Leonce und Lena

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Daten des Dramas
Titel: Leonce und Lena
Gattung: Lustspiel
Originalsprache: deutsch
Autor: Georg Büchner
Erscheinungsjahr: 1836
Uraufführung: 31. Mai 1895
Ort der Uraufführung: München
Personen
  • König Peter vom Reiche Popo
  • Prinz Leonce, sein Sohn, verlobt mit
  • Prinzessin Lena vom Reiche Pipi
  • Valerio
  • Die Gouvernante
  • Der Hofmeister
  • Der Zeremonienmeister
  • Der Präsident des Staatsrats
  • Der Hofprediger
  • Der Landrat
  • Der Schulmeister
  • Rosetta
  • Bediente, Staatsräte, Bauern etc.

Leonce und Lena ist eine Komödie von Georg Büchner (1813 bis 1837), die nicht als unverbindliches Lustspiel, sondern als eine unter dem Deckmantel harmloser Fröhlichkeit versteckte Polit-Satire verstanden werden sollte. Sie wurde im Frühjahr 1836 für einen Wettbewerb der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung geschrieben. Büchner verpasste allerdings den Einsendeschluss und erhielt das Werk ungelesen zurück. Uraufgeführt wurde es fast 60 Jahre später, am 31. Mai 1895, in einer Freilichtaufführung des Münchner Theatervereins Intimes Theater unter der Regie von Ernst von Wolzogen und unter Mitwirkung von Max Halbe und Oskar Panizza – was ein Licht auf die (sich ja auch in seinen anderen Werken offenbarende) Modernität Büchners wirft, dessen literarische Weltgeltung erst im 20. Jahrhundert erkannt wurde.

Erich Kästner zählte Leonce und Lena zu den sechs wichtigsten klassischen Komödien deutscher Sprache.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Inhalt

Der melancholische, traumversunkene Prinz Leonce vom Königreiche Popo (in seiner territorialen Winzigkeit und intellektuellen Borniertheit eine Persiflage auf die deutschen Kleinstaaten) wird vor vollendete Tatsachen gestellt: Er soll die ihm völlig unbekannte Prinzessin Lena vom Königreiche Pipi heiraten. Nicht gewillt, den Bund einzugehen, flüchtet er Richtung Italien. Begleitet wird er dabei von seinem treuen, aber arbeitsscheuen Diener Valerio, der als stets leicht betrunkener und immer heißhungriger Sancho Pansa seinen idealistisch verträumten Herrn immer wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückholt.

König Peter, ein scheinbar aufgeklärter, in Wahrheit jedoch völlig geistloser Absolutist, beruft inzwischen eine Staatsratsversammlung ein, um vor dieser seinen Entschluss, dass sein Sohn nämlich heiraten solle, bekanntzumachen und dabei wieder einmal Zeugnis von seiner grenzenlosen Ignoranz, Realitätsferne und geistigen Verwirrtheit abzulegen.

Auf dem Weg nach Italien begegnen Leonce und Valerio zwei Damen: Lena und ihrer Gouvernante, beide ebenfalls auf der Flucht vor der Heirat. Leonce, nicht ahnend, dass es sich um die ihm versprochene Braut handelt, verliebt sich unmittelbar in das Mädchen, während Valerio und die Gouvernante eine bissige Konversation führen. Leonce gesteht Lena seine Liebe, sie jedoch erwidert diese nicht: Er will daraufhin Selbstmord begehen, wird aber von Valerio davon abgehalten, der die Tragik des Selbstmords ins Lächerliche zieht, indem er Leonce spöttisch bittet, ihn mit seiner „Leutnantsromantik“ zu verschonen. Später verliebt sich Lena dann doch noch in Leonce, und die beiden beschließen, gemeinsam alt zu werden.

Unterdessen proben vor dem Hofe Popos der Zeremonienmeister mit dem Bauernvolk den feierlichen Empfang des erwarteten Hochzeitspaares, eine Szene von bissigem Sadismus und eine schonungslose Darstellung des bäuerlichen Elends.

Die nächste Szene spielt wieder im Schloss, von dem aus man das gesamte Königreich überblicken kann. Der König und sein Gefolge sind in großer Trauer, da der Prinz verschwunden ist und die Hochzeit nun nicht stattfinden kann. Doch da sieht man an der Grenze des Reiches vier Gestalten auftauchen. Natürlich handelt es sich um die Gouvernante, Lena, Leonce und Valerio. Das Liebespaar hat sich bis zur Unkenntlichkeit verkleidet und wird von Valerio als die „zwei weltberühmten Automaten“ angepriesen, die alle Funktionen menschlichen Lebens perfekt erfüllen könnten. König Peter beschließt, die Hochzeit in effigie zu feiern, mit den Automaten als Braut und Bräutigam. Die Zeremonie findet statt und die beiden nehmen ihre Masken ab. Erst jetzt stellen Leonce und Lena fest, dass sie nicht – wie beabsichtigt – ihren Vätern einen genialen Streich gespielt haben, sondern dem Schicksal ihrer Verbindung nicht aus dem Weg gehen konnten. Leonce ist fasziniert von dieser „Vorsehung“ und akzeptiert mit verzweifelt komischer Ironie sein Los als König über ein Reich stumpfsinnig gehorsamer Untertanen. Und auch Lena akzeptiert ihre neue Rolle. Valerio, wegen seiner Verdienste bei der Inszenierung der Hochzeit von Leonce zum Staatsminister ernannt, parodiert die Situation zusätzlich, indem er befiehlt, die bestehende Ordnung im Chaos versinken und nur noch auf individuellen Genuss ausrichten zu lassen.

[Bearbeiten] Bewertung

Büchners Komödie vom lebensmüden Traumprinzen, der nicht gewillt ist, seinen romantischen Idealen mehr zu gönnen als einen halbherzigen Ausbruchsversuch, ist keineswegs harmlos: Die wortspielreiche Ironie und virtuos artikulierte Absurdität entlarven die Hohlheit eines Adels, der das Volk für sich arbeiten lässt und selber nur eines kennt: Langeweile. Die beißende Kritik an der provinziellen Kleinstaaterei zur Zeit des Deutschen Bundes ist unübersehbar.

[Bearbeiten] Wichtige Inszenierungen

[Bearbeiten] Verfilmung

[Bearbeiten] Bearbeitungen

[Bearbeiten] Literatur

  • Jürgen Schröder: Georg Büchners „Leonce und Lena“. Eine verkehrte Komödie. München: Wilhelm Fink Verlag, 1966.

[Bearbeiten] Weblinks

Digitalisierter Volltext von Leonce und Lena bei Zeno.org

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen