Hugh le Despenser

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zu seinem Großvater und Großjusticiar von England siehe Hugh le Despenser, 1. Baron le Despenser.

Hugh le Despenser (* 1286; † 26. November 1326) trug in Unterscheidung zu seinem Vater den Beinamen the younger. Er war der Sohn von Hugh le Despenser, Earl of Winchester, und der Isabel Beauchamp, Tochter von William de Beauchamp, 9. Earl of Warwick.

Leben[Bearbeiten]

Hugh le Despenser dargestellt als Earl of Gloucester. Auf diesen Titel erhob er aufgrund seiner Ehe einen Anspruch.

Im Mai 1306 wurde Hugh zum Ritter geschlagen und im gleichen Sommer heiratete er Eleanor de Clare, eine Enkelin von König Edward I. von England. Ihr Großvater schuldete Hughs Vater eine große Summe Geldes und die Hochzeit war als Bezahlung dieser Schulden arrangiert. Als Eleanors Bruder in der Schlacht von Bannockburn getötet wurde, wurde sie plötzlich und unerwartet eine der drei Erben der reichen Grafschaft Gloucester und Hugh erbte in ihrem Namen Glamorgan und andere Besitztümer. In nur wenigen Jahren wandelte sich Hugh von einem landlosen Ritter zu einem der reichsten Magnaten des Königreichs.

Eleanor war auch die Nichte des neuen Königs Edward II. Diese Verbindung brachte Hugh näher an den Englischen Hof. Er gehörte dort zu den Gegnern von Piers Gaveston, 1. Earl of Cornwall, dem Freund und Vertrauten des Königs, und gleichzeitig sein Schwager, der mit Eleanors Schwester verheiratet war. Gierig nach Macht und Reichtum verleibte er sich im Jahr 1315 Thonbridge Castle ein. Im folgenden Jahr ermordete er Llywelyn Bren, einen walisischen Gefangenen, der sich in seiner Obhut befand.

Despenser wurde 1318 zum königlichen Kämmerer ernannt. Als Mitglied des Hofes manöverierte Hugh sich immer weiter in der Gunst von Edward II. nach vorne und ersetzte bald den bisherigen Günstling des Königs, Roger d'Amory.

Ab 1320 entfesselte sich seine Tyrannei. Hugh beschlagnahmte die walisischen Besitzungen aus dem Erbe seiner Frau und ignorierte die Ansprüche seiner beiden Schwager. Er zwang Alice de Lacy, Countess of Lincoln, zur Aufgabe ihres Landes, betrog seine Schwägerin Elizabeth de Clare um Gower und Usk. Er brach Lady Barets Arme und Beine, die darauf in geistige Umnachtung verfiel. Er gelobte Vergeltung an Roger Mortimer, dem Vertrauten der Königin, weil Mortimers Großvater den Großvater von Hugh in der Schlacht von Evesham (1265) getötet hatte, und einmal bemerkte er sogar, dass er es bedaure, nicht auch den Wind beherrschen zu können. Um 1321 hatte er sich so bereits viele Feinde in allen Lagern der Gesellschaft gemacht, angefangen bei der Königin Isabella über den Adel bis hin zum einfachen Volk. Es gab ein bizarres Vorhaben, ihn zu töten, indem Nadeln in sein Wachsebenbild gesteckt werden sollten.

Als der Adel sich bei König Edward II. durchsetzen konnten, wurden Hugh und sein Vater im Jahr 1321 gezwungen, ins Exil zu gehen. Sein Vater floh nach Bordeaux und Hugh wurde Pirat im Englischen Kanal. Das Paar kehrte im darauf folgenden Jahr nach England zurück und König Edward II. setzte Hugh sehr bald wieder in seine Rolle als königlicher Günstling ein. Seine Zeit im Exil hatte nicht zu einer Unterdrückung seiner Gier, seiner Unberechenbarkeit oder seiner Rücksichtslosigkeit geführt.

Die Hinrichtung von Hugh, dem jüngeren Despenser, aus einem Manuskript von Froissart.

Die Königin wurde als Unterhändlerin nach Frankreich geschickt, wo sie im Bündnis mit Roger Mortimer ein Söldnerheer aufstellte und eine Invasion Englands plante. Hugh bemühte sich unterdessen, französische Höflinge zu bestechen, um die Königin zu ermorden. Dieser Plan war erfolglos. Stattdessen ließ er Mortimers Onkel Roger Mortimer of Chirk ermorden, der sich in seiner Obhut befand. Als Mortimer und die Königin 1326 in England einmarschierten, wurde der König zur Abdankung gezwungen, später ebenfalls ermordet. Hughs Vater wurde hingerichtet und Hugh selber wurde gefangen genommen.

Hugh versuchte in der Gefangenschaft, sich zu Tode zu hungern, was misslang, und kam am 24. November 1326 vor Gericht. Er wurde als Verräter und Dieb verurteilt und hingerichtet (hanged, drawn and quartered). Anschließend wurde er geköpft, sein Kopf wurde auf das Stadttor von London gespießt.

Entdeckung der Knochen 2008[Bearbeiten]

2008 wurde von Mary Lewis von der University of Reading das Grab von Hugh le Despenser, in der Hulton Abtei im britischen Ort Staffordshire entdeckt. Sie glaubt, dass das unvollständige Skelett Sir Hugh gehörte. Ihm fehlt der Kopf und es wurde mit einer scharfen Klinge zerteilt. Das Skelett wollte seine Frau ursprünglich in der Familiengruft bestatten. Sie erhielt allerdings nur den Schädel, einen Oberschenkelknochen und einige Rückenwirbel, die sie nach Ansicht der Historikerin in der Abtei des Zisterzienserklosters auf den Ländereien ihres Bruders beisetzte. Genau diese Teile fehlten bei dem jetzt gefundenen Skelett. Die Radiokohlenstoffdatierung ergab ein Alter der Knochen aus der Zeit zwischen 1050 und 1385 und der Verstorbene wurde mindestens 34 Jahre alt.[1][2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ian Mortimer: The Greatest Traitor. St. Martin's, New York 2006. ISBN 0312349416
  • Frances Underhill: For Her Good Estate. St. Martin's, New York 1999. ISBN 0312213557
  • Noel Denholm-Young: Vita Edwardi Secundi; monachi cuiusdam Malmesberiensis. Nelson, London 1957, Clarendon Press, Oxford 2005. ISBN 0199275947
  • Björn Karau: Günstlinge am Hof Edwards II. von England - Aufstieg und Fall der Despensers. MA-Thesis, Kiel 1999. (Freier Download)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Queer:Eduard II.: Grab eines Lovers entdeckt
  2. Kopfloser Sir Hugh. in: Epoc. Spektrum, Heidelberg 2008,3, 9. ISSN 18656-5718