Malmedy-Massaker

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Tote nach dem Malmedy-Massaker

Das Malmedy-Massaker war ein Kriegsverbrechen, das am 17. Dezember 1944 im Zuge der Ardennenoffensive im Zweiten Weltkrieg verübt wurde. Es wurden mindestens 82 kriegsgefangene US-amerikanische Soldaten von Angehörigen der Waffen-SS erschossen.[1] Der Ort des Geschehens lag bei Malmedy.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Ardennenoffensive war der letzte Versuch der Wehrmacht, die Initiative an der Westfront zurückzugewinnen. Drei deutsche Armeen der Heeresgruppe B sollten im Winter 1944 im unwegsamen Gelände der Ardennen den Vorstoß der alliierten Truppen Richtung Rhein zurückschlagen und durch einen überraschenden Vormarsch nach Antwerpen die Hauptnachschublinien der Alliierten unterbrechen. Die deutschen Kommandeure wollten mit dem „Unternehmen Herbstnebel“ die Anti-Hitler-Koalition spalten und ein Ende der Kämpfe im Westen erreichen.

Während einer Lagebesprechung im Gefechtsstand Adlerhorst bei Bad Nauheim bezeichnete Adolf Hitler am 12. Dezember 1944 vor seinen versammelten Generälen die bevorstehende Winteroffensive als „die bedeutendste Schlacht in einem Entscheidungskrieg auf Leben und Tod“. Nach Aussagen der damals Beteiligten gab Hitler auch die Anweisung, Gefangene nur dann zu machen, wenn es die „taktische Situation“ erlaube. Entsprechend wurden Anweisungen zur „rücksichtslosen Härte“ von den übergeordneten Befehlsstellen an die unterstellten Einheiten weitergegeben, so auch von Josef Dietrich. Laut der Anklage im späteren Prozess soll er Anweisung gegeben haben, kriegsvölkerrechtliche Vorschriften zu ignorieren.

Joachim Peiper beim Malmedy-Prozess 1946

Die Kampfgruppe Peiper[Bearbeiten]

Die Kampfgruppe Peiper unter dem Befehl des SS-Standartenführers Joachim Peiper war ein Verband der Leibstandarte „Adolf Hitler“, der ungefähr 1000 Mann und 100 Panzerfahrzeuge umfasste. Für die Ardennenoffensive war die Kampfgruppe der 6. SS-Panzerarmee unter Sepp Dietrich zugeteilt, deren Angriffsspitze sie stellen sollte. Die Aufgabe von Peipers Verband war der rasche Vorstoß zu den Maas-Brücken bei Huy und die Öffnung eines Korridors für nachfolgende Truppen. Wie Peiper selbst hatte ein Großteil seiner Untergebenen zuvor an der Ostfront gekämpft. Vor Beginn der Offensive lag Peipers Truppe weit hinter dem Zeitplan und drohte die gesamte Operation zu gefährden. Da gerade die Leibstandarte „Adolf Hitler“ sich als Elite betrachtete, setzte die Angst vor dem Versagen die Kommandeure der Kampfgruppe stark unter Druck.

Das Massaker[Bearbeiten]

Amerikanischer Lageplan

Am 17. Dezember 1944, dem zweiten Tag der Ardennen-Offensive, traf die schnell vorgehende Panzertruppe Peipers etwa vier Kilometer südöstlich von Malmedy – an der Straßenkreuzung von Baugnez – auf einen LKW-Konvoi der Battery B des 285th Field Artillery Observation Battalion der United States Army. Sofort nach der Entdeckung wurde der Konvoi beschossen und überwältigt. Die Angriffsspitze der Kampfgruppe Peiper – darunter auch Joachim Peiper selbst – kümmerte sich nicht um die Amerikaner und fuhr weiter. Angehörige der nachfolgenden SS-Einheiten stellten die etwas über 100 Gefangenen auf einer Wiese nahe der Straßenkreuzung auf. Der genaue Ablauf des nun folgenden Massakers oder eine eventuell vorhandene Befehlskette der nachfolgenden Ereignisse konnte bisher nicht präzise geklärt werden.

Sicher ist jedoch, dass die SS-Männer gegen Mittag des 17. Dezembers mit Maschinenpistolen und den Bordwaffen ihrer Fahrzeuge das Feuer auf die gefangenen Amerikaner eröffneten – unter denen sich auch Verwundete befanden. Anschließend töteten einzelne SS-Männer die Überlebenden durch Schüsse aus nächster Nähe, was später ein Beweis dafür war, dass es sich um ein Verbrechen und kein normales Gefecht gehandelt hatte. Insgesamt starben bei der Schießerei mindestens 82 Amerikaner, die erst im Januar 1945 von ihren Kameraden gefunden wurden.[1]

Die Folgen des Massakers[Bearbeiten]

54 GIs (unter ihnen auch der US-amerikanische Schauspieler Charles Durning) überlebten, ohne von den SS-Truppen bemerkt zu werden, und flohen nach dem Rückzug der deutschen Truppen. Bereits am Nachmittag des 17. Dezembers hatten sich die ersten Männer zu den eigenen Linien durchgeschlagen. Am 18. Dezember wurde das alliierte Oberkommando über den Vorfall informiert. Obwohl es nicht das einzige Kriegsverbrechen der SS gegen die Westmächte war und auch nicht blieb, nahm Malmedy später eine Symbolstellung ein: Das Massaker stand für die brutale Rücksichtslosigkeit, mit der der Krieg von deutscher Seite geführt wurde.

Gedenktafel

Das Massaker blieb auch der Öffentlichkeit nicht lange verborgen. Bereits am 21. Dezember kursierten erste Berichte in der alliierten Presse. Am 25. Dezember erschien ein weiterer Bericht im TIME-Magazin, weitere Artikel folgten in der Armeezeitung Stars and Stripes und in Newsweek. Am 30. Dezember 1944 ersuchte das US-amerikanische State-Department die Schweizer Botschaft, eine Protestnote mit der Bitte um Untersuchung des Vorfalls an die deutsche Reichsregierung zu übergeben. Unter Berufung auf die Untersuchungsergebnisse der für solche Fälle eingerichteten Wehrmacht-Untersuchungsstelle bestritt das Auswärtige Amt in einer am 8. März übermittelten Note den Vorfall.

Nach Kriegsende fand im Mai 1946 der Malmedy-Prozess in Dachau statt, bei dem die beteiligten SS-Leute, die von den Alliierten noch aufgespürt werden konnten, vor Gericht gestellt wurden. Es gab 43 Todesurteile und 22 lebenslange Freiheitsstrafen. Es gab allerdings auch Zweifel an der Rechtmäßigkeit des ganzen Verfahrens, da die ermittelnden Behörden nicht immer rechtsstaatlich vorgegangen seien. Schließlich untersuchte ein Subkomitee des US-Senats unter Joseph McCarthy die Angelegenheit. Mittlerweile hatte die US Army einige Todesurteile aufgehoben. Auch die übrigen Urteile milderte man in der Folgezeit ab und den Gnadengesuchen der restlichen zum Tode verurteilten SS-Leute wurde durch den Oberkommandierenden der US-Streitkräfte in Deutschland, General Thomas T. Handy, stattgegeben. Im April 1948 wurden die ersten Verurteilten aus dem War Criminals Prison No. 1 in Landsberg am Lech entlassen. Ende 1953 waren noch 32, Ende 1954 noch zehn Verurteilte in Haft. Zuletzt wurden Georg Preuß (30. November 1956), Peiper (22. Dezember 1956) und der Österreicher Hubert Huber (29. Januar 1957) entlassen.[2]

Heute erinnern eine Gedenkstätte und ein Museum am Ort des Geschehens in Malmedy-Baugnez an die durch die Soldaten der Waffen-SS ermordeten US-Soldaten.

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John M. Bausermann: The Malmédy Massacre. Shippensburg 1995
  • Quadflieg, Peter M; Rohrkamp, René (Hrsg.): Das Massaker von Malmedy. Täter, Opfer, Forschungsperspektiven, Aachen 2010, ISBN 978-3-8322-9241-6.
  • Danny Parker, Fatal Crossroads: The Untold Story of the Malmédy massacre at the Battle of the Bulge, Da Capo Press 2011, ISBN 978-0306811937.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Malmedy massacre – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. a b John M. Bausermann: The Malmédy Massacre. Shippensburg 1995
  2. Jens Westemeier: Himmlers Krieger. Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit (=Krieg in der Geschichte, Band 71) Schöningh, Paderborn 2014, ISBN 978-3-506-77241-1, S. 856 f.

50.4038888888896.0661111111111Koordinaten: 50° 24′ 14″ N, 6° 3′ 58″ O