Heldenstadt

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Die sowjetischen Heldenstädte an der Kremlmauer

Heldenstadt (russ город-герой/ „gorod-geroi“) war ein Ehrentitel, der in der Sowjetunion an Städte verliehen wurde, „für das massenhafte Heldentum ihrer Verteidiger im Großen Vaterländischen Krieg“ gegen die Angriffe der Wehrmacht.[1] Insgesamt erhielten 12 Städte und die Festung Brest (Heldenfestung) diesen Titel. Vergleichbare Ehrungen gab es auch in anderen Ländern.

Sowjetische Ehrungen[Bearbeiten]

Alle Ehrentitel wurden zugleich mit dem Leninorden, der Medaille „Goldener Stern“ sowie einer Urkunde des Obersten Sowjets der Sowjetunion verliehen. Die Heldenstadt war fortan berechtigt, in ihrer Stadtfahne den Lenin-Orden sowie die Medaille „Goldener Stern“ abzubilden. (Davon machen heute nur noch Sewastopol, Stalingrad/Wolgograd, Kertsch und Tula Gebrauch; die anderen Städte haben sie durch Zarenkrone, Doppeladler und/oder Heilige ersetzt. Kertsch bildet eine Besonderheit, da es die Zarenkrone zusammen mit dem Orden „Goldener Stern“ führt.) Zusätzlich wurde in der Heldenstadt ein Obelisk mit Abbildungen dieser Auszeichnungen und der Inschrift des Wortlauts des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR errichtet. Wegen außerordentlicher Verdienste ihrer Verteidiger wurde der Festung Brest der Ehrentitel „Heldenfestung“ verliehen. Alle Heldenstädte werden mit Gedenksteinen an der Kremlmauer und auf offiziell geprägten Münzen geehrt.

Vergleichbarer Ehrentitel ist die von Russland eingeführte Auszeichnung „Stadt militärischen Ruhms“ (russ.: „Город воинской славы“) für Städte, die keine Heldenstädte sind, aber deren Bewohner im Zweiten Weltkrieg besonderen Mut bewiesen hatten.[2]

Ernennungen während des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

Ernennungen nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

  • Heldenstädte (sowjetische Briefmarkenausgabe 1965)

Heldenstadt Leipzig[Bearbeiten]

Während der Montagsdemonstrationen 1989, die einen entscheidenden Impuls für die Wende in der DDR gaben, wurde Leipzig in Anlehnung an das sowjetische Beispiel als Heldenstadt[5] bezeichnet. Die informelle Auszeichnung für den so mutigen wie friedlichen Einsatz vieler Leipziger Bürger einschließlich Kurt Masurs im Umfeld der Leipziger Nikolaikirche prägten den Ruf der Stadt[6] nach der Wende und wird beim Stadtmarketing mit dem Slogan „Leipziger Freiheit“ aufgegriffen.

Vergleichbare Auszeichnungen in anderen Ländern[Bearbeiten]

In Italien erhielten die Stadt Ravenna und die Provinz Arezzo die Tapferkeitsmedaille.

Großbritannien verlieh der Insel Malta 1942 das Georgskreuz.

Jugoslawien verlieh 1974 und 1975 den Orden des Volkshelden an die Städte Belgrad, Zagreb, Ljubljana, Novi Sad, Prilep, Priština, Titov Drvar und Cetinje.

Kuba verleiht den Titel der Heldenstadt an berühmte Städte der Militärgeschichte, so zum Beispiel an Santiago de Cuba für seine Stellung im Unabhängigkeitskampf gegen Spanien, während des Spanisch-Amerikanischen Krieg und der Kubanischen Revolution.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Russland-Aktuell, abgerufen am 15. August 2011.
  2. RT.com, abgerufen am 15. August 2011.
  3. Deutsch-Russisches Museum Berlin Karlshorst, abgerufen am 15. August 2011.
  4. Speitkamp, Winfried: Krieg und Erinnerung: Fallstudien zum 19. und 20 Jahrhundert. − Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2000. S. 157.
  5. [1] Leipzig Heldenstadt der DDR Schild der Leipziger Montagsdemonstrationen. Leipzig, 1989, Exponat im Haus der Geschichte, Bonn EB-Nr.: 1990/7/401, abgerufen 10/2008
  6. Social Geography Discussions, 2, 129-160, 2006, Heldenstadt Leipzig und Weihnachtsland Erzgebirge – Zur Bildhaftigkeit von sprachlichen Raumkonstruktionen F. Meyer zu Schwabedissen, M. Micheel, dito beim blog http://www.heldenstadt.de/