Liberia

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Dieser Artikel behandelt den afrikanischen Staat. Zur Politikerin der Niederländischen Antillen siehe Maria Liberia-Peters, zur Stadt in Costa Rica siehe Liberia (Costa Rica).
Republic of Liberia (englisch)
Republik Liberia
Flagge Liberias
Wappen Liberias
Flagge Wappen
Wahlspruch: “The love of liberty brought us here“
Deutsch: „Die Freiheitsliebe führte uns hierher.“
Amtssprache de jure: keine
de facto: Englisch
Hauptstadt Monrovia
Staatsform Republik
Regierungssystem Präsidialsystem
Staatsoberhaupt, zugleich Regierungschef Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf
Fläche 97.079 km²
Einwohnerzahl 4.092.310 (Juli 2014)
Bevölkerungsdichte 42,15 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Nominal
2007[1]
  • 730 Mio. US$ (165.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 340 US$ (179.)
Human Development Index 0,412 (175.)[2]
Währung Liberianischer Dollar (LRD)
US-Dollar (USD)
Unabhängigkeit 26. Juli 1847 (von den USA)
Nationalhymne All Hail, Liberia Hail
Zeitzone UTC±0
Kfz-Kennzeichen LB
ISO 3166 LR, LBR, 430
Internet-TLD .lr
Telefonvorwahl +231
Ägypten Tunesien Libyen Algerien Marokko Mauretanien Senegal Gambia Guinea-Bissau Guinea Sierra Leone Liberia Elfenbeinküste Ghana Togo Benin Nigeria Äquatorialguinea Kamerun Gabun Republik Kongo Angola Demokratische Republik Kongo Namibia Südafrika Lesotho Swasiland Mosambik Tansania Kenia Somalia Dschibuti Eritrea Sudan Ruanda Uganda Burundi Sambia Malawi Simbabwe Botswana Äthiopien Südsudan Zentralafrikanische Republik Tschad Niger Mali Burkina Faso Jemen Oman Vereinigte Arabische Emirate Saudi-Arabien Irak Iran Kuwait Katar Bahrain Israel Syrien Libanon Jordanien Zypern Türkei Afghanistan Turkmenistan Pakistan Griechenland Italien Malta Frankreich Portugal Madeira Spanien Kanaren Kap Verde Mauritius Réunion Mayotte Komoren Seychellen Îles Éparses Madagaskar São Tomé und Príncipe Sri Lanka Indien Indonesien Bangladesch Volksrepublik China Nepal Bhutan Myanmar Antarktika Südgeorgien (Vereinigtes Königreich) Paraguay Uruguay Argentinien Bolivien Brasilien Frankreich (Französisch-Guayana) Suriname Guyana Kolumbien Kanada Dänemark (Grönland) Island Mongolei Norwegen Schweden Finnland Irland Vereinigtes Königreich Niederlande Barbados Belgien Dänemark Schweiz Österreich Deutschland Slowenien Kroatien Tschechische Republik Slowakei Ungarn Polen Russland Litauen Lettland Estland Weißrussland Moldawien Ukraine Mazedonien Albanien Montenegro Bosnien und Herzegowina Serbien Bulgarien Rumänien Georgien Aserbaidschan Armenien Kasachstan Usbekistan Tadschikistan Kirgisistan RusslandLiberia on the globe (Africa centered).svg
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Die Republik Liberia (dt.: [liˈbeːri̯a], engl.: [laɪˈbɪəɹɪə]; veraltet Liberien) ist ein Staat in Westafrika und grenzt an Sierra Leone, Guinea, Elfenbeinküste sowie an den Atlantik.

Inhaltsverzeichnis

Geografie[Bearbeiten]

Liberia liegt im Südwesten Westafrikas an der Atlantikküste. Die Nachbarländer Liberias sind Sierra Leone, Guinea und Elfenbeinküste.

Die Portugiesen waren 1461 die ersten europäischen Entdecker, die Kenntnis von diesem Land erhielten, das zunächst mit dem Namen Pfefferküste („Costa de Malagueta“) in die Landkarten eingetragen wurde. Die Mesorado Bay, Cape Palmas und das Kap Mesurado wurden neben einigen Flussmündungen und auffälligen Bergen als Orientierungspunkte der etwa 579 km langen Küstenlinie beschrieben.

Das Staatsgebiet umfasst 97.079 km².[Anmerkung 1] Es verteilt sich auf 82.030 km² Landfläche sowie 15.049 km² Hoheitsgewässer.[3]

Die Staatsgrenze hat eine Gesamtlänge von 1585 km, davon entfallen auf Guinea 563 km, Elfenbeinküste 716 km und Sierra Leone 306 km. Die Ausdehnung des Landes beträgt 520 km in Nordwest–Südost–Richtung und 270 km in Südwest–Nordost–Richtung.[4]

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten]

Liberia liegt in einer geologischen Zone aus erdgeschichtlich sehr alten Gesteinen des Paläozoikums (vor allem Granit und Gneis), deren Oberfläche von starker Verwitterung und Sedimentation geprägt ist.[5]

Das Staatsgebiet Liberias besteht größtenteils aus Bergland und erreicht eine Höhe zwischen 300 bis 500 m Meter über Meeresspiegel. An die 10 bis 50 km breite, sumpfige Küstenebene schließt sich eine bis zu 400 m hohe Plateaulandschaft an. Das von Regenwald überzogene Gebiet wurde durch Erosion in zahllose Kuppen und Täler aufgelöst. Im Norden befinden sich Gebirge. Das Land gehört zur tropischen Regenwaldzone, die etwa 60 Prozent des heutigen Staatsgebietes einnimmt. Die land- und forstwirtschaftliche Nutzung bewirkte zahlreiche kleinteilige Rodungsflächen, bedeutend für die Volkswirtschaft sind neun Gummibaumplantagen.[6][7][8]

Gebirge[Bearbeiten]

Übersicht der Flusssysteme

Die höchste Erhebung ist der Mount Wuteve (1440 m) im Norden des Landes, er gehört zum Gebirgszug der Wologizi Mountains im Nordwesten. Die Nimba Mountains im Norden befinden sich im gleichnamigen County und verfügen über Eisenerzvorkommen, deren Abbau aber durch den Bürgerkrieg zum Erliegen kam. Im mittleren Nordwesten liegen die Mano-Hills, im Zentrum erstreckt sich das Bong Range bis an die Vorstädte der Hauptstadt Monrovia, das Putu Range im Osten reicht bis auf 80 km an die Küstenstadt Greenville heran.[7][9]

Gewässer[Bearbeiten]

Der Guineastrom (Guinea Current)

Auf die Küste Liberias strömt unablässig der Guineastrom, eine warme Meeresströmung des Atlantischen Ozeans ein. Sie ist verantwortlich für die Sedimentablagerungen entlang der Küstenlinie in Form von Nehrungen und ein Klimafaktor.

Das Gewässernetz besteht aus zahllosen Bächen und etwa zehn größeren Flüssen, die zumeist in südwestlicher Richtung zur Küste fließen. Die bedeutendsten Flüsse sind (von Nord nach Süd): Mano River, Lofa River, Saint Paul River, Saint John River, Timbo River, Cestos River, Sehnkwehn River und der Cavalla River.[10] Der größte See ist der Piso-See (etwa 100 km²) bei Robertsport. Entlang der Küste befinden sich zahlreiche kleine Lagunen und Mangrovensümpfe. Der Mount-Coffee-Staudamm am Unterlauf des St. Paul River und das Firestone-Wasserkraftwerk am Farmington River sind die bisher einzigen Staudämme des Landes.[7]

Klima und Niederschlag[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Monrovia

Überwiegend herrscht ein feuchtes, tropisch-heißes Klima mit einer Jahresmitteltemperatur von 32 bis 34 °C. Über elf Monate des Jahres sind die Bedingungen humid, so dass das Land zu den Immerfeuchten Tropen zählt.[11]

Zonen[Bearbeiten]

Das in Äquatornähe befindliche Liberia hat folgende Besonderheiten der klimatischen Verhältnisse:

  • im Küstenbereich herrscht Tropenklima mit gleichbleibend heiß-feuchtem Wetter,
  • in der nördlichen Küstenebene, wird die Regenzeit im August durch eine Trockenperiode unterbrochen,
  • in den nördlichen Landesteilen herrscht von Juni bis Oktober die Regenzeit, die von den Niederschlagsregimen des westafrikanischen Monsuns bestimmt werden
  • im äußersten Süden gibt es sogar zwei Regenzeiten.

Temperaturen[Bearbeiten]

An der Küste werden 24 °C bis 27 °C , im Landesinneren 22 °C bis 28 °C gemessen. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 26 °C im Januar und 24 °C im Juli.

Niederschläge[Bearbeiten]

Die Regenzeit ist durch ergiebige Niederschläge in allen Landesteilen gekennzeichnet, in dieser Zeit bricht der Straßenverkehr im Hinterland oft für Wochen zusammen: In der Hauptstadt Monrovia betragen die jährlichen Niederschläge 5130 mm, in Robertsport (Nordwestküste) 5210 mm und im trockeneren Südosten bei Harper lediglich 2500 mm.[7][9]

Im Jahresdurchschnitt nehmen die Niederschläge zum Landesinneren hin stark ab, in den Mittelgebirgen im Norden dagegen steigen sie wieder an.[12] Insbesondere im Landesinneren kommt es in der Trockenzeit von Oktober bis März zum staubig-heißen Harmattan-Wind, einem Passatwind aus Nordost, aus der südlichen Sahara, der die Temperaturen nach oben treibt.[Anmerkung 2]

Böden[Bearbeiten]

Straße von Monrovia nach Lofa County

Die Böden (WRB) Liberias sind in der FAO Soil Map of Africa abgebildet.[13] Obwohl das Klima optimal für Pflanzen ist, ist die Nutzung wegen des Bodens starken Einschränkungen unterworfen. Die immerfeuchten, warmen Bedingungen führen nämlich zu einer intensiven Verwitterung des Ausgangsmaterials, so dass die für diese Klimazone typischen, geringwertigen Bodentypen vorherrschen:

In weiten Teilen des Landes sind Ferralsole absolut dominant. Dieser Bodentyp ist extrem verwittert und ausgewaschen, so dass er nahezu keine Nährstoffe mehr enthält und diese nach einer Düngung auch nicht speichern kann. Die Nährstoffe sind in Vegetation und Streu enthalten. Nach einer Rodung wird der Boden innerhalb weniger Regenschauer vollständig ausgelaugt. Ferralsole können nur über Wanderfeldbau oder mit Dauerkulturen wie Plantagen dauerhaft genutzt werden.

Vom Küstenstreifen bis auf etwa 150 m über NN dominieren leuchtend orange-gelbe (xanthic) Ferralsole. Im gebirgigen Landesinneren liegen humose (humic) und verhärtete (plinthic) Ferralsole vor und an der Grenze zu Guinea typische (haplic) Ferralsole.

Im Endstadium der Verwitterung werden die Silikate ausgewaschen (Desilifizierung), so dass nur die widerspenstigsten Eisen- und Aluminiumoxide zurückbleiben (Ferrallitisierung). Diese können sich mit Tonpartikeln verkitten, und verhärten dann nach einmaligem Trockenfallen irreversibel (Plinthitbildung). Danach ist das Bodenmaterial allenfalls noch als Baumaterial einsetzbar. Die Neigung zur Verhärtung ist fast landesweit zu beobachten. Besonders stark betroffene Böden (Plinthosole) sind vereinzelt mit Ferralsolen vergesellschaftet.

An der Grenze zur Elfenbeinküste und landesweit vergesellschaftet kommt auch den Acrisolen Bedeutung zu. Dies sind nährstoffarme, saure Böden mit einer Tonverlagerung. Sie neigen zur Verschlämmung und Verkrustung, weshalb gerodete Flächen schwer zu bearbeiten und sehr erosionsanfällig sind. Auf ihnen müssen säuretolerante Kulturen wie Ölpalmen angebaut werden, die den Boden möglichst immer bedecken.

Neben diesen großflächig dominanten Böden kommen noch weitere mit nennenswerter Verbreitung vor:

  • Cambisole liegen als relativ fruchtbare, junge Böden, in den Flusstälern.
  • Fluvisole bilden sich aus Flusssedimenten und befinden sich direkt an großen Flüssen.
  • Gleysole liegen in den Feuchtgebieten und sind stark grundwasserbeeinflusst
  • Leptosole sind sehr flachgründige Böden in den Gebirgslagen.[14]
  • Nitisole sind junge, fruchtbare Böden, die kleinräumig im Bergland vorkommen
  • Regosole sind die jungen, kaum ausgeprägten Böden auf den Dünen des Küstenstreifens..

Natur[Bearbeiten]

Liberia ist ein sehr artenreiches Gebiet in Afrika. Seit dem 19. Jahrhundert haben Forschungsexpeditionen in den dichten Regenwäldern Liberias immer wieder seltene und einzigartige Tierarten entdecken können. Nach Auskunft von Naturschutzbehörden sind im Land bereits 2200 Pflanzenarten, 193 Säugetierarten und 576 Vogelarten bekannt.[6][15]

Flora[Bearbeiten]

Typisch für die Vegetation Liberias ist der immergrüne Regenwald. Im äußersten Norden des Landes gibt es auch einige Zonen, die als Feuchtsavanne gelten, die Küsten sind teilweise von Mangrovensümpfen bedeckt. Insbesondere Teak- und Mahagoni-Hölzer stellen besonders wertvolle Baumarten dar. Nur an Stellen, an denen weniger als 2000 mm Niederschlag pro Jahr fällt, sind die Wälder teilweise laubabwerfend.[16][Anmerkung 3]

Fauna[Bearbeiten]

Leoparden, Waldelefanten und Flusspferde sind die bekanntesten Großsäugetiere Liberias, die bis in die jüngste Vergangenheit auch als Jagdwild angesehen wurden. Im Sapo-Nationalpark im Osten des Landes lebt eine der weltweit letzten Populationen des Zwergflusspferdes.[17] Zu den seltenen Arten, die im Land vorkommen gehören darüber hinaus:

  • Die Liberia-Manguste oder Liberia-Kusimanse (Liberiictis kuhni) ist eine in Westafrika lebende Raubtierart aus der Familie der Mangusten. Sie wurde erst im Jahr 1958 wissenschaftlich beschrieben und gilt als bedroht.[18]
  • Die Dianameerkatze (Cercopithecus diana) ist eine Primatenart aus der Gattung der Meerkatzen (Cercopithecus).[19]
  • Westafrikanische Stummelaffen sind Baumbewohner, jedoch bei ihrem Lebensraum flexibler als ihre östlichen Verwandten. Neben Regenwäldern finden sie sich etwa auch in Mangrovengebieten und baumbestandenen Savannen.[20]
  • Jentink-Ducker (Cephalophus jentinki) sind vom Aussterben bedroht. Die Art kommt nur noch in einzelnen Gebieten Sierra Leones, Liberias und der westlichen Elfenbeinküste vor. Ihr Überleben hängt stark davon ab, ob verbleibende Regenwaldgebiete, wie die des Sapo National Parks geschützt werden können.[21]
  • Die Gattung der Schimpansen unterteilt sich in zwei Arten, diese in weitere Unterarten. Die in Liberias Regenwäldern vorkommende westliche Unterart weicht im Schädelbau und auch in DNA-Sequenzen so stark von den anderen Unterarten ab, dass sie möglicherweise eine eigene Art darstellt.[22]

Regenwälder[Bearbeiten]

In den Regenwäldern des Landes findet sich eine Vielfalt verschiedenster Tiere. Besonders zahlreich sind die Reptilienarten, darunter zum Beispiel Krokodile, ebenso eine Vielzahl mehr oder weniger giftiger Schlangenarten sowie Skorpione und Eidechsen. Artenreich sind auch die Insekten vertreten, bunte Schmetterlinge teilen sich den Luftraum mit Fledermäusen und Vögeln (auch Papageienarten). An Säugetieren werden beispielsweise Schimpansen, Antilopen und Zwerg-Flusspferde erwähnt. Aber auch Waldbüffel und Elefanten sowie die inzwischen selten gewordenen Leoparden sind hier beheimatet.

Gewässer[Bearbeiten]

Die Küstengewässer sowie die zahlreichen Flüsse beherbergen eine Vielzahl von Fischarten und Schalentieren. Auch Schildkröten und Seevögel nutzen diesen Lebensraum. Eine Besonderheit stellen die von wechselnden Wasserständen und Brackwasserzonen geprägten Mangrovensümpfe dar.

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Die internationale Naturschutzorganisation Fauna & Flora International war die erste Organisation, die es bereits 1997 wagte, nach Liberia zu gehen, um den Natur- und Umweltschutz im Lande zu organisieren. Der Sapo-Nationalpark und das Naturschutzgebiet der Nimbaberge waren die ersten Erfolge des Projektteams. Der Gedanke des Naturschutzes wurde auch in der Überarbeitung der Gesetze und Bestimmungen zum Holzeinschlag im Regenwald eingearbeitet.[23] Parks, Naturschutzgebiete und Jagdgebiete (Safaris) zählten schon früh zu den touristischen Trümpfen Liberias. Folgende Schutzgebiete bestehen gegenwärtig:

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Liberias

Ur- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Lage und Ausdehnung westafrikanischer Reiche

Erst in den 1970er Jahren wurde eine systematische landesweite Untersuchung der Ur- und Frühgeschichte Liberias begonnen. Diese kaum zehn Jahre andauernde Forschungskampagne lieferte wichtige Aussagen und Belege für die Besiedlungsgeschichte des Landes.[Anmerkung 4]

Die früheste Besiedlung des heutigen Staatsgebietes von Liberia setzte in der späten Jungsteinzeit von Norden kommend ein. Die zuwandernden Gruppen nutzten die savannenartige Landschaft in der Nimba-Region zunächst als Jagdrevier. Ein Vordringen bis zur Küste des Atlantiks erfolgte entlang der Flussläufe, diese boten den Menschen Nahrung und Orientierung. Es fanden sich bevorzugt auf Schotterflächen am Ufer der größeren Flüsse charakteristische Steinabschläge und Werkzeugreste dieser ersten Siedler, die das Leben von Wildbeutern führten.

Als Periplus bekannte Reisebeschreibungen antiker Autoren berichten von den Expeditionen des Sataspes und Hannos. Sie gelten inzwischen als glaubhafte Belege der ersten planmäßigen Erkundungsfahrten entlang der afrikanischen Küsten bis in den Golf von Guinea und ergänzten die zuvor bereits von ägyptischen Pharaonen in Auftrag gegebenen Forschungsreisen in das Innere des Kontinentes.[25]

Die in Westafrika entstandenen Reiche am Niger waren seit dem 13. Jahrhundert in heftige Kämpfe untereinander verwickelt, die häufige Flüchtlingsströme auslösten, hierbei dienten auch die nach Süden angrenzenden tropischen Regenwaldgebiete als Rückzugsraum. Mit Zunahme dieser Kämpfe blieben offenbar Gruppen dieser Flüchtlinge im Regenwald zurück und sonderten sich so von ihren bisherigen Volksgruppen und deren Feinden ab, sie bewahrten dabei Reste ihrer Sprache, Riten und Bräuche.[26]

Der Weg zur Staatsgründung[Bearbeiten]

Versorgungsschiff USS Hamilton

Liberia war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger Sklaven aus den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger Sklaven und länger ansässigen Ethnien prägen das Land bis heute. Nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg fanden im November 2005 Wahlen statt.

Im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts erreichten Portugiesen die Küste des heutigen Liberia, erkundeten das Land jedoch nicht weiter. Der Landstrich wurde als Guinea-Küste – später auch als Pfefferküste bezeichnet. Im Jahr 1822 kaufte die American Colonization Society, eine Gesellschaft von weißen US-Amerikanern, den Küstenstreifen, um dort freigelassene ehemalige Sklaven anzusiedeln und gleichzeitig selbst Kolonialherren zu werden. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges lebten dort rund 12.000 Afroamerikaner. Die daraus entstandene Herrschaft einer schwarzen Elite wurde erst im April 1980 durch einen Putsch durch Samuel K. Doe gebrochen. Die Hafenstadt Monrovia entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Knotenpunkt im Seeverkehr. Nach der Berliner Kongokonferenz im Winter 1884–1885 mussten Teile des Landes an Frankreich abgetreten werden. Der Einfluss der USA verhinderte eine vollständige Annexion. Die afrikanische Bevölkerung erhielt 1904 Bürgerrechte und 1907 das Wahlrecht. 1926 wurde den US-Firmen Firestone und Goodrich Corporation ein Teil des Staatsgebietes für Gummiplantagen für 99 Jahre überlassen. Firestone begründete daraufhin in Liberia die größte Kautschukplantage der Welt. 1950 stellte Kautschuk einen Anteil von fast 90 Prozent am Gesamtexportvolumen Liberias, es bestand somit eine totale wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes von den USA. Die Anhebung des Preises für Reis löste 1979 landesweite Demonstrationen und Unruhen aus. Am 12. April 1980 übernahm Samuel K. Doe nach einem Militärputsch die Macht. Damit begann eine 20-jährige Phase der politischen Instabilität. Doe wurde 1990 abgesetzt, gefoltert und getötet. Es folgte der 14 Jahre währende Bürgerkrieg. Nachdem der Waffenstillstand der Bürgerkriegsparteien 2003 besiegelt war, verließ Präsident Taylor das Land. Seit dem 16. Januar 2006 ist Ellen Johnson-Sirleaf gewählte Präsidentin Liberias.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungszunahme seit 1960
Bevölkerungspyramide
Statistische Daten (2005)[27]
Lebenserwartung
Jahre
58
Sterberate
je 1000 Einwohner
20
Geburtenrate
je 1000 Einwohner
50
Fruchtbarkeitsrate
pro Frau
6,8
Kindersterblichkeit
auf 1000 Lebendgeborene
235
Säuglingssterblichkeit
auf 1000 Lebendgeborene
157
Bevölkerungswachstum 2,9 %
Bevölkerungsdichte
Einwohner pro km²
34
Städtische Bevölkerung 58 %
Bevölkerung
unter 15 Jahren
47 %
Bevölkerung
über 65 Jahren
2 %

Nach den amtlichen Endergebnissen der Volkszählung von 2008 leben 3.476.608 Menschen in Liberia.

Prognose: Bei einer konstant sehr hohen oder sogar steigenden Geburtenrate zeigt die Pyramide eine sich nach unten exponentiell verbreiternde Basis. Dies geht einher mit einer meist geringen Lebenserwartung und einer früh einsetzenden, hohen Sterberate über alle Lebensalter hinweg. Waren es im Jahr 2007 noch 3,8 Millionen Einwohner, wird für das Jahr 2050 eine Zahl von 12,5 Millionen Einwohnern prognostiziert – eine Verdreifachung innerhalb von 45 Jahren.[28][29][30]

Migration und Urbanisierung[Bearbeiten]

Der Prozess der Migration und Urbanisierung hält in der Metropolregion Monrovia an, das Siedlungsgebiet reicht bis zu 30 Kilometer in das Hinterland und führt zu einem Anstieg sozialer Spannungen. Ein Großteil der ländlichen Bevölkerung lebt in der nördlichen Grenzregion zu Guinea. Bei der letzten Volkszählung wurden etwa 10.000 bewohnte Siedlungen in Liberia ermittelt.[31][Anmerkung 5]

Die sechs größten Städte waren 2008:

Bevölkerungsgruppen[Bearbeiten]

Völker Liberias (um 1970)
Hauptartikel: Volksgruppen in Liberia

Artikel 27 der liberianischen Verfassung legt fest, dass nur „Neger oder Personen, die von Negern abstammen“ („persons who are Negroes or of Negro descent“) die Staatsbürgerschaft erlangen können.[32] Es existiert eine von Afroamerikanern abstammende Bevölkerungsschicht, die Kreolen oder „Amerikoliberianer“ genannt werden, sie machen 2–5 Prozent der Bevölkerung Liberias aus und sind größtenteils Christen. Als Minderheit leben noch etwa 8000 Libanesen in Liberia.[33]

Die 16 indigenen ethnischen Einheiten Liberias unterteilen sich in zwei unterschiedliche Kultur- und Sprachgruppen. Die einen gehören zu den Mandevölkern: Die Kpelle, die in der Landesmitte traditionell als Hackbauern leben, stellen 20,3 % der Bevölkerung. Im Norden leben Gio oder Dan mit 8 % und die Mano mit 7,9 %. Weitere bedeutende Mandevölker sind die Loma mit 5,1 % und die Vai mit 3 % Bevölkerungsanteil.[3]

Die zweite Gruppe bilden die Völker, die Kwa-Sprachen sprechen: Davon sind die größte Volksgruppe die Bassa um Buchanan, welche 13,4 % der Landesbevölkerung ausmachen und vielfach im Bergbau sowie als Hausbedienstete tätig sind. An der Küste östlich von Greenville spielen die Kru mit einem Einwohneranteil von 6 % eine wichtige Rolle in seemännischen und technischen Berufen; mehr als 400 Jahre lang waren sie als Matrosen auf der Westafrikaroute geschätzt.[34] Weitere Kwa-Völker sind die Grebo mit 10 % und die Krahn mit 5 %.[35] Weiterhin gibt es noch die Volksgruppen der Gola mit 4,4 %, der Kissi, Malinke (Mandingo) und Bela.[36]

In der Praxis des Zusammenlebens der verschiedenen Teile der liberianischen Gesellschaft entwickelte sich seit den 1860er Jahren in Liberia ein Patronage-System, indem die Familien der ameriko-liberianischen Oberschicht in ihren Haushalten und ím familiären Umfeld Kinder und Jugendliche aus Familien der indigenen Bevölkerung aufnahmen, um sie durch Schul- und Berufsausbildung an sich zu binden. Im Ergebnis dieser zunehmenden Verflechtung mit der Oberschicht entstand eine tief verwurzelte Abhängigkeit und Ergebenheit gegenüber den Ameriko-Liberianern.[37][Anmerkung 6]

In der Folge der Bürgerkriege in den Nachbarländern Sierra Leone und Elfenbeinküste befanden sich im Jahr 2008 noch etwa 12.600 Flüchtlinge aus Sierra Leone in Liberia, gleichzeitig lebt eine etwa gleich große Anzahl von liberianischen Bürgerkriegsflüchtlingen in westafrikanischen Staaten oder hat um politisches Asyl in europäischen Staaten ersucht.[38]

Sprachen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sprachen Liberias

Keine der westafrikanischen Sprachen hat bisher im nationalen Rahmen Liberias eine dominierende Position einnehmen können. Der Staat Liberia benutzt als de facto Amtssprache das Englische, bei dem es sich um das modifizierte Liberianische Englisch handelt, die mit zahlreichen Lehnworten aus einheimischen Sprachen durchsetzt ist. Mittlerweile bezeichnen 2,5 Prozent der Bevölkerung — Nachfahren der aus den USA zurückgesiedelten befreiten Sklaven — Englisch als Muttersprache.

Im täglichen Leben überwiegt der Gebrauch der Sprachen einzelner Volksgruppen. Mande wird im Westen und Norden des Landes gesprochen und Kru im Osten und Süden. Weitere Sprachen in Liberia sind Gola und Kpelle.

Einige dieser Völker sind durch hohe Leistungen bei der Entwicklung eigener Schriften bekannt geworden. Die Vai-Schrift stellt eine Besonderheit unter den Schriften dar: Sie wurde entwickelt, um die westafrikanischen Familien- und Ortsnamen und weitere Personendaten in den Kirchenbüchern zu notieren. Die Schrift wurde von gebildeten Volksgruppenmitgliedern beherrscht, die derartige Daten an die Behörden melden mussten. Alle bekannt gewordenen Beispiele der Vai-Schrift werden im Museum Monrovias gesammelt. Im 20. Jahrhundert wurden auch unter den Kpelle, Bassa und Loma weitere Schriften entdeckt, die ebenfalls phonetische Schreibschriften auf der Grundlage vorhandener Piktogramme darstellen. Inzwischen hat allerdings die lateinische Schrift die einheimischen Schriftsysteme weitgehend verdrängt.[35]

Religionen[Bearbeiten]

Etwa 85,6 Prozent der Bevölkerung (vorwiegend in der Küstenregion) sind Christen, 12,2 Prozent sind Muslime und nur noch 0,6 Prozent bekennen sich zu den traditionellen Naturreligionen. 1,4 % haben keine Religion.[3]

Der National Muslim Council of Liberia in Monrovia wird von Shaykh Kafumba Konneh angeführt, er vertritt die etwa 670.000 gläubigen Muslime.[39]

Die Römisch-katholische Kirche hat in Liberia 166.000 Gläubige, es bestehen drei Bistümer: das Erzbistum Monrovia mit 132.600 Gläubigen, das Bistum Cape Palmas mit 19.100 Gläubigen und das Bistum Gbarnga mit 14.300 Gläubigen, die Einteilung erfolgte in den 1950er Jahren.[40] Der Erzbischof von Monrovia, Lewis Zeigler, ist auch Vorsitzender der Bischofskonferenz von Liberia.[39]

Die Vereinigte Methodistische Kirche in Liberia wurde 1833 in Monrovia gegründet. Der Bischof der 68.300 gläubigen Methodisten ist Reverend Dr. Samuel J. Quire Jr.[39]

An der Spitze der 35.600 Gläubigen der Lutherischen Kirche von Liberia steht Bischof Sumoward E. Harris.[39]

Liberia ist Teil der Anglican Communion, Province of West Africa als Protestantische Eposkipalkirche von Liberia. Diese Kirche wurde bereits 1836 in Liberia gegründet und trat 1982 der Kirchenprovinz Westafrika bei. Metropolit der Kirchenprovinz ist der amtierende Bischof von Accra in Ghana. Der Bischof von Liberia, mit Amtssitz in Monrovia, war bis 2011 Reverend Edward Neufville, sein Bistum hat gegenwärtig etwa 20.000 Gläubige.[39]

Zu den Freikirchen in Liberia gehört die Pfingstgemeinde – Assemblies of God mit 14.500 Gläubigen, sie hat 287 Kirchgemeinden und wurde bereits 1908 gegründet. An der Spitze steht der General Superintendent Jimmie K. Dugbe.[39]

Die Providence Baptist Church in Liberia wird von Reverend A. Momolue Diggs geleitet und hat etwa 2500 Gläubige. Die Kirche hat 300 Pfarreien (congregations) und betreibt acht Schulen. The Liberian Baptist Missionary and Educational Convention Inc. wurde bereits 1880 in Monrovia (Hauptsitz) gegründet, er steht gegenwärtig unter der Präsidentschaft von Reverend J.K. Levee und Reverend Charles W. Blake als Generalsekretär.[39]

Der Einfluss der USA ist auch in der Religionsausübung fühlbar, hierbei wächst besonders der Einfluss der Methodistischen Kirche, der Baptisten, Presbyterianer und der Episkopalen. Ihre ersten Missionsgesellschaften nahmen bereits kurz nach der Gründung der Republik Liberia ihre Arbeit auf.[41]

Die Zeugen Jehovas zählen in Liberia mehr als 6000 Gläubige.[42]

Politik[Bearbeiten]

Verfassung und Rechtssystem[Bearbeiten]

Die seit 1847 bestehende Republik Liberia ist der zweitälteste unabhängige Staat Afrikas (nach Äthiopien). Die erste Verfassung Liberias wurde bereits am 5. Januar 1839 mit den Hauptvertretern der American Colonization Society inhaltlich beraten und beschlossen. Die Textform bezeichnete das neue Staatswesen als präsidiale Republik des Commonwealth of Liberia.[43]

1984 wurde eine neue Verfassung durch Volksabstimmung angenommen, die sich wie die vorhergehende, eng an das US-amerikanische Modell anlehnt. Die Legislative liegt beim Parlament. Das Parlament besteht (nach amerikanischem Vorbild) aus zwei Kammern:

  1. der Senat verfügt über 30 Senatoren
  2. das Repräsentantenhaus verfügt über 64 gewählte Abgeordnete.[32] Alle Abgeordneten und Senatoren werden durch das Mehrheitswahlrecht bestimmt, wobei die 15 Verwaltungsbezirke („Counties“) Liberias jeweils zwei Senatoren für eine Amtszeit von neun Jahren entsenden.[8][32] Problematischer ist die Bestimmung der Wahlkreise für das Repräsentantenhaus, hier bestimmt die Anzahl der registrierten Wähler, wie viele Wahlkreise im jeweiligen County zu bilden sind.[32] Durch die Bürgerkriegsfolgen befinden sich noch immer zehntausende Menschen in Camps und Flüchtlingslagern, sodass eine exakte Überprüfung der Wahllisten erschwert wird.[8]

Regierung[Bearbeiten]

Der für sechs Jahre gewählte Präsident ist nach der Verfassung von Liberia zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der liberianischen Streitkräfte.[32]

Aus den Präsidentschaftswahlen vom November 2005 ging Ellen Johnson-Sirleaf (Unity Party) mit etwa 59,4 Prozent der Stimmen als Siegerin hervor. Damit setzte sie sich in zwei Wahlgängen gegen 22 Kandidaten durch, unter denen George Weah (Congress for Democratic Change) derjenige war, der mit ihr gemeinsam die Stichwahl erreichte, dort aber unterlag. Sie ist die erste Frau, die durch eine Wahl das Amt eines Staatsoberhauptes in Afrika erlangte.[44] Bei der Wahl im Jahr 2011 kam Sirleaf im ersten Wahlgang am 11. Oktober auf 43,9 Prozent der Stimmen, ihr Herausforderer Winston Tubman vom Kongress für Demokratischen Wandel (CDC) auf 32,7 Prozent. Bei der Stichwahl im November erreichte Sirleaf rund 90 Prozent. Ihr Gegenkandidat war nicht angetreten. Die Wahl wurde überschattet von gewaltsamen Ausschreitungen. Daher war die Wahlbeteiligung gering, sie lag nach Angaben von Experten bei 37 Prozent.[45]

Parteien und Parlament[Bearbeiten]

Die amtierende Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf

In der gegenwärtigen Legislaturperiode bestehen etwa 20 Parteien, die das politische Leben des Landes bestimmen. Die True Whig Party of Liberia führte von 1878 bis 1980 eine faktische Alleinherrschaft der Americo-Liberianer.

Die letzten Parlamentswahlen fanden am 11. Oktober 2006 statt, dabei konnten sich die folgenden 11 Parteien und einige Einzelkandidaten (Unabhängige) behaupten.[44]

Name (englisch) Kürzel Repräsentantenhaus
(Abgeordnete)
Senat
(Senatoren)
Congress for Democratic Change CDC 16 3
Unity Party UP 10 5
Coalition for the Transformation of Liberia COTOL 8 6
Liberty Party LP 8 3
Alliance for Peace and Democracy ADP 5 3
National Patriotic Party NPP 4 3
New Deal Movement NDM 3 0
All Liberia Coalition Party ALCOP 2 1
National Democratic Party of Liberia NDPL 1 2
National Reformation Party NRP 1 1
United Democratic Alliance (Liberia) UDA 1 0
Parteilose 5 3
Total 64 30

Das vorliegende Wahlergebnis von 2006 zeigt die starke Zersplitterung der Parteienlandschaft. Keine politische Gruppierung verfügt über mehr als 15 Sitze im Repräsentantenhaus und über mehr als sieben Senatoren.[8]

Die wichtigste Gewerkschaft des Landes ist die Liberian Federation of Labour Unions.

Justizwesen[Bearbeiten]

Nach dem Staatsstreich von 1980 wurde im Februar 1982 das zuvor aufgelöste People’s Supreme Court als Oberstes Gericht Liberias wieder „installiert“. Zuständig für die Bestätigung von Wahlergebnissen ist seit Januar 1992 ein aus fünf Mitgliedern bestehender unabhängiger Supreme Court (Oberster Gerichtshof), Henry Reed Cooper steht gegenwärtig als Chief Justice of the Supreme Court of Linberia an der Spitze des Justiz-Systems.[46]

Liberias Justizwesen befindet sich ebenfalls im Aufbau, es gibt jedoch nur eine sehr geringe Anzahl von Gerichtsgebäuden, Richtern und Staatsanwälten. Die Kenntnis und Respektierung der Gesetze ist kaum ausgeprägt, in weiten Teilen des Landes erfolgen Prozesse nach althergebrachten archaischen Gesetzen oder den religiösen Vorschriften der Sharia.[47]

Die Haftbedingungen in den liberianischen Gefängnissen sind hart und manchmal lebensbedrohend. Im Gegensatz zu europäischen Rechtssystemen regeln in weiten Teilen Liberias noch konservative Moralvorstellungen, indigenen Gesetzen und Traditionen das Zusammenleben in den ländlichen Regionen. Dort existiert auch die Praxis der Vergewaltigung in der Ehe sowie häusliche Gewalt gegen Kinder und die international geächtete Genitalverstümmelung bei Frauen.[38]

Innen- und Sicherheitspolitik[Bearbeiten]

Der erfolgreiche Wiederaufbau des Staatsapparates ist eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunft des Landes. Seit 1990 ist die ECOWAS-Friedenstruppe ECOMOG im Land, die vorwiegend von Nigeria und Ghana gestellt wird. Auf Druck der ECOWAS wurde der Friedensprozess Mitte der 1990er Jahre fortgesetzt.

Korruptionsbekämpfung[Bearbeiten]

Korruption ist immer noch ein Hauptproblem in allen Ebenen des Staatsaufbaus. Liberia war 2007 auf Platz 150 von 175 Ländern auf der Korruptionswahrnehmungsindex.[38] Bis 2010 konnte sich Liberia jedoch bis auf Platz 87 verbessern und liegt damit gleichauf mit Indien und Marokko.[48]

Reorganisation der Polizei[Bearbeiten]

Appell in der AFL-Garnison

Mit einem Mandat der UNO befinden sich seit dem Ende des Bürgerkrieges etwa 15.000 Angehörige der UNMIL-Friedenstruppen und 1100 UNPOL-Offiziere im Land und helfen die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit zu gewährleisten. Die liberianische Nationalpolizei (LNP) wird unter Beteiligung der UNPOL umstrukturiert, rekrutiert, geschult und mit modernisierter Technik ausgerüstet. Seit 2004 wurden 3500 LNP Offiziere eingesetzt. Die Polizeipräsenz kann aber noch nicht verhindern, dass es zu Fällen von Gewalt und Selbstjustiz kommt.[38]

Außen- und Verteidigungspolitik[Bearbeiten]

Liberia ist Mitglied folgender internationaler Organisationen und Staatenbünde:

Fototermin anlässlich eines Treffens Präsident Barack Obamas und der First Lady Michelle Obama mit der liberianischen Außenministerin King-Akerele.

Liberia zählte seit den 1980er Jahren zu den instabilsten und gefährlichsten Staaten der Welt. Nach dem Bürgerkrieg versucht Liberias Regierung ihre traditionellen Bindungen und Beziehungen zu den USA zu festigen. Im Vorfeld eines Staatsbesuch des US-Präsidenten George W. Bush am 21. Februar 2008 äußerte dieser, dass die Vereinigten Staaten keine neuen U.S. Militärbasen in Afrika planten, obwohl die liberianische Präsidentin Sirleaf sich als bisher einziger Führer eines Afrikanischen Landes dafür eingesetzt hatte, das Hauptquartier des U.S. Africa Military Command in Liberia einzurichten.[49] Die Ansiedlung des AFRICOM erfolgte in Europa (Stuttgart), da die Afrikanische Union und ihre Mitglieder den Zielen des AFRICOM misstrauten, und die Vereinigten Staaten daher kein afrikanisches Gastgeberland für die Behörde fanden.[50]

Auch der vorherige Präsident Bill Clinton und seine Frau und ehemalige Außenministerin Hillary Clinton besuchen Liberia regelmäßig, um Unterstützung für Hilfsprojekte zu organisieren.

Im Rahmen ihrer Afrikareise besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober 2007 die Hauptstadt Monrovia, bei dieser Gelegenheit wurde den mitreisenden Wirtschaftsvertretern eine Verbesserung der deutsch-liberianischen Wirtschaftsbeziehungen zugesichert.[51]

Gleichzeitig wachsen die Bemühungen der Volksrepublik China, in Liberia Einfluss zu gewinnen. Chinesische Entwicklungshelfer und Techniker bemühen sich um den Aufbau der zerstörten Infrastruktur — im Gegenzug erwartet China bevorzugte Verträge bei der Rohstoffversorgung mit Kautschuk, Eisenerz und beim Import chinesischer Produkte durch Liberia.[52] Als ein bleibendes Zeichen der „Guten Beziehungen“ übergab der chinesische Botschafter in Liberia im Juni 2010 den neu erbauten Fendall-Campus der University of Liberia.[53]

Diplomatische Vertretungen[Bearbeiten]

Diplomatische Vertretungen Liberias

Liberia hat auf Grund seiner pro-westlichen Haltung in den afrikanischen Staaten viel Ablehnung erfahren, daher haben nur wenige afrikanische Staaten mit Liberia diplomatische Beziehungen aufgenommen. Im Verlauf des Bürgerkrieges verließen fast alle Diplomaten aus Sicherheitsgründen das Land und kommen nur zögerlich zurück. Die Botschaften der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Österreichs wurden nach Accra evakuiert.[54]
Unter der aktuellen Regierung der Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf werden verstärkt asiatische Staaten zur Wirtschaftskooperation angesprochen und diplomatische Beziehungen vereinbart, jüngstes Beispiel (Juni 2010) ist das Emirat Kuwait.[55]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Der Staat Liberia gliedert sich in fünfzehn Regionen (Countys). Die liberianische Regierung ernennt die 15 Verwaltungschefs (County Superintendent und District Commissioner) dieser nachgeordneten Einheiten. Die Städte verfügen über gewählte Bürgermeister und Stadträte. Großen Einfluss auf das politische Geschehen im Lande üben traditionelle Führer auf den unterschiedlichen Ebenen (Town Chief, Clan Chief und Paramount Chief) aus, dieser Zwiespalt setzt sich auch im Rechtswesen fort, wo öffentliche und traditionelle Gerichtsbarkeit nebeneinander bestehen.[8]

Nr Region Hauptstadt Bevölkerung
(2008)[29]
Fläche
(km²)[29]
Gründung
Sierra Leone Guinea Elfenbeinküste Bomi River Cess Maryland Gbarpolu Sinoe Bong Grand Gedeh Margibi River Gee Nimba Lofa Grand Cape Mount Monteserrado Grand Bassa Grand KruVerwaltungsgliederung Liberias
Über dieses Bild
1 Bomi County Tubmanburg 82036 1942 1984
2 Bong County Gbarnga 328919 8772 1964
3 Gbarpolu County Bopulu 83758 9689 2001
4 Grand Bassa County Buchanan 224839 7936 1839
5 Grand Cape Mount County Robertsport 129055 162 1844
6 Grand Gedeh County Zwedru 126146 10484 1964
7 Grand Kru County Barclayville 57106 3895 1984
8 Lofa County Voinjama 270114 9982 1964
9 Margibi County Kakata 199689 2616 1985
10 Maryland County Harper 136404 2297 1857
11 Montserrado County Bensonville 1144806 1909 1839
12 Nimba County Sanniquellie 468088 11551 1964
13 River Cess County Cestos City 65862 5594 1985
14 River Gee County Fish Town 67318 5113 2000
15 Sinoe County Greenville 104932 10137 1843

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

Erwachsenenbildung von Liberianern

Das staatliche liberianische Bildungssystem ist kostenlos und besteht aus Grund- und Hauptschule (primary and secondary education), der reguläre Schulbesuch ist gesetzlich auf 9 Schuljahre festgesetzt. Nach Angaben der Regierung wurden seit 1999 jeweils 10 Prozent des jährlichen Staatsbudget in Bildung investiert. Die Einschulung erfolgt im Alter von 7 Jahren, der Besuch der Grundschule währt in der Regel sechs Schuljahre. Im Alter von 13 Jahren beginnt die Hauptschulausbildung, diese kann auch in zwei aufeinanderfolgenden dreijährigen Ausbildungsphasen zum Abitur führen. Nach Angaben von Hilfsorganisationen können seit 2002 lediglich 40 Prozent der Schulpflichtigen wieder am Unterricht teilnehmen, da die schulische Infrastruktur in vielen ländlichen Gebieten nur rudimentär vorhanden ist. Schulunterricht nach europäischem Maßstab wird demnach nur in den größeren Städten und im Umkreis von christlichen Missionsstationen angeboten. Die Mehrzahl der aus muslimisch geprägten Elternhäusern stammenden Kinder besuchen nur die Koranschule.[56]

Die lebensnotwendigen und traditionellen Kenntnisse der liberianischen Landbevölkerung werden in althergebrachter Weise vermittelt. Sowohl Jungen wie Mädchen werden ab einem bestimmten Alter, vor dem Erreichen der Pubertät von ihren Familien getrennt, sie werden in abgeschotteten Gruppen auf ihr Leben als Erwachsene vorbereitet. Man nennt diese Gruppen „Poroschule“, Mädchen werden in die „Sande“ aufgenommen. Sie erlernen dort von wenigen Ausbildern die traditionellen Bräuche, auch geheime Riten und bekommen die zum Überleben notwendigen Fertigkeiten angeeignet. Die Jugendlichen erwerben den erforderlichen Respekt für die Autoritäten und Hierarchien in ihrer Gruppe und der Gesellschaft. Nach der drei- bis vierjährigen „Ausbildung“ werden diese Jugendlichen festlich in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen und erhalten in der Gemeinschaft neue Rechte und Pflichten zugeteilt. Erst als Erwachsene finden sie die Möglichkeit, sich für einen Schulbesuch zum Erlernen von Lesen und Schreiben zu entscheiden. Mädchen erhalten tendenziell weniger Schulbildung.[57]

Verschiedene Projekte der Regierung verfolgen das Ziel, die Bildungsangebote zu verbessern, auch werden Alphabetisierungskampagnen durchgeführt, um die in der Bürgerkriegszeit entstandenen Defizite zu kompensieren.[58][Anmerkung 7] Mary Antoinette Brown-Sherman war die erste Rektorin einer afrikanischen Universität. In ihrer Amtszeit (1978–1984) wurde eine Internatsschule in Fendall (Universität Primary School) gegründet.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Liberia ist ein Schwerpunktland der amerikanischen African Methodist Episcopal Zion Church. Das Christian Education Department A.M.E. Zion Church betreibt in Monrovia die A.M.E. Zion University zur Ausbildung von Priestern und Seelsorgern.
  • Das Booker T. Washington Institute BWI, befindet sich in Kakata, es wird in privater Trägerschaft geführt und besteht seit den fünfziger Jahren. Es unterrichtet über 5000 Jugendliche und ist somit die größte Berufsschule des Landes. Die BWI hat einen hervorragenden Ruf, kann aber trotz teurer Gebühren der Anfragen nicht Herr werden.
  • Eine weitere, im Jahr 2000 aber endgültig geschlossene Bildungseinrichtung war das College of West Africa (CWA) in Monrovia. Seine Funktion übernahm die J. J. Roberts United Methodist School (JJRUMS).
  • In Suacoco bei Gbarnga befindet sich eine der ältesten (privaten) Universitäten Afrikas: das Cuttington University College. Es wurde bereits 1889, zunächst in Harper (Cape Palmas) gegründet und 1948 in das Hinterland verlegt. Das College besitzt enge Beziehungen zu Bildungseinrichtungen in den USA.[59]
  • Mit ausländischer Unterstützung wurde ein Weiterbildungszentrum für Forstwirtschaft – das Forest Development Autorithy (FDA) und ein Institut für Industrie- und Wirtschaftsförderung – das Liberian Opportunities Industralization Center (LOIC) gegründet.[60]
  • Die staatliche University of Liberia ist die größte Universität des Landes und befindet sich in Monrovia. Die Universität hat die einzige rechtswissenschaftliche Fakultät des Landes.[61] Im Jahr 2011 wurde weit außerhalb Monrovias, in Fendall, ein riesiger Universitätscampus vorsichtig in Betrieb genommen. Dieser wurde von der chinesischen Regierung erbaut, musste jedoch wegen Pfusch und schweren Baumängeln der Umzug wieder gestoppt werden. 2013 fielen sämtliche rund 25.000 Studienplatzanwärter durch die Aufnahmeprüfung.[62] Daraufhin wurden die Anforderungen gesenkt, so dass letztlich 1.600 Studenten zugelassen werden konnten.
  • Ein Teil der dringend benötigten Mediziner werden an der neu gegründeten (privaten) St. Luke School Of Medicine in Monrovia ausgebildet.
  • Das Stella Maris Polytechnic ist eine staatliche Technische Hochschule in Monrovia, sie ging aus dem Arthur Barclay Technical Institute und dem Don Bosco Polytechnic College hervor.
  • Mit Unterstützung der Methodistischen Kirche wird gegenwärtig die United Methodist University of Liberia (UMU) aufgebaut.[63]
  • Die William V. S. Tubman University in Harper ist die zweite staatliche Universität, sie ging aus dem William V.S. Tubman College of Technology hervor, das 1978 in Tubmans Heimatstadt gegründet worden war.

Für gemeinsame Bildungsprojekte und gegenseitige Anerkennung der Hochschulabschlüsse trat Liberia dem West African Examinations Council (WAEC) bei. Hierbei handelt es sich um eine Vereinigung englischsprachiger Länder.[64][65][Anmerkung 8]

Eigenständige Schriftsprachen[Bearbeiten]

Die Vai-Schrift ist eine eigenständige Schrift, mit der das auch in Liberia ansässige Volk der Vai seine Sprache aufzeichnete. Diese Silbenschrift besteht aus 226 Zeichen (Vokale oder Silben) und wurde 1849 vom Missionar S. W. Koelle erstmals beschrieben. Einheimische Quellen berichteten, dass die Vai-Schrift zwischen 1829 und 1839 erfunden wurde.[6]

Daneben haben auch die Bassa, die Kpelle und die Mende jeweils eigene Schriftsysteme und Alphabete für ihre Muttersprachen. Diese sind die Bassa Vah-Schrift, die Kpelle-Schrift und die Mende-Schrift.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Statistische Daten[3]
BIP pro Kopf, PPP 500 US$ (2010)
Auslandsverschuldung 3200 Mio. US$ (2005)
Zahlungsbilanz – 224 Mio. US$ (2007)
Inflationsrate 11,2 % (2007)
Arbeitslosigkeit 85 % (2003)

Die Wirtschaft von Liberia ist durch große Gegensätze gekennzeichnet. Das Land zählte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den fortschrittlichsten Ländern Afrikas und hatte unter der Herrschaft von William Tubman nach Japan das höchste Wirtschaftswachstum der Welt. Durch die liberianischen Bürgerkriege wurden allerdings viele Errungenschaften zerstört. Während des Bürgerkriegs sank das Pro-Kopf-Einkommen auf unter 125 Euro.

Liberia ist heute daher eines der ärmsten Länder der Erde. International wurden 420.000.000 Euro als Entwicklungshilfe bereitgestellt und Liberia ist in viele multinationale Gemeinschaften eingebunden. Aus einer Studie der Washingtoner Organisation Fund for Peace und des US-Politmagazins „Foreign Policy“ hat Liberia in den Jahren seit dem Ende des Bürgerkrieges die deutlichste Verbesserung im sogenannten Index gescheiterter Staaten vollbracht, dieser bewertet die politische, soziale und wirtschaftliche Lage des jeweiligen Staates.

Präsidentin Johnson-Sirleaf hat erste Schritte zur Bekämpfung der Korruption, Anreize für private Investitionen und eine Werbeinitiative zur Unterstützung von internationalen Gebern übernommen. Die Inflationsrate stieg weiter an und lag 2008 bei 11,2 Prozent.[38]

Staatshaushalt[Bearbeiten]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) folgender Bereiche:

Erlöse[67]
(in Mio. USD)
2000 2001 2002
Landwirtschaft 400 391 432
Bergbau 1 0,2 0,1
Industrie 38,1 43,1 30,3
Energieerzeugung 3 3 2,8
Bauwirtschaft 8 8,7 8,3
Binnenhandel 21,1 21,2 28,2
Transport und
Telekommunikation
24,4 24,3 28,2
Finanzdienstleistungen 15,1 14,6 13,9
Verwaltungsdienste 16,9 14,1 12,3

Außenhandel[Bearbeiten]

Nach einer viele Jahrzehnte währenden Abhängigkeit von den USA hat sich Liberia auf neue Handelspartner eingestellt. Wichtigste Abnehmer für Liberias Exporte waren 2008 Belgien mit 48 Prozent und Italien mit 10 Prozent der Gesamterlöse des Landes, inzwischen wird eine deutliche Verschiebung zu Gunsten der Volksrepublik China erwartet. Als wichtigste Lieferstaaten für Liberias Importe treten Südkorea mit 27 Prozent, Japan mit 25 Prozent und Singapur mit 7 Prozent in Erscheinung. Diese Staaten beliefern Liberia mit Schiffsneubauten und -reparaturdienstleistungen. Auch Deutschland besitzt mit 14 Prozent noch einen beachtlichen Marktanteil.[68]

Exportgüter sind Naturkautschuk und Gummi, Tropenholz, Eisenerz, Diamanten, Kakao, Kaffee, Ananas. Nach dem Eisenerz ist Kautschuk das zweitwichtigste Exportgut des Landes. Die Präsidentin Johnson-Sirleaf erwartet von dem Abkommen mit Arcelor Mittal eine Signalwirkung für weitere ausländische Investitionen in die liberianische Wirtschaft. Aber auch die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern trägt zu den Problemen des Landes bei.[51]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Anbaufrucht[69]
(Betrag in 1000 Tonnen)
2000 2001 2002
Reis 183,4 145 110
Süßkartoffel 18 18 18
Maniok 440,5 480 480
Yams 22 26 26
Zuckerrohr 250 255 255
Bananen 110 110 110
Orangen 7 7 7
Kautschuk 105 107 108
Palmöl 174 174 174

Etwas mehr als 70 Prozent der Liberianer leben von der Landwirtschaft, die zur Selbstversorgung betrieben wird. Meist arbeitet man im Brandrodungsbau, der nicht nur zur Auslaugung der Böden und zur Vernichtung wertvoller Waldbestände beiträgt, gleichzeitig aber auch nicht geeignet ist, eine Marktproduktion zu errichten, d.h. eine Produktion, die über die Selbstversorgung hinausgeht. Die Hauptnahrungsmittel sind Maniok, Reis, Mais und Süßkartoffeln. Liberia ist ein wichtiges Anbaugebiet für Maniok, in Liberia unter dem Namen Cassava bekannt. Der Anbau wird im Familienbetrieb (Kleinbauern) betrieben und konzentriert sich auf die zentralen Provinzen Bong, Nimba und Grand Bassa.[70]

Weitere, traditionell für den Export in die USA bestimmte Anbauprodukte sind Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee, Kakao und Ölpalmprodukte.[27] Die Vorkommen an über 100 wertvollen Arten von Tropenhölzern aus den zehn staatlichen Forstbezirken (Gbi, Gio, Gola, Grebo, Krahn-Bassa, Kpelle, Nimba, Sapo, South-Belle, North-Belle, und Vai) sind stark zurückgegangen. Ein Teil der Forstgebiete soll nun dauerhaft unter Naturschutz gestellt werden, küstennahe Gebiete sollen an ausländische Holzkonzerne mit strengen Auflagen konzessioniert werden.[6][71]

Fischereiwirtschaft[Bearbeiten]

Auf den Fischereisektor entfallen rund fünfzehn Prozent des BIP des Landes.[Anmerkung 9] Seit Jahrhunderten betrieben Bewohner Liberias eine einfache Küstenfischerei mit Netzen. Die Hochseefischerei wird seit den 1970er Jahren auch mit relativ modernen Fischkuttern betrieben, 1988 besaß Liberia 55 Fischtrawler. Die Fischerei und die damit verbundenen Zulieferindustrien und Gewerbe bieten Beschäftigung für 20.000 Menschen.[72][Anmerkung 10]
Im Jahr 1999 gab es fünf kommerzielle Unternehmen in Liberia, die mit den angegliederten Fischfabriken und Kühlhäusern rund 6000 Menschen im Fang und Verarbeitungsbereich beschäftigen. Die wirtschaftlich bedeutendste Speisefischart, mit 80 Prozent im Fangaufkommen, ist Ethmalosa (Ethmalosa fimbriata). Gefangen werden auch Garnelen, Westafrikanischer Kreuzwels (Arius seemani) und Blue Threadfin (Eleutheronema tetradactylum). In den Flüssen des Landes werden Buntbarsche (Tilapia nilotica) und der Afrikanische Waller (Clarias luzerra) bevorzugt.

Für die Ernährung werden auch Muscheln, Kopffüßer und Krebstiere gefangen.[73][74]

Dienstleistungssektor[Bearbeiten]

Der Dienstleistungssektor gehört zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsbereichen. In der Hauptstadt markieren zahlreiche Neubauten von Banken die belebende Konjunktur. Das private Transportwesen entwickelt sich besonders in der Metropolregion Monrovias. Zahlreiche Taxis und Pick-Up-Unternehmen entstanden hier. Große Erwartungen setzt man in den Ausbau des Freihafens.

Industrie[Bearbeiten]

Vor dem Bürgerkrieg stützte sich die Wirtschaft zu einem großen Teil auf die Förderung von Eisenerz. Mit Investitionen im Wert von 1 Milliarde US-Dollar des Stahlkonzerns Arcelor Mittal soll die Eisenerzindustrie nun wieder revitalisiert werden. Es werden direkt 3500 und indirekt 15.000 bis 20.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, sobald die Produktion hochgefahren werden kann.[51] Eine weitere Dominante ist der Kautschuk. 1926 wurde den US-Firmen Firestone und Goodrich ein Teil des Staatsgebietes für Gummiplantagen für 99 Jahre überlassen. Firestone gründete in Liberia die größte Kautschukplantage der Welt. 1950 stellte Kautschuk einen Anteil von fast 90 Prozent am Gesamtexportvolumen Liberias. Noch immer besitzt Naturkautschuk einen hohen Wert und behauptet sich gegen chemische Derivate. Die liberianische Regierung hat deshalb ein Wiederaufbauprogramm für die Kautschuk-Plantagen beschlossen, sie spricht von einer Agro-Industrie.[75] Die industrielle Herstellung von Beton-Formteilen besitzt eine große Bedeutung für den Wiederaufbau der Infrastruktur. In mehreren Küstenstädten befinden sich Fabrikationsstätten. Als Folge des Bürgerkrieges musste 1982 der Betrieb der Liberia-Petroleum-Raffinerie eingestellt werden. In den 1970er Statussymbol für den wirtschaftlichen Aufschwung Liberias ist die Anlage bereits in wesentlichen Teilen demontiert worden.

Bergbau[Bearbeiten]

Stillgelegtes Bergbaugebiet an der Nordgrenze

Der wichtigste Bodenschatz ist Eisenerz. In der Nimba-Region werden noch etwa eine Milliarde Tonnen Erze prognostiziert, das Erz liefert gegenwärtig 60 Prozent der Exporterlöse. Mangan, Baryt, Kyanit, Columbit und Gold sind in abbauwürdigen Mengen vorhanden.[76] Diamanten werden an der Grenze zu Sierra Leone gefunden.[68]

Die in Liberia befindlichen Eisenerzvorkommen bildeten eine wesentliche Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.[77] Es gibt fünf Konzessionsgebiete, die mit liberianischer Beteiligung ausgebeutet werden:

Das bedeutendste Gebiet lag in der Nimba-Range – konzessioniert an die Liberian-American-Swedish Mining Company (LAMCO), die bedeutenden Lagerstätten setzen sich auch jenseits der Grenze (Guinea) fort und dieses Land plant eine eigene Bahnlinie aufzubauen, um das Erz abzubauen. Gegenwärtig arbeiten zudem chinesische Techniker an der Instandsetzung der Bahnlinie vom Erzhafen Buchanan nach Santiquelle im Nimba Range.[51][71]

Bereits in den 1950er Jahren begann die DELIMCO – ein deutsch-liberianisches Stahlkonsortium (auf deutscher Seite: ThyssenKrupp und Hoesch AG) mit dem Aufbau der Bergwerksanlagen in der Bong Range und Putu Range Region. Es wurden 500 Millionen US-Dollar investiert und die komplette Infrastruktur, zu der auch die Bong-Mining-Bahn gehört, aufgebaut. Die Abbaukonzessionen für die Lagerstätten im Wologizi Range wurden an die Liberia Iron and Steel Company (LISCO) vergeben, die im Westen des Landes gelegenen Lagerstätten gingen an die National Ironore Company (NIOC) und die Liberian Mining-Company (LMC).[71]

In einigen Gebieten im Westen des Landes werden Diamanten gefunden. Die Edelsteine wurden in den Bürgerkriegsjahren auch als Blutdiamanten bezeichnet, da die Aufständischen mit erbeuteten Diamanten ihre Waffen finanzieren konnten. Zur Eindämmung des Konfliktes hatte die UNO deshalb ein Diamanten-Handelsembargo für Liberia verhängt, es wurde inzwischen aufgehoben.[51]

Wirtschaftsdaten[Bearbeiten]

Das BIP pro Kopf liegt, laut einer IWF-Schätzung für 2005, bei ca. 166 US-Dollar.

  • Der Konjunkturindikator verbesserte sich leicht von 8,4 im FSI 2007 bis 8,3 in der FSI 2008.[38]
  • Liberias BIP betrug 1.340.000.000 US-Dollar.[38]
  • Die Wirtschaft besaß eine Wachstumsrate von 9,4 Prozent, die jedoch stark von Erlösen aus Rohstoffexporten (Gummi) und den Erlösen aus dem Schiffsregister beeinflusst werden.[38] Die internationalen Sanktionen gegen den liberianischen Staat zum Handel mit Diamanten und Holz konnten aufgehoben werden, so dass die Ausfuhren dieser Waren positiv zum Wirtschaftswachstum beitragen werden.[38]
  • Armutsgrenze: etwa 80 Prozent der Bevölkerung lebte 2008 unterhalb der Armutsgrenze.[38]
  • Die Arbeitslosigkeit liegt bei 85 Prozent, nur etwa 15 Prozent der berufstätigen Bevölkerung gingen einer geregelten Beschäftigung nach.[38][41]
  • Unterernährung: etwa 35 Prozent der Bevölkerung galten 2008 als unterernährt.[38]

Währung[Bearbeiten]

Die Währung wird durch die Central Bank of Liberia verwaltet, sie ersetzt seit Oktober 1999 die ineffizient arbeitende National Bank of Liberia. Die Bank fährt eine Politik der Geldwertstabilität und verweigert sich Einflüssen aus der Regierung, die Haushaltsdefizite durch finanzpolitische Tricks abbauen möchte.

Liberia ist am 16. Februar 2010 der Eco-Zone beigetreten. Nach dem Vorbild des Euro soll in Teilen Westafrikas eine gemeinsame Währung entstehen, um die Realwirtschaft und den Warenaustausch zu erleichtern. Geplant ist die Einführung der Währung im Januar 2015. Mitglieder der „Eco-Zone“ sind neben Sierra Leone und Guinea auch die Länder Ghana, Nigeria, Gambia. Das Projekt ist wesentliche Grundlage der seit Jahrzehnten angestrebten Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion.[78]

Gesetzliches Zahlungsmittel ist der liberianische Dollar. (Kürzel: LRD)

Banknoten sind im Wert von 100, 50, 20, 10 und 5 LRD im Umlauf, Münzen sind nicht mehr im Umlauf.

Der Umrechnungskurs beträgt gewöhnlich 1 US–Dollar ~ 70 LRD.[6][79][Anmerkung 11]

Übernahme internationaler Normen[Bearbeiten]

In Liberia gilt das angloamerikanische Maßsystem, hierzu abweichend wurde mit norwegischer Unterstützung das Stromnetz auf die europäische Norm umgestellt.[80]

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Statistische Daten zum Verkehr[68]
Verkehrssystem Rechtsverkehr
Anzahl privater PKW
je 1000 Einwohner
3
Asphaltierte Straßen 657 km
Autobahnen 0 km
Ausgebaute Kanäle
und Wasserstraßen
0 km
Schienennetz
in Betrieb
480 km

Straßennetz[Bearbeiten]

Liberias Schienennetz
Infrastruktur Liberias

Das liberianische Straßennetz ist auf Grund der topographischen und klimatischen Bedingungen starken Belastungen ausgesetzt. Im Umkreis der Verwaltungszentren und Städte bestehen asphaltierte Straßen, die Mehrzahl der Ortsverbindungsstraßen sind Naturstraßen und Pisten. In der Regenzeit bricht der Straßenverkehr wegen Unbefahrbarkeit der Straßen zusammen.[81] Die ersten Automobile, Fahrzeuge der Briten, gelangten bereits um 1910 in das Land. Als Konsequenz musste umgehend eine Straßenverkehrsordnung erlassen und erste Verkehrspolizisten in der Hauptstadt postiert werden. Im Land herrscht aber Rechtsverkehr. Zu dieser Zeit bestand in Monrovia kurzzeitig eine schienengebundene Pferdebahnlinie, die sich aber nicht zu rentieren schien.[82]

Der Dakar-Lagos-Highway ist die wichtigste Fernstraße und Landverbindung zu den westafrikanischen Nachbarstaaten, die Straße ist jedoch in Liberia nur rudimentär ausgebaut, ein etwa 100 Kilometer langer Abschnitt (Ganta-Tappita-Tobli-Grenze zur Elfenbeinküste) fehlt.

Von Monrovias zentralem Busdepot bei Wood Camp bestanden früher tägliche Busverbindungen in alle District-Hauptstädte. Für Touristen wurde ein moderner Reisebus für Stadtrundfahrten angeboten. Jetzt bedienen unzählige Taxibetriebe die Innenstadt Monrovias, jedoch durch Geschenke der chinesischen Regierung gibt es einige Busse, die völlig überfüllt wenige Linien bedienen. Seit 2011 bieten auch Tausende von Motorrädern chinesischer Billigmarken Personentransporte an, sind jedoch teurer und gefährlicher[6].

Schienennetz[Bearbeiten]

Die Mehrzahl der Bergbaugebiete befinden sich im nördlichen Grenzgebiet, der Abtransport der Erze wurde über eine von der Hafenstadt Harper ausgehenden Bahnstrecke realisiert. Das Schienennetz wurde im Bürgerkrieg streckenweise unterbrochen und der Bahnbetrieb musste wegen fehlender Rentabilität eingestellt werden. Inzwischen arbeiten chinesische Bautrupps an einer Erneuerung der Anlagen, da das Land an der weiteren Erschließung der Bodenschätze interessiert ist. Die gegenwärtig wieder in Betrieb genommenen Streckenabschnitte ermöglichen schon wieder den Transport von Tropenholz, sie bieten auch in beschränktem Umfang Transportmöglichkeiten für Jeeps und Kleinkraftwagen an. Im Sommer 2010 wurden zudem Pläne einer brasilianischen Minengesellschaft bekannt, eine völlig neue Bahnlinie und einen Erzhafen anzulegen, um ein guineisches Bergbaugebiet ausbauen zu können.[6][83]

Luftverkehr[Bearbeiten]

Roberts International Airport

Direkte Flüge von und nach Europa werden zurzeit (2014) von Brussels Airlines, Gambia Bird (nach London Gatwick) sowie British Airways angeboten, sowie seit 2011 von Royal Air Maroc.[84] Mit dem Sommerflugplan 2011 fliegt auch die französische Air France-KLM Monrovia wieder an.[85] Es bestehen weiterhin Verbindungen zu benachbarten westafrikanischen Hauptstädten, die von afrikanischen Fluggesellschaften angeboten werden.[8] Im Gegensatz zur Handelsflotte gehören die liberianischen Fluggesellschaften zu den unsichersten der Welt. Liberia ist eines von nur sechs Ländern weltweit, aus denen kein einziges Luftfahrtunternehmen den Luftraum der EU benutzen darf oder gar innerhalb der EU landen darf.[86]

Es existieren gegenwärtig zwei größere Flughäfen in Liberia, der Roberts International Airport und der kleinere Spriggs Payne Airport. Beide haben eine Asphaltpiste. Weiterhin gibt es 51 unbefestigte Flugplätze, von denen keiner eine Länge von mehr als 2500 m hat. Diese können wegen der überwucherten Vegetation nahezu nirgends genutzt werden und sind auch von der Regierung gesperrt.[Anmerkung 12]

Schifffahrt[Bearbeiten]

Küstenschifffahrt[Bearbeiten]

Die wichtigsten Städte Liberias befinden sich an der Küste und besitzen Häfen oder Ankerplätze. Die Küstenschifffahrt bietet oft eine Alternative zum schlecht ausgebauten Straßennetz. Die Befahrbarkeit der Flüsse ist dagegen wegen zahlloser Stromschnellen und Untiefen nur auf küstennahe Abschnitte beschränkt.

Hochseeschifffahrt[Bearbeiten]

Staat Schiffe
(Anzahl)
Tonnage
(in Mio. BRT)
Rang[87]
Panama 5704 140.120 1
Liberia 1560 58.134 2
Griechenland 1110 30.774 3
Volksrepublik China 2326 21.139 9
Deutschland 473 11.276 15

Viele Schifffahrtsgesellschaften fahren unter liberianischer Flagge, was vor allem an den niedrigen Kosten (keine Steuern über die Gebühren für die Registrierung hinaus) und der Verschwiegenheit der Behörden liegt. Dadurch hat Liberia, an Bruttoregistertonnen gemessen, die zweitgrößte Flotte der Welt.

Die liberianische Flotte ist inzwischen zudem eine der sichersten, in den maßgeblichen Ranglisten der Hafenstaatenkontrollen (U.S. Coast Guard, Paris MOU, Tokyo MOU) nimmt die Flotte Liberias seit längerem einen Spitzenplatz ein. Der Sitz des Registers ist New York. Liberia verfügt über fünf Häfen, der Freeport Monrovia ist der größte Handelshafen des Landes und wurde im Zweiten Weltkrieg mit amerikanischer Unterstützung errichtet.

Telekommunikation[Bearbeiten]

Die staatliche liberianische Telekommunikationsbehörde hatte ein Festnetz aufgebaut, das aber als sehr störanfällig gilt. Inzwischen ist fast das ganze Land durch Mobilfunknetze abgedeckt. In allen größeren Städten wurden Internetcafés eröffnet, die Übertragungsgeschwindigkeit ist jedoch extrem gering. Häufig sieht man in den Straßen immer noch kleine Holzhäuser, in denen ein öffentlicher Telefonanschluss verlegt ist und ein Betreiber beinahe Tag und Nacht gegen Entgelt anbietet, Verbindungen herzustellen oder Anrufe entgegenzunehmen.[6][Anmerkung 13]

Energieversorgung[Bearbeiten]

Mit dem Aufbau des Energieversorgungsnetzes in Liberia wurde in den 1940er Jahren begonnen, es blieb zunächst auf die Küstenregion beschränkt, wo die Industrie- und Hafenanlagen, Verwaltungs- und Handelseinrichtungen, Krankenhäuser und Hotels als verlässliche Abnehmer vorhanden waren. Die landwirtschaftlichen Regionen im Hinterland waren nur punktuell an das Stromnetz angeschlossen. Die bisher größte Investition in das Energienetz stellte der Bau des Mount-Coffee-Staudamm dar. Dieses Wasserkraftwerk wurde 1966 in Betrieb genommen aber noch 1990 im Bürgerkrieg zerstört.[Anmerkung 14] Bereits Mitte der 1970er Jahre wurde das Kraftwerk auf vier Generatoren erweitert und die veralteten Übertragungsleitungen ersetzt. Dieses steht seit Jahren defekt im Stillstand.[88] Wer es sich von der Bevölkerung leisten kann, kauft sich winzige bis mittelgroße Klein-Generatoren für sein Privat-Haus oder Geschäft. Es gibt im ganzen Land seit Kriegsende kein kommunales Stromnetz mehr. Selbst Regierungsgebäude benutzen eigene Anlagen, welche nur das jeweilige Haus versorgen.

Im Jahr 2005 wurden 320.000.000 kWh elektrische Energie erzeugt, was weniger als der Hälfte der Energieproduktion von vor 20 Jahren entspricht.[89] Die Infrastruktur wurde während des Bürgerkrieges beschädigt und der Neubau verzögert. Die liberianische Regierung sucht momentan Möglichkeiten, die Infrastruktur mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft wieder aufzubauen.[90]

Abfallentsorgung[Bearbeiten]

Zu den größten Problemen Liberias gehört die fehlende Infrastruktur zur Abfallbeseitigung. Selbst in der Metropolregion Monrovias sind in Gänze nur acht Mülltransporter vorhanden. Eine kontrollierte Deponierung der Siedlungsabfälle erfolgt seit Frühjahr 2012 in den Hauptstraßen Monrovias.[Anmerkung 15] Ein zweiter Aspekt dieses Problems sind die enormen Niederschläge: das Regenwasser wird in den Müllhaufen kontaminiert und verteilt sich und Teile des Abfalls in der Innenstadt. Durch die fehlenden sanitären Voraussetzungen ist der Ausbruch von Infektionskrankheiten und Seuchen abzusehen.[91]

Gesundheitswesen[Bearbeiten]

Statistische Daten
Gesundheitsausgaben
je Einwohner (2004)
22 US $[28]
Medizinische Versorgung
Einwohner je Arzt
9350[92]
Geburtenrate
je 1000 Einwohner
50[92]
Kindersterblichkeit
je 1000 Einwohner
235[92]
Säuglingssterblichkeit
auf 1000 Lebendgeburten
157[92]
Müttersterblichkeit
auf 1000 Lebendgeburten
0.994[92]
HIV-Infizierte
aller erwachsenen Einwohner
6,9 %[93]
Ebolavirus-Infizierte
aller Einwohner
0,103%[92]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist auf ihren Informationsseiten zu Liberia auf gesundheitliche Risiken hin. Liberia gilt als ein Hochrisikogebiet für verschiedene Krankheiten.[92]

Häufig auftretende Tropenkrankheiten sind Gelbfieber, Cholera und Dengue-Fieber.[92] Malaria ist ganzjährig und in allen Landesteilen ein Problem, für die meisten Krankheitsfälle ist die gefährliche Malaria tropica verantwortlich. Medikamente zur Malariaprophylaxe sind in vielen Apotheken erhältlich, wobei vor allem die von Indern betriebenen eine mit westlichem Standard vergleichbare Auswahl und auch Qualität anbieten.

Seit Anfang 2014 breitet sich in Sierra Leone, Liberia und Guinea das tödliche Ebolavirus massiv aus. Es handelt sich um den größten Ebola-Ausbruch seit seiner Entdeckung im Jahr 1976. Nach Aussage der dort im Einsatz befindlichen Ärzte ohne Grenzen ist die Epidemie seit Juni 2014 außer Kontrolle geraten.[94]

Die medizinische Versorgung ist selbst in der Hauptstadt Monrovia auf niedrigstem Niveau. Das Militärkrankenhaus der Vereinten Nationen ist das derzeit einzige Krankenhaus auf europäischem Niveau, Apotheken sind zwar weitverbreitet, die Qualität der angebotenen Medikamente ist jedoch manchmal zweifelhaft.[8]

Schwerpunkte der gegenwärtigen Gesundheitspolitik der WHO in Liberia sind die Verbesserung der medizinischen Infrastruktur. 250 Anlagen (einschließlich Krankenhäuser, Gesundheitszentren und Kliniken) wurden entweder saniert oder neu aufgebaut. So wurde im Jahr 2011 in der Stadt Tapeta im Nimba County von der chinesischen Regierung ein großes Krankenhaus selbst mit Computertomographie errichtet, wofür aber noch das nötige Fachpersonal fehlt.[92][Anmerkung 16] Unterernährung ist immer noch verbreitet, diese trifft hauptsächlich Frauen und Kinder.[92]

Kultur[Bearbeiten]

Riten und Bräuche[Bearbeiten]

Gruppe junger Frauen in Festtracht, ethnologische Sammlung (um 1910)

Der Gedanke an die Geister der Ahnen, der Verstorbenen, an Idole und Amulette spielt bei den Völkern der westafrikanischen Küste eine große Rolle. Gesang, Masken und Maskentänze werden bei allen Zeremonien genutzt. Sie dienen den Medizinmännern bei ihren Beschwörungszeremonien, um den Kranken in starkem Maße psychologisch zu beeinflussen. Die afrikanischen Religionen bilden den Hintergrund für die Einordnung der Heilkunde und Heilmethoden als magische Praktiken und realer Erfahrungsschatz. Alle wichtigen Lebensetappen: Geburt, Geschlechtsreife, Hochzeit, Krankheit, Tod – aber auch praktische Tätigkeiten wie Jagen und Fischen, Herstellung von Waffen und Werkzeugen – waren mit Magie verbunden.[6][95][96] Zum Leben der Volksgruppen gehört noch immer die Zugehörigkeit und die Ausübung bestimmter Rituale in Geheimbünden, wie dem Poro.

Liberianische Literatur[Bearbeiten]

Tänzerin in Liberia

Das Wissen und die Geschichte der indigenen Völker wurde über Jahrhunderte in Form der Oralliteratur bewahrt und weitergegeben. Auch in den liberianischen Völkern lebten als Storyteller verehrte Männer, die auswendig gelernte Texte und Neuigkeiten aus den zuvor besuchten Orten verbreiteten. Diese hoch angesehenen Männer reproduzierten ihre Texte, verfeinert durch Gestik, Musik, Tanz und pantomimische Ausdrucksformen, als Mythen, Märchen, Fabeln und Lieder bei Dorffesten, Hochzeiten, Entbindungen, Heilungszeremonien, Totenfeiern oder während der Durchreise und erhielten dafür Unterkunft, Speise und Trank.[97]

  • Als bekanntester liberianischer Schriftsteller gilt Wilton G. S. Sankawulo, der auch eine Zeit Präsident Liberias war. Sankawulo gehörte zum Volk der Kpelle und übersetzte die Bibel in diese Sprache. Er sammelte und publizierte Märchen und Fabeln seiner Heimat (beispielsweise: Marriage of Wisdom and Other Tales from Liberia), schrieb zahlreiche Abhandlungen und Erzählungen und wirkte mehrere Jahrzehnte als Hochschullehrer für Literatur und Englisch. Sein letzter Roman Sundown at Dawn: A Liberian Odyssey erschien 2005.[98]
  • Aus der liberianischen Literaturszene stammt der in die USA ausgewanderte Lyriker und Autor Melvin Beaunorus Tolson, er schloss sich in New York der Harlem group of Negro writers an. Eine Sammlung von Gedichten erschien 1950 unter dem Titel Libretto for the Republic of Liberia.[99]

Zu den Buchempfehlungen der New York Times und der Washington Post des Jahres 2008 gehört die autobiographische Erzählung der in Monrovia geborenen Journalistin  Helene Cooper: The House at Sugar Beach. Die Autorin gehört zur ethnischen Gruppe der Congo. Eine Bewältigung der jüngsten Geschichte mit den traumatischen Erfahrungen des Bürgerkrieges enthalten zahlreiche Werke junger Schriftsteller und Lyriker.[100]

  •  Lynda Schuster: The final Days of Dr. Doe. 1994.
  •  Patricia Jabbeh Wesley: Before the Palm Could Bloom: Poems of Africa. In: New Issues Poetry & Prose. 1998.
  •  Patricia Jabbeh Wesley: Where the Road Turns. 2007.

In den 1930er Jahren bereiste der britische Schriftsteller Graham Greene Westafrika und schilderte seine Erlebnisse in der 1936 erschienenen Reportage Journey without Maps. Zu den bemerkenswertesten Erlebnissen dieser Reise gehörte sein Zusammentreffen mit dem damaligen Chef der liberianischen Grenzschützer, Colonel Elwood Davis, dieser hatte im Auftrag der Regierung mit roher Gewalt die Aufstände verschiedener Volksgruppen niedergeschlagen, er herrschte dann noch einige Jahre in der Region Grand Bassa als Archetypus eines gesetzlosen Warlords.

Musik und Tanz[Bearbeiten]

Traditionelle Musik und Tanz[Bearbeiten]

Tänze sind in weiten Teilen Afrikas integraler Bestandteil des täglichen Lebens und für die Menschen wichtige künstlerische Ausdrucksform, aber auch selbstverständliche Verbindung zu den Ahnen und deren Seelen. An den Tänzen ist die ganze (Dorf-)Gemeinschaft beteiligt; es gibt zwar Tänzer und Nicht-Tänzer, diese erfüllen jedoch auch eine wichtige Funktion. Die traditionellen Tänze werden auch zunehmend bei staatlichen Feiertagen oder als folkloristisches Element aufgeführt, die Gefahr einer Verfremdung und Verflachung nimmt damit zu.[6][95] Rhythmus ist eine dominanter Teil der Musik, eine Vielzahl von Trommeln, Rasseln, Perkussion-Instrumente finden Verwendung. Besonders beliebt und weitverbreitet, weil auch billig, ist die Sassa; eine aus einem getrockneten Kürbis bestehende Rassel. Traditionelle Instrumente sind auch Xylophone, Laute und andere Saiteninstrumente, kleine Glocken und Hörner.[101]

Cape-Palmas Military Band[Bearbeiten]

Auf Wunsch des Präsidenten Tubman wurde 1963 die Cape-Palmas Military Band gegründet. Sie war für die musikalische Ausgestaltung von Militärparaden und Staatsbesuchen zuständig, wurde bei staatlichen Feiertagen und Festveranstaltungen eingesetzt. Die Militärkapelle verfügte über ein hohes musikalisches Können.

Aktuelle Musikszene[Bearbeiten]

Die aktuelle liberianische Musikszene orientiert sich seit den 1980er Jahren verstärkt an westlichen Vorbildern und hat sowohl Einflüsse von Reggae und Hip-Hop als auch westafrikanische Ethnomusik als Vorbilder. Eine Besonderheit stellte der Stimmimitator und in Chinesisch singende Entertainer Emmanuel Uwechue dar.[102] Der wohl bekannteste traditionelle Sänger Liberias ist Sundaygar.

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Das Cavallabecken im westlichen Liberia ist seit Jahrhunderten die Heimat kunstbegabter Holzschnitzer, die sich auf die Anfertigung von rituellen Masken, Talismanen und Figuren sowie kleinformatigen Möbelstücken spezialisiert haben. Zahlreiche europäische Museen besitzen umfangreiche Kunstsammlungen mit Artefakten der Region. Die Masken besitzen sowohl kultisch-rituelle Bedeutung wurden aber auch als Statussymbol in Gebrauch. Nach einer bereits in den 1930er Jahren begonnenen Studie des deutsch-schweizerischen Völkerkundlers Eberhard Fischer vom Museum Rietberg in Zürich kommen in diesem Gebiet Westafrikas etwa 140 Typen von Masken vor, deren Symbolik und Verbreitung er untersuchen konnte.[6][95][96]

Architektur[Bearbeiten]

Hauptartikel: Architektur in Liberia

Die traditionelle Bauweise der indigenen Bevölkerungsgruppe hat sich über Jahrhunderte an die Lebensbedingungen im tropischen Regenwald und der Savanne angepasst und besteht aus einfachen, mit Blätterdach gedeckten Holzhütten oder aus Lehmhäusern mit Strohdach in den Savannen. Von Volksgruppe zu Volksgruppe unterschiedlich sind Schmuckformen – beispielsweise schnitzwerkverzierte Balken, auch das Mobiliar wird oft kunstvoll verziert.[6]

Das in der Regenwaldregion dominierende „Firstdachhaus“ besitzt eine Länge von 4 bis 5 Metern und einen Innenraum von etwa 20 Quadratmetern. Das zum Hausbau benötigte Material wird aus der unmittelbaren Umgebung des Siedlungsplatzes bezogen und besteht aus vegetabilen Baustoffen, beispielsweise geflochtenen Matten, Palmblättern, Reisig und Stroh sowie bearbeiteten Hölzern für die tragenden Ständerkonstruktionen.[103] Die Standzeit der Häuser ist wegen der verwendeten Baumaterialien begrenzt und setzt häufige Instandhaltungsarbeiten voraus.

Die Hausarchitektur der Savannenregion hat das zylindrische Rundhaus, das überwiegend aus Lehm erbaut wird, übernommen. Die Errichtung dieser Gebäude ist aufwändiger und setzt meist die Mithilfe des Familienklans oder der Dorfbevölkerung voraus. Diese Häuser besitzen einen Durchmesser von drei bis fünf Metern und einen nutzbaren Rauminhalt von etwa 20 Quadratmetern.[104]

Sonderformen der Architektur stellen die von den Muslimen errichteten Moscheen und verschiedentlich errichtete Palastbauten dar.[105]

Die nach Afrika eingewanderten ehemaligen Sklaven wollten diese traditionellen Hausformen nicht übernehmen und kopierten die in den Südstaaten der USA populäre Architektur. Eine geringe Zahl von Regierungs- und Verwaltungsgebäude blieben aus dieser Zeit erhalten.[106][107]

Bereits um 1900 begann als Ergebnis der fortschreitenden Missionierung ein reger Aufbau von Kirchengebäuden statt. Hierbei wurde die bewährte Ziegelsteinbauweise bevorzugt und man orientierte sich an der traditionellen Bauweise (neoromanische und neogotische Architektur). In den entstehenden Städten und größeren Siedlungen wurden nur wenige Steingebäude errichtet, da Holz in großer Vielfalt und preiswert verfügbar war.

Ein deutlicher Wandel im Baustil der europäisch geprägten Architektur – sogenannte „Kolonialstilbauten“ – fand nach dem Ersten Weltkrieg statt. Billige Industriebaumaterialien – vor allem das Wellblech verdrängten die bisherigen Naturbaustoffe und wurden zum Statussymbol des modernen Bauens – heute sind sie entwertet und Synonym für die Slum-Architektur der Townships.[105] Heute versucht nahezu ein jeder, der es finanziell erübrigen kann, Wellblechplatten, sogen. zinc für sein Dach in unterschiedlicher Qualität zu verwenden, da dieses nicht wie die Naturdächer alle drei Jahre gewechselt werden muss.

Zu den bemerkenswertesten Gebäuden in der Altstadt Monrovias zählt der Masonic Temple – das Haus der liberianischen Freimaurerloge, heute eine von Obdachlosen bewohnte Ruine.

Anfang der 1950er Jahre erhielt eine Gruppe junger farbiger Architekten, darunter Henry Clifford Boles aus den Südstaaten der USA einen Lehrauftrag an der neu gegründeten Universität of Liberia im Fach Architektur und Städtebau.[Anmerkung 17] Ihre Aufgabe bestand neben der Lehrausbildung einheimischer Architekten auch in der Planung von mehreren Mustergebäuden, die als amerikanische Entwicklungshilfe angesehen wurden: Die Monrovia Elementary School (1954) und das gleichfalls in Monrovia errichtete Bürogebäude Mines and Geology Office of Liberia (1955) ebenfalls entsprachen dem amerikanischen Baustandard.[108][Anmerkung 18]


Küche[Bearbeiten]

Die traditionelle Küche Liberias basiert auf der westafrikanischen Küche und bietet ein reichhaltiges, abwechslungsreiches Nahrungsangebot, zu dem neben Gemüsen und Früchten, auch Reis, Mais und Hirse als Grundlage dienen. Fisch und Fleisch (von Ziegen, Rindern, Geflügel, auch Wild) werden vor der Verwendung durch Räuchern haltbar gemacht, in der Regel wird aber schlachtfrisches Fleisch verwendet. Als Getränk ist Wasser gebräuchlich, bei Festen wird Ingwerbier gereicht. Durch den Einfluss der Anglo-Liberianer wurden auch neue Speisen und Rezepte übernommen, zu ihnen zählt auch die Kartoffel.[Anmerkung 19]

Landestypische Speisen sind: Cassava (Maniok) in unterschiedlichsten Zubereitungsvarianten, Kochbananen genannt Plantains, Reis, Mais, Eintopfgerichte mit Kohl, Fufu und Palava Sauce.[109] Nun nach dem Krieg kauft die Bevölkerung kaum den besseren, aber teuren Country Rice aus dem eigenen Land, sondern aus Asien importierten Broken Rice.

Kleidung[Bearbeiten]

Junge Bundu-Frauen
(völkerkundliche Sammlung von 1912)

Die „traditionelle liberianische Kleidung“ gibt es nicht: Kleidung variiert nicht nur mit dem Geschlecht und Alter des Trägers, sondern wird auch von seiner sozialen und wirtschaftlichen Situation bestimmt. Spezielle Kleidung für die Teilnahme an Zeremonien und Ritualen hat sich schon in vorgeschichtlicher Zeit herausgebildet. Die heute bevorzugte Kleidung ist durch Einflüsse der westlichen und muslimischen Moralvorstellungen entstanden, afrikanische Vorstellungen werden bei der Textilherstellung in Muster und Farbigkeit beachtet. Während der Kolonialisierung Afrikas wurden erstmals Kleidungsstile übernommen – zunächst waren es Uniformen der Soldaten und Matrosen. In den Städten und auf den küstennahen Plantagen wurde der Einfluss der europäischen und amerikanischen Mode fühlbar, man importierte entsprechende Kleidung als Statussymbole (dunkle oder helle Anzüge, Amtsroben, auch Schuhwerk). Die heutige Kleidung ist auch stark durch Milieu-Zugehörigkeit geprägt. Bei den Jugendlichen bevorzugen bestimmte ländliche Gruppen eine militärisch anmutende Kleidung, die städtische Jugend ist an europäischen Jeans- und T-Shirts als Statussymbolen interessiert.[110]

Medien[Bearbeiten]

Zeitungen und Journale[111]
Analyst Webseite
Heritage Webseite
Inquirer Webseite
Liberian Journal Webseite
Liberian Observer Webseite
In Profile daily Webseite

Die ersten internationalen Nachrichtenverbindungen waren zwei Seekabel, die deutsche und französische Kabelgesellschaften vor der Küste Westafrikas um das Jahr 1910 verlegten. Von der Station Monrovia aus wurden von der deutschen Betreibergesellschaft in den Folgejahren zwei weitere Kabel nach Togo, Kamerun und Namibia beziehungsweise über Brasilien und Uruguay nach Argentinien verlegt. Auch Frankreich nutzte eigene, von Monrovia ausgehende Seekabel, um die zentralafrikanischen Kolonien zu erreichen. Schon im Ersten Weltkrieg trafen die ersten Funkgeräte ein, einen modernen Funktelegraf erhielt die liberianische Regierung in den 1940er Jahren als Geschenk der USA. Im Jahr 1959 erhielten zwei liberianische Funkamateure die Lizenz für den Aufbau eines Mittel- und Kurzwellensenders in Paynesville mit einer maximalen Sendeleistung von 10 Kilowatt. Die Amateurfunk-Kennung des Senders war ELRS und wurde zum Synonym für den Liberianischen Rundfunk. Nach dem Testbetrieb wurde die Station 1960 verstaatlicht und diente als erstes elektronisches Massenmedium. Mit Unterstützung des Präsidenten Tubman wurde 1964 auch das erste Fernsehstudio Liberias eröffnet. Der staatliche Fernsehsender ELTV war zunächst nur in der Umgebung der Hauptstadt zu empfangen. Die Modernisierung der Sendetechnik erfolgte in den Folgejahren, cofinanziert durch japanische und amerikanische Staatsverträge. Seit den 1960er Jahren bestanden auch mehrere, von den Bergwerksgesellschaften betriebene Funkstationen, die als Zusatzprogramm Nachrichten und Unterhaltungsmusik, auch in den wichtigsten Landessprachen, sendeten. Erwähnt sei auch die Sendetechnik der Flughäfen und der Hafenbehörde von Monrovia und den anderen Hafenstädten des Landes, diese diente jedoch ausschließlich der Kommunikation mit der liberianischen Handelsflotte und den ankommenden Schiffen (Seefunk). Als Reaktion auf die Unabhängigkeitsbewegungen in den zerfallenden Kolonialreichen Afrikas installierte die USA bei Monrovia eine militärische Sendestation, die entsprechende Propagandasendungen von Voice of America in zahlreichen afrikanischen und europäischen Sprachen übertrug.

Radio ELWA in Monrovia ist der älteste christliche Rundfunksender Afrikas. Neben Englisch sendet die Radiostation in den Sprachen Grebo, Kru, Gola, Bassa, Kpelle, Kissi, Dan, Krahn und Loma. Der Sender wurde am 18. Januar 1954 in Betrieb genommen. Seit den 1980er Jahren besaßen auch andere Missionsstationen und die Katholische Kirche in Monrovia eigene Sendestudios (Radio Veritas) und Frequenzen, um christlich-religiöse Inhalte in Radiosendungen zu verbreiten. Auch diese Sender wurden ein Opfer des Krieges. Inzwischen überträgt ein neuer Sender der Katholischen Kirche auch Bildungs- und Informationsprogramme, da der Radioempfang in dem Land das zurzeit sicherste Medium darstellt.[40] Im Bürgerkrieg wurden alle liberianischen Sendestationen im Land von den Rebellen erobert und zerstört. Für eine Übergangszeit wird der Rundfunkempfang liberianischer Programme über Radio France Internationale und den BBC-Worldservice ermöglicht. Gegenwärtig arbeitet eine Gruppe von Nachrichtentechnikern und Redakteuren an einem Neustart des staatlichen Rundfunk und Fernsehprogramms und war schon erfolgreich.[112]

Durch ausländische Lizenzpartner besteht bereits ein erstes Privatfernsehen DC-TV, die Mehrzahl der Programme wird über Satellitenfernsehen empfangen.

Der liberianische Journalistenverband Press Union of Liberia (PUL) bemüht sich um eine sachliche, unparteiische Darstellung der Nachrichten und Ereignisse. Einer der beliebtesten Radiosender ist das private Star-Radio oder der Sender der UN, genannt UNMIL-Radio.

Sport[Bearbeiten]

Liberia war mit der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking insgesamt zum 11. Mal bei Olympischen Spielen vertreten. Die erste Teilnahme war 1956. Liberias Sportler — beispielsweise Kia Davis, Bobby Young und Abraham Morlu — sind besonders in der Leichtathletik erfolgreich.[113] Populärste Sportart ist Fußball, aber auch Basketball und zahlreiche andere Sportarten werden betrieben. In Monrovia befinden sich zwei neu erbaute Stadien, ansonsten ist keine nennenswerte sportliche Infrastruktur im Land vorhanden, die internationale Wettkampfbedingungen erfüllt. Die meisten international erfolgreichen liberianischen Sportler trainieren und leben im Ausland.[6]

Nationaldenkmäler[Bearbeiten]

Präsidentenpalast in neuem Glanz

Als Nationaldenkmäler Liberias gelten:

Alle Bauwerke befinden sich in Monrovias Altstadt.

Feiertage[Bearbeiten]

Liberia versteht sich als christliches Land, staatliche Feiertage entsprechen dem Vorbild der USA. Es werden neben den Nationalen Feiertagen auch die religiösen Feste des Islam und des Christentums gefeiert. Neben diesen Feiertagen werden religiöse, traditionelle und kulturelle Feste zu bestimmten Zeiten im Jahr gefeiert.[61]

Datum Name Deutscher Name Anmerkungen
feste Feiertage
1. Januar New Year’s day Neujahrstag
7. Januar Pioneer’s day Tag der Pioniere (7. Januar 1820) Ankunft der ersten Übersiedler der American Colonization Society
11. Februar Armed Force Day Tag der Streitkräfte
2. Donnerstag im März Decoration Day Tag des Totengedenkens/Grabschmückens Dem Totensonntag entsprechender Gedenktag
15. März Präsident J. J. Roberts’ Birthday Gedenktag für den Präsidenten J. J. Roberts (15. März 1809) Geburtstag
12. April National Redemption Day Nationaler Mahn- und Gedenktag (12. April 1980) Militärputsch
14. Mai Unification Day Tag der Vereinigung
25. Mai Africa day Afrika-Tag Festtag für die afrikanischen Völker
26. Juli Independence Day Unabhängigkeitstag Nationalfeiertag
24. August Flag day Tag der liberianischen Fahne
1. Donnerstag im November Thanksgiving Thanksgiving dem US-amerikanischen Vorbild entsprechend
29. November Präsident Tubman’s Birthday Gedenktag für den Präsidenten William Tubman (29. November 1895) Geburtstag
25. Dezember Christmas Day Weihnachtsfeiertag christlicher Feiertag
bewegliche Feiertage[6]
22. Oktober 2006 Koriteh Ende des Ramadan (’Īd al-fitr) muslimischer Feiertag
1. Januar 2007 Eid al-Adha Opferfest muslimischer Feiertag
31. März 2007 Prophet’s Birthday Geburtstag des Propheten Muhammad (Mawlid an-Nabi) muslimischer Feiertag
6. April 2007 Good Friday Karfreitag christlicher Feiertag
9. April 2007 Easter Monday Ostermontag christlicher Feiertag
13. Oktober 2007 Koriteh Ende des Ramadan (’Īd al-fitr) muslimischer Feiertag
20. Dezember 2007 Eid al-Adha/Eid-e Ghorban Islamisches Opferfest/Berg-Arafat-Tag muslimischer Feiertag

Als inoffizieller Feiertag wird seit 1823 der 1. Dezember in Monrovia als „Mathilda Newport Day“ begangen.[114][Anmerkung 20]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Werner Korte: In: Institut für Afrikanistik (Hrsg.): University of Leipzig papers on Africa. Politics and economics series. 23, Leipzig 1999 (Originaltitel: Liberia), ISBN 3-932632-33-8.
  •  Werner Korte: Prozesse des Staatszerfalls in Liberia. In: WeltTrends. Zeitschrift für internationale Politik und vergleichende Studien. 14, Potsdam 1997, ISSN 0944-8101, S. 55–80. (Volltext als Digitalisat)
  •  Werner Korte: In: Institut für Afrikanistik (Hrsg.): University of Leipzig papers on Africa. Politics and economics series. 23, Leipzig 1999 (Originaltitel: Liberia), ISBN 3-932632-33-8.
  •  Patricia Levy, Michael Spilling: Liberia. In: Cultures of the World. Marshall Cavendish Benchmark, New York 2010, ISBN 978-0-7614-3414-6.
  •  Stefan von Gnielinski, University of London (Hrsg.): Liberia in maps. London University Press, 1976, ISBN 0-340-15804-2, S. 111.
  •  Ruedi Kuster: Afrika – Liberia: ein Land zwischen Bangen und Hoffen. Portmann, Erlenbach 2006, ISBN 3-9523107-4-3.
  •  Willi Schulze: Liberia: länderkundliche Dominanten und regionale Strukturen. In: Wissenschaftliche Länderkunden. 7, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1973, ISBN 3-534-05821-6.
  •  Gerold Schmidt: The New Constitutional Developments in the Republic of Liberia. In: Hamburger Ges. f. Völkerrecht u. Auswärtige Politik (Hrsg.): Verfassung und Recht in Übersee. Heft 3, Hamburg 1981, S. 243–268.
  •  Gerold Schmidt: Das Staatskirchenrecht der neuen Verfassung der Republik Liberia. In: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart. 35 (Neue Folge), Tübingen 1986, S. 643–683. (Textanhang: Constitution of the Republic of Liberia. (1983), S. 663–683)
  •  Gerold Schmidt: Tropenschicksale – Deutsche in Liberia/Westafrika auf dem Friedhof von Monrovia. In: Zeitschrift für Kultur-Austausch. 33. Jg, Heft 2, Stuttgart 1983, ISSN 0044-2976, S. 240–247.
  •  J.W. Lugenbeel: The republic of Liberia: its geography, climate, soil and productions, with a history of its early settlements. G.S. Stockwell, New York 1868. (Digitalisat bei Google-Books)
  •  Roland R. Wahl, US Dep. of Geological Survey (Hrsg.): Geologic, geophysical and mineral localities map of Liberia. Washington 2007, ISBN 978-1-4113-1985-1, S. 2 DVD-ROM.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Liberia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Liberia – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikimedia-Atlas: Liberia – geographische und historische Karten

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Größe des Staatsgebietes: In den meisten Publikationen wird der Wert auf 97.079 km² aufgerundet angegeben.
  2. Witterung: Die Niederschläge gehen nur wenige Wochen so stark zurück, dass von einer Trockenzeit, in der der Niederschlag geringer als die Verdunstung ist, gesprochen werden kann.
  3. Vegetationszonen: Eine kartographische Darstellung der Vegetationszonen entlang des Mano River wurde 1979 publiziert und ist auch als Digitalisat verfügbar: A Reconnaissance Agricultural Land Evaluation of the Mano River Union Project Area in Liberia.
  4. Ur- und Frühgeschichte: Eine Erforschung der Ur- und Frühgeschichte Liberias wurde durch die Bildungselite des Landes als bedrohlich aufgefasst, denn die Ergebnisse hätten ihren Machtanspruch unterminieren können. Auf Druck der USA wurde Liberia in den 1970er Jahren von einem Team aus renommierten US-Wissenschaftlern: Archäologen, Anthropologen, Ethnologogen und Linguisten der Universität Boston, systematisch bereist, es stand unter Leitung des Afrika-Experten W. Creithon Gabel.
  5. Städte: Eine bereits von der Tubman-Regierung erlassenene Verwaltungsvorschrift definiert jede Siedlung mit mehr als 1.000 Einwohnern als Stadt, unabhängig von der vorhandenen Infrastruktur.
  6. Nebenfrauen: „Die in vielen afrikanischen Kulturen bestehende Polygamie wurde massiv von den christlichen Kirchen Liberias bekämpft, jedoch auch durch das von der ameriko-liberianischen Oberschicht etablierte Patronagewesen schamlos unterwandert. Dies geschah meist mit Billigung der jeweiligen Familien, die ihre Töchter zur Ausbildung oder beliebigen Vorwänden als »outside wives« in den Haushalt überstellten. Die aus solchen außerehelichen Beziehungen hervorgegangenen Nachkommen waren jedoch in der liberianischen Gesellschaft anerkannt und wurden nicht, wie in europäischen Gesellschaften, wegen Unehelichkeit diskriminiert.“
  7. Ausländische Initiativen: Internationale Organisationen und private Vereine unterstützten mit eigenen Projekten – hier sei auf das 1999 von den „Friends of Liberia“ gestartete „Liberian Education Assistance Project“ (LEAP) verwiesen: in drei Jahrgangskursen wurden von Mentoren 147 Jugendliche und Erwachsene als Volksschullehrer ausgebildet, die seit 2002 auf 42 Schulen im ganzen Land verteilt wurden.
  8. Gefälschte Diplome: Eine US-amerikanische Untersuchungsbehörde kam 2003 im Auftrag des Boston College, „Center for International Higher Education“ einem florierenden Handel mit gefälschten Universitätsdiplomen aus Liberia auf die Spur. Exil-Liberianer und US-Bürger hatten in Tateinheit mir korrupten liberianischen Offiziellen drei fiktive Universitäten erschaffen, um Diplome und Doktor-Titel gegen Zahlung einer „Verwaltungsgebühr“ auszustellen. Die an der „St.Regis-Universität“, „James Monroe-Universität“ und „Robertstown Universität“ erworbenen Diplome sind demzufolge wertlose Fälschungen.
  9. Fischfang: Bereits seit 1956 besteht ein Gesetz, das den Fischfang und die wirtschaftliche Nutzung der liberianischen Hoheitsgewässer regelt. Die Zone der Hoheitsgewässer wurde auf 200 Meilen ausgeweitet, um den Bedürfnissen der nationalen Küstenfischerei zu entsprechen. Innerhalb der Hoheitsgewässer dürfen nur Fischerei-Unternehmen agieren, die eine staatliche Lizenz erhalten haben. Im Binnenland setzt das Fischen und Angeln ebenfalls den Besitz einer Lizenz voraus.
  10. Fischereiflotte: Die liberianische Fischereiflotte besteht nach einem FAO-Bericht (siehe Haakonsen (1992), S. 85) zum Großteil aus ehemals griechischen Fischtrawlern, die aus dem (überfischten) Mittelmeer an die fischreiche westafrikanische Küste verlegt wurden und deren Besatzung zum größten Teil aus Ghanaern besteht. Die Entsendung der Trawler wurde im Rahmen eines Joint Venture legitimiert. Im Gegenzug liefert Liberia einen vertraglich vereinbarten Anteil am Fangaufkommen an die beteiligten griechischen Fischereiunternehmen.
  11. Zweitwährung: Im Land wird auch der US-Dollar als Zahlungsmittel anerkannt, welcher bei allen höheren Summen aufgrund der sonst zuvielen Scheine benutzt wird. .
  12. Funknavigation: Bis 1997 befand sich in Liberia eine wichtige Anlage zur globalen Funknavigation, deren heute noch vorhandener Sendemast das höchste Bauwerk in Afrika bildet.
  13. Telefonbuden: Es handelt sich dabei meist nicht um einen Münzfernsprecher, sondern um ein normales Mobil-Telefon, für dessen Benutzung das Entgelt nach Dauer fällig wird. Bis auf wenige Strassen in der Hauptstadt gibt es im ganzen Land keine Telefonleitungen mehr, da wegen des Kupfers diese von meist Kindersoldaten rausgerissen und verkauft wurden.
  14. Notstromversorgung: Seit dem Bürgerkrieg basiert die Energieerzeugung auf einer Vielzahl von Kleinkraftwerken (zum Beispiel aus abgewrackten Schiffen ausgebaute Generatoren) und einigen Wärmekraftwerken.
  15. Deponieproblem: Besonders prekär ist die Situation bei Industrieabfällen. Die Mehrzahl der übervölkerten Vorstädte gleichen inzwischen einer Mülldeponie mit Unmengen an Plastikresten (Trinkwasserflaschen).
  16. Medizinische Infrastruktur: Zum Wiederaufbau der technischen Infrastruktur gehören auch medizinische Laboratorien, Kühlhäuser, Testlabors und Schulungsprogramme für Pflegekräfte insbesondere im Phebe-Hospital in Gbarnga.
  17. Entsendeabkommen: Die Entsendung erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch des liberianischen Präsidenten William S. Tubman an den US-Präsidenten Harry S. Truman (Point–Four–Program).
  18. Musterfarm: In gleicher Weise wurde Francis E. Griffin entsandt, um eine Musterfarm und verschiedene Anlagen aufzubauen.
  19. Tischmanieren: Die afrikanische Tischsitte die Speisen als Fingerfood einzunehmen war bei der Oberschicht verpönt und wird in Gesellschaft von Ausländern auch vermieden.
  20. Mathilda Newport Day: Diese Frau gehörte zur ersten Gruppe von afro-amerikanischen Siedlern in Monrovia und bemerkte am 1. Dezember 1822 eine sich anschleichende Gruppe feindlicher Stammeskrieger, die sich bereits dicht vor der Siedlung befand. Mit ihrer brennenden Pfeife feuerte sie eine Signalkanone ab, alarmierte damit die Bürgermiliz und rettete wahrscheinlich die gesamte Siedlung vor der Auslöschung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Human Development Report Office: Liberia – Country Profile: Human Development Indicators, abgerufen am 23. Oktober 2014.
  3. a b c d e f Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe World-Factbook – Liberia. In: The Central Intelligence Agency (CIA). Abgerufen am 15. Oktober 2010.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatLiberia. In: Landeskundliche Informationsseite (WELT-BLICK). Abgerufen am 17. Oktober 2010. (deutsch)
  5.  Heinrich Rid: Das Buch vom Boden. Eugen-Ulmer-Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-940984-12-8, 2. Geologische Formationen, 3. Bodentypen, 10. Bodennutzung, S. 30–38, 76–78, 260–264,.
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6.5333333333333-9.75Koordinaten: 7° N, 10° W