Jaroslaw Stezko

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Jaroslaw Stezko (vor 1936)
Jaroslaw und Slawa Stezko. Gedenktafel in München mit der Signatur des Staatspräsidenten der Ukraine

Jaroslaw Stezko (* 19. Januar 1912 in Ternopil, Österreich-Ungarn; † 5. Juli 1986 in München) war ein ukrainischer Exilpolitiker.

Leben[Bearbeiten]

Jaroslaw Stezko wurde als Angehöriger der ukrainischen Bevölkerung im zu Österreich gehörenden Galizien geboren. Nach Ende des Ersten Weltkriegs und nach dem Ende des verlorenen Unabhängigkeitskampfes der Ukrainer, dem Ende der Polnisch-Ukrainischer Kriegs und des Polnisch-Sowjetischen Kriegs gehörte die Ukraine zur Sowjetunion, zu Polen und Rumänien und zur Tschechoslowakei.

Stezko besuchte als Angehöriger der ukrainischen Minderheit in Polen in Ternopil das Gymnasium und studierte von 1929 bis 1934 Philosophie und Jura in Krakau und Lemberg. Schon als Jugendlicher wurde er Mitglied in der nationalen Jugendorganisation der Ukrainer, dann deren paramilitärischer Organisation und der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN).[1] Als 1932 Stepan Bandera erstmals stellvertretender Landesleiter der OUN wurde, wurde Stezko Stellvertreter des politisch-ideologischen Referenten.[2] Da die OUN im Konflikt mit der polnischen Mehrheitsgesellschaft sich Hoffnungen auf die deutsche Außenpolitik machte, gehörte er zu den Teilnehmern einer OUN-Konferenz, die nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten Anfang Juni 1933 in Berlin tagte.[3] Die OUN-Führer wurden wiederholt von der polnischen politischen Polizei festgenommen. Nach dem Pieracki-Attentat gehörte Stezko zu den zwölf OUN-Führern, denen von November 1935 bis Januar 1936 in Warschau ein politischer Prozess gemacht wurde, in welchem langjährige Haftstrafen gefällt wurden, sowie Bandera und zwei weitere Ukrainer zum Tode verurteilt - auch wenn dieses nicht vollstreckt wurde - und Stezko zu fünf Jahren Haft, aus der er nach der Hälfte der Zeit entlassen wurde.[4] 1939 war Stezko Organisator des OUN-Kongresses, der in Rom stattfand.

Nach dem Hitler-Stalin-Pakt und der deutschen und sowjetischen Besetzung Polens 1939 gehörte die Region Galizien zur Sowjetunion. Stezko hingegen orientierte sich an das Deutsche Reich und wurde 1940 im Generalgouvernement in Krakau zum Stellvertreter von Bandera im radikalen Flügel der OUN-B gewählt.[1] Eine Woche nach dem Überfall der Deutschen auf die Sowjetunion verfasste Stezko die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine und wurde am 30. Juni 1941 von einer Versammlung von OUN-B Angehörigen in Lemberg als Präsident der Ukraine ausgerufen.[5][1] Da dieses den deutschen Intentionen widersprach, wurden die Politiker der OUN von der Gestapo am 12. Juli 1941 verhaftet.[1] Bandera und Stezko machten in Berlin verschiedene Kooperationsangebote, die aber von den Deutschen nicht verfolgt wurden. Ab Januar 1942 war Stezko Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen. Im April 1944 wurden Stepan Bandera und sein Stellvertreter Jaroslaw Stetzko von Otto Skorzeny angesprochen, um Pläne für Ablenkungsmanöver und Sabotage gegenüber der Sowjetunion zu diskutieren.[6]

Im September 1944 wurde er dort freigelassen, als wegen der veränderten Kriegslage die Deutschen versuchten, doch noch ukrainische Streitkräfte und Partisanen gegen die Alliierten zu mobilisieren.[1]

Nach Kriegsende blieb Stezko in Westdeutschland, wo sich ukrainische Kollaborateure und ehemalige Zwangsarbeiter sammelten und von dort teilweise nach Übersee auswanderten. Stezko ließ sich in München nieder, wo er die Organisation Anti-Bolshevik Bloc of Nations (A.B.N.) gründete und bis zu seinem Tod 1986 leitete.[1] Die Organisation wurde von der Republik China unterstützt. Er wurde auch Präsidiumsmitglied der World Anti-Communist League, heute als World League for Freedom and Democracy bekannt (dt. Weltliga für Freiheit und Demokratie). Von 1968 bis zu seinem Tod war er dann alleiniger Führer der OUN-B.

Stezkos ebenfalls politisch aktive Frau Jaroslawa Stezko (1920–2003) erlebte noch die Unabhängigkeit der Ukraine 1991 und wurde Abgeordnete des Kongresses Ukrainischer Nationalisten (KUN), der Nachfolgeorganisation der OUN, im Werchowna Rada.

Antisemitismus[Bearbeiten]

Im August 1941 verfasst Stetzko eine autobiographische Schrift, mit der er sich an die deutschen Machthaber wendet. Dieses Schriftstück beinhaltet einige beachtenswerte antisemitische Passagen, so liest man dort unter anderem:

„Moskau und die Juden sind die größten Feinde der Ukraine. Als Hauptfeind betrachte ich Moskau, welches die Ukraine mit Gewalt in Unfreiheit gehalten hat, nicht weniger beurteile ich die Juden als ein schädliches und feindliches Schicksal, die Moskau helfen die Ukraine zu verknechten. Daher beharre ich auf dem Standpunkt einer Vernichtung der Juden und der zweckdienlichen Einführung deutscher Methoden der Extermination der Juden in der Ukraine, ihre Assimilation ausschließend.“[7]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Weltgefahr unserer Zeit. München : ABN, 1980
  • The present stage of the national liberation struggle of the subjugated nations. München : ABN, 1974

Literatur[Bearbeiten]

  • Encyclopedia of Ukraine. Band 5. St - Z. Toronto : Univ. of Toronto Press, 1993

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Lemma Stetsko, Yaroslav, in: Encyclopedia of Ukraine. Band 5, 1993, S. 55
  2. Frank Golczewski: Deutsche und Ukrainer 1914 - 1939. Paderborn : Schöningh 2010, S. 564
  3. Frank Golczewski: Deutsche und Ukrainer 1914 - 1939. Paderborn : Schöningh 2010, S. 643
  4. Frank Golczewski: Deutsche und Ukrainer 1914 - 1939. Paderborn : Schöningh 2010, S. 699
  5. Olesja Issajuk: Hitler ausspielen, bei Ukrajinskyj Tyshden, 30. Juni 2011
  6. Завдання підривної діяльності проти Червоної армії обговорювалося на нараді під Берліном у квітні того ж року (1944) між керівником таємних операцій вермахту О.Скорцені й лідерами українських націоналістів С.бандерою та Я.Стецьком» D.Vyedeneyev und O.Lysenko, Die OUN und ausländische Geheimdienste 1920s–1950s. Ukrainian Historical Magazine 3, Institute of History National Academy of Sciences of Ukraine, 2009 S. 137 http://www.history.org.ua/JournALL/journal/2009/3/11.pdf (Archivkopie)
  7. K. C. Berkhoff, M. Carynnyk: The Organization of Ukrainian Nationalists. S. 162. И. Б. Кабанчик: Евреи на Украине. Учебно-методические материалы. Составитель. Lwiw (Львов), 2004; S. 187. А. Р. Дюков: Второстепенный враг. ОУН, УПА и решение „еврейского вопроса“. Монография / Послесл. Ю.Шевцова. Мoskau: Regnum, 2008; ISBN 978-5-91150-028-3; S. 16