Nakło nad Notecią

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Nakło nad Notecią
POL Nakło nad Notecią COA.svg
Nakło nad Notecią (Polen)
Nakło nad Notecią
Nakło nad Notecią
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Landkreis: Nakło
Fläche: 10,65 km²
Geographische Lage: 53° 8′ N, 17° 36′ O53.14027777777817.592777777778Koordinaten: 53° 8′ 25″ N, 17° 35′ 34″ O
Höhe: 96 m n.p.m
Einwohner: 19.109
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 89-100
Telefonvorwahl: (+48) 52
Kfz-Kennzeichen: CNA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BydgoszczPiła
Schienenweg: BydgoszczPiła
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 19 Schulzenämter
Fläche: 186,97 km²
Einwohner: 32.419
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 173 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0410033
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Sławomir Napierała
Adresse: Ul. Księdza Piotra Skargi 7
89-100 Nakło nad Notecią
Webpräsenz: www.naklo.pl

Nakło nad Notecią [ˈnakwɔ nad nɔˈtɛtɕɔ̃] (deutsch Nakel) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern und liegt an der Netze (poln. Noteć) etwa 30 Kilometer westlich von Bydgoszcz (Bromberg). Nakło nad Notecią ist Sitz der Kreisverwaltung des Powiat Nakielski und hat ca. 19.000 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Marktplatz

Die Entstehung der Stadt geht etwa auf die Mitte des 10. Jahrhunderts zurück, als hier an einer schmalen Stelle des Netzebruchs eine Siedlung der Pomoranen entstand. Die Pomeranen unterhielten hier an der damaligen Grenze zu Polen eine Grenzfestung, die im 11. Jahrhundert verschiedene Male vergeblich vom polnischen Herzog belagert worden war. Die Festung diente ihnen als Sammelplatz, wenn sie Streifzüge in polnische Gebiete hinein unternahmen.[2]

Zwischen 1109 und 1113 kam der Ort unter Herzog Bolesław III. Schiefmund an Polen und gehörte seither zum Herzogtum Großpolen. Im Jahr 1299 erfolgte durch den polnischen König Władysław I. Ellenlang die Erhebung zur Stadt nach Magdeburger Recht. König Sigismund I. stellte 1520 ein neues Privilegium aus und bestätigte damit ihre Rechte, nachdem um 1515 alle Urkunden der Stadt durch Feuer verloren gegangen waren. Nakel unterstand als königliche Stadt direkt dem König, dessen Vertreter der Starost war. Am Ort befand sich eine königliche Zollstätte und ein Gericht zweiter Instanz (Appellationsgericht oder auch Grodgericht), gehalten vom Starosten. Der Magistrat hatte 2 Bürgermeister ("Präsident" und "Vizepräsident"), 3 Ratsherren ("Senatoren"), 1 Richter, 3 Gerichtsherren und 1 Stadtschreiber. Bürgermeister und Richter wurden auf Vorschlag der Bürgerschaft vom Starosten ernannt. Das Gericht hatte das Recht über Leben und Tod ohne die Notwendigkeit der Bestätigung durch den Starosten. Revisionsinstanz war das Assessorialgericht in Warschau. Um 1600 war die ummauerte Stadt Nakło Sitz eines der sechs Powiate der (damaligen) Woiwodschaft Kalisz (neben Gnesen, Kalisz, Kcynia, Konin und Pyzdry).

Bei der Ersten Teilung Polens 1772 fiel Nakło (Nakel) an Preußen. 1773 hielt der preußische Bereisungskommissar die Verwaltungsverhältnisse der polnischen Zeit fest: Zur Starostei (d. h. dem Powiat) Nakel gehörten außer der königlichen Stadt Nakel auch 8 weitere kleine Städte: Mrocza/Mrotschen, Łobżenica/Lobsens, Kamień/Kamin, Złotów/Flatow, Krajenka/Krojanke, Miasteczko (100 Jahre später in Friedheim umbenannt [3]), Wysoka/Wissek und Wyrzysk/Wirsitz. Es galt Magdeburger Recht, Ratssprache war im Powiat Nakel meistens Polnisch, nur in Lobsens, Krojanke und Wirsitz Deutsch.

Große Bedeutung für die Entwicklung der Stadt hatte der bereits 1774 unter Friedrich dem Großen fertiggestellte Bromberger Kanal (polnisch: kanał Bydgoski), der die Weichsel mit der Netze, Warthe und Oder verband und damit die wichtigsten Wasserstraßen in den Provinzen Pommern und Posen miteinander verknüpfte.

In der Napoleonischen Zeit kam Nakel zunächst 1807 an das Herzogtum Warschau, wurde aber durch den Wiener Kongress 1815 als Teil des autonomen Großherzogtums Posen wieder Preußen angegliedert. Dort gehörte die Stadt zum Kreis Wirsitz im Regierungsbezirk Bromberg.

Bahnanlagen

Im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts führte der Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz im Jahr 1851 zu einem weiteren Aufschwung. Ähnlich wie der Bromberger Kanal hatte die durch Nakel verlaufende Preußische Ostbahn großen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt. Zwischen den Bahnknoten Schneidemühl und Bromberg gelegen, entstand in Nakel eine große Bahnhofsanlage mit umfangreichen bahnbezogenen Einrichtungen. Im Umfeld siedelte sich weitere Industrie an, darunter eine Zuckerfabrik und ein Schlachthof.[4]

Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Stadt zum neu errichteten Polen, allerdings noch nicht durch den Posener Aufstand (1918–1919), sondern erst zum 1. Januar 1920 aufgrund des Friedensvertrags von Versailles. Die Bedeutung der in Ostwestrichtung verlaufenden Verkehrswege ging zurück, da sie für den Fernverkehr zu Transitstrecken geworden waren. Bis 1938 blieb Nakło wie alle wieder polnisch gewordenen Teile der vormaligen Provinz Posen bei der Woiwodschaft Posen, dann wurde es der neugeschaffenen Woiwodschaft Bydgoszcz zugeordnet.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt 1939 bis 1945 wieder dem Deutschen Reich angegliedert. Während dieser NS-Diktatur kam es in der Umgebung zu zahlreichen Hinrichtungen. Stadtbewohner wurden in Konzentrationslager oder zur Zwangsarbeit verschleppt.[4]

Die Stadt wurde im Januar 1945 von der Roten Armee erobert und anschließend in polnische Verwaltung zurückgegeben, die deutsche Bevölkerung vertrieben. 1945 bis 1950 gehörte Nakło nun zur Woiwodschaft Pommern, dann bis 1975 wieder zur Woiwodschaft Bydoszcz.

Nakło/Nakel ist heute eine postindustriell geprägte Kleinstadt am Rande des Ballungsraums der Großstadt Bromberg.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl
1772 566
1788 820
1806 1.000 - 1.500
1816 1.514
1837 2.320 (einschl. Militärs)
1842 2.800
1858 4.300
1867 5.337
1870 5.454 (ohne Militär)
1875 5.657
1880 6.035
1885 6.430
1890 6.766
1895 7.401
1900 7.780
1905 8.176
1909 8.627
2007 19.393

Religiöses Leben bis 1910[Bearbeiten]

Katholische Kirche St. Laurentius

Mit der Eroberung durch Polen 1109 begann die Christianisierung. Vermutlich wurde bald nach der Stadtgründung 1299 auch eine Kirche errichtet. Eine alte hölzerne katholische Kirche wurde 1847 durch einen Ziegelbau ersetzt. Die St. Laurentius Kirche gehörte zum Dekanat Nakel in der Erzdiözese Gnesen.

Im 16. und 17. Jahrhundert wohnten in Nakel evangelische Schotten, die wegen ihres Glaubens vertrieben wurden. Erst kurz vor der ersten Teilung Polens wurde den Evangelischen in Polen 1767 wieder Religionsfreiheit zugesichert. Auf dem Gut Polichno bei Nakel wurde 1775 ein evangelisches Bethaus errichtet, in dem viermal jährlich durch auswärtige Geistliche Gottesdienst gehalten wurde. 1799 wurde in Nakel eine evangelische Gemeinde gegründet. Erst 1824 konnte eine evangelische Kirche auf dem Marktplatz eingeweiht werden, 1887 eine weitere, größere Kirche für die wachsende Gemeinde. Die alte Kirche in Polichno und eine neue Kirche in Erlau bei Nakel waren Filialkirchen der Kirchengemeinde Nakel in der Diözese Lobsens.

Seit 1852 gab es in Nakel auch eine altlutherische Kirche, zunächst als Filialgemeinde von Bromberg, seit 1895 als selbständige Gemeinde.

Schon 1515, im Jahr des Stadtbrandes, gab es in Nakel 21 jüdische Häuser und eine Synagoge. Im Jahre 1853 wurde eine neue Synagoge gebaut, nachdem die alte 1852 durch Feuer zerstört worden war.

Die Gmina Nakło nad Notecią[Bearbeiten]

Kreisverwaltung, ehemaliges Schulhaus

Die Stadt- und Landgemeinde Nakło nad Notecią besteht aus den folgenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
Bielawy Bielawy (1942–45 Weißenhof)
Chrząstowo Gernheim
Gorzeń Gorsin (1942–45 Gorsen)
Gumnowice Gumnowitz (1942–45 Gummenhof)
Karnówko Karnowke, seit 1906 Altlinden
Karnowo Werthheim
Małocin Waltershausen
Michalin Michalin (1942–45 Michelfelde)
Minikowo Minikowo, seit 1906 Sittingseichen
Nakło nad Notecią Nakel
Olszewka Erlau
Paterek Paterke, Steinburg, (186?-1920 Brückenkopf-Steinburg)
Polichno Wilhelmsdorf
Potulice Potulitz (1942–45 Lebrechtsdorf)
Rozwarzyn Kirchberg
Ślesin Slesin (1942–45 Schlössen)
Suchary Suchary (1942–45 Suchenheim)
Trzeciewnica Hohenberg
Wieszki Wunschheim
Występ Josephinen

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • R. Heidrich: Die Stadt Nakel und ihre Geschichte. Nakeler Zeitung, Nakel 1910 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nakło nad Notecią – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 6. Dezember 2014.
  2. Ludwig Albrecht Gebhardi: Geschichte der Wendisch-Slavischen Staaten. Band 2, Halle 1793, S. 40.
  3. Territoriale Veränderungen in Deutschland und deutsch verwalteten Gebieten 1874 – 1945
  4. a b Website der Stadt Naklo/Nakel: Geschichte