Kirkenes

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Kirkenes
Wappen von Kirkenes
Kirkenes (Norwegen)
Kirkenes
Kirkenes
Basisdaten
Staat Norwegen
Provinz (fylke) Finnmark
Gemeinde (kommune): Sør-Varanger
Koordinaten: 69° 44′ N, 30° 3′ O69.72833333333330.04444444444425Koordinaten: 69° 44′ N, 30° 3′ O
Einwohner: 3.444 (2012[1])
Fläche: 2,03 km²
Bevölkerungsdichte:

1697 Einwohner je km²

Höhe: 25 moh.

Kirkenes [ˈçirkəˌnɛːs] (samisch Girkonjárga[2]) ist eine Stadt in der Kommune Sør-Varanger im Osten der Provinz Finnmark in Nord-Norwegen mit etwa 3400 Einwohnern.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Stadt ist Verwaltungssitz der Kommune Sør-Varanger und liegt am Varangerfjord. Sie bekam am 1. Januar 1999 die Stadtrechte verliehen. Von den 3440 Einwohnern[1] kommen etwa 15% aus dem Ausland. Die Straßenschilder in Kirkenes sind dreisprachig: norwegisch, finnisch und russisch. Die Entfernung zur Grenze mit Russland beträgt etwa 10 km, zu der mit Finnland etwa 35 km.

Kirkenes ist Sitz des norwegischen Barents-Sekretariats, das eine wichtige Rolle in der Arbeit der 1993 von Norwegen initiierten Barentsregion innehat, eines internationalen Zusammenschlusses von Regionen der Anliegerstaaten der Barentssee, darunter die Nordprovinzen Norwegens, Schwedens und Finnlands, die russischen Gebiete Murmansk und Archangelsk, die Republiken Komi und Karelien und der Nenzische Autonome Kreis.[3] Als Knotenpunkt für die Zusammenarbeit mit dem nordwestlichen Russland ist Kirkenes auch Sitz eines russischen Generalkonsulats.

Klima[Bearbeiten]

Die Polarnacht dauert vom 27. November bis zum 16. Januar. Die Mitternachtssonne scheint vom 15. Mai bis 28. Juli. Die Durchschnittstemperaturen betragen im Januar −13° Celsius und im Juli + 14° Celsius. Das Nordlicht kann – je nach Wetterbedingungen – von September bis März beobachtet werden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Erzverladeanlage, Kirkenes (1957)

Kirkenes entstand als ein Verschiffungshafen für Eisenerz. Bis zum Jahre 1996 lebten die meisten Einwohner vom Abbau des Eisenerzes. Heute ist der Haupterwerb der Einwohner von Kirkenes der Fischfang und der Dienstleistungssektor.

Der 1996 stillgelegte Eisenerz-Tagebau wurde wieder aufgenommen, die etwa acht Kilometer lange private Erzbahn (norwegisch: Kirkenes-Bjørnevatnbanen) zwischen Tagebau und Hafen wurde 2010 revitalisiert.[4]

Verkehr[Bearbeiten]

Hafen von Kirkenes (Februar 2007)
Schild an der Hauswand des russ. Generalkonsulats

Seit 1908 ist die Stadt der nördliche Wendepunkt der Schiffe der Hurtigruten. Da der Hafen weit im Inneren des Varangerfjords liegt und nicht vom Golfstrom erreicht wird, muss der zugefrorene Fjord im Winter von Eisbrechern frei gemacht werden.

Den Flughafen Kirkenes in Høybuktmoen nutzen etwa 150.000 Passagiere pro Jahr.

Die Europastraße 6 und die Europastraße 105 enden beziehungsweise beginnen in Kirkenes.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirkenes und seine Umgebung ist das mit Abstand älteste Stück des europäischen Kontinentes. Durch den Fund eines 3,69 Milliarden Jahre alten Kristalles nahe Kirkenes wurde das von Forschern geschätzte Alter des Kontinents um 200 Millionen Jahre übertroffen. Von diesem Stück Ureuropas aus entwickelte sich das Europa, das wir heute kennen.

Um 1900 war Kirkenes ein kleiner Ort mit einer Kirche (norwegisch kirke), die 1862 auf einer Landzunge (nes) erbaut wurde. Der Eisenerzabbau ließ die Stadt ab 1908 wachsen.

Durch seine strategische Lage wurde Kirkenes im Zweiten Weltkrieg eine stark umkämpfte Stadt an der sogenannten Eismeerfront. Die zirka 150 Kilometer Luftlinie entfernte Stadt Murmansk war der einzige Hafen im europäischen Teil der Sowjetunion, den das nationalsozialistische Deutschland nicht kontrollierte. Daher wurde der eisfreie Hafen von Murmansk und die von Murmansk nach Moskau führende Murmanbahn lebenswichtig für die Alliierten. Riesige Versorgungstransporte liefen von Amerika und England durch das Eismeer nach Murmansk, um die Sowjetunion vor allem mit Kriegsmaterial zu unterstützen und Moskau halten zu können. Die Deutschen, die Norwegen seit 1940 besetzt hatten, verlegten ab Juni 1941 zirka 30.000 Soldaten nach Kirkenes. Außerdem kam es zur Stationierung stärkerer deutscher Seestreitkräfte in Nordnorwegen mit Stützpunkt Kirkenes. Diese hatten die Aufgabe, die alliierten Nordmeergeleitzüge zu behindern beziehungsweise zu zerstören. Die Versuche des deutschen „Gebirgskorps Norwegen“, die Stadt Murmansk zu erobern und damit die alliierte Versorgungslinie stillzulegen (Operation Silberfuchs), wurden von den sowjetischen Verteidigern verhindert. Sowjetische Flugzeuge bombardierten Kirkenes Tag und Nacht. Über 1000 Fliegeralarme und mehr als 328 Luftangriffe durch sowjetische Bomber machten Kirkenes zur meist bombardierten Stadt Norwegens. Nach einem fürchterlichen Erschöpfungskrieg an der Lizafront (nach dem Fluss Liza auf der Halbinsel Kola), im Winter oft bei 30 bis 40 Grad unter Null und mit tausenden von gefallenen und erfrorenen Soldaten auf beiden Seiten, gelang es der Roten Armee, die deutschen Truppen zurückzuschlagen. Im Oktober 1944 marschierte die Rote Armee in der Petsamo-Kirkenes-Operation in dem von den Deutschen besetzten Petsamo und in Kirkenes ein. Vor ihrem Rückzug hatten die Deutschen bis auf 20 Häuser alle Gebäude verbrannt, die nach den verheerenden sowjetischen Bombenangriffen noch übrig geblieben waren.

Grenze zu Russland[Bearbeiten]

Der 13 km von Kirkenes entfernte Grenzübergang nach Russland

Bei Kirkenes befindet sich ein Grenzübergang nach Russland und Murmansk. Die etwa 80 km lange Grenze zwischen Norwegen und Russland endet im Norden bei der Ortschaft Grense Jakobselv (Grenze Jakobsfluss). Während des Kalten Krieges war dies neben der Grenze Türkei-Sowjetunion die einzige unmittelbare Landgrenze zwischen der NATO und der Sowjetunion und somit die einzige innerhalb Europas. Im Rahmen einer Sonderregelung, die durch das Schengener Abkommen möglich und die für Europa bisher einmalig ist, dürfen Russen und Norweger, die in einer 30-Meilen-Zone wohnen, seit April 2010 visafrei hin und her reisen.[5]

Personen aus Kirkenes[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Russendenkmal
  • Die „Andersgrotta“, ein Museum in einem alten Luftschutzraum
  • Das „Grenzlandmuseum“
  • Das „Savio-Museum“, mit Werken des Künstlers Savio
  • Das Denkmal der Befreiung nach dem Zweiten Weltkrieg („Russendenkmal“)
  • Die Kirche

Bilder der Kirche[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kirkenes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisk sentralbyrå: Tettsteder. Folkemengde og areal, etter kommune. 1. Januar 2011, abgerufen am 29. September 2011 (norwegisch)
  2. Der Ortsname bedeutet in beiden Sprachen „Kirchenspitze“ oder „Kirchenkap“.
  3. Website von The Norwegian Barents Sekretariat.
  4. Kirkenes gilt als die Hauptstadt der Barentsregion und ist Norwegens „Tor zum Osten“. Auf: VisitNorway.com (deutsch)
  5. Kleiner Grenzverkehr an der Nordspitze Europas. In: Die Presse. Wien, 26. April 2010