Julian Dawson

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Julian Dawson

Julian Dawson (* 4. Juli 1954 in London), wohnhaft in Somerset, England, ist ein britischer Singer-Songwriter, Gitarrist und Mundharmonikaspieler. Er arbeitet als Solokünstler ebenso wie als Band- oder Projektmitglied in Europa, insbesondere in Großbritannien und Deutschland sowie in den USA. Zudem ist er ein gefragter Komponist, Liedtexter und Übersetzer und darüber hinaus auch als Autor tätig. Er spricht fließend Deutsch und Französisch.

Biografie[Bearbeiten]

Dawson, seit seinem 21. Lebensjahr glatzköpfig, wuchs als einer von sieben Brüdern in London auf, später in der Grafschaft Kent. Er studierte am Exeter Art College Bildende Kunst und Kunstdrucktechniken. Als Mitglied der 'Art-School Band' und durch Soloauftritte stellte er früh fest, dass die musikalischen Ausdrucksformen ihn mehr reizten als die Malerei. Er begann als Musiker in etlichen Bandprojekten auf zahlreichen Kleintourneen in Großbritannien und vor allem in Deutschland seinen Lebensunterhalt zu verdienen, dies in erster Linie mit eigenem Songmaterial.

Dawson spielte einige Jahre in Iain Matthews' Band 'Plainsong'. Er arbeitete im Kölner Tonstudio der Artrockband Can, unter anderem am Projekt 'The Flood' mit Rosko Gee (Traffic) und Jaki Liebezeit (Can). Dawsons Freundschaft mit dem BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken führte zu einigen Auftritten im Vorprogramm der Band. Julian Dawson produzierte 2013 auch Niedeckens Album "Zosamme alt", das in Woodstock aufgenommen und in New York gemastert wurde.[1] Zudem spielte er unter anderem mit Musikern und Formationen wie Al Stewart, Fairport Convention, Toots Thielemans, Steuart Smith, Lucinda Williams, Richard Thompson und Volkwin Müller.

Zu Beginn der 1990er Jahre galt sein Augenmerk zunehmend dem US-amerikanischen Markt. Er arbeitete verstärkt in Austin, Texas, und New York. Zwei CDs nahm Dawson in Nashville auf, die von Garry Tallent, dem Bassisten von Bruce Springsteens E Street Band, produziert wurden, und bei denen unter anderem Musiker wie Vince Gill, Duane Eddy, Bill Payne und Steve Forbert mitwirkten. Die Arbeiten sicherten ihm bis heute eine solide und treue Hörerschaft in den USA.

1994 spielte er mit dem englischen Rock-Pianisten Nicky Hopkins kurz vor dessen Tod das Stück You´re Listening Now ein, das im darauf folgenden Jahr auf Dawsons Album Travel On erschien. Später verfasste er eine Biografie über Hopkins.[2] Bis zum Ende der Dekade folgten weitere Produktionen und führten zu Auftritten auf dem legendären Tønder Festival in Dänemark und dem Newport Folk Festival in den USA. Die Jahre 2001/2002 brachten danach eine intensive Zusammenarbeit mit der Byrds-Legende Gene Parsons in Form einer CD, Hillbilly Zen, und anschließender Promotion-Tournee in den USA und Europa.

Fast ein Konzeptalbum zum Thema Ehe & Beziehungen lieferte Dawson 2004 ab, Bedroom Suite, auf dem auch seine damals 19-jährige Tochter in einem Duett mit ihm zu hören ist. Im Jahre 2006 produzierte Dawson Nothing Like a Dame, das erste Album, welches ausschließlich aus Cover-Versionen bestand, die im Original allesamt von Frauen gesungen oder geschrieben worden waren. Die Promotion-Tour hierzu absolvierte Dawson in einem Schottenrock. 2008 realisierte er mit der CD Deep Rain eine bereits lange geplante Produktion mit der Soul-Legende Dan Penn. Die vorerst letzte Veröffentlichung entstand als Mitschnitt einer Tournee 2010 als Doppel-CD/DVD und trägt den Titel Live.

Musik und Karriere[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles[3]
How Can I Sleep without You?
  DE 53 12.08.1991 (12 Wo.)

Wie kaum ein anderer wird Dawson von Journalisten und Kritikern im Lauf der Jahre immer wieder in Kategorien gepresst, um seiner musikalischen Ausdruckskraft und Stilrichtung eine massenverträgliche Bezeichnung geben zu können. Jedoch verhindern über drei Jahrzehnte intensiver Zusammenarbeit mit vielen, teils hochkarätigen Musikern und eine daraus resultierende Vielfalt an Einflüssen regelmäßig solcherlei Simplifizierung und garantieren Dawson bis heute eine dafür dankbare und begeisterte internationale Fangemeinde. Manche entdecken Ähnlichkeiten zwischen seinen Titeln und denen der US-amerikanischen Band Wilco oder dem kanadischen Liedermacher Ron Sexsmith. Er selbst bezeichnet die Stilrichtung seiner Musik als eine Mischung aus Pop, Folk, Blues und Country.[4] Von Musiker-Kollegen zwar hoch geschätzt, gelang ihm selbst bislang nicht der große kommerzielle Durchbruch. Im Herbst 1991 erreichte seine Single How Can I Sleep without You mit Platz 53 der deutschen Charts die bislang höchste Platzierung seiner Veröffentlichungen. Für manche gilt er deshalb als "ewiger Geheimtipp", andere schätzen seine konsequente und nicht am Kommerz orientierte Geradlinigkeit. Die Verweigerung der im Musikgeschäft ansonsten weit verbreiteten Prämisse "Erfolg um jeden Preis" gestattet es Dawson, zumindest ein Privatleben zu führen, in dem neben seiner Familie auch andere persönliche Dinge Platz finden und eine essentielle Rolle spielen.

Diskografie[Bearbeiten]

Neben den eigenen Produktionen findet Dawson immer wieder Zeit, auf den Veröffentlichungen vieler Kollegen mitzuwirken, unter anderem Gerry Rafferty, Lydie Auvray, Del Amitri, Clem Clempson, The Roches, Colin Wilkie oder Dan Penn. Die eigenen Veröffentlichungen erschienen bei unterschiedlichen Plattenfirmen, fünf alleine bei BMG. Nachfolgend eine Liste eigener Tonträger:

  • Cheap Pop for Poor People (MusicCassette, private issue) 1981
  • Let Out the Pig 1982
  • As Real as Disneyland 1987
  • Luckiest Man in the Western World 1988
  • Live on the Radio 1990
  • Fragile as China 1991
  • June Honeymoon - Live 1992
  • Headlines 1993
  • How Human Hearts Behave - Collection 1984-1994 1994
  • Travel On 1995
  • Steal That Beat - The Lost Tapes (Rerelease of "Let Out The Pig") 1996
  • Songs from the Red Couch - Live (mit Iain Matthews) 1996
  • Move over Darling 1997
  • Under the Sun 1999
  • Cologne Again Or - Live 2001
  • Flood Damage - Live (mit Iain Matthews) 2002
  • Hillbilly Zen 2002
  • Bedroom Suite 2004
  • Nothing Like a Dame 2006
  • Deep Rain 2008
  • Live 2010

Bibliografie[Bearbeiten]

Dawson verfasste ein Buch über das Leben des britischen Musikers Nicky Hopkins, welches im Original in englischer Sprache erschien und woran er über zehn Jahre arbeitete. Es war ein Zufall, dass die durch den Verlag stark gekürzte deutsche Übersetzung früher in den Handel kam als die englische Fassung in UK und den USA.

  • Julian Dawson: Nicky Hopkins. Eine Rock-Legende. übersetzt von Kristian Lutze; Random House Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, München 2010, ISBN 978-3-570-58001-1
  • Julian Dawson: And on Piano ...Nicky Hopkins: The Extraordinary Life of Rock's Greatest Session Man. Plus One Press (USA), 1st edition (April 1, 2011), ISBN 9780984436224; Desert Hearts (UK), 1st edition (May 2011), ISBN 9781898948124

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Rezension auf SWR
  2. Julian Dawson: Nicky Hopkins. Eine Rock-Legende. übersetzt von Kristian Lutze; Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, München 2010, ISBN 978-3-570-58001-1
  3. Hit-Bilanz, deutsche Chart-Singles auf CD-ROM, Taurus Press
  4. Julian Dawson - official website