Jolene (Lied)

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Jolene
Dolly Parton
Veröffentlichung Oktober 1973
Länge 2:41
Genre(s) Country-Musik
Autor(en) Dolly Parton
Verlag(e) RCA
Auszeichnung(en) 2 Grammy-Nominierungen (1975, 1976)
Album Jolene
Coverversionen
1985 Strawberry Switchblade
2004 The White Stripes

Jolene ist der Titel eines der bekanntesten und erfolgreichsten Lieder der amerikanischen Country-Sängerin Dolly Parton. Der Text handelt von der Bitte einer Frau an eine Rivalin, ihr nicht den Mann zu nehmen. Das Lied erschien im Oktober 1973 vorab als Single und im Februar 1974 auf dem gleichnamigen Album, auf dem auch die Originalfassung des später von Whitney Houston in einer erfolgreichen Coverversion veröffentlichten Titels I Will Always Love You enthalten ist.

Dolly Parton erreichte mit Jolene neben Platzierungen in den allgemeinen Singlecharts sowie Nummer-eins-Erfolgen in den Country-Charts der USA und Kanada auch Positionen in den Charts einiger europäischer Länder. Darüber hinaus wurde sie für den Song zweimal für einen Grammy-Award nominiert. Auf der vom Magazin Rolling Stone im Jahr 2004 veröffentlichten Liste Die 500 besten Songs aller Zeiten belegte das Lied, von dem unter anderem die Bands Strawberry Switchblade und The White Stripes Coverversionen veröffentlichten, den 217. Platz.

Text und Musik[Bearbeiten]

Dolly Parton (2005)

Der Text des Liedes Jolene schildert aus der Perspektive der Sängerin die verzweifelte, aber würdevoll vorgetragene Bitte[1] an eine andere Frau mit dem Namen Jolene, ihr nicht den Mann wegzunehmen („[…] I'm begging of you please don't take my man […]“). Sie verweist auf deren unvergleichliche Schönheit („[…] Your beauty is beyond compare […]“), beschreibt in Form von lyrischen Vergleichen wortreich die Farbe der Haare, der Haut und der Augen sowie das Lächeln und die Stimme von Jolene, und gesteht ein, dass sie selbst sich nicht mit ihr messen kann („[…] And I cannot compete with you, Jolene […]“). Darüber hinaus stellt sie dar, was ihr Mann für sie bedeutet („[…] But I could never love again, he's the only one for me, Jolene […]“), und macht am Ende des Liedes ihr weiteres Schicksal von Jolenes Entscheidung abhängig („[…] My happiness depends on you, and whatever you decide to do, Jolene […]“).

Der Name Jolene wird in dem Lied vielfach genannt, entweder in vierfacher Wiederholung zur direkten Anrede oder am jeweiligen Ende eines Satzes. Zum Schluss bleibt offen, wie sich Jolene verhält und welchen weiteren Verlauf damit das Leben und die Beziehung der Protagonistin nehmen. Das Lied lässt sich innerhalb der Country-Musik der Tradition der Cheatin' Songs zuordnen, die Ehebruch und vergleichbare Themen zum Inhalt haben.[1] Das Stück als solches war zwar eine Neukomposition von Parton. Melodie und Songstruktur orientierten sich allerdings stark an der klassischen Folkballade – insbesondere der Bluegrass-Musik, einer traditionellen, von akustischen Instrumenten wie Banjo, Mandoline und Fiddle bestimmten Richtung der Country-Musik, welche in Partons Heimatstaat Tennessee stark verbreitet war.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Nach Angaben von Dolly Parton wurde sie zu dem Lied inspiriert, als sie erkannte, dass ihr Mann eine Mitarbeiterin seiner Bank attraktiv fand und deshalb offensichtlich die Bank häufiger als notwendig aufsuchte.[2] Den Titel wählte sie, nachdem sie nach einem Konzert von einem Mädchen um ein Autogramm gebeten worden war und ihr der Name des Mädchens, Jolene, gut gefiel.[2] Aufgezeichnet wurde das Lied am 22. Mai 1973 im RCA Studio B der Radio Corporation of America in Nashville.

Chartpositionen[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Dolly Parton: Jolene
  US 60 02.03.1974 (8 Wo.)
  GB 7 19.07.1976 (12 Wo.)

In den Vereinigten Staaten war Dolly Parton mit Jolene im Jahr 1974 insgesamt acht Wochen lang in den Billboard Hot 100 vertreten, die beste Platzierung während dieser Zeit war Rang 60 am 2. März 1974.[3] In den Billboard Hot Country Singles erreichte der Titel am 2. Februar 1974 Platz 1.[4] In Kanada belegte Jolene am 2. März 1974 Platz 84 in den RPM Top Singles des Musikmagazins RPM,[5] in denen sich das Lied insgesamt sechs Wochen lang platzieren konnte. In den von RPM veröffentlichten Country Singles Charts erreichte es am 16. Februar 1974 wie in den USA Platz 1.[6]

Das Lied war darüber hinaus auch in verschiedenen europäischen Ländern in den Charts vertreten. So belegte der Titel in den UK Singles Charts, in denen er 1976 zwölf Wochen lang vertreten war, am 19. Juli 1976 den siebten Platz.[7] In Irland erreichte das Lied im gleichen Jahr in sechs Wochen Chartplatzierung als beste Position den achten Rang in den Irish Singles Charts.[8] In Schweden war Jolene im Jahr 2008 drei Wochen lang in den Charts vertreten, mit Rang 16 am 19. Juni 2008 als bester Position,[9] in Dänemark belegte das Lied am 26. März 2010 den 19. Platz als höchste Position in zwei Wochen Chartplatzierung.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Jolene wurde in den USA 1975 in der Originalversion und 1976 in einer Live-Aufnahme jeweils für einen Grammy Award in der Kategorie „Best Female Country Vocal Performance“ nominiert.[11] Die Verwertungsgesellschaft BMI verlieh dem Titel 1974 in den Kategorien „Pop“ und „Country“ jeweils einen BMI Award sowie 1990 einen Million-Air Award für mehr als eine Million Ausstrahlungen im Radio.[12] Von der Nashville Songwriters Association International erhielt Dolly Parton für Jolene sowohl 1974 als auch 1975 einen Songwriter Achievement Award.[12] In Großbritannien wurde der Titel 1976 mit dem „Country Music Award“ in der Kategorie „Single of the Year“ ausgezeichnet.[13] Im Jahr 2004 wählte das Musikmagazin Rolling Stone das Lied auf Rang 217 seiner Liste Die 500 besten Songs aller Zeiten.[14]

Coverversionen[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Strawberry Switchblade: Jolene
  GB 53 05.10.1985 (6 Wo.)
The White Stripes: Jolene
  GB 16 27.11.2004 (4 Wo.)

Von Jolene erschienen Coverversionen verschiedener Musiker aus unterschiedlichen musikalischen Genres. Bereits 1976 veröffentlichte die englisch-australische Sängerin Olivia Newton-John eine eigene Version des Liedes, weitere Fassungen erschienen unter anderem 1977 von der iranischen Sängerin Leila Forouhar[15], 1985 von der schottischen Indie-Pop-Band Strawberry Switchblade, 2001 von der australischen Sängerin Sherrié Austin, 2004 von der amerikanischen Garage-Rock-Band The White Stripes, 2006 von der amerikanischen Punkrock-Band Me First and the Gimme Gimmes sowie 2008 von der britischen Sängerin Sophie Ellis-Bextor als Teil des Soundtracks zur britischen Fernsehserie Beautiful People. In den UK-Single-Charts erreichte die Strawberry-Switchblade-Fassung am 5. Oktober 1985 den 53. Platz[16] und die White-Stripes-Version am 27. November 2004 in einer Live-Aufnahme den 16. Platz.[17] Die britische Band The Sisters of Mercy spielte Jolene neben Coverversionen einiger anderer Songs, die ebenfalls nicht zu ihrer Gothic-Rock-Ausrichtung passten, oft während ihrer Konzerte.

Die Gesamtzahl der bislang eingespielten Coverversionen lässt sich nur schätzen, weltweit dürfte sie im drei- bis vierstelligen Bereich liegen. Das Portal coverinfo.de listet mit knapp drei Dutzend Einträgen die bekanntesten auf.[18] Apples iTunes Store offerierte im Frühjahr 2013 mehrere hundert Fassungen, worunter sich allerdings zahlreiche Doppelungen befanden. Stilistisch reicht das Spektrum eingespielter Coverversionen von Psychobilly (The Deadbillys) über klassischen Country (Mindy Smith, Jill Johnson) und Bluegrass (Alison Krauss, Rhonda Vincent) bis hin zur Elektronischen Musik (Becky Brown). Neben bekannten nahmen auch zahlreiche weniger bekannte Künstler und Bands das Stück in ihr Repertoire auf – beispielsweise der polnische Indierockmusiker Piotr Lisiecki, das deutsche Straßenfolk-Duo Gee Gee & Soluna, die Düsseldorfer Folkpunk-Band Beatlesøns sowie die als Side-Projekt der Schauspielerin Jasmin Tabatabai agierende 1990er-Jahre-Frauencountryband Even Cowgirls Get The Blues. Eine weitere von einer deutschen Schauspielerin eingespielte Version stammt von Heike Makatsch; eine Instrumentalversion spielte James Last mit seinem Orchester ein. Stilistisch orientiert sich die überwiegende Mehrzahl der Coverversionen am vorgegebenen Rahmen der traditionellen Country-Folk-Ballade und die meisten dieser Versionen stammen von Sängerinnen.

Von Dolly Parton gibt es neben der Ur-Version mehrere Live-Einspielungen, etwa auf der CD Live in London, sowie im Duett mit anderen Künstlern, so beispielsweise bei einem Live-Auftritt anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages im Juli 2010 gemeinsam mit ihrer Patentochter Miley Cyrus.[19] Während der Grammy-Verleihung 2011 spielten Norah Jones, John Mayer und Keith Urban gemeinsam eine Coverversion von Jolene zu Ehren von Dolly Parton,[20] die im Rahmen dieser Veranstaltung einen Grammy Lifetime Achievement Award für ihr Lebenswerk erhielt. Ein Relaunch der Originalversion im Umfeld der elektronischen Musik ist der 2012 produzierte Jolene-Remix der beiden House-DJs Dadoni & Gamper. Eine eher sarkastisch-kritische Adaption des Songs spielte 1995 die britische Singer-Songwriterin und Punkmusikerin Kirsty MacColl ein. Musik und Text des Liedes Caroline hatte MacColl zwar neu komponiert. In einem Interview bekannte sie allerdings, das von Melodie und Tempo her recht ähnlich klingende Lied bewusst als Antwortsong auf Jolene konzipiert zu haben.[21][22]

Literatur und Film[Bearbeiten]

Der amerikanische Schriftsteller und Publizist E. L. Doctorow schrieb, inspiriert durch das Lied, die Kurzgeschichte Jolene: A Life. Sie handelt von einer jungen Frau in Schwierigkeiten und wurde 2002 zuerst im Magazin The New Yorker veröffentlicht.[23] Zwei Jahre später erschien die Erzählung mit vier anderen Geschichten in seinem Band Sweet Land Stories. 2008 entstand nach dieser Vorlage der Independentfilm Jolene von Dan Ireland mit Jessica Chastain in der Titelrolle.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Cecelia Tichi: High Lonesome: The American Culture of Country Music. University of North Carolina Press, Chapel Hill 1994, ISBN 0-8078-4608-2, S. 11
  2. a b Dolly Parton. In: Bill DeMain: In Their Own Words: Songwriters Talk About The Creative Process. Greenwood Publishing Group, Westport 2004, ISBN 0-275-98402-8, S. 29–38 (insbesondere S. 32)
  3. Billboard.com: Jolene - Dolly Parton
  4. Joel Whitburn: Hot Country Songs 1944 to 2008. Record Research, Inc, Menomonee Falls 2008, ISBN 0-89820-177-2, S. 656
  5. Library and Archives Canada: RPM Top Singles - Volume 21, No. 3, March 02 1974
  6. Library and Archives Canada: RPM Country Singles - Volume 21, No. 1, February 16 1974
  7. Chart Archive: Dolly Parton - Jolene
  8. The Irish Charts - Search the Charts
  9. SwedishCharts.com: Dolly Parton - Jolene (Song)
  10. DanishCharts.com: Dolly Parton - Jolene (Song)
  11. Stephen Miller: Smart Blonde: Dolly Parton. Omnibus Press, London und New York 2008, ISBN 1-84609-760-6, S. 217
  12. a b Nancy Cardwell: The Words and Music of Dolly Parton: Getting to Know Country´s "Iron Butterfly". ABC-CLIO, Santa Barbara 2011, ISBN 0-313-37804-5, S. 152/153
  13. Industry-Oriented Event Termed Success In U.K. In: Billboard. Band 88, Nr. 47 vom 20. November 1976. Nielsen Business Media, S. 53, ISSN 0006-2510
  14. The 500 Greatest Songs of All Time. In: Rolling Stone. Heft 963 (Sonderausgabe). Erschienen am 9. Dezember 2004
  15. http://en.iransong.com/album/3989.htm
  16. Chart Archive: Strawberry Switchblade - Jolene
  17. Chart Archive: The White Stripes - Jolene - Live Under Blackpool Lights
  18. Coverinfo.de, aufgerufen am 9. Mai 2013 (Titel muss in Suchmaske eingegeben werden)
  19. Wendy Geller: Miley Cyrus Joins Dolly Parton Onstage For Playful Duet Veröffentlicht von: Yahoo! Music am 6. Juli 2010
  20. Claire Suddath: Norah Jones, John Mayer and Keith Urban; 'Jolene' - Best and Worst of the 2011 Grammys Veröffentlicht von: TIME.com am 14. Februar 2011
  21. Kirsty MacColl. Singer, Songwriter. Eintrag zu Kirsty MacColl auf encyclopedia.com. Aufgerufen am 20. September 2013
  22. Robert Dimery (Hrsg.): 1001 Songs, die Sie hören sollten, bevor das Leben vorbei ist. Edition Olms, Zürich 2011, ISBN 978-3-283-01153-6, S. 322
  23. Jolene: A Life by E. L. Doctorow December 23, 2002