Michael Sandel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Michael J. Sandel

Michael J. Sandel (* 5. März 1953 in Minneapolis) ist ein US-amerikanischer Philosoph. Bekannt wurde er vor allem als Mitbegründer der kommunitaristischen Strömung.

Er studierte und promovierte an der Universität zu Oxford bei Charles Taylor. Seit 1980 lehrt er Politische Philosophie an der Harvard University, wo er Anne T. and Robert M. Bass Professor of Government ist. Bekannt ist er besonders aufgrund seines Kurses Justice with Michael Sandel, der mittlerweile auch im Internet zu finden ist. [1][2]

Werk[Bearbeiten]

Mit seinem Werk Liberalism and the Limits of Justice, das 1982 erschien, gab er eine kritische Antwort auf John Rawls Theorie der Gerechtigkeit.

Im Gegensatz zu der libertären Kritik (beispielsweise von Robert Nozick) beanstandet er jedoch das Fehlen von partikularen und sozialen Werten innerhalb Rawls’ Theorie. Das von Sandel so genannte „ungebundene Selbst“, wie es der Liberalismus verteidige, gebe es nur auf Kosten seiner Loyalitäten und Überzeugungen; jeder Mensch sei sozialisiert und von Gruppen, Traditionen, Gemeinschaften geprägt. Daher sei auch das Gedankenexperiment Rawls’, der Urzustand, durch welchen Rawls seine Theorie begründet, utopisch: Ein Schleier des Nichtwissens sei irreal.

Die höchste Priorität innerhalb der Gesellschaft solle daher nicht die Freiheit des Menschen haben, sondern die Tugenden bzw. das „Gute“ des Menschen und der Gemeinschaft, in welcher er lebt.

Sandel ist, unter anderem neben Charles Taylor und Michael Walzer, einer der Wegbereiter der kommunitaristischen Kritik am „philosophischen Liberalismus“. In seinen 1995 auf Deutsch veröffentlichten Vorlesungen behandelt er die politische Kultur in der Demokratie. Gegen einen werteneutralen Liberalismus will Sandel nachweisen, dass es nicht möglich ist, die Verankerung von Freiheitsrechten von bestimmten Wertorientierungen bzw. Vorstellungen des Guten zu trennen. Diese Diagnose hat Konsequenzen für die Beurteilung wertegeladener Traditionen heute. Für Sandel stellt der Republikanismus, der in der US-Gründerzeit eine große Rolle gespielt hat, auch weiterhin ein Ziel dar. Ohne einen aktiven Bürgersinn werde es nicht gelingen, entgegen dem moralischen Zerfall der Gesellschaft und der jetzigen Politikverdrossenheit ein künftiges freies Gemeinwesens zu verwirklichen. Er kritisiert in diesem Zusammenhang eine vorrangig wirtschaftliche Sicht der Welt, bei der der Mensch sich selbst als Verbraucher sieht statt als Teil einer Zivilgesellschaft und z. B. danach strebt, im Stadion im VIP-Bereich (engl. Sky box) zu sitzen. Er nennt die „skyboxification“ das Grundübel der gegenwärtigen US-Gesellschaft.[3]

Trivia[Bearbeiten]

Sandel wird verschiedentlich als Vorbild für die äußere Erscheinung – nicht jedoch den Charakter – der Figur Montgomery Burns in der Fernsehserie The Simpsons genannt: Sandel hat eine ähnliche Frisur wie Burns und wendet häufig die für Burns kennzeichnende Geste an, die Fingerspitzen beider Hände zusammenzuführen. Auch wurde darauf hingewiesen, dass mehrere der Drehbuchautoren Harvard-Absolventen sind und Professor Sandels Lehrveranstaltungen besucht haben.[4]

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Martin Spiewak: USA: Bildung von der Bühne. In: Die Zeit. Nr. 10, 28. Februar 2008
  2. Anna Gielas: Moral lernen in Harvard. Wann darf ich meinen Bruder verraten? In: Spiegel Online. 5. Januar 2010
  3. Michael Fitzgerald: Everyone’s Got a Price. In: Newsweek. 23. April 2012, S. 15 (online in The Daily Beast)
  4. How Cameron's Big Society could have an unlikely saviour: Aristotle