John von Collas

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John von Collas, preußischer Gelehrter und Baumeister
Das Wappen der
Familie von Collas

John von Collas, auch Johann von Collas, vormals Jean de Collas (* 11. November 1678 in Sedan, Frankreich; † 16. Juni 1753 auf Gut Weißenstein bei Gutenfeld, Landkreis Königsberg, Ostpreußen) war ein preußischer Gelehrter und Baumeister.

Zur Person[Bearbeiten]

John von Collas war bereits als 22-jähriger Dr. aller Fakultäten und Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu London, kam 1701 von London nach Ostpreußen, wurde hier königlich preußischer Oberstleutnant, königlich preußischer Direktor der Geometer (Ernennung 5. Oktober 1711) und Kammerrat (1712–1735), Oberingenieur (Patent vom 22. Januar 1714) und vielseitiger Gelehrter (z.B. anerkannter Mathematiker, er dichtete auf Latein) und berühmter Baumeister. Er war auch hier Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften (erwähnt 1704). Durch seine Verdienste erwarb er die Güter Dommelkeim (im späteren Landkreis Bartenstein (Ostpr.)) (1703–1753), Naujeninken (1703–1731), Brandwehten (1703–1731), Perkuhnen (1717–1731) und Sauerwalde (1720–1731), alle im Kr. Ragnit, Laugallen (1718–1731), Kraupischkehmen, Kr. Gumbinnen (1718–1731), Weißenstein bei Gutenfeld, Kr. Königsberg (Erbteilung 1721–1753), mehrere Häuser und Grundstücke in Wehlau (1721–1753) bei Königsberg und Borchersdorf (1724–1753) im Landkreis Neidenburg; insgesamt besaß Collas 165 preußische Hufen (ca. 2.720 Hektar) Grund und Boden.

Familie[Bearbeiten]

Collas entstammte einer alten französischen Hugenottenfamilie, die ihren Ursprung im 14. Jahrhundert in der Normandie hat, und war der Sohn des Antoine de Collas († 1693), Rat und Edelmann von William Russell, 5. Earl of Bedford (1616–1700); seit 1694 Duke of Bedford in England, und der Elisabeth de Vilain († 1681) aus Flandern.

Er heiratete in Königsberg am 30. April 1716 Charlotte Pelet, aus dem Hause Weißenstein-Glaubitten (* 27. Februar 1700 in Königsberg; † 29. Dezember 1751), Tochter des Hofkaufmanns Pierre Pelet in Königsberg, Herr auf Gut Weißenstein, und der Maria Elisabeth Salomon aus Hamburg. Seine einzige Tochter Charlotte Maria Rahel von Collas (1723–1794) heiratete 1750 den königlich preußischen Generalmajor Paul von Natalis (1720–1789). Sein Sohn Johann Jakob von Collas (1721–1792) war von Friedrich dem Großen knapp 27 Jahre (1760–1786) auf der Festung Magdeburg interniert worden.

Johns Enkel, Friedrich von Collas (1760–1836), überließ 1796 dem preußischen König Friedrich Wilhelm II. die aus dem Besitz seines Großvaters stammenden Zeichnungen und Schriften über das Königreich Preußen, erhielt von diesem durch Handschreiben vom 25. November 1796 hierfür "eine Expectanz auf das Stift Unser lieben Frauen in Halberstadt confirmiret" und wurde, nachdem er noch von König Friedrich Wilhelm III. am 3. Februar 1801 auf die nächste Vakanz vertröstet worden war, schließlich mit einer Domherrenstelle beliehen.

Leben[Bearbeiten]

John von Collas, noch als Jean de Collas in der französischen Hugenottenhochburg Sedan geboren, verliert schon 1681 mit drei Jahren seine Mutter, muss 1685 nach der Aufhebung des Edikts von Nantes durch das Edikt von Fontainebleau (18. Oktober 1685) mit Vater und Geschwistern als verfolgte Hugenotten im Gefolge des Prinzen Wilhelm von Oranien (1650–1702) in die Niederlande fliehen. Der Collas-Vater ist ein enger Vertrauter des Prinzen Wilhelm.

1688 zieht die Collas-Familie mit dem Prinzen weiter nach London. Dort wächst Collas im Hause von William Russell, 5. Earl of Bedford in Covent Garden und auf dessen Gütern in Woburn Abbey auf, mit dem Johns Vater Antoine befreundet ist. Schon 1688 ist Collas Page bei der Enkelin des Dukes, Lady Mary Butler (1646–1707), die mit William Cavendish, 4. Earl of Devonshire (1640-1707) verheiratet ist. Beide Adligen verhelfen Wilhelm von Oranien auf den englischen Thron (1689), weshalb sie 1694 zum Duke erhoben werden.

Anschließend ist Collas Page bei Maria II. Stuart (1662–1694), der Ehefrau des Prinzen Wilhelm, der als Wilhelm III. König von England wird. Beim Krönungsakt in der Westminster Abbey am 11. April 1689 trägt Collas die Schleppe der Königin.

Nach dem Tod des Vaters im Dezember 1693 wird Collas als 15-jähriger der Vormundschaft seines Vetters Daniel Poulce, Kammerherr bei der Königin, unterstellt. Schon als 22-jähriger ist Collas in London ein anerkannter Wissenschaftler und Mitglied der Akademie der Wissenschaften.

Im Herbst 1701 kommt John von Collas als 23-jähriger im Zuge einer Asien-Reise zusammen mit Reichsgraf Heinrich XXIV. von Reuß-Plauen nach Königsberg; im Winter 1701/1702 ist er Gast des Generalleutnants Graf Joachim Heinrich Truchseß von Waldburg in Langheim, Kreis Rastenburg, wo er mit den hervorragendsten Vertretern ostpreußischer Adelsgeschlechter bekannt wird. Collas entschließt sich 1703 zur Aufgabe der Asien-Reise und zu dauerndem Aufenthalt in Ostpreußen und erwirbt deshalb zunächst das Gut Dommelkeim im Samland. Nach beruflicher Tätigkeit als Wissenschaftler und erfolgreicher Baumeister setzt er sich wohl 1734 zur Ruhe, verbringt seinen Lebensabend auf Weißenstein mit der Bewirtschaftung seiner Güter, ohne aber seine wissenschaftliche Beschäftigung aufzugeben.

John von Collas, geboren als Jean de Collas, dürfte mit dem 8 Jahre älteren Jean de Bodt (1670–1745), Architekt des Berliner Zeughauses und später auch kurfürstlich sächsischer General, bekannt gewesen sein: Beide flohen 1685 als verfolgte Hugenotten im Gefolge Wilhelms von Oranien zunächst aus Frankreich nach Holland, dann gingen sie 1688 beide nach London und kamen beide als Architekten um 1700 nach Preußen - Bodt in 1699, Collas in 1701.

Werke[Bearbeiten]

Schloss Friedrichstein
Schloss Dönhoffstädt
Schloss Carwinden um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Wissenschaft[Bearbeiten]

John von Collas ist der Autor umfangreicher Fachliteratur der Architektur und Mathematik, der Schiffbaukunst und Navigation in deutscher, lateinischer, englischer und französischer Sprache. Zitat: „John von Collas war ein eminent fleißiger und hochbegabter Mann, der überdurch-schnittliche Fähigkeiten vereinigte. ..... Als Formel sei ausgesprochen, dass Collas wie mancher andere damals ein typisch universaler Barockmensch gewesen ist.“ Viele seiner Schriften blieben allerdings Handschriften, die niemals gedruckt wurden.

Beispiele seiner Schriften:

  • Vollständiger Gebrauch der Civil-Baukunst, oder eine vollkommene Anweisung zu der Civil-Architectur
  • Specification derer Ämter u. Beambten im Amt Isenburg, Königsberg 1714 (Staatsarchiv Königsberg E.M. 4a71).
  • Wahre Beschreibung des Königreichs Preußen und deßen Interesse, sowohl in Oeconomicis, fremden und einheimischen Commerciis, als Politicis zu Krieg und Friedenszeiten. - mit 32 Karten von allen Hauptämtern Preußens und „Abrissen der vornehmsten Städte, Festungen, Paläste und Lusthäuser“.
  • Landkarte Preußens, auf vier Bogen mit der Feder gezeichnet.

Bauwerke[Bearbeiten]

Collas erbaute u.a. die ostpreußischen Schlösser Jäskendorf im Landkreis Mohrungen (Ostpreußen), Schloss Finckenstein im Kreis Rosenberg (Westpreußen), Friedrichstein (1709–1714 für Graf Otto Magnus von Dönhoff nach Plänen des Berliner Zeughausarchitekten Jean de Bodt) und im ostpreußischen Landkreis Rastenburg das Schloss Dönhoffstädt (1710–1716 für Graf Bogislav Friedrich von Dönhoff in Anlehnung an Friedrichstein). Außerdem baute er das Schloss Carwinden etwa 1720 um.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • In der Stadt Schippenbeil, Kr. Bartenstein, wurde nach ihm der Collas-Platz benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

(chronologisch)

  • Georg Christoph Pisanski: Entwurf einer preußischen Literärgeschichte in vier Büchern. Hartung, Königsberg 1886, S. 677, 692 und 698.
  • Wilhelm Tesdorpf: John von Collas, ein preußischer Ingenieur und Baumeister des 18. Jahrhunderts und seine Zeichnungen von Schlössern des Deutschen Ordens im Samlande. Verlag Wilhelm Koch, Königsberg 1892.
  • Bogislav von Archenholz: Die verlassenen Schlösser. Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main - Berlin, 1967, S. 191.
  • Udo von Alvensleben: Besuche vor dem Untergang. Adelssitze zwischen Altmark und Masuren. Aus Tagebuchaufzeichnungen von Udo von Alvensleben. Zusammengestellt und herausgegeben von Harald von Koenigswald. Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main - Berlin 1968, S. 35 und 46f.
  • Carl von Lorck: Neue Forschungen über die Landschlösser und Gutshäuser in Ost- und Westpreußen. Weidlich, Frankfurt am Main 1969, S. 26–29.
  • Christian Krollmann (Hg.): Altpreußische Biographie. Herausgegeben im Auftrag der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung, Bd. 1: Abegg - Malten. Elwert, Marburg 1974, S. 108.
  • Erich Weise (Hg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1981. ISBN 3-520-31701-X. S IL.
  • Sigismund von Dobschütz: Die Hugenotten-Familie von Collas - Eine Stammliste über mehr als 600 Jahre und 20 Generationen von 1390 bis heute. In: Genealogie. Verlag Degener & Co, Neustadt (Aisch) ISSN 0016-6383. Heft 3-4/1998, S. 465f. und Heft 5-6/1999, S. 542f.

Weblinks[Bearbeiten]