinck, H. Engel, R. Gädcke: Bilder aus der Geschichte der Prignitz, [Ältere Steinzeit, Burgwälle, Germanisierung, Gründung, der Städte, Christianisierung, Der Adel, u. a., jeweils mit Abb.], Wittenberge, Bez. Potsdam 1925
  • Albert Kiekebusch: Das Königsgrab von Seddin – Führer zur Urgeschichte I, Augsburg 1928
  • Walter Matthes: Urgeschichte des Kreises Ostprignitz, (herausgegeben vom Kreisausschuß des Kreises Ostprignitz), Leipzig: Curt Kabitzsch 1929
  • Walter Matthes: Die Germanen in der Prignitz zur Zeit der VölkerwanderungIm Spiegel der Urnenfelder von Dahlhausen, Kuhbier und Kyritz, Leipzig: Curt Kabitzsch 1931
  • Waltraut Bohm: Die Vorgeschichte des Kreises Westprignitz, Leipzig 1937, 200 S., 85 Abb., 93 Tafeln, 9 Karten
  • Horst Keiling: Zur ur- und frühgeschichtlichen Forschung und Bodendenkmalpflege im westlichen Prignitzgebiet, In: Informationen des Bezirksfachausschusses Schwerin, Nr. 18, Schwerin 1978, S. 5 – 15
  • Lieselott Enders: Die Prignitz. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft vom 12. bis zum 18. Jahrhundert. Berlin, Berliner Wissenschaftsverlag 2000, ISBN 978-3-8305-0191-6.
  • Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I Prignitz / bearbeitet von Lieselott Enders. Weimar: Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger 2000, ISBN 978-3-7400-1016-4.
  • Uwe Czubatynski (Hrsg. für den Vorstand): Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz, Perleberg 2001, ff.
  • Sabine Altmann / Christiane Kunze: Die Prignitz und das Land Lebus – Zwei Landschaften im Zeitalter der mittelalterlichen Ostsiedlung, Bonn 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Prignitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Prignitz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Prignitz – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 935. [1]
  2. Landkreis Prignitz, der Landrat (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 2009. Perleberg, Dezember 2010. Seite 7. (PDF)
  3. Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg halten am Bau der A 14 fest. Pressemitteilung 143/2008. Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg, 24. Juli 2008, abgerufen am 18. Mai 2012.
  4. Hagen Ludwig und Matthias Matern: Regionaler Bahnverkehr. Linke setzt sich gegen SPD durch. In: Potsdamer Neueste Nachrichten. Potsdamer Zeitungsverlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 24. April 2012, abgerufen am 25. August 2012.
  5. Ulrich Fischer: VGP 70 weiter auf der Schiene. Bahnverkehr Putlitz-Pritzwalk wird aufrechterhalten. In: Märkische Allgemeine. Märkische Verlags- und Druck-Gesellschaft mbH, 10. November 2012, abgerufen am 8. Dezember 2012.
  6. Elberadweg. Zwischen Elbflorenz und Wattenmeer. Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V., abgerufen am 19. Mai 2012: „Der Elberadweg wurde in Umfragen des ADFC zum 6. Mal in Folge zum beliebtesten Radfernweg gewählt.“
  7. Radtouren zwischen Elbe und Müritz. Tourismusverband Prignitz e.V., abgerufen am 19. Mai 2012.
  8. Naturerlebnis in der Prignitz. Tourismusverband Prignitz e.V., abgerufen am 19. Mai 2012.
  9. August Höpfner: Perleberg und Wilsnack. (Um 1390). In: Perleberger Reimchronik. Abgerufen am 19. Mai 2012.
  10. Pilgerwege in der Prignitz. Tourismusverband Prignitz e.V., abgerufen am 19. Mai 2012.

5312Koordinaten: 53° 0′ 0″ N, 12° 0′ 0″ O