Kwame Nkrumah

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kwame Nkrumah

Kwame Nkrumah (eigentlich Francis Nwia Kofi Kwame Nkrumah[1]; * 21. September 1909 in Nkroful, Ghana; † 27. April 1972 in Bukarest, Rumänien) war ein ghanaischer Denker, Politiker und Staatsmann. Er war der erste Präsident von Ghana.

Mit der Forderung Independence now! führte Kwame Nkrumah die britische Kronkolonie Goldküste unter dem Namen Ghana am 6. März 1957 als eines der ersten afrikanischen Länder in die Unabhängigkeit (siehe auch: Dekolonisation Afrikas). Während seines Aufenthalts in den USA und in London kam er mit den Ideen des Panafrikanismus in Berührung und wurde zu einem der wichtigsten Sprecher der panafrikanischen Bewegung.

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten]

Nkrumah stammte aus der zu den Akan-Völkern zählenden Volksgruppe der Nzema und wurde offiziell am 21. September 1909 im Dorf Nkroful im Südwesten des heutigen Ghana als Sohn einer Kleinhändlerin und eines Goldschmiedes geboren. Seine Bildungskarriere begann er in einer katholischen Missionsschule. Mit etwa 17 Jahren wurde Nkrumah zunächst Hilfslehrer, bevor er ab 1926 das Achimota College in Accra besuchte, an dem er 1930 sein Abschlussexamen ablegte. Danach arbeitete er als Lehrer an römisch-katholischen Schulen in Elmina und Axim, bevor er als Lehrer an einem Vorbereitungseminar für katholische Priester in Elmina angestellt wurde[2]. 1935 siedelte Nkrumah mit Hilfe eines im Diamanten- und Goldhandel reich gewordenen Verwandten in die USA über, wo er einen B.A.-Abschluss in Volkswirtschaftslehre (1939) und einen B.A.-Abschluss in Theologie (1942) an der Lincoln University und einen Master of Science in Pädagogik und einen Master of Arts in Philosophie (beide 1943) an der University of Pennsylvania ablegte. 1945 studierte Nkrumah kurz an der London School of Economics and Political Science.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

In London entwickelte er immer mehr politisches Engagement und eine rege publizistische Tätigkeit. 1945 organisierte er als Generalsekretär unter W.E.B. Du Bois den 5. Pan-Afrikanischen Kongress in Manchester. Zurück an der Goldküste wurde Nkrumah 1947 Generalsekretär der von Joseph Boakye Danquah gegründeten Partei United Gold Coast Convention (UGCC). 1948 ausgebrochene Unruhen, die sogenannten Accra-Riots machten ihn zu einem landesweit bekannten Helden und führten zu seiner ersten kurzfristigen Verhaftung. 1949 brach er mit der gemäßigten UGCC und gründete die radikalere Convention People’s Party (CPP), die 1951 mit ihrer Forderung nach sofortiger Autonomie bei den Parlamentswahlen stärkste Kraft wurde. Nkrumah, obwohl seit den von ihm mit organisierten Unruhen von 1950 inhaftiert, errang in Accra 98,5 % der Stimmen und wurde daraufhin von den Briten freigelassen. Im März 1952 wurde er von der gesetzgebenden Versammlung in geheimer Wahl zum Premierminister der Kronkolonie Goldküste gewählt, der er bei der Unabhängigkeit 1957 den Namen Ghana gab. Ghana wurde der erste unabhängige Staat Westafrikas, abgesehen von Liberia. Im gleichen Jahr heiratete Nkrumah die Ägypterin Fathia Helen Ritzk.

Präsident Ghanas[Bearbeiten]

Nkrumah im März 1961

Bis 1960 blieb Ghana Mitglied des Commonwealth. Kwame Nkrumah führte die Amtsgeschäfte als Premierminister. Nach einer Volksabstimmung wurde Ghana im Juli 1960 zur Republik. Bei den Präsidentschaftswahlen siegte Nkrumah klar gegen J. B. Danquah, den Kandidaten der Opposition.[3] Als Nkrumah die Regierungsgeschäfte übernahm, sah er sich mit einer großen Reihe von Problemen konfrontiert, die in erster Linie aus der langen Ausbeutungs- und Kolonialgeschichte des Landes resultierten. Die Wirtschaftsstruktur des Landes, die sich bis dahin an den einseitigen Interessen der britischen Kolonialmacht orientiert hatte, sollte möglichst schnell beseitigt werden. Nkrumah erkannte, dass die ghanaische Wirtschaft nicht nur abhängig vom Anbau und dem Export von Kakao war und somit die Entwicklung des Landes an die Weltmarktpreise für dieses Cash-Crop-Produkt gekoppelt war. Im gesamten Land gab es zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit zudem keine Industrieanlagen. Paradoxerweise wies Ghana zwar die höchsten Kakaoexportraten weltweit auf, dennoch gab es nicht einmal eine einzige Weiterverarbeitungsanlage für Kakao in Ghana selbst. Mit dem First Five Year Development Plan (1951-1956), dem Second Five Year Development Plan (1959-1964) sowie dem Consolidation Plan (1957-1959) legte die ghanaische Regierung unter der Führung Kwame Nkrumahs die Grundlage für die Modernisierung und Industrialisierung des Landes. Eine Bestandsaufnahme im Jahr 1964 ergab, dass die Umsetzung der Entwicklungspläne von Erfolg gekrönt waren. Ghana besaß das modernste Straßennetz Afrikas. Die Häfen in Takoradi und Tema waren vergrößert und ausgebaut bzw. wiederaufgebaut worden. Die landwirtschaftliche Produktion war diversifiziert und mechanisiert worden. Zudem konnten große Erfolge und Fortschritte im Aufbau des Bildungs- und Gesundheitswesens nachgewiesen werden. Mit dem Volta River Project wurde zudem die zukünftige Sicherung der ghanaischen Stromversorgung angestrebt.

Im März 1964 stellte die ghanaische Regierung den Seven Year Development Plan vor, welcher Nkrumah zufolge drei wesentliche Punkte in das Zentrum der Entwicklung des Landes stellte: eine schnelle Steigerung des Wachstums der nationalen Wirtschaft, eine sozialistisch geprägte Transformierung aller Wirtschaftsbereiche und die radikale Vernichtung aller noch vorhandenen Wirtschaftsstrukturen der Kolonialzeit. Kwame Nkrumah erlangte auch auf innerafrikanischer Ebene große Anerkennung für seine politischen und wirtschaftlichen Bemühungen. Er proklamierte die Einheit Afrikas und rief alle Afrikaner dazu auf die Fesseln des Kolonialismus abzuschütteln. In Africa Must Unite (1963) stellte er heraus: So wie unsere Stärke auf einer einheitlichen Politik und fortschreitenden Entwicklung beruht, so beruht die Stärke der Imperialisten auf unserer Uneinigkeit. Wir in Afrika können ihnen nur dann wirksam begegnen, wenn wir ihnen eine einheitliche Front und das Bewusstsein unserer afrikanischen Sendung gegenüberstellen. Aufgrund seiner steigenden Popularität im Kampf gegen Ungerechtigkeit und für die Befreiung Afrikas entwickelte sich der ghanaische Präsident für die Kolonialmächte zu einer immer größer werdenden Gefahr. Besonders deutlich hatte Nkrumah die wirtschaftliche Ausbeutung der afrikanischen Rohstoffe durch transnationale Konzerne in seinem Buch Neocolonialism. The Last Stage of Imperialism (1965) herausgestellt. In diesem Werk betonte er, dass sich auch mit der formellen Unabhängigkeit der afrikanischen Länder an den ökonomischen Ausbeutungsstrukturen der Kolonialzeit nichts geändert hat. Im Rahmen des nun praktizierten Neokolonialismus würden sich Macht und Einfluss von internationalen Öl- und Bergbaukonzernen, wie der Anglo-American Corporation oder der American Metal Climax, in Afrika weiter manifestieren.

Eines der Lieblingsprojekte Kwame Nkrumahs war die Segelflugschule in Afienya, 30 km von Accra, die von Hanna Reitsch, Täve Löhr und Entwicklunghelfern ab 1964 aufgebaut wurde. Im Rahmen dieses Projekts wurden auch Modellbaulehrer ausgebildet, die ihre Kenntnisse in den Klassen der höheren Schulen weitergaben. An der Segelflugschule Afienya wurden auch einheimische Segelfluglehrer ausgebildet, die ab Mitte 1966 die gesamte Schule in eigener Regie weiterführen sollten. Mit dem Sturz von Kwame Nkrumah am 24. Februar 1966 wurde die Segelflugschule für die einheimische Bevölkerung geschlossen.

Sturz[Bearbeiten]

Sowjetische Briefmarkenausgabe anlässlich Nkrumahs 80. Geburtstag im Jahr 1989

Die Ansichten Nkrumahs gegenüber der ehemaligen britischen Kolonialmacht und deren kapitalistischen Verbündeten wurden ihm schließlich zum Verhängnis. Im Zuge des Kalten Krieges und mit Unterstützung westlicher Machthaber wurde Nkrumah im Jahr 1966 während einer Auslandsreise in die Volksrepublik China durch einen Militärputsch vom prowestlichen National Liberation Council (NLC) gestürzt. Dieser Putsch wurde damit gerechtfertigt, die Regierung Kwame Nkrumahs habe Ghana in ein wirtschaftliches Chaos geführt und der Präsident selbst habe sich als eine Art sozialistischer Diktator am Staat bereichert. Angeblich hätte Ghana nach seiner Entlassung aus britischen Kolonialbesitz (im Jahre 1957) gute Startbedingungen gehabt und Nkrumah habe das Land durch Fehlentscheidungen und Misswirtschaft zu Grunde gerichtet. Nkrumah ging nach Guinea ins Exil, wo er bis 1967 den Ehrentitel eines Co-Präsidenten erhielt. Er widersprach den Behauptungen und Anschuldigungen in seinem Buch The Big Lie (1968), in welchem er den Intrigen gegen seine Person bzw. seine Regierungszeit mit harten Argumenten entgegentrat. 1972 starb der seinerzeit weltweit populärste Verfechter des Panafrikanismus in Bukarest.

Denken[Bearbeiten]

Kwame Nkrumah Memorial in Ghanas Hauptstadt Accra.

Paulin Hountondji hat die Brüche im Denken Nkrumahs betont. Während der frühe Nkrumah auf der Kontinuität des Sozialismus im Verhältnis zum ‚Kommunalismus‘ des ‚traditionellen‘ Afrikas beharrt, ein idealisierendes Bild des vorkolonialen Afrikas zeichnet (keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen) und sich als Schüler Gandhis versteht, sieht der späte Nkrumah die Notwendigkeit des gewaltsamen Bruchs mit den neokolonialen Verhältnissen, des Kampfes gegen den Imperialismus und seine afrikanischen Verbündeten. In African Socialism revisited lehnt Nkrumah daher auch die Vorstellung eines ‘afrikanischen Sozialismus‘ im Sinn Nyereres, der einer „Ideologie der Kontinuität“ (Hountondji) verhaftet bleibt, ab.

Während die frühen Arbeiten betonen, dass es im vorkolonialen Afrika keinen Klassenkampf gegeben habe, lehnt der späte Nkrumah die Fetischisierung des vorkolonialen Afrika ab. „Nkrumah wird nie wieder Afrika als eine besondere Welt vorstellen, sondern er akzeptierte, dass unsere Gesellschaften denselben Gesetzen unterworfen sind wie jede andere Gesellschaft der Welt, und dass die afrikanische Revolution, wenn sie richtig verstanden wird, untrennbar mit der Weltrevolution verbunden ist.“

In Africa must unite (1963) hatte Nkrumah die sofortige Bildung einer gesamtafrikanischen Regierung gefordert. Später setzte er auf eine Einigungsbewegung, die von der Basis ausgeht, während es zwischen antiimperialistischen Regierungen und den vom Westen unterstützten „Marionettenregimes“ keine Gemeinsamkeit geben könne.

Literatur[Bearbeiten]

Schriften von Nkrumah[Bearbeiten]

  • Towards Colonial Freedom
  • What I mean by Positive Action, Accra 1949
  • Ghana. Autobiography of Kwame Nkrumah, 1957, Neuauflage 1970
  • I speak of Freedom: a Statement of African Ideology, (New York 1964)
  • Africa must unite (1963, Nachdruck bei Panaf)
  • Consciencism. Philosophy and Ideology for Decolonization and Development (bei Heinemann 1964, mit wichtigen Änderungen 1970 bei Panaf)
  • Neocolonialism, the last stage of Imperialism, 1965
  • Challenge of the Congo, 1967
  • Dark Days in Ghana, New York 1968
  • Handbook of Revolutionary Warfare, 1968
  • The Big Lie, 1968
  • The Struggle Continues,1968
  • Two Myths enthält African Socialism revisited und The Myth of the Third World

Schriften über Nkrumah[Bearbeiten]

  • David Birmingham: Kwame Nkrumah. The Father of African Nationalism, Ohio University Press, 1998.
  • Paulin Hountondji: Das Ende des ‚Nkrumahismus‘ und die (Wieder-)Geburt Nkrumahs. In: ders., Afrikanische Philosophie. Mythos und Realität. Berlin: Dietz Verlag 1993.
  • Samuel G. Ikoku: Le Ghana de Nkrumah. Autopsie de la Ire République (1957-1966). (Übersetzung von: Mission to Ghana, durch Yves Bénot). Maspero, Paris 1971. 234 p.
  • Christian Kohrs: Nkrumah-Rawlings. Eine Annäherung an das politische Denken zweier ghanaischer Staatsmänner. Books on African Studies, 2001
  • Hanna Reitsch: "Ich flog in Afrika für Kwame Nkrumahs Ghana" Herbig Verlag, verbesserte und erweiterte Auflage Januar 1979

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://books.google.de/books?id=KG5sPR-2POgC&pg=PA143&lpg=PA143&dq=Francis+Nwia+Kofie+Kwame+Nkru-mah++-wiki&source=bl&ots=36D8dd6mfN&sig=qYNwY6X9sPugWAHkQKB51_idMAE&hl=de&ei=kYUjTLfrPIGOOPHw2P0E&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=5&ved=0CCYQ6AEwBA#v=onepage&q&f=false
  2. Kwame Nkrumah: Schwarze Fanfare, München 1958, S. 33 - 35
  3. F. K. Buah: A History of Ghana. Revised and updates, 1998, S. 182

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kwame Nkrumah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien