Naturhafen

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Ein anschauliches Beispiel für einen Naturhafen ist die Danziger Bucht
Auch der Kaipara Harbour bildet durch seine weitverzweigten Arme einen guten Naturhafen.

Ein Naturhafen ist eine meist in einer Bucht oder Mündung eines Gewässers gelegene, aufgrund der bestehenden natürlichen geologischen und hydrologischen Bedingungen nutzbare Reede oder Hafenanlage für Schiffe an einem größeren Fluss oder Meer.

Von einem Naturhafen spricht man insbesondere dann, wenn an einer geeigneten Stelle auch der Bedarf für eine Hafenfunktion vorhanden ist. Durch ihre Ausprägungen mit einer eingeschlossenen Wasserfläche bieten sich Buchten aufgrund des Schutzes für die Anker- und Liegeplätze der Schiffe vor starkem Wellengang an, jedoch müssen auch die Strömungsverhältnisse des Wassers und besonders die Wassertiefe bei Niedrigwasser die Anforderungen an eine Nutzung durch die Schifffahrt erfüllen.

Besonders durch das Vorhandensein eines natürlichen Hafenbeckens wird der Begriff weltweit für Hafenanlagen beansprucht. Viele Ortsbezeichnungen mit dem Beinamen Naturhafen beziehen sich jedoch auf die ursprünglich durch den Schutz vor Wetter- und Wasserbedingungen günstige Lage. Der Beiname Naturhafen trifft keine Aussage über notwendige bauliche Maßnahmen, technische Anlagen und Veränderung an der vorhandenen Natur zur tatsächlichen Nutzbarkeit als Hafen.

Historische Bedeutung[Bearbeiten]

Vor der Errichtung gebauter Hafenanlagen dienten vor allem sogenannte „Schiffsländen“, an denen die Schiffe einfach auf den Uferrand aufliefen, als Landungsplätze des Schiffsverkehrs, wie etwa im Falle Haitabus. Die dafür geeigneten Stellen wurden im Zuge der Nutzung häufig später ausgebaut und entwickelten sich zu Siedlungs- und Handelszentren. Homer beschreibt in der Odyssee geeignete natürliche Hafenanlagen und Thucydides betonte deren Bedeutung bei der Gründung von Piräus durch Themistokles.[1] Während der Kolonialzeit waren Naturhäfen häufig entscheidende Kriterien für die Errichtung von Siedlungen und Stützpunkten.[2]

Auch nach der Antike spielte das Vorhandensein von Naturhäfen bis zum Zeitalter der Industrialisierung oft eine entscheidende Rolle für die Gründung von Siedlungen. Dem 1523 von der Insel Rhodos vertriebenen Johanniterorden wurde beispielsweise 1530 von Karl V. die Insel Malta (einschließlich Gozo und Comino) als Lehen übergeben. Grund der Auswahl dieser Inselgruppe war, neben der strategischen Lage, das Vorhandensein zweier großer Naturhäfen an der Ostküste der Insel Malta. Unmittelbar am Grand Harbour entstanden daraufhin innerhalb weniger Jahre die Städte Senglea und Valetta.[3]

Aus militärischer Sicht boten Naturhäfen bis in das 20. Jahrhundert die einzige Möglichkeit zur zeitweiligen oder dauerhaften Stationierung größerer Flottenverbände, die mehrere hundert Schiffe umfassen konnten. Beispiele sind die Nutzung der Bucht von Marsaxlokk und des Marsamxett Harbour durch die osmanische Flotte während der Belagerung von Malta[3], die Stationierung der britischen Home Fleet in Scapa Flow im Ersten und Zweiten Weltkrieg und der amerikanischen Pazifikflotte in Pearl Harbor ab 1898.

Beispiele bedeutender Naturhäfen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Fochler-Hauke: Verkehrsgeographie. Westermann 1957, S. 37
  • Tommy P. Christensen: Vom Naturhafen zum Industriehafen. In: Alte Häfen – Neue Aufgaben. Häfen der Küstenschifffahrt in Skandinavien und Westeuropa gestern und heute. Arbeitskreis "Geschichte der Küstenschifffahrt im 20. Jahrhundert". Bremen, 2006. ISBN 978-3897573116

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jamie Morton: The role of the physical environment in ancient Greek seafaring. BRILL, 2001, S. 24/126 (ISBN 9004117172)
  2. Lionel William Lyde: A Commercial Geography of the British Empire. BiblioBazaar, LLC, 2008 (ISBN 0559484801)
  3. a b Ernle Bradford: Kreuz und Schwert, Der Johanniter/Malteser-Ritterorden, Ullstein Sachbuch, Frankfurt/M; Berlin; 1999, ISBN 3-548-34429-1