Kwidzyn

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BW
Kwidzyn
Wappen von Kwidzyn
Kwidzyn (Polen)
Kwidzyn
Kwidzyn
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Kwidzyn
Fläche: 21,82 km²
Geographische Lage: 53° 44′ N, 18° 56′ O53.73333333333318.933333333333Koordinaten: 53° 44′ 0″ N, 18° 56′ 0″ O
Höhe: 42 m n.p.m
Einwohner: 38.925
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 82-500 bis 82-504
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: GKW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 55: Nowy Dwór GdańskiStolno
DK 90: Dąbrówka–Kwidzyn
DW 518: Gniew–Kwidzyn
Schienenweg: PKP-Linie 207: ToruńMalbork
PKP-Linie 218: Kwidzyn–Szlachta
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 21,82 km²
Einwohner: 38.925
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 1784 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2207011
Verwaltung (Stand: 2010)
Bürgermeister: Andrzej Krzysztofiak
Adresse: ul. Warszawska 19
82-500 Kwidzyn
Webpräsenz: www.kwidzyn.pl

Kwidzyn [ˈkfʲiʣɨn], deutsch Marienwerder, ist eine Stadt in der Woiwodschaft Pommern und Sitz des Powiats Kwidzyński in Polen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Kwidzyn liegt fünf Kilometer von der Weichsel entfernt am Fluss Liwa (Liebe) sowie an der Eisenbahnlinie ThornMarienburg in der historischen Provinz Ostpreußen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1919 war Marienwerder die Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks Marienwerder in der Provinz Westpreußen. Mit dem Schloss des pomesanischen Domkapitels (Bischofsburg) beherbergt die Stadt eine der bedeutendsten Burganlagen des Deutschordenslandes, die Burg Marienwerder.

Die Bischofsburg Marienwerder (1912)
Die Bischofsburg Marienwerder (2004)
Der Dom von Marienwerder

Schon der angelsächsische Seefahrer Wulfstan erwähnte Ende des 9. Jahrhunderts eine Insel namens Quidin im Weichseldelta. Der Name lässt sich auf das pruzzische („kweita“) wie auf das slawische (polnisch „kwiat“) Wort für „Blume“ zurückführen.

Der Deutsche Orden hatte unter Hermann Balk 1233 auf einem von den Pruzzen befestigten Hügel auf dem Gebiet des Dorfes Queden (1236 bis 1945 Tiefenau, seither Tychnowy) eine Burg namens Insula sanctae Mariae angelegt. Noch im gleichen Jahr verlegte er sie 5 Kilometer weiter nach Süden auf einen Hügel, der ebenfalls zuvor von den Pruzzen befestigt worden war.[3]

Die Stadt Marienwerder selbst legte der Orden wenig später nördlich dieser Burg an und stattete sie mit einer Handfeste aus. Nach Gründung des Bistums Pomesanien kam die Ordensburg 1254 in den Besitz des Bischofs. Er erwählte sie 1285 zu seinem Sitz, residierte aber seit etwa 1300 in Riesenburg (poln. Prabuty). Nördlich der Stadt ließ er von 1264 bis 1284 eine Domkirche errichten. Im Jahre 1322 begann der Bischof dort mit dem Bau der Bischofsburg zur Unterbringung des 1284 gegründeten Domkapitels. Um diese Zeit scheint auch die Lateinschule gegründet worden zu sein.[4] Die heutige Domkirche entstand an Stelle der alten in den Jahren 1344 bis 1355.

Am 14. März 1440 gründeten in Marienwerder Landadel und Städte des Ordensstaates den Preußischen Bund, der in Opposition zur Landesherrschaft des Ordens trat und sich 1454 gegen die Zusicherung großzügiger Privilegien dem König von Polen unterstellte. Bei der Teilung des bisherigen Ordensgebietes im 2. Thorner Frieden blieb Marienwerder dem Ordensstaat erhalten und war fortan dessen einzige Stadt an der Weichsel. Mit der Säkularisierung des Ordensstaates 1525 unter Albrecht I. wurde die Stadt lutherisch und Teil des Herzogtums Preußen, des späteren Königreichs Preußen. Im Jahre 1540 begann der Abriss der Ordensburg bis auf einen kleinen Rest. Für den Burghügel südlich der heutigen Altstadt kam der Name Altschlösschen auf. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts gehörte die Lateinschule von Marienwerder zu den bedeutenderen evangelischen Schulen. Im 18. Jahrhundert erlangte die Anstalt die Befugnis zur Entlassung auf die Universität. Ein neues Schulgebäude wurde für das Gymnasium im Zeitraum 1835–1938 errichtet.[4]

Marienwerder um die Mitte des 19. Jahrhunderts (Lithographie).

Durch die Neueinteilung Preußens nach den Grenzregelungen des Wiener Kongresses in den Jahren 1815–1818 kam die Stadt zur überwiegend aus den Erwerbungen der ersten Polnischen Teilung geschaffenen Provinz Westpreußen, wurde Kreisstadt und Hauptstadt des Regierungsbezirk Marienwerder, der das südliche Westpreußen umfasste. Marienwerder war zudem Sitz des gleichnamigen Oberlandesgerichts, dem die Landgerichtsbezirke Danzig, Elbing, Graudenz, Konitz und Thorn zugeordnet waren.

Der Vertrag von Versailles hatte die Schaffung des Polnischen Korridors zur Ostsee und damit die Auflösung der Provinz Westpreußen zur Folge. Am 11. Juli 1920 stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Marienwerder mit über 92 Prozent für den Verbleib bei Deutschland, während der Rest der Provinz ohne Abstimmung zwischen Deutschland, Polen und der Freien Stadt Danzig aufgeteilt wurde. Daraufhin kam der Osten der bisherigen Provinz Westpreußen als Regierungsbezirk Westpreußen mit Sitz in Marienwerder zur Provinz Ostpreußen.

Im Januar 1945 wurde Marienwerder von deutscher Seite evakuiert und einige Wochen später durch die Rote Armee besetzt. Das unzerstört gebliebene Marienwerder diente von März bis November der 2. Weissrussischen Front als Lazarettstadt. Es kam zu mehreren Bränden, denen die Altstadt zum Opfer fiel.[5] Danach wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt und in „Kwidzyn“ umbenannt. Die regionale Herkunft der polnischen Neusiedler Kwidzyns ist unklar.

Die in Marienwerder abgeräumten Trümmer gingen als Baumaterial nach Warschau. Seit 2002 wird die Altstadt auf historischem Grundriss wiederaufgebaut.

Kulturzentrum

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Anzahl
Einwohner
Anmerkungen
1400 ca. 700[6]
1572 ca. 700 nicht viel mehr[6]
1782 3.156 meistens evangelisch-lutherische Deutsche[7]
1783 3.297 davon 124 Personen von der Garnison (eine Schwadron eines Depot-Bataillons)[7]
1831 5.060[8]
1875 7.580[9]
1880 8.238[9]
1890 8.552 davon 6.732 Protestanten, 1.542 Katholiken und 226 Juden[9]
1900 9.686 davon 1.868 Katholiken und 160 Juden[10]
1905 11.819[6]
1925 13.721 davon 10.712 Protestanten, 2.724 Katholiken, 14 andere Christen und 190 Juden[9]
1930 13.860 meistens Protestanten, davon 2.870 Katholiken, 195 Juden und 290 Sonstige[11]
1933 15.548 davon 12.197 Protestanten, 3.073 Katholiken, 23 andere Christen und 169 Juden[9]
1939 19.723 davon 14.788 Protestanten, 4.307 Katholiken, 122 andere Christen und keine Juden[9]
1965 ca. 13.000[6]
2006 37.814

Bauten[Bearbeiten]

  • Schloss des Domkapitels, ab 1322 erbaut, ursprünglich Vierflügelanlage, der Süd- und Ostflügel 1798 abgebrochen, die auch um die Domkirche herumlaufenden Wehrgänge ebenso bereits 1677, im 19. Jahrhundert Gerichtsgebäude und Gefängnis, heute Museum
  • Domkirche, Backsteingotik, als Neubau 1344 bis etwa 1355 erbaut, mit den Grabmälern dreier Hochmeister und der pomesanischen Bischöfe

Gmina[Bearbeiten]

Die Landgemeinde Kwidzyn, zu welcher die Stadt selbst nicht gehört, hat 11.136 Einwohner (Stand 30. Juni 2013) und besteht aus den folgenden Ortschaften:

  • Obory (deutsch Oberfeld)
  • Baldram (Baldram, 1938–1945 Mergental)
  • Brachlewo (Rachelshof)
  • Brokowo (Brakau)
  • Bronno (Brandau)
  • Bursztych (Außendeich)
  • Bystrzec (Weißhof)
  • Dankowo (Semmler)
  • Dubiel (Dubiel, 1928–1938 Neuwalde, 1938–1945 Daubel)
  • Gilwa Mała (Klein Gilwe)
  • Gniewskie Pole (Mewischfelde)
  • Górki (Gorken, ab 16. Juli 1938 Waltershof,
    1939–1945 Marienwerder-Waltershof)
  • Grabówko (Klein Grabau)
  • Gurcz (Gutsch, 1938–1945 Zandersfelde)
  • Janowo (Johannisdorf)
  • Jurandowo (Rosenort)
  • Kamionka (Königlich Kamiontken,
    1928–1938 Kamiontken, 1938–1945 Lamprechtsdorf)
  • Korzeniewo (Kurzebrack)
  • Kramrowo (Kramersdorf)
  • Licze (Littschen)
  • Lipianki (Ziegellack)
  • Mareza (Mareese)
  • Mały Baldram (Baldramerfelde)
  • Nowa Wieś Kwidzyńska (Neudorf)
  • Nowe Lignowy (Neu Liebenau)
  • Nowy Dwór (Neuhöfen)
  • Ośno (Oschen)
  • Paczkowo (Patschkau)
  • Pastwa (Groß Weide)
  • Pawlice (Hanswalde)
  • Piekarniak (Bäckermühle)
  • Podzamcze (Unterberg)
  • Pole Rakowieckie (Krebsfelde)
  • Pólko Małe (Kleinfelde)
  • Rakowice (Klein Krebs)
  • Rakowiec (Groß Krebs)
  • Rozpędziny (Rospitz)
  • Szadówko (Klein Schadau)
  • Szadowo (Schadau)
  • Szadowski Młyn (Mühle Schadau)
  • Szalwinek (Schadewinkel)
  • Szopowo
  • Tychnowy (Tiefenau, im 13. Jahrhundert Queden)
  • Wola-Sosenka (Wolla)

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Kwidzyn unterhält seit etwa 1990 eine Städtepartnerschaft mit Celle, Niedersachsen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Hans Pfundtner (1881–1945), Staatssekretär im Reichsinnenministerium

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Bahr et al.: Handbuch der historischen Stätten, Ost und Westpreußen (Erich Weise, Hrsg.), Kröner. Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 133–136.
  • Marienwerder: Geschichte der ältesten Stadt der Reichsdeutschen Ostmark (im Auftrag des Magistrats der Stadt Marienwerder bearbeitet von Erich Wernicke). Weichsel-Verlag, 1933.
  • Max Toeppen: Geschichte der Stadt Marienwerder und ihrer Kunstbauten. Marienwerder 1875.
  • Hans Christoph Wilhelm Jahn: Nachträge zur Ergänzung der Chronik der Stadt Marienwerder in Westpreußen. Kanter, 1843.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S.441–444, Nr. 58 (Volltext).
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 3–6 (Volltext).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kwidzyn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 12. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 12. Dezember 2013.
  3. Johannes Voigt: Geschichte Preußens, von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des deutschen Ordens, Band 2, Königsberg 1827, S. 234 ff..
  4. a b L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 76-77
  5. Eine Stadt als Kriegsschauplatz, Bericht über eine polnisch-deutsche Historikertagung im Jahre 2004: Mitteleuropa.de, dort auch die Information zur unerforschten Herkunft der Neusiedler.
  6. a b c d Ernst Bahr et al.: Handbuch der historischen Stätten: Ost und Westpreußen (Erich Weise, Hrsg.) , Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 133–136.
  7. a b Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 3–6.
  8. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 441–444.
  9. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Marienwerder (2006)
  10. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 13, Leipzig und Wien 1908, S. 299.
  11. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 12, Leipzig 1932, S. 143.