Inuleae

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Inuleae
Rauer Alant (Inula hirta)

Rauer Alant (Inula hirta)

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Inuleae
Wissenschaftlicher Name
Inuleae
Cass.

Die Tribus Inuleae gehört zur Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae). Sie enthält etwa 40 bis 60 Pflanzengattungen mit etwa 500 bis 600 Arten.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration von Buphthalmum salicifolium

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten]

Es sind meist ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, seltener Halbsträucher, Sträucher oder kleine Bäume.

Die in grundständigen Rosetten oder am Stängel verteilt, meist wechselständig, selten gegenständig angeordneten Laubblätter sind gestielt oder ungestielt und meist einfach oder selten fiedrig geteilt. Die Blattränder sind glatt, gezähnt oder gesägt.[1]

Blütenstände, Blüten und Früchte[Bearbeiten]

Blütenkorb von Asteriscus sericeus mit Zungen- und Röhrenblüten
Fruchtstand von Dittrichia viscosa

Die körbchenförmigen Blütenstände stehen manchmal einzeln oder oft in verzweigten, doldentraubigen, rispigen oder traubigen Gesamtblütenständen zusammen. Die Blütenkörbe sind mehr oder weniger scheibenförmig. Die mehr oder weniger in Form und Größe verschiedenen Hüllblätter stehen in selten nur zwei, meist drei bis mehr als sieben Reihen zusammen; ihre Ränder und Spitzen sind meist papierartig. Der flache bis konvexe, selten konkave Korbboden ist meist unbehaart.

Im körbchenförmigen Blütenstand befinden sich Zungen- und Röhrenblüten. Alle Blüten sind meist gelb, manchmal rötlich bis selten purpurfarben. Am Rand befinden sich meist eine, selten zwei oder mehr Reihen zygomorpher Zungenblüten, sogenannte Strahlenblüten; sie sind meist weiblich und fertil. Die radiärsymmetrischen Röhrenblüten, sogenannte Scheibenblüten sind zwittrig und alle fertil mit meist vier-, selten fünf Kronzipfel. Die Staubbeutel besitzen Anhängsel. Am Griffel sind meist keine Anhängsel erkennbar.

Alle Achänen eines Fruchtstandes sind meist gleich und oft gerippt. In diesem Tribus ist meist ein Pappus vorhanden. Die Pappusborsten sind meist bärtig bis selten fedrig.

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Habitus und Blütenkörbe von Chiliadenus glutinosus
Ausschnitt eines Blütenstandes von Dittrichia viscosa mit vielen Blütenkörbchen
Habitus und Blütenkörbe von Geigeria ornativa
Habitus und Gesamtblütenstand mit mehreren Blütenkörbchen von Inula magnifica
Blütenkörbchen von Pallenis spinosa mit vielen Zungen- und noch knospigen Röhrenblüten
Habitus, Laubblätter und Gesamtblütenstand mit mehreren Blütenkörbchen von Pulicaria wightiana
Habitus, Laubblätter und Gesamtblütenstand mit mehreren Blütenkörbchen der Großen Telekie (Telekia speciosa)

Die Tribus Inuleae wurde 1819 durch Alexandre Henri Gabriel de Cassini in Journal de Physique, de Chimie, d'Histoire Naturelle et des Arts, 88, S. 193–195 aufgestellt. Typusgattung ist Inula L.. [2] Der botanische Gattungsname Inula leitet sich aus dem griechischen Wort hinaein für ausleeren, reinigen her, dies bezieht sich auf die abführende Wirkung des „Wurzelstocks“ einiger Inula-Arten.

Aus der früher viel größeren Tribus Inuleae wurden die Tribus Gnaphalieae ausgegliedert; davor hatte dieser Tribus einen Umfang von bis zu 200 Gattungen und 2000 Arten. Die Verwandtschaftsverhältnisse der Gattung der Tribus Inuleae Cass. und Plucheeae (Cass. ex Dum.) Anderberg wurde lange diskutiert und es handelt sich seit Anderberg et al. 2005 um zwei Subtribus Plucheinae Cass. ex Dum. und Inulinae (Cass.) Dum. innerhalb der Tribus Inuleae.

Die Taxa der Tribus Inuleae haben ihre ursprüngliche Heimat hauptsächlich in der Alten Welt. In Nordamerika breiteten sie sich mit einigen Gattungen und vielen Arten hauptsächlich durch den Menschen aus (Neophyten). Das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Eurasien und im nördlichen Afrika. Sie gedeihen in tropischen, subtropischen und gemäßigten Gebieten.

Die Tribus Inuleae enthält etwa (40 bis) 60 Gattungen mit etwa 500 bis 600 Arten:[3][4]

  • Adelostigma Steetz: Die nur zwei Arten sind im tropischen Afrika verbreitet.
  • Allagopappus Cass.: Die zwei Arten immergrüner Sträucher sind auf den Kanarischen Inseln beheimatet.[5]
  • Allopterigeron Dunlop: Sie enthält nur eine Art:
  • Amblyocarpum Fisch. & Mey.: Sie enthält nur eine Art:
  • Antiphiona Merxm.: Die nur zwei Arten kommen nur in Namibia vor.
  • Anvillea DC. (Syn.: Anvilleina Maire): Sie enthält nur zwei Arten im nördlichen Mittelmeerraum.[5]
  • Asteriscus Tourn. ex Mill.: Die etwa acht Arten sind im Mittelmeerraum und Makaronesien verbreitet.
  • Blumea DC. (Syn.: Blumeopsis Gagnepain., Nanothamnus Thoms., Merrittia Merr., Leveillea Vaniot, Placus Lour.): Die (50 bis) etwa 100 Arten sind im tropischen Asien, Afrika und Australien, auf den Philippinen sowie auf pazifischen Inseln verbreitet. In China gibt es etwa 30 Arten, davon sechs nur dort.[7] 2008 neu zur Gattung gestellt wurde:
    • Blumea sericea (Thoms.) Anderb. & A.K.Pandey (Syn.: Nanothamnus sericeus Thoms.): Dieser Endemit kommt nur im westlichen Indien in den Westghats in den Distrikten Nasik, Pune sowie Shimoga in Maharashtra und Kamataka vor. [8]
  • Ochsenaugen (Buphthalmum L.): Die nur zwei bis drei Arten sind in Europa verbreitet:[5][7]
  • Caesulia Roxb.: Sie enthält nur eine Art:
  • Calostephane Benth.: Mit sechs Arten im tropischen Afrika und Madagaskar.
  • Kragenblumen (Carpesium L.): Die etwa 20 Arten sind in Eurasien verbreitet, davon 16 in China.[7]
  • Chiliadenus Cass.: Die etwa zehn Arten sind im Mittelmeerraum verbreitet,[5] beispielsweise:
  • Chrysophthalmum Sch.Bip.: Die etwa drei Arten sind in der Türkei[5], in Syrien und im Irak verbreitet.
  • Coleocoma F.Muell.: Sie enthält nur eine Art:
    • Coleocoma centaurea Roxb.: Sie ist in den nördlichen australischen Bundesstaaten Western Australia sowie Northern Territory verbreitet.
  • Cratystylis S.Moore: Die etwa drei diözischen Arten sind in Australien verbreitet.
  • Delamerea S.Moore: Sie enthält nur eine Art:
  • Dittrichia Greuter: Die nur zwei im Mittelmeerraum beheimateten Arten sind fast weltweit Neophyten:[1]
  • Duhaldea DC.: Die etwa 14 Arten sind in Afrika, im zentralen und östlichen Asien sowie Südostasien verbreitet. In China gibt es acht Arten, drei davon nur dort.
  • Epaltes Cass.: Die etwa 14 Arten sind in Afrika, Asien, Australien, Zentral- und Südamerika verbreitet.
  • Geigeria Griess.: Von den etwa 27 Arten sind 21 in der Capensis und die restlichen Arten in anderen Teilen Afrikas verbreitet.
  • Ighermia Wikl.: Sie enthält nur eine Art:
  • Alant (Inula L.): Die etwa 100 Arten sind in Afrika und Eurasien verbreitet. In China gibt es 17 Arten davon drei nur dort. Drei Arten sind in vielen Gebieten der Welt Neophyten.[7]
  • Iphiona Cass.: Die elf Arten sind in Ägypten, Israel, Jordanien, Sudan, Äthiopien, Somalia, Saudi-Arabien, Jemen, Oman, Iran und Pakistan verbreitet.
  • Iphionopsis A.Anderb.: Die nur drei Arten sind in Afrika einschließlich Madagaskar verbreitet.
  • Jasonia Cass.: Sie enthält nur noch eine Art:
    • Jasonia tuberosa (L.) DC. (Syn.: Jasonia obtusifolia Pau): Sie kommt wohl nur in Spanien vor.[5]
  • Karelinia Less.: Sie enthält nur eine Art:
    • Karelinia caspia (Pallas) Lessing: Sie kommt im zentralen und südwestlichen Asien, Kaspische Region vor.
  • Laggera Schultz Bip. ex C. Koch: Die etwa 17 Arten sind im tropischen Afrika, Arabien und Asien verbreitet.
  • Lifago Schweinf. & Muschl.: Sie enthält nur eine Art:
    • Lifago dielsii Schweinf. & Muschl. (Syn.: Niclouxia saharae Batt.): Sie kommt in Algerien und Marokko vor.[5]
  • Limbarda Adans.: Sie enthält in Eurasien sowie Nordafrika die beiden Arten:
  • Monarrhenus Cass.: Die nur zwei Arten kommen nur auf Mauritius und Réunion vor.
  • Neojeffreya Cabr.: Sie enthält nur eine Art:
    • Neojeffreya decurrens (L.) Cabrera: Sie stammt aus Madagaskar und ist heute in Teilen Afrikas verbreitet.
  • Ondetia Benth.: Sie enthält nur eine Art:
  • Pallenis Cass.: Die drei bis sechs Arten sind im Mittelmeerraum und im Nahen Osten verbreitet.[5]
  • Pechuel-Loeschea O.Hoffm.: Sie enthält nur eine Art:
  • Pegolettia Cass.: Die etwa neun Arten sind in Afrika und im Nahen Osten verbreitet; alle kommen auch in der Capensis vor.
  • Pentanema Cass.: Die etwa 17 bis 18 Arten sind in Afrika, zentralen und südlichen Asien sowie Südostasien verbreitet.
  • Perralderia Coss.: Die nur drei Arten und zwei Unterarten sind in Nordafrika verbreitet.[5]
  • Pluchea Cass.: Die etwa 80 Arten sind in Afrika, Südostasien, Australien, der Neuen Welt und auf pazifischen Inseln verbreitet.
  • Pseudoblepharispermum Lebrun & Stork: Die nur zwei Arten sind in Ostafrika verbreitet.
  • Pseudoconyza Cuatr.: Sie enthält nur eine Art:
    • Pseudoconyza viscosa (Mill.) D’Arcy: Sie kommt in Zentralamerika, Afrika, südwestlichen Asien, auf dem Indischen Subkontinent und in Taiwan vor.[7]
  • Pterocaulon Elliot: Die etwa 18 Arten sind in Südostasien, Australien, Nord- und Südamerika verbreitet.
  • Flohkräuter (Pulicaria Gaertn.): Die 77 bis über 100 Arten sind in Afrika und Eurasien verbreitet.
  • Rhanteriopsis S.Rauschert: Die vier Arten besitzen ein westliches Verbreitungsgebiet im Libanon und Syrien und ein östliches Verbreitungsgebiet im Iran und Irak entlang der iranischen Grenze.
  • Rhanterium Desf.: Die etwa drei Arten sind im westlichen Nordafrika, der Arabischen Halbinsel, Irak und Iran verbreitet.
  • Rhodogeron Griseb.: Sie enthält nur eine Art:
  • Schizogyne Cass.: Die nur zwei Arten kommen nur auf Kanarischen Inseln vor.[5]
  • Sphaeranthus L.: Die etwa drei Arten sind im tropischen bis subtropischen Afrika und Asien, einige Arten auch in Australien verbreitet.
  • Stenachaenium Benth.: Die etwa fünf Arten sind in Südafrika verbreitet.
  • Telekia Baumg.: Sie enthält nur noch eine Art:
    • Große Telekie (Telekia speciosa (Schreb.) Baumg., Syn.: Telekia cordifolia DC.): Sie ist in der nördlichen Türkei, in der Kaukasusregion, in Osteuropa (Ungarn, Polen, Slowakei, Ukraine) und Südosteuropa verbreitet.[5]
  • Thespidium F.Muell. ex Benth.: Sie enthält nur eine Art:
    • Thespidium basiflorum F.Muell.: Sie ist in den nördlichen australischen Bundesstaaten Western Australia, Northern Territory sowie Queensland verbreitet.
  • Triplocephalum O.Hoffm.: Sie enthält nur eine Art:
  • Varthemia DC.: Sie enthält nur eine Art:
  • Vieraea Webb & Berth.: Sie enthält nur eine Art:
  • Xerolekia Anderb.: Sie enthält nur eine Art:

Quellen[Bearbeiten]

  • Chen Yousheng & Arne Anderberg: Tribe Inuleae, S. 820-845 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-Yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Herausgeber): Flora of China, Volume 20–21 - Asteraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 12. November 2011. ISBN 978-1-935641-07-0 (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
  • Rubén Torices, Arne A. Anderberg: Phylogenetic analysis of sexual systems in Inuleae (Asteraceae). In: American Journal of Botany, Volume 96, Issue 5, Mai 2009, S. 1011-1019. doi:10.3732/ajb.0800231 (Abschnitt Systematik)
  • Jose L. Panero, Vicki A. Funk: The value of sampling anomalous taxa in phylogenetic studies: Major clades of the Asteraceae revealed. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 47, Nr. 2, 2008, S. 757-782, DOI:10.1016/j.ympev.2008.02.011, PDF-Datei.
  • Arne A. Anderberg, Pia Eldenäs: Tribe Inuleae. In: Joachim W. Kadereit, Charles Jeffrey (Hrsg.): The Families and Genera of Vascular Plants. Volume 8: Flowering Plants: Eudicots, Asterales. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2007, ISBN 978-3-540-31050-1, S. 374–391.
  • Theodore M. Barkley, Luc Brouillet & John L. Strother: Asteraceae: Tribus Inuleae, S. 471 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 19 - Magnoliophyta: Asteridae (in part): Asteraceae, part 1., Oxford University Press, New York und Oxford 2006, ISBN 0-19-530563-9 (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
  • Arne A. Anderberg, Pia Eldenäs, Randall J. Bayer & Markus Englund: Evolutionary relationships in the Asteraceae tribe Inuleae (incl. Plucheeae) evidenced by DNA sequences of ndhF; with notes on the systematic positions of some aberrant genera. In: Organisms Diversity & Evolution. Band 5, Nr. 2, Juni 2005, S. 135-146, DOI:10.1016/j.ode.2004.10.015, Volltext.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Theodore M. Barkley, Luc Brouillet & John L. Strother: Asteraceae: Tribus Inuleae, S. 471 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico, Volume 19 - Magnoliophyta: Asteridae (in part): Asteraceae, part 1., Oxford University Press, New York und Oxford 2006. ISBN 0-19-530563-9
  2. Inuleae bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. Key to the genera of the Inuleae aus Checklist of the Compositae of Bolivia.
  4. Taxon in Suchmaske eingeben bei The Global Compositae Checklist.
  5. a b c d e f g h i j k l m n o p q r Werner Greuter, 2006+: Compositae (pro parte majore). In: Werner Greuter & E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. in Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.: Datenblatt Inuleae.
  6. C. R. Dunlop: Allopterigeron Dunlop, a new genus from Northern Australia. In: Journal of the Adelaide Botanic Gardens , Volume 3, Issue 2, 1981, S. 183-186. Volltext-PDF
  7. a b c d e Chen Yousheng & Arne Anderberg: Tribe Inuleae, S. 820-845 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-Yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Herausgeber): Flora of China, Volume 20–21 - Asteraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 12. November 2011. ISBN 978-1-935641-07-0
  8. Arne A. Anderberg, Arun K. Pandey: Nanothamnus sericeus Thomson, a derived species of Blumea In: Compositae newsletter, Volume 46, 2008, S. 8-13. [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Inuleae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien