Margaret Bourke-White

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April 1945: Margaret Bourke-White vor Leichen im KZ Buchenwald; Foto von Lieutenant Colonel Parke O. Yingst
1964: Margaret Bourke-White zu Hause

Margaret Bourke-White (* 14. Juni 1904 in New York; † 27. August 1971 in Stamford, Connecticut) war eine US-amerikanische Fotoreporterin. Sie war die erste Kriegsberichterstatterin der US-Armee und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Fotografin der US-Luftwaffe. Eines ihrer Bilder, The Living Dead of Buchenwald (deutsch nicht korrekt übersetzt: Die lebendigen Toten von Buchenwald), zählt zu den berühmtesten des 20. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Margaret Bourke-White wurde als Tochter der römisch-katholischen Minnie Bourke und des nicht praktizierenden Juden Joseph White in der Bronx, New York geboren. Sie hatte eine ältere Schwester, Ruth White, und einen jüngeren Bruder, Roger White. Bourke-White erhielt eine damals für Mädchen noch nicht übliche Ausbildung an einem College. Im Alter von 20 Jahren heiratete sie Everett Chapman und ließ sich zwei Jahre später wieder scheiden.

Architektur- und Industriefotografie[Bearbeiten]

Nach Beendigung ihres Studiums 1927 eröffnete sie ihr erstes Fotostudio in Cleveland, Ohio und begann ihre Karriere als Architektur- und Industriefotografin.[1] Ihre spektakulären Aufnahmen von Industrieanlagen stellten einen neuen und vielbeachteten fotografischen Zugang zur rasanten Wirtschaftsentwicklung der Vereinigten Staaten dar.

Fotojournalismus[Bearbeiten]

Schnell erhielt sie Aufträge renommierter Zeitschriften. Die von ihr fotografierten Brücken und Stahlfabriken illustrierten 1930 die Titelstory der Erstausgabe von Fortune, deren Mitherausgeberin sie ist. 1931 eröffnet sie ihr Fotostudio im New Yorker Chrysler Building.

1930 reiste sie zum ersten Mal in die Sowjetunion, die gerade dabei ist, die Industrialisierung voranzutreiben. Es entstehen Bilder, die gigantische Bauprojekte (Fabriken und Kraftwerke) festhalten, aber auch die einfachen, ausgebeuteten Arbeiter nicht aussparen.[2] Während der 1930er Jahre machte sie unter anderem Fotoreportagen über die I.G. Farben und die Werften von Hamburg sowie über die Großbaustelle der sowjetischen Industriestadt Magnitogorsk im westlichen Sibirien.

Auch in der ersten Nummer des Life-Magazins vom November 1936, deren Gründungsmitglied Bourke-White war, lieferte sie das Titelbild und die Titelstory über den Staudammbau des Fort Peck Lake in den USA. Neben Walker Evans und W. Eugene Smith gehört Bourke-White zu den Pionieren des Foto-Essays. Als 1930 die erste Ausgabe der Zeitschrift „Fortune“ erschien, lieferte sie die Bilder für die Titelgeschichte.[1]

Doch auch sie selbst wurde durch ihren extravaganten Lebensstil und ihr energisches Auftreten zum Objekt der Medien und zu einem Typenmodell für die moderne, emanzipierte Frau.

1937 erschien ihr gemeinsam mit dem Schriftsteller Erskine Caldwell erstellter Bildband über die Lebensbedingungen der Feldarbeiterinnen und Feldarbeiter im Süden der USA (Dust Bowl), die in dieser Zeit von einer extremen Dürrewelle in ihrer Existenz gefährdet waren. You Have Seen Their Faces gilt als eines ihrer wichtigsten Werke. 1939 heiratete sie Erskine, von dem sie sich bereits 1942 wieder scheiden ließ. 1938 bricht sie zu einer Europareise auf und arbeitet an einem Bildbericht über die Sudetenkrise in der Tschechoslowakei.[3]

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

1941 ging sie für Life nach Moskau. Während des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion war sie die einzige westliche Fotoreporterin in der Stadt und dokumentierte vor allem die deutschen Luftangriffe auf die sowjetische Hauptstadt. Sie wurde der erste weibliche Kriegsberichterstatter der US-Armee[2] , unter anderem in England, Nordafrika und Italien. Als Fotografin der US-Luftwaffe reiste sie mit General George S. Patton durch Deutschland und war bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und des Zwangsarbeitslagers Leipzig-Thekla anwesend. Ihr Bild Die lebendigen Toten von Buchenwald von 1945 ist eine der berühmtesten und beeindruckendsten Fotografien des 20. Jahrhunderts. Ebenso hielt sie die zerstörten Städte in Deutschland im Bild fest.[4]

Sie hat auch viele Prominente wie Franklin D. Roosevelt, Josef Stalin, Winston Churchill oder Marlon Brando abgebildet.

Nachkriegsjahre[Bearbeiten]

1946 fotografierte sie für Life eines ihrer bekanntesten Bilder: Mahatma Gandhi am Spinnrad. In den Folgejahren dokumentierte Margaret Bourke-White die Teilung Indiens, später auch den Koreakrieg. Sie bereiste auch Südafrika während der Apartheid.

Späte Jahre[Bearbeiten]

Mitte der 1950er Jahre erkrankte Bourke-White an der Parkinson-Krankheit und musste ihre Arbeit mehr und mehr einschränken. Ihr Leben war so reich an außergewöhnlichen Ereignissen, dass ihre 1963 erschienene Autobiographie über Wochen hinweg auf der Bestsellerliste der New York Times rangierte.[1] 1971 starb sie an den Folgen der Parkinson-Krankheit.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Reportagen[Bearbeiten]

  • The Story of Steel 1928
  • Eyes on Russia 1931
  • You Have Seen Their Faces 1937
  • North of the Danube 1939
  • Say, Is This the USA 1941
  • Shooting the Russian War 1942
  • They Called It "Purple Heart Valley" 1944
  • "Dear Fatherland, Rest Quietly" 1946
  • Half Way to Freedom: A Report on the New India 1949
  • A Report on the American Jesuits 1956
  • Portrait of Myself 1963
  • Interview with India, 1950

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • Russian Photographs, American Russian Institute, New York 1931
  • Little Carnegie Playhouse, New York 1932
  • Art Institute of Chicago 1956
  • Bourke-White's People, Syracuse University, New York 1966
  • Witkin Gallery, New York. Carl Seinbab Gallery, Boston 1971
  • Cornell University, Ithaca, New York 1972
  • University of California, Santa Clara 1974
  • Allen Frumkin Gallery, New York. Robert Schoelkopf Gallery, New York 1975
  • The Early Years, Washington Public Library, New York 1975
  • Syracuse University, New York. Witkin Gallery, New York 1978
  • "The Humanitarian Vision", Joe and Emily Lowe Gallery, Syracuse University, New York 1983
  • "The Humanitarian Vision", Europatournee durch 20 Städte Europas 1984-1985
  • "The Humanitarian Vision", Kunsthaus Zürich 1985
  • "Margaret Bourke-White. Moments in History. Photographs 1930 – 1945", Martin-Gropius-Bau, Berlin, und Kunstfoyer der Versicherungskammer Bayern, München 2013

Sammlungen[Bearbeiten]

Margaret Bourke-White's Werke sind heute wichtiger Bestandteil folgender Sammlungen

Ihr Nachlass wird von der Syracuse University, New York verwaltet.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Ehrendoktor: Rutgers University, 1948
  • Ehrendoktor University of Michigan (Ann Arbor), 1951
  • Achievement Award: Reise und Freizeit, 1963
  • Honor Roll Award: American Society of Media Photographers, 1964

Sie wurde außerdem vom National Women's History Project ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Susan Goldman Rubin: Margaret Bourke White. Her Pictures Were Her Life. Harry N. Abrams, New York 1999, ISBN 0-8109-4381-6.
  • John Stomber: Power and Paper. Margaret Bourke-White, Modernity, and the Documentary Mode. Boston University Art Gallery, Boston, Mass. 1998 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 6. März bis 12. April 1998).
  • Margaret Bourke-White: Deutschland - April 1945 (Dear Fatherland, Rest Quietly. A report on the collapse of Hitler's „Thousand Years“, 1946). Schirmer/Mosel, München 1985, ISBN 3-921375-34-7 (EA 1979).
  • Margaret Bourke-White: Licht und Schatten. Mein Leben und meine Bilder (Portrait of myself, 1964). Droemer/Knaur, München 1964.

Sonstiges[Bearbeiten]

In dem Film Gandhi (1982) trat Candice Bergen als Margaret Bourke(-)White auf.

1989 wurde Bourke-White in dem Fernsehfilm Double Exposure: The Story of Margaret Bourke-White (deutscher Titel: …und ihr Traum wird wahr) von Farrah Fawcett porträtiert.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPeter Geimer: In schwindelnder Höhe, vor grausigem Abgrund. In: faz.net. 22. Januar 2013, abgerufen am 11. Dezember 2014.
  2. a b  Auge ihrer Zeit. In: Der Spiegel. Nr. 3, 2013 (online).
  3. Florian Christner: Momente der Geschichte - VKB-Kunstfoyer in München zeigt Bilder der Fotografin Margaret Bourke-White; in Bayernkurier vom 8. Juni 2013
  4. Florian Christner: Momente der Geschichte - VKB-Kunstfoyer in München zeigt Bilder der Fotografin Margaret Bourke-White; in Bayernkurier vom 8. Juni 2013
  5. Double Exposure: The Story of Margaret Bourke-White in der Internet Movie Database (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]