Lausitzer Allianz

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Lausitzer Allianz
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Hannes Wilhelm-Kell
Partei­vorsitzender Hannes Wilhelm-Kell
Stell­vertretende Vorsitzende Peter Hadank
Gründung 26. März 2005
Gründungs­ort Cottbus
Farbe(n) blau-rot-weiß
Bundestagsmandate keine
Mitglieder­zahl ca. 70 (Stand Februar 2008)
Mindest­alter 16 Jahre
Europapartei Europäische Freie Allianz (EFA)
Website www.lausitzer-allianz.org

Die Lausitzer Allianz (obersorbisch Łužiska Alianca, niedersorbisch Łužyska Alianca) ist eine in der Lausitz aktive Minderheiten- und Regionalpolitischen Vereinigung. Ihr Ziel ist es, die politischen Interessen der Nieder- und Oberlausitzer Bevölkerung, als auch der sorbischen bzw. wendischen Volksgruppe auf parlamentarischer Ebene zu vertreten. Sie wurde am 26. März 2005 in Cottbus als Serbska Ludowa Strona (SLS, Wendische Volkspartei) gegründet. Auf ihrem III. Kongress am 26. April 2010 in Cottbus wurde sie in Lausitzer Allianz umbenannt.

Inhaltliches Profil[Bearbeiten]

Das aktuelle Grundsatzprogramm wurde am 1. Juni 2005 in Hoyerswerda verabschiedet. Sie betont, dass man sich weder links noch rechts verorten wolle. Sie will sowohl als weltanschaulich offene Sammlungsbewegung der Sorben/Wenden, als auch als unabhängige Regionalpolitische Vereinigung der Lausitz wirksam sein. So strebt die Lausitzer Allianz grundsätzlich eine dezentrale, möglichst bürgernahe Politik an. Der mit dem III. Kongress am 26. April 2010 begonnene Reform-Prozess, welcher die Änderung des Namens sowie wesentliche Änderungen im Statut beinhaltet, soll mit der grundlegenden Überarbeitung des Grundsatz-Programmes fortgesetzt werden.

Minderheitenpolitik[Bearbeiten]

Die Lausitzer Allianz setzt sich für die Aufnahme eines Minderheitenartikels gemäß der Europäischen Minderheitenschutzkonvention in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ein. Sie will, dass bestehende gesetzliche Regelungen zum Minderheitenschutz verbindlicher gestaltet werden sollen. Die Lausitzer Allianz strebt die Bereitstellung eines Angebots für einen flächendeckend bilingualen Bildungsweg vom Kindergarten bis zur Berufsausbildung für die gesamte Lausitz an. Die sorbische (wendische) Sprache soll im sorbischen Siedlungsgebiet den gleichen Rang bzw. Rechtsstellung in Wort und Schrift erhalten, wie die deutsche Sprache. Das soll auch alle Institutionen öffentlichen wie auch privatem Charakter, welche für das sorbische Siedlungsgebiet zuständig oder in diesem tätig sind, betreffen.

Bildungspolitik[Bearbeiten]

Die Lausitzer Allianz tritt dabei nach liberalem Verständnis für eine starke Autonomie der Schulen ein. Sie unterstützt den Ausbau einer fachlich breit aufgestellten Lausitz-Universität Cottbus, bei der auch das Sorbische Institut und das Carl-Thiem-Klinikum angegliedert werden soll.

Administrative Neuordnung der Ober- und Niederlausitz[Bearbeiten]

Die Lausitzer Allianz setzt sich für eine Stärkung des Föderalismus ein. Die Rechte der Länder (u. a. eine eigene Steuerhoheit sowie die Bildungshoheit der Länder) seien auszubauen, um eine sachkundige regionale Entscheidungskompetenz in der Politik zu erreichen. Weiterer inhaltlicher Schwerpunkt ist die Kommunalpolitik, wobei die Lausitzer Allianz eine Stärkung der Kommunen und Landkreise fordert. So strebt sie die Bildung von Gebietskörperschaften Ober- bzw. Niederlausitz in ihren historisch gewachsenen Grenzen, mit jeweils eigenen Parlamenten nach dem Vorbild der Region Stuttgart an. Eine Fusion der Bundesländer Berlin und Brandenburg wird abgelehnt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Lausitzer Allianz will, dass der Abbau der Braunkohle in Form von Tagebauen in der Nieder- und Oberlausitz schrittweise eingestellt wird. Der Neuaufschluß weiterer Tagebaue wird absolut abgelehnt. Die Elektrizitätserzeugung soll durch dezentrale regenerative Anlagen erfolgen. Die Politik insbesondere die Raum- bzw. Regionalplanung soll darauf ausgerichtet werden, dass die Wirtschaft nachhaltig und Ressoursen schonend agiert. Die Raum- bzw. Regionalplanung soll die Nieder- und Oberlausitz als einen einheitlichen Wirtschaftsraum betrachten.Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik soll die Entwicklung regionaler Wirtschaftskreisläufe innerhalb der lausitzischen Region und der bevorzugten Förderung klein- und mittelständischer Unternehmen sein.

Organisationsstruktur[Bearbeiten]

Organe der Lausitzer Allianz sind der Kongress, der Generalvorstand und der Konvent. Der Kongress, ist als Mitgliederversammlung, das oberste beschlußfassende Organ, welches in der Regel alle zwei Jahre zusammen tritt. Der Generalvorstand wird vom Kongress alle zwei Jahre neu gewählt und ist für die Verwaltung der politischen Vereinigung zuständig. Der Konvent besteht aus gesetzten Mitgliedern und ist für die Erstellung und Weiterentwicklung des Programms verantwortlich. Er entwickelt auch die politischen Richtlinien der Partei.

Die Lausitzer Allianz gliedert sich in insgesamt zwei Regionalverbände: Es sind die Regionalverbände Oberlausitz und Niederlausitz. Weitere Untergliederungen sind die Kommunalverbände.

Generalvorstand
Vorsitzender Stellvertretende Vorsitzende Schatzmeister Generalsekretär Beisitzer Wahl
Hannes Wilhelm-Kell Peter Hadank Andreas Mroß 7. April 2012
Hannes Wilhelm-Kell Ralf Thomas Kapler;

Peter Hadank

Henryk Matuš Andreas Mroß September 2013

Politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Parteilogo von 2005 bis 2010

Sie beteiligt sich an der am 8. Oktober 2007 im Land Brandenburg gestarteten Volksinitiative „Keine neuen Tagebaue – für eine zukunftsfähige Energiepolitik“, welche am 15. Januar 2008 die notwendige Mindestzahl von 20.000 Unterstützungsunterschriften erreicht hat. Das eröffnete die Möglichkeit zur Durchführung eines Volksbegehrens, welches am 10. Oktober 2008 begann und am 9. Februar 2009 endete. Nach dem endgültigen Ergebnis haben sich 25.633 Menschen aus Brandenburg am Volksbegehren beteiligt. Gültig waren 24.501 Eintragungen. Für den Erfolg des Volksbegehrens waren aber 80.000 Stimmen erforderlich.

Anfang des Jahres 2013 startete die Lausitzer Allianz eine Kampagne zur Novellierung des deutschen Bergbaurechtes.[1]

Am 27. März 2009 wurde die Wendische Volkspartei in die Europäische Freie Allianz (EFA) als Mitglied mit Beobachterstatus aufgenommen. Nach der Umbenennung in Lausitzer Allianz erfolgte am 15. Februar 2014 die Aufnahme als Vollmitglied in die EFA. Die EFA ist eine europäische politische Partei, deren Mitglieder Regional- und Minderheitenparteien sind.

Verhältnis zur Domowina[Bearbeiten]

Von der Gründung bis nach den Bundestagswahlen im Herbst 2005 herrschte seitens des Dachverbandes der Sorben in Deutschland, der Domowina, ein distanziertes Verhältnis zur SLS. Danach begann zwischen den beiden Organisationen eine vorsichtige Annäherung, so dass es am 28. September 2005 zu einem ersten Treffen in Hoyerswerda kam.

Wahlen[Bearbeiten]

Bundestagswahlen[Bearbeiten]

Der Bundeswahlausschuss hat die Zulassung der Wendischen Volkspartei zur vorgezogenen am 18. September stattfindenden Bundestagswahl 2005 aus formalen Gründen abgelehnt. Zu der Bundestagswahl am 27. September 2009, hat die Partei beschlossen nicht anzutreten.

Landtagswahlen[Bearbeiten]

Die Partei hat beschlossen, nicht zu den Landtagswahlen am 27. September 2009 in Brandenburg und am 30. August 2009 in Sachsen anzutreten.[2] Zum Einzug mit mindestens einem Sitz in den Brandenburgischen Landtag wären bei 1,39 Mio abgegebenen Stimmen mehr als 7.900 Stimmen nötig gewesen.

Kommunalwahlen[Bearbeiten]

Zur Kommunalwahl in Brandenburg am 28. September 2008 und am 25. Mai 2014 trat sie im Landkreis Spree-Neiße auf dem Wahlvorschlag der Bürgerinitiative Klinger Runde als «Bürger für die Lausitz – Klinger Runde» an. Die Klinger Runde erreichte dabei jeweils zwei Mandate für den Kreistag im Spree-Neiße-Kreis. In einigen Gemeinden in demselben Landkreis beteiligte sich die Partei mit einigen Kandidaten an den Gemeinderatswahlen.[3] Zur Kommunalwahl am 25. Mai 2014 kristallisierte sich Rohne in Sachsen mit 19,6 % als Wähler-Hochburg der Lausitzer Allianz heraus,[4] wodurch eine Kandidatin (von zweien) in den 5-köpfigen Ortschaftsrat gewählt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

1919–1933[Bearbeiten]

Die Gründer der Wendischen Volkspartei berufen sich auf die Tradition einer gleichnamigen politischen Gruppierung, die am 2. November 1919 als „Lausitzer Volkspartei“ gegründet und 1924 in „Wendische Volkspartei“ umbenannt wurde. Sie setzte sich für die Ziele der wendischen/sorbischen Nationalbewegung ein. Auf der Tagung der Ausschussmitglieder und Vertrauensleute des wendischen Nationalausschusses am 6. Dezember 1919 wurde der Partei die Vertretung der politischen Forderungen nach nationaler Gleichberechtigung übertragen, während sich der Nationalausschuss der ökonomischen und kulturellen Belange annahm. Den Vorsitz diese Ausschusses hatte Arnošt Bart-Brězynčanski (1870–1956) inne, welcher auch der Hauptinitiator für die Gründung der Wendischen Volkspartei war. Die Partei wandte sich an die wendische/sorbische und deutsche Bevölkerung der Lausitz. In ihrem Programm entwickelte sie Vorschläge für ein friedliches Zusammenleben der beiden Bevölkerungsteile und Anregungen für die gesetzliche Verankerung der Gleichberechtigung der wendischen/sorbischen Sprache und Kultur.

Der politische Ausschuss des Cyrill-Methodius-Vereines distanzierte sich sehr bald vom Programm der Lausitzer Volkspartei, weil es ihm zu weitgehend war, und erklärte im April 1920, dass es ihm unmöglich sei, über die Plattform der Christlichen Volkspartei hinauszugehen, und empfahl wie schon zur Kaiserzeit die Wahl der Deutschen Zentrumspartei. Die Wendische Volkspartei bildete zusammen mit der Domowina und der Maćica Serbska 1925 den Wendischen Volksrat. Auch in dem im Jahr 1924 gegründeten Verband der nationalen Minderheiten in Deutschland arbeiteten die Wenden/Sorben in Vertretung von Jan Skala mit. Der Vorsitzende der Wendischen Volkspartei war Jakub Lorenc-Zalěski (1874–1939). Sie errang nur wenige kommunale Mandate. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten verboten.

Gründungsversuch 1946[Bearbeiten]

Bereits bei der Gründung des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz am 8. September 1946 in Werben wurde eine Resolution beschlossen, in der unter Punkt 3. die Gründung einer wendischen (sorbischen) Partei gefordert wurde. Dieser Beschluss konnte aufgrund der herrschenden politischen Zustände in der SBZ und dann in der DDR (ab 7. Oktober 1949) nicht realisiert werden. Dieser Versuch, in der unmittelbaren Nachkriegszeit einen Neuanfang zustande zu bringen, scheiterte am kommunistischen Machtanspruch.

Neugründung 2005[Bearbeiten]

Die Idee zur Gründung einer Partei entstand bereits 2001, allerdings bedurfte es erst der öffentlichen Aufmerksamkeit auf den Südschleswigschen Wählerverband im Rahmen der Wahl des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein 2005, um die Idee letztlich in die Tat umzusetzen, auch wenn von einzelnen Mitgliedern betont wird, man wolle nicht im Kielwasser der Ereignisse mitschwimmen. Der Gründungsparteitag fand am 26. März 2005 in Cottbus statt.

Ähnlich dem Südschleswigschen Wählerverband, der Partei der dänischen und friesischen Volksgruppe in Schleswig-Holstein, möchte die Lausitzer Allianz im Rahmen einer Sonderregelung von der Fünf-Prozent-Hürde ausgenommen werden. Dieses sieht zwar das brandenburgische, nicht jedoch das sächsische Wahlgesetz vor. Hauptargument der Gründung war, dass das demokratische System in Deutschland auf der Mitwirkung von Parteien beruhe und somit die Domowina als bisherige Interessenvertreterin der Sorben auf politischer Ebene ihrer Rolle nicht gerecht werden könne.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jakub Jarosław Sokół: Serbołużyckie Stronnictwo Narodowe / Łużycki Alians jako partia narodu i regionu (Translated Title: Sorbian National Party / Lusatian Alliance as a national minority and regional party). In: Nationalities Affairs (38/2011), Seite 145–162

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Gesetzesinitiative Bergbaurecht,
  2. Einigung Finanzierung der Stiftung ist gesichert, in: MAZ, 11. Juli 2009.
  3. Sorben wollen in den Spree-Neiße-Kreistag, in: Lausitzer Rundschau, 8. August 2008.
  4. Ortschaftsratswahl 2014