John Vereker, 6. Viscount Gort

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John Vereker, 6. Viscount Gort (Mitte) in Arras, 1939 oder 1940

John Standish Surtees Prendergast Vereker, 6. Viscount Gort, VC, GCB, CBE, DSO, MVO, MC (* 10. Juli 1886 in London; † 31. März 1946 in London), meist Lord Gort genannt, war ein britischer Feldmarschall. Er kommandierte die British Expeditionary Force während der deutschen Eroberung Frankreichs, war Gouverneur von Gibraltar und Malta und Hochkommissar in Palästina und Transjordanien.

Leben[Bearbeiten]

John Vereker wurde in London geboren und wuchs in Durham und auf der Isle of Wight auf. Er stammte aus einer Familie des britischen Adels. Er ging in Harrow zur Schule. Nachdem sein Vater John Gage Prendergast Vereker gestorben war, erbte er im Alter von 16 Jahren die Würde eines Viscount Gort.

Im Jahre 1904 trat Vereker in die Armee ein und besuchte die Royal Military Academy. Im folgenden Jahre wurde er als Offizier den Grenadier Guards zugewiesen. Bei dem Staatsbegräbnis für König Edward VII. 1910 befehligte er die Sargträger.

Vereker heiratete im darauf folgenden Jahr Corinna Vereker, eine Cousine zweiten Grades, mit der er in den nächsten Jahren einen Sohn und zwei Töchter hatte. Die Ehe wurde 1925 geschieden.

1913 wurde er Adjutant des Kommandierenden Generals des Militärdistrikts London.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Vereker hatte bei Beginn des Ersten Weltkrieges den Rang eines Hauptmann erreicht. Er diente während des gesamten Krieges mit seiner Einheit an der Westfront.

Aufgrund seiner herausragenden Tapferkeit wurde er neunmal namentlich in den offiziellen Kriegsberichten in der London Gazette erwähnt (Mentioned in Despatches, vergleichbar der Nennung im Wehrmachtbericht für deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg), was im Ersten Weltkrieg von keinem anderen Soldaten der britischen Streitkräfte erreicht wurde. Ihm wurden das Military Cross sowie – dreimal – der Distinguished Service Order verliehen, beides Kriegsauszeichnungen.

1918 erhielt er, inzwischen zum Oberstleutnant befördert, das Victoria-Kreuz, die höchste Auszeichnung Großbritanniens für überragende Tapferkeit im Angesicht des Feindes. Er hat in der Nähe des Canal du Nord, obgleich mehrfach verwundet, trotz schweren Abwehrfeuers einen erfolgreichen Angriff seines Bataillons, dem 1st Battalion - The Grenadier Guards, persönlich angeführt.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Nachdem er den Stabsoffizierslehrgang absolviert hatte, wurde Vereker in der Infanterieausbildung eingesetzt. Nach einer Auslandsverwendung in China befehligte er zwei Jahre lang die Guards Brigade in London. Es folgte ein Einsatz bei der British Indian Army, bis er für ein Jahr Kommandant des Staff College Camberley wurde.

1937 wurde Vereker vom Major-General unter Auslassung des Ranges Lieutenant General direkt zum General befördert und zur Überraschung vieler zum Chef des Imperialen Generalstabes ernannt. Er setzte sich für den verstärkten Ausbau des Heeres ein.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Lord Gort mit seinem Generalstabschef Henry Royds Pownall beim Kartenstudium, Habarcq, 26. November 1939

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Vereker zum Oberbefehlshaber der British Expeditionary Force in Frankreich ernannt. Nachdem der deutsche Vorstoß durch die Ardennen die alliierten Streitkräfte gespalten hatte, zog er die britischen Truppen zusammen mit alliierten Verbänden an die Küste zurück, von wo aus sie während der Schlacht um Dünkirchen nach Großbritannien evakuiert werden konnten (Operation Dynamo).

Verekers Rolle als Kommandeur wird dabei bis heute kontrovers diskutiert. Einerseits war die Disposition der Truppen konventionell und der deutschen Taktik nicht gewachsen, andererseits ermöglichten seine Befehle die Rückführung von Tausenden von gut ausgebildeten Soldaten.

Ein weiteres Truppenkommando erhielt Vereker nicht mehr. Er wurde zunächst persönlicher Militäradjutant von König Georg VI., dann Gouverneur von Gibraltar (1941/42) und Malta (1942-1944), wo er sich wiederum durch persönlichen Mut und Führungsqualitäten auszeichnete. 1943 wurde er zum Feldmarschall ernannt. Das Kriegsende erlebte er als britischer Hochkommissar im Völkerbundsmandat für Palästina.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im November 1945 wurde bei Vereker Krebs diagnostiziert. Drei Monate später erhielt er den Titel eines Viscount in der Peerage of the United Kingdom verliehen, womit er auch einen Sitz im House of Lords erhielt. Zwar hatte Gort einen gleichnamigen Titel bereits seit dem Tod seines Vaters inne, doch gehörte der ererbte Titel zur Peerage of Ireland, deren Inhaber nicht automatisch Mitglieder des House of Lords waren.

Als Viscount Gort in der Peerage of the United Kingdom konnte er nun zwar in das House of Lords einziehen, doch erlosch der neue Titel im folgenden Monat mit dem Tode des Feldmarschalls, da sein eigener Sohn bereits vorher ohne männlichen Abkömmling verstorben war. Der Titel eines Viscount Gort in der Peerage of Ireland ging auf seinen jüngeren Bruder über.

Feldmarschall Lord Gort war der Schwiegervater von William Sidney, 1. Viscount De L'Isle. Bei der Verleihung des Victoria-Kreuzes an diesen im Jahre 1944 war er anwesend.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Vereker, 6. Viscount Gort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Cyril Deverell Chef des Imperialen Generalstabes
1937–1939
Edmund Ironside
Clive Gerard Liddell Gouverneur von Gibraltar
1941–1942
Noel Mason-Macfarlane
William Dobbie Gouverneur von Malta
1942–1944
Edmond Charles Acton Schreiber
Harold MacMichael Hochkommissar von Palästina
1944–1945
Alan Gordon Cunningham
John Gage Prendergast Vereker Viscount Gort
1902–1946
Standish Vereker