Johannes Aventinus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johannes Aventinus

Johannes Aventinus (* 4. Juli 1477 in Abensberg (Niederbayern); † 9. Januar 1534 in Regensburg) war ein deutscher Historiker und Hofhistoriograph. Er hieß eigentlich Johann Georg Turmair. Seinen Namen latinisierte er zu Aventinus (‚der Abensberger‘). Er gilt als ein Wegbereiter der klassischen Philologie in Deutschland.

Leben[Bearbeiten]

Aventinus-Denkmal in Abensberg

Aventinus studierte ab 1495 an den Hochschulen von Ingolstadt, Wien, Krakau und Paris. Er bevorzugte dabei humanistische Studienfächer. In Ingolstadt und Wien schloss sich Aventinus besonders an Conrad Celtis an, der sein Interesse auch auf die deutsche Geschichte lenkte. Aus Paris kehrte er mit der Würde eines Magisters heim und hielt von 1507 an in Ingolstadt Privatvorlesungen. Herzog Wilhelm IV. von Bayern beauftragte Aventinus 1509 mit der Erziehung seiner beiden jüngeren Brüder Ludwig und Ernst. Zum Gebrauch für seine Zöglinge schrieb er 1512 eine lateinische Grammatik, die sehr gut ankam und weit verbreitet wurde (Rudimenta grammaticae latinae). Als Ernst 1516 an der Universität Ingolstadt studieren sollte, schrieb er für ihn eine systematische Darstellung der Wissenschaften, die er Encyclopedia nannte und erstmals 1517 als Anhang zu seiner Grammatik veröffentlichte. Es ist die erste bekannte gedruckte Enzyklopädie.

1517 wurde Aventinus zum bayerischen Hofhistoriographen ernannt und entfaltete in dieser Funktion rege Aktivitäten. Mit Martin Luther und besonders mit Philipp Melanchthon stand Aventinus in einem regen Gedankenaustausch. 1528 wurde er wegen einer angeblichen Übertretung der kirchlichen Fastengebote vorübergehend inhaftiert.

Als sein Hauptwerk gelten die zwischen 1517 und 1522 entstandenen Annales ducum Boiariae, in denen er die bayerische Geschichte bis zum Jahre 1460 behandelte. Die Bairische Chronik (geschaffen 1526–1533), eine deutsche Bearbeitung seiner Annalen, ist volkstümlicher geschrieben und besticht durch eine freie und unabhängige Denkweise in nationalen und kirchlichen Fragen. Johann Wolfgang von Goethe äußerte sich später lobend über dieses Werk.

Aventinus-Grabplatte St. Emmeram Regensburg

Im Jahr 1523 gab Aventinus die erste Karte von Bayern heraus. Er verfasste auch ein Lehrbuch für den Bereich Musik. Im Bereich der Mathematik verfasste er eine Arbeit über das römische Rechenwesen. Aventins Lateinische Grammatik wurde zum Lehrbuch an der Landesuniversität von Ingolstadt.

Begraben wurde Aventin im Kloster Sankt Emmeram in Regensburg. Nach ihm benannt wurden

Eine Büste des Geschichtsschreibers ließ König Ludwig I. von Bayern in der Walhalla und in der Ruhmeshalle in München aufstellen.

Schriften[Bearbeiten]

  • Annales ducum Bavariae (1511 im Manuskript, BSB München clm 967)
  • Grammatica nova fundamentalis (1512)
  • Annales Schyrenses (1517 verfasst, Chronik des Klosters Scheyern)
  • Rudimenta gramaticae… Encyclopedia orbisque doctrinarum in calce…. Ingolstadt: Erhard Sampach 1517
  • Altöttinger Chronik (dt. Version von 1519)
  • Ursachen des Türkenkrieges (1526 verfasst)
  • Annales ducum Boiariae (1516 - 1522 verfasst, 1554 erschienen)
  • Baierische Chronik, deutsche Version der Annales (etwa 1526 - 1533 verfasst, 1556 erschienen),
  • Johannes Turmair's genannt Aventinus sämmtliche Werke / auf Veranlassung Seiner Majestät des Königs von Bayern herausgegeben von der K. Akademie der Wissenschaften. München: Christian Kaiser 1881-1908 (Gesamtausgabe, 6 Bde.) Zur digitalen Volltextausgabe

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johannes Aventinus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Johannes Aventinus – Quellen und Volltexte