Cetinje

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Cetinje
Цетиње
Wappen von Cetinje
Cetinje (Montenegro)
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Basisdaten
Staat: Montenegro
Koordinaten: 42° 24′ N, 18° 55′ O42.39333333333318.921944444444670Koordinaten: 42° 23′ 36″ N, 18° 55′ 19″ O
Höhe: 670 m. i. J.
Einwohner: 15.353 (2003)
Telefonvorwahl: (+382) 086
Kfz-Kennzeichen: CT
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Milovan Janković (DPS)
Webpräsenz:

Cetinje (kyrillisch Цетиње) ist eine Kleinstadt in Montenegro zwischen Podgorica und Budva mit etwa 15.500 Einwohnern. Sie liegt 670 Meter über NN im Tal der Cetina am Fuß des Lovćen-Massivs. Cetinje ist der Amtssitz des montenegrinischen Präsidenten.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Zur Volkszählung von 2011 hatte die Gemeinde Cetinje 16.657 Einwohner, von denen sich 15.082 (90,54 %) als Montenegriner und 727 (4,36 %) als Serben bezeichneten. Daneben leben in der Gemeinde noch weitere kleinere Bevölkerungsgruppen.

Geschichte[Bearbeiten]

Vlaška crkva
Albanische Männer in Cetinje, 1906

Das älteste Gebäude Cetinjes ist die Vlaška crkva (dt. Walachische Kirche). Sie wurde um 1450 von in der Gegend wohnenden Hirten erbaut, die in jener Zeit Walachen genannt wurden. Ivan Crnojević, Fürst der Zeta 1465–1490, gilt als Gründer von Cetinje. Nachdem die Osmanen 1479 das venezianische Shkodra eingenommen hatten, verlegte Ivan seinen Regierungssitz vom gefährdeten Žabljak am Skadarsko Jezero in die Berge östlich des Lovcen. Hier gründete er 1482 ein der Gottesmutter geweihtes orthodoxes Kloster, das zur Keimzelle von Cetinje wurde. 1495 wurde dort eine Druckerei eingerichtet.

Das Marienkloster auf einer montenegrinischen Briefmarke

Vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1918 war Cetinje die Hauptstadt Montenegros. Hier residierten zuerst die Fürsten aus der Familie Crnojević und seit 1516 die Vladikas, die Fürstbischöfe, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts geistliches und weltliches Oberhaupt der Montenegriner waren. 1692 eroberten die Türken Cetinje und zerstörten das Kloster, das Sitz des Bischofs war. 1696–1701 errichtete Vladika Danilo Petrović fast an derselben Stelle ein neues Kloster.

Unter dem vorletzten Vladika Petar II. Petrović-Njegoš (1830–1851) begann die Modernisierung Cetinjes. Man befestigte Straßen und errichtete erste Häuser im westlichen Stil. 1838 ließ der Vladika eine neue Fürstenresidenz erbauen. Diese Villa hieß im Volksmund Biljarda, weil Petar II. dort einen Billardtisch aufstellen ließ, ein für das damalige Montenegro sehr ungewöhnliches Möbel.

Theater von Cetinje

Fürst Nikola (1860–1918) baute den kleinen Ort zur modernen Hauptstadt Montenegros aus, dessen Unabhängigkeit 1878 international anerkannt worden war. Wasserleitungen wurden verlegt und Cetinje bekam eine Straßenbeleuchtung. Mehrere Schulen, ein Krankenhaus, ein Museum und ein Gebäude für das Staatsarchiv wurden gebaut. Die europäischen Großmächte errichteten Botschaften, die das neue Stadtbild mitprägten.

Während des Ersten Weltkriegs war Cetinje von 1916 bis 1918 österreichisch besetzt. Nach dem Krieg wurde Montenegro Teil des neuen jugoslawischen Staates und Cetinje verlor seine Hauptstadtfunktion. Nach der Wiederherstellung Montenegros als Teilrepublik Jugoslawiens 1946 wurde Titograd (heute Podgorica) Hauptstadt. Seit der Unabhängigkeit ist Cetinje der Amtssitz des Präsidenten der Republik Montenegro. Cetinje gilt heute als national bedeutende historisch-kulturelle Stätte. Die Stadt beherbergt die Fakultäten für Kunst, Musik und Schauspiel der Universität Montenegro.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Heute können einige relativ gut erhaltene frühere königliche und Regierungsbauten sowie ein Kloster besichtigt werden. Zwei der früheren Paläste sind in Museen umgewandelt worden. Architektonisch interessant sind auch die zahlreichen früheren Botschaftsgebäude ausländischer Staaten, wie die von Russland oder Österreich-Ungarn.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dušan Martinović & Uroš Martinović: Cetinje. Spomenici arhitekture. Cetinje 1980.
  • Pavle Mijović: Cetinje kao feniks. Cetinje 1997. ISBN 86-7079-061-0 (Kultur u. Stadtgeschichte)
  • Boro Radonjič: Cetinje und das montenegrinische Küstenland. Beograd 1955.
  • Sergio Anselmi (Hrsg.): Sette citta jugo-slave tra Medioevo e Ottocento: Skoplje, Sarajevo, Belgrado, Zagabria, Cettigne, Lubiana, Zara. Senigallia 1991.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cetinje – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien