Kalaallit Nunaata Radioa

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Kalaallit Nunaata Radioa (KNR) ist eine grönländische Rundfunkanstalt mit Sitz in Nuuk.

Es ist ein unabhängiges staatliches Unternehmen mit über 100 Angestellten. Die Senderleitung liegt beim siebenköpfigen Vorstand, sein Vorsitzender ist zurzeit Peter Jensen.[1] Die gesendeten Beiträge stammen aus unterschiedlichen Quellen, darunter auch die grönländische Regierung, verschiedenen Verbänden, Kooperationen mit privaten örtlichen Sendern und aus Sendungen im Ausland, vor allem von Danmarks Radio (DR). KNR ist assoziiertes Mitglied der Nordvision, einem Zusammenschluss staatlicher Rundfunkanstalten in den nordischen Ländern.

Geschichte[Bearbeiten]

Logo von KNR anlässlich des 50. Jubiläums am 21. Juli 2008

Die Geschichte des Senders KNR ist wesentlich davon geprägt, eine Insel von der sechsfachen Größe Deutschlands mit nur rund 56.000 Einwohnern zumindest an den weitläufig bewohnten Küsten mit einem umfassenden Rundfunksystem zu versorgen.

Die ersten vier Radiostationen wurden 1925 in Qeqertarsuaq, Qaqortoq, Nuuk und Angmassalik gegründet.[2] Am 6. September wurde die erste Sendung Telegramm aus Grönland gesendet. Hugo Holten Møller, grönländischer Radiopionier, finanzierte das Projekt weitgehend selbst. 1926 wurden Sendungen von einem Telegrafenmasten in Qeqertarsuaq verbreitet,[3] 1934 gab es im Winter zwei wöchentliche Sendungen. 1942 wurde der Sender mit dem dänischen Namen Grønlands Radio gegründet. 1949 gab es bereits täglich fünf mal 15-minütige Sendungen in Dänisch und die überwiegende Zeit auf Grönländisch. 1955 wurden der neuer Sender in Qeqertarsuaq und mehrere illegale Relaisstationen verboten. Das führte zu einem öffentlichen Protest.[2]

Seit 1956 gab es Bestrebungen, einen öffentlich-rechtlichen Radiosender für Grönland zu gründen, das neue Radio. Am 21. Juli 1958 wurde der Sender nach vorherigen Testsendungen aus dem Radiohus in Nuuk offiziell gegründet. Schulfunk, Livemusik lokaler Künstler und Kirchensendungen waren der Schwerpunkt des Programms. Daneben waren Nachrichten, Vorträge, Musik von der Schallplatte, Reportagen und Radiomagazine, Hörspiele und Satire, sowie musikalische Unterhaltung Teil des Programms.[2] 1964 wurde das Radioprogramm mit einem neuen 25 kW-Sender in Kookøerne, einer Untiefe oder Sandbank vor der Küste von Nuuk und zwei weiteren 5 kW-Sendern in Frederikshåb und Godhavn (Süd- und Südwestküste) neu organisiert.

1971 gründete das Kulturministerium einen Fernsehausschuss, um ein Konzept für ein landesweites Fernsehprogramm zu entwickeln. Bereits seit 1960 gab es private Initiativen, dänische Fernsehaufzeichnungen in Grönland zu senden und seit 1966 einzelne Sendungen aus Nuuk.[2] Begleitet wurden diese Vorhaben von einer in den 70er Jahren angestoßenen politischen Grundsatzdiskussion auf Grönland, wer die gesellschaftliche Verantwortung für den Rundfunk tragen solle. KNR war die erste Institution, die von der politischen Unabhängigkeit von Dänemark profitierte, konnte aber den technischen Aufwand für Fernsehübertragungen noch nicht tragen. Bis 1977 konnten durch den UHF-Richtfunkverkehr (wegen des Permafrostbodens werden auf der Insel keine Kabel verlegt, vgl. Greenland Connect) zahlreiche Orte an der Westküste an ein UKW-Sendernetz angeschlossen werden. Im Norden und Osten wurden per Post versandte Tonbandaufzeichnungen über lokale UKW- und Mittelwellensender ausgestrahlt. Ab 1979 und 1980 wurde die ganze Insel über das Grönland-INUKSAT Satelliten-System über mehrere Satellitenstationen mit Telekommunikation und Rundfunksendungen versorgt.

1981 wurde der Sender in seinen heutigen Namen umbenannt und ein Kooperationsvertrag mit Danmarks Radio unterzeichnet. Im gleichen Jahr wurde der erste regionale Radiosender KNR Avannaa in Ilulissat gestartet. Seit 1982 sendet das terrestrisch verbreitete Fernsehprogramm (seit 1990 mit Videotext). Bis dahin wurde das samtidigheds-Tv auf Videobändern durch die Marine verbreitet. Dies war rechtlich problematisch, wurde aber vorübergehend erlaubt, da auf diesem Weg auch kostengünstig Sendungen produziert und vertrieben werden konnten.[2] Bis 1985 verbreiteten 17 der 31 Fernsehsendestationen das Fernsehsignal direkt, die übrigen Stationen sendeten Videoaufzeichnungen des Programms auf S-VHS-Kassetten (die letzte Station bis August 2002).[4]

Altes Logo von KNR (bis Mitte 2009)

1991 wurde ein „TV-Rückkanal“ im Radio eingerichtet, um Videobeiträge auch aus anderen Orten als Nuuk senden zu können. Eine KNR-eigene Satellitenstation mit einer Antenne von 3,7 Metern erschließt die Satelliten Thor 2A 0,8 º W und 1 Intelsat 707 º W für die Programmzulieferung ausländischer Sendungen, darunter die Übernahme dänischer Fernsehsendungen mit Nachrichten im grönländischen Programm.[4] 2005 wurden fast alle Abteilungen des Senders in einem neuen Gebäude, einem umgebauten Flugzeughangar, zusammengeführt. Seit 2007 wird das gesamte Radio- und Fernsehangebot digital produziert. Alle Sendungen werden auf Festplatte archiviert.[5]

Im Juli 2009 beging KNR sein 50-jähriges Jubiläum mit einer reichhaltigen Dokumentation im Internet und mit historischen Sendebeiträgen im Hörfunk.

Programm[Bearbeiten]

KNR betreibt ein landesweites Fernsehprogramm und ein Radioprogramm. Das Radio sendet vor allem in Kalaallisut, also grönländischer Sprache, aber auch in Dänisch. Das Fernsehen ist eine Zusammenstellung von lokal produzierten Programmen und Nachrichten in Kalaallisut. Es sendet aber auch Nachrichten und Berichte von Danmarks Radio (DR). Ein zweiter Radiokanal leitet DR-Ausgaben direkt aber ausschließlich in die Hauptstadt Nuuk.

Für Rundfunkübertragungen, die einen höheren Aufwand erfordern, wird die technische Ausstattung in Containern auf dem Seeweg in andere Orte der Insel gebracht, für tagesaktuelle Berichte werden Hubschrauber eingesetzt.[4]

Empfang in Europa[Bearbeiten]

Der Satellit Intelsat 903 dient der Rundfunkversorgung der ganzen Insel vor allem auch abseits der Küsten, wo eine terrestrische Versorgung wirtschaftlich nicht zu realisieren ist. Der Empfang ist aber auch in Europa möglich.

Jeden Samstag wird die grönländisch-sprachige Nachrichtensendung Nyheder fra Grønland des KNR auf dem dänischen Fernsehsender DR2 ausgestrahlt. In Deutschland kann man sie über einen Webstream anschauen.[6]

Bis Februar 2011 ist das Radioprogramm von KNR gelegentlich über den Kurzwellensender einer Küstenfunkstation auf 3815 kHz zu empfangen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. KNR Website (dänisch)
  2. a b c d e Geschichte zur Entwicklung des Fernsehens
  3. Der ganze geschichtliche Abriss ist ein Zusammenfassung der automatisch übersetzten geschichtlichen Seite des Senders auf Dänisch und der dänischen Seite zur Entwicklung der Technik, mit Ausnahme der übrigen angegebenen Quellen.
  4. a b c KNR-TV seit 1981/1982
  5. Seite zur Radiotechnik
  6. DR2