Josephine Witt

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Josephine Witt (rechts) zusammen mit Alexandra Schewtschenko (links) in Genua, 2013

Josephine Witt (* 22. Juni 1993), bürgerlicher Name: Josephine Markmann[1], ist eine deutsche Femen-Aktivistin.

Aktivitäten[Bearbeiten]

Witt war unter anderem beteiligt an Demonstrationen gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei der Hannover Messe im April 2013. Einer der dabei in einer Oben-ohne-Aktion gezeigten Schriftzüge war „Fuck Dictator“. Kurz bevor die Demonstrantinnen Putin und Kanzlerin Angela Merkel erreichten, gingen Personenschützer dazwischen. Die Polizei Hannover leitete Ermittlungen ein. Putins Sprecher erklärte kurz nach der Attacke: „Niemand von russischer Seite hat Deutschland in irgendeiner Weise gebeten, die Aktivistinnen zu bestrafen.“[2]

Zusammen mit zwei französischen Femen-Aktivistinnen demonstrierte sie am 29. Mai 2013 vor dem Justizpalast in der tunesischen Hauptstadt Tunis gegen die Inhaftierung der tunesischen Femen-Aktivistin Amina Tyler. Die 18-Jährige hatte das Wort Femen auf eine Friedhofsmauer gesprüht – dafür drohten ihr bis zu 18 Monate Haft.[3] Die drei Demonstrantinnen wurden verhaftet. Das anschließende Gerichtsverfahren gegen die drei Frauen war auch Thema beim Besuch des tunesischen Ministerpräsidenten Ali Larajedh bei Angela Merkel in Berlin. Die Bundeskanzlerin mahnte ein faires rechtsstaatliches Verfahren an. Witt und ihre beiden Mitstreiterinnen wurden wegen „unzüchtigen Verhaltens“ im Juni zu vier Monaten und einem Tag Haft verurteilt, die später zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Im Gefängnis erhielt Witt am 17. Juni 2013 Besuch vom Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung Markus Löning, er bezeichnete die Haftstrafe als unverhältnismäßig.[4] Am 26. Juni 2013 wurde die verhängte Haftstrafe im Berufungsverfahren zur Bewährung ausgesetzt und Witt konnte am Tag darauf Tunesien verlassen.[5][6] Nach ihrer Rückkehr aus Tunesien gab Witt in einem Interview an, sie sei bei ihrer Festnahme in Tunesien geschlagen und bedroht worden, ihre Haftbedingungen habe sie als erniedrigend empfunden. Witt kritisierte auch die Äußerungen Lönings, dieser habe „die Haft verharmlost“, die Bundesregierung habe sich „möglichst raushalten“ wollen.[7]

In einem Interview mit dem Studentenmagazin Zeit Campus hatte Witt kurz vor ihrer Reise nach Tunesien gesagt: „Bei Femen geht es uns um die Frage, wem in der Gesellschaft der Körper der Frau gehört, wenn wir nackt auf die Straße gehen, tun wir das selbstbewusst und selbstbestimmt. Wir unterstreichen damit die Kontrolle über unseren eigenen Körper.“[8]

Am 12. Dezember 2013 protestierten Josephine Witt und Hellen Langhorst mit entblößten Brüsten, auf die Fußbälle aufgemalt waren, bei der ZDF-Talkshow Markus Lanz gegen die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Im Zusammenhang mit einer öffentlichen Debatte über menschenrechtswidrige Lebensbedingungen von Arbeitsmigranten in Katar, die dort die Sportstätten errichten, rief sie zum Boykott der die Weltmeisterschaft organisierenden FIFA auf: „Femen fordert ‚Fairness‘, Frauen- und Menschenrechte auch abseits der Rasenplätze und zeigt Wut gegen die Sport-Mafia, Diktatoren und diejenigen, die nichts als Ignoranz zeigen.“[9] Auf ihren ebenfalls nackten Bäuchen stand geschrieben „Blut & Spiele“ und „Don’t play with human Rights“.[10]

Witt störte am 25. Dezember 2013 eine Weihnachtsmesse im Kölner Dom. An diesem Tag wurde Erzbischof Joachim Meisner 80 Jahre alt. Zu Beginn der morgendlichen Messe stürmte sie aus der ersten Reihe nach vorne und sprang mit freiem Oberkörper auf den Altar. „I am God“ („Ich bin Gott“) war auf ihrem Oberkörper zu lesen. Sie wurde nach kurzer Zeit von den Sicherheitskräften des Domes ergriffen und abgeführt. Die Polizei setzte sie bis zum Ende des Gottesdienstes fest und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Störung der Religionsausübung ein. Nach ihren Angaben richtete sich die Aktion gegen „das Machtmonopol der katholischen Kirche“. Kardinal Meisner schloss sie in seinen Schlusssegen explizit mit ein.[11][12] Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, reagierte mit „heftiger Kritik“ auf die Aktion und bezeichnete sie als respektlos und „eine unnötige Störung der Gläubigen beim Gottesdienst“. Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, wertete den Vorgang als „verletzend und rücksichtslos“.[13]

Persönliches[Bearbeiten]

Seit 2012 studiert Witt Philosophie an der Universität Hamburg. Seit Anfang 2013 ist sie aktives Mitglied der Femen-Bewegung.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die auf den Altar sprang in: taz.de, online, abgerufen am 28. Dezember 2013
  2. Bleibt Attacke auf Putin folgenlos? ndr.de 21. Juni 2013
  3. Deutsche in Tunesien „schockiert“ über Haftstrafe, Mitteldeutsche Zeitung vom 18. Juni 2013
  4. Femen-Aktivistin sitzt mit 29 Frauen in einer Zelle, Hamburger Morgenpost vom 18. Juni 2013
  5. Femen-Aktivistinnen in Tunesien kommen frei, Sueddeutsche Zeitung vom 26. Juni 2013
  6. Nackt-Protest in Tunis: Deutsche nach Haft zurück in Europa, Schwäbische Zeitung vom 27. Juni 2013
  7. "Femen ist Teil meiner Identität"', Die Zeit vom 7. Juli 2013
  8. Wem hilft der Nacktprotest?, Die Zeit vom 14. Juni 2013
  9. Lanz-Talkshow: Nackter Protest gegen Fußball-WM in Katar, SPON vom 12. Dezember 2013
  10. Femen-Aktivistin Josephine Witt: „Meine Brüste schaden nur dem Patriarchat“, Artikel vom 27. Dezember 2013 im Portal rp-online.de, abgerufen am 28. Dezember 2013
  11. Spiegel-Online: Femen-Aktivistin springt vor Kardinal Meisner nackt auf Altar.
  12. Die Welt: Nackte Josephine Witt stürmt Messe im Kölner Dom
  13. Scharfe Kritik an Femen-Aktion, in: Kölner Stadt-Anzeiger vom 26. Dezember 2013