Lewis Binford

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Lewis Binford, ca. 1980

Lewis Roberts Binford (* 21. November 1931 in Norfolk, Virginia; † 11. April 2011 in Kirksville, Missouri) war ein US-amerikanischer Archäologe und Anthropologe. In den 1960er Jahren gehörte er zu den Initiatoren der New Archaeology (auch: „Processual Archaeology“).

Leben[Bearbeiten]

Lewis Binford studierte bis 1952 zunächst am Virginia Polytechnic Institute und – nach Ableistung des Militärdienstes – Anthropologie an der University of North Carolina bis zum Bachelor-Abschluss. Danach wechselte er an die University of Michigan, wo er 1958 den Master-Grad erwarb und 1964 promoviert wurde. Als Hochschullehrer war Binford später an der University of Michigan, der University of Chicago, der University of California, Santa Barbara und von 1968 bis 1991 an der University of New Mexico tätig. Von 1991 bis zu seinem Ruhestand 2003 war er University Distinguished Professor emeritus (Emeritus) an der Southern Methodist University in Dallas (Texas).

Im Jahre 2001 wurde er zum Mitglied der National Academy of Sciences gewählt.[1] 2006 erhielt er den mit 60.000 Euro dotierten Internationalen Preis der Fyssen-Stiftung.[2]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten]

Binford wurde zunächst durch eine vielbeachtete Debatte über das südfranzösische Moustérien bekannt, die er mit dem Archäologen François Bordes von der Universität Bordeaux austrug. Während Bordes die Variabilität verschiedener Inventartypen des Moustériens auf verschiedene Stämme zurückführte, sah Binford die Funktionalität der Steinwerkzeuge und ihre Interpretation im Vordergrund.

Binfords theoretische Arbeiten hatten bedeutenden Einfluss auf die Theoriediskussion und das Selbstverständnis der Archäologie. Sein 1962 erschienener Aufsatz „Archaeology as Anthropology“ gilt als Grundlage der in den USA in den 1960er und 1970er Jahren sehr einflussreichen New Archaeology.[3] Vor dem Hintergrund einer stärkeren Hinwendung des Faches zu den Naturwissenschaften forderte er als Grundlage archäologischer Interpretationen Arbeiten in den Bereichen der experimentellen Archäologie, der Ethnoarchäologie und der Historical Archaeology.

Binford selbst gab bedeutende methodische Impulse, wie zum Beispiel mit der 1981 publizierten Monographie „Bones: Ancient Men and Modern Myth“ über taphonomische Prozesse an Tierknochen. Die Studie systematisierte erstmals menschliche Manipulationen, insbesondere die Schnittspuren auf den Knochenoberflächen. Dabei dienten ihm ethnologische Studien waidmännischer Prozesse der Nunamiut (einer Gruppe der Inupiat) als Vergleich.

Veröffentlichunge (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Archaeological and Ethnohistoric Investigations of Cultural Diversity and Progressive Development among Aboriginal Cultures of Coastal Virginia and North Carolina. Ph.D. dissertation, Department of Anthropology, University of Michigan, University Microfilms, Ann Arbor. (1964)
  • Hrsg.: New Perspectives in Archaeology (1968)
  • An Archaeological Perspective (1972)
  • Hrsg.: For Theory Building in Archaeology
  • Hrsg.: Nunamiut Ethnoarchaeology (1978)
  • Bones: Ancient Men and Modern Myth (1981)
  • In Pursuit of the Past: Decoding the Archaeological Record (1983) / deutsche Übersetzung: Die Vorzeit war ganz anders (1984)
  • Working at Archaeology (1983)
  • Faunal Remains from Klasies River Mouth (1984)
  • Debating Archaeology (1989)
  • Constructing Frames of Reference (2001)

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert L. Kelly: Lewis R. Binford (1931–2011). In: Science, Band 332, 2011, S. 928 Volltext

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SMU Anthropology Professor Elected to National Academy of Sciences
  2. http://www.fondationfyssen.fr/prixinternational_oa_US.htm
  3. Lewis Binford: Archaeology as Anthropology. American Antiquity 28, 1962, S. 217–225

Weblinks[Bearbeiten]