Niemcza

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Niemcza
Wappen von Niemcza
Niemcza (Polen)
Niemcza
Niemcza
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Dzierżoniów
Fläche: 19,80 km²
Geographische Lage: 50° 43′ N, 16° 50′ O50.71666666666716.833333333333Koordinaten: 50° 43′ 0″ N, 16° 50′ 0″ O
Einwohner: 3121
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 58-230
Telefonvorwahl: (+48) 74
Kfz-Kennzeichen: DDZ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 67 KłodzkoBreslau
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 72,07 km²
Einwohner: 5800
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 80 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0202073
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Grzegorz Kosowski
Adresse: Rynek 10
58-230 Niemcza
Webpräsenz: www.um.niemcza.pl

Niemcza [ˈɲɛmʧa] (deutsch: Nimptsch; tschechisch Němčí) ist eine Stadt im Powiat Dzierżoniowski in der Wojewodschaft Niederschlesien, Polen. Sie liegt an der Ślęza (Lohe) östlich von Dzierżoniów (Reichenbach). Die Stadt war vor Breslau der Hauptort Schlesiens.

Stadtwappen[Bearbeiten]

Das Stadtwappen von Nimptsch zeigt in einem Schild einen Turm, über dem der schlesische Adler mit dem Silbermond zu sehen ist. Der Turm ist beidseitig von Eichenlaub umgeben.

Geschichte[Bearbeiten]

Ansicht von Nimptsch 1752
Georgskirche
Schloss Kittelau um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Die Stadt war in der Frühzeit eine der bedeutendsten Siedlungen Schlesiens. Sie lag ursprünglich am „Böhmersteig“, einem uralten Verbindungsweg, der von Prag über Königgrätz, Glatz und Breslau zur Ostsee führte.

Erste Besiedlungsfunde der Lausitzer Kultur stammen aus der Bronzezeit. Etwa 1000 v. Chr. wurde auf dem Stadtberg oberhalb der Lohe eine erste Burganlage errichtet, die um 500 v. Chr. zerstört wurde. Im 4. Jahrhundert entstand auf dem Berg eine befestigte Ansiedlung als Gauort der Silinger, die als einzige bekannte im ostdeutschen Raum gilt. Sowohl durch Grabungen von 1935–1936 als auch 1960–1965 wurde bestätigt, dass sich Sippen der Silinger nicht der Völkerwanderung angeschlossen hatten, sondern in einem Siedlungsraum zwischen dem Zobtenberg (mons Silencii) und der Lohe (Selenza) verblieben waren. Zur Zeit der slawischen Besiedlung im 6. Jahrhundert entstand der Name der Siedlung aus dem Wort „Nemzi“ (Stumme, Fremde) für die hier lebenden Germanen. Um 700 hat sich diese Kultur mit der slawischen vermischt, wie Funde einer slawischen Burganlage bestätigen. Nemzi wurde zum Hauptort des Gaues der Slensanen.

990 wurde die zuvor zu Böhmen gehörende Burg Nimptsch von den Polen erobert. Der dabei von Monachus Sazavensis aus dem Kloster Sázava schriftlich belegte Ortsname Nemzi stellt den ältesten überlieferten Ortsnamen in Schlesien dar. Die strategisch bedeutsame Anlage am Hauptverkehrsweg nach Böhmen spielte bei den Ansprüchen Böhmens und Polens auf Schlesien eine gewichtige Rolle. 1017 berichtete Thietmar von Merseburg von einer vergeblichen Belagerung durch Kaiser Heinrich den Heiligen. Ebenso scheiterte Herzog Břetislav II. von Böhmen im Jahre 1093 bei seiner beabsichtigten Besetzung Schlesiens. Die Burg verblieb in polnischem Besitz. Der 1137 in Glatz zwischen dem polnischen Herzog Bolesław III. „Schiefmund“ und dem böhmischen Herzog Soběslav I. abgeschlossene Pfingstfrieden von Glatz wurde in Nimptsch feierlich besiegelt[2].

Als nach dem Tod des Herzogs Bolesław III. „Schiefmund“ Polen in einzelne Teilgebiete zerfallen war, gelangte Schlesien 1138 an Herzog Władysław II., der die Linie der Schlesischen Piasten begründete und erster Herzog des Herzogtums Schlesien war. Während seiner Vertreibung erhielt Nimptsch 1155 eine Kastellanei, deren Bezirk etwa die Grenzen der späteren Landkreise Strehlen, Frankenstein und Reichenbach umfasste. Auf dem Stadtberg befanden sich neben der hölzernen Kastellansburg mit der Peterskapelle noch eine Stadtsiedlung in der in Großmähren üblichen steinernen Bauweise innerhalb der Wallanlagen sowie ein vorgelagerter Marktflecken um die nach 1039 gegründete Adalbertkirche. Direkter Besitz der Kastellane waren die Wasserburg Vogelgesang und die Güter Woislowitz und Pangel.

Da nach dem Tod des Seniorherzogs Mieszko III. das für Gesamtpolen seit 1138 geltende Senioratsprinzip aufgegeben wurde, erlosch 1202 die staatsrechtliche Verbindung der schlesischen Gebiete zu Polen. Bei der Teilung des Herzogtums Schlesiens gelangte Nimptsch 1249 an das Herzogtum Breslau, das an Herzog Heinrich III. gefallen war. Während der deutschen Besiedlung im 13. Jahrhundert entstand auf der altpolnischen Anlage ein eingeengtes Städtchen, das 1282 Stadtrecht erhielt und neben dem sich um die Adalbertkirche die Altstadt, ein polnisches Waldhufen- und Stadtdorf entwickelte. Die 1295 begründete Marienkirche (nach der Reformation Peter- und Pauls-Kirche) der Stadt war der Adalbertkirche unterstellt und wurde von der polnischen und deutschen Bevölkerung gemeinsam, aber getrennt genutzt. Zum gleichen Zeitpunkt entstand die heute noch teilweise erhaltene Stadtmauer mit zwei Stadttoren, und an Stelle der Burg entstand das Stadtschloss in steinerner Bauweise.

Nach der Teilung des Herzogtums Breslau 1311 gehörte Nimptsch zum Herzogtum Brieg, das an Herzog Boleslaw III. zugeteilt wurde. Am 22. Mai 1322 verpfändete er Stadt und Weichbild Nimptsch an Bernhard II. von Schweidnitz, von dem die Pfandschaft 1326 an seinen Bruder Bolko II. überging. Er benutzte während seiner Fehden mit dem Böhmenkönig Johann von Luxemburg die günstige Lage von Nimptsch zur Sperrung einer Teilstrecke der Straße von Glatz nach Breslau.

Zusammen mit Herzogtum Brieg unterstellte Herzog Boleslaw am 9. Mai 1329 Nimptsch unter die Lehenshoheit der Krone Böhmen, was 1335 mit dem Vertrag von Trentschin bestätigt wurde. Bei dem im 15. Jahrhundert einsetzenden Niedergang des Herzogtums Brieg durch Aufsplittung in mehrere Teilherzogtümer und Herrschaften entging Herzog Ludwig III. nur dadurch dem Verlust der Fürstenwürde, dass das für ihn errichtete Herzogtum Nimptsch nicht zustande kam, weil 1430 die Hussiten die Stadt besetzt hatten. Erst 1434 gelang ihm in der siebenten Belagerung die Einnahme von Nimptsch, das anschließend geschleift wurde. Im Jahre 1455 erhielt die Stadt das Meilenrecht, 1481 verlor sie jedoch den Sitz der Amtsverwaltung des Amtes Teich, später Rothschloss, an das zentral gelegene Dorf Schlottnitz (Białobrzezie).

Der Niedergang von Nimptsch wurde durch das Wachstum der benachbarten Städte Frankenstein und Reichenbach beschleunigt, die für die Entwicklung bessere Voraussetzungen boten als das eingeengte Städtchen auf dem Berg über der Lohe, das von Adelsgütern umgeben war. Hinzu kam die Lage der Stadt im äußersten Westen des Herzogtums Brieg und am Rande des eigenen Weichbildes; auch war der alte Böhmersteig nicht mehr die einzige Hauptverbindung Böhmens nach Breslau.

Nach den Zerstörungen durch die Hussitenkriege konnte der Wiederaufbau der Stadt erst im 16. Jahrhundert abgeschlossen werden. Die Stadtbefestigung wurde wieder errichtet und das Schloss als sogenannte Hedwigsburg 1585 zur Residenz der Herzöge von Nimptsch umgebaut, das jedoch von den Herzöge von Brieg, die diesen Titel innehatten, zu keiner Zeit genutzt worden ist. Ab 1513 besaß Nimptsch das Marktrecht und 1579 erlangte es das Braurecht. 1534 hielt die Reformation in Nimptsch Einzug. An der Stelle der Adalbertskirche entstand 1612 die evangelische Georgskirche.

Die Phase der Erholung der Stadt wurde durch den Dreißigjährigen Krieg beendet. 1633 wurde Nimptsch durch die Truppen Wallensteins niedergebrannt, nur das Schloss blieb erhalten. Es folgte eine Pestepidemie, nach der 91 der 103 Grundstücke keinen Besitzer mehr hatten. 1642 erfolgte ein Einfall des schwedischen Heeres unter Feldmarschall Torstensson.

Mit dem Tode des letzten Schlesischen Piasten, Herzog Georg Wilhelms 1675 fielen dessen Herzogtümer Liegnitz, Wohlau und Brieg durch Heimfall an die Krone Böhmen, die seit 1526 die Habsburger innehatte. Anschließend wurde in dem bisher seit der Reformation evangelischen Gebiet die Gegenreformation durchgeführt. Die Errichtung der katholischen Kirchengemeinde, der von 1701–1707 die Stadtkirche St. Peter und Paul zugesprochen war, führte zu einem Streit zwischen beiden Konfessionen in der Stadt. 1712 wurde für die Katholiken am Schloss die Hedwigskirche errichtet.

Ein Stadtbrand zerstörte im Jahre 1735 Teile des Schlosses und die katholische Kirche. Während die Hedwigskirche schon 1736 wieder errichtet wurde, erfolgte der Wiederaufbau des Schlosses erst 1830 als schmuckloses Bauwerk, bei dem vom alten Schloss nur das aus der Renaissancezeit stammende Oktogon mit wertvoller Sgraffitoausgestaltung erhalten blieb.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Nimptsch, wie der größte Teil Schlesiens, an Preußen. Während der Napoleonischen Kriege kam es in Nimptsch zwischen 1805 und 1807 mehrfach zu Plünderungen durch Truppen des Rheinbundes. 1853 brannte das Rathaus nieder und im Jahre 1859 wurden erneut Teile der Stadt durch ein Schadfeuer zerstört. Die Stadtkirche St. Peter und Paul, die 1852 wegen Baufälligkeit geschlossen worden war, wurde 1864 im neoromanischen Stil neu errichtet.

1884 bekam Nimptsch mit der Strecke nach Heidersdorf einen Anschluss an das Eisenbahnnetz, der zugleich eine Fortsetzung der Bahnstrecke Breslau–Heidersdorf darstellte. 1894 wurde die Strecke bis nach Gnadenfrei verlängert und bildete einen Anschluss zur Verbindung zwischen Reichenbach und Frankenstein.

Seit der Neugliederung Preußens 1816 war Nimptsch ab 1818 Sitz des gleichnamigen Landkreises, der 1932 mit dem Landkreis Reichenbach vereinigt wurde, mit dem Nimptsch bis 1945 verbunden blieb[3].

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Nimptsch, das den Krieg unversehrt überstanden hatte, 1945 an Polen und wurde in Niemcza umbenannt. Am 6. Mai 1945 verließen die letzten deutschen Truppen die Stadt, die von russischen Truppen besetzt wurde[4]. Die deutschen Bewohner wurden 1945/46 vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren zum großen Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen. Während der kommunistischen Herrschaft verfielen zahlreiche Gebäude in Niemcza. 1964 wurden die Hedwigskirche und das Oktogon des Schlosses abgerissen. Das aus der Barockzeit stammende Interieur der Kirche gelangte in das Nationalmuseum Breslau. Die verbliebenen Teile des Schlosses wurden zu einer Fabrik umgebaut. Lediglich die Stadtkirche St. Peter und Paul, die barocken Stadthäuser am Ring und die 1966 erneut restaurierte Stadtbefestigungsanlage blieben ohne größere Schäden erhalten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Renaissance-Schloss Guhlau, mit fassaden verziert mit Sgraffito-Dekoration
  • Schloss (nach einem Brand in 1830 wiederaufgebaut), mit einem Renaissance-Oktogon mit Sgraffito-Dekoration.
  • St.-Georgs-Kirche
  • Barocke Häuser am Ring
  • Auf dem Friedhof zu Niemcza befindet sich die 1784 errichtete Grabstätte für Friedrich Bernhard von Prittwitz (1720–1793). Die Ruine dieses Mausoleums wurde 2001 restauriert.
  • Der Rhododendronpark Wojsławice (Woislowitz) geht auf den unter Rudolph von Canitz und Dallwitz im Jahre 1825 angelegten Gutspark Woislowitz zurück. Durch den Dendrologen Fritz von Oheimb wurde der 150 ha große Park zu einem bekannten Rhododendronpark umgestaltet, der heute als Arboretum des Botanischen Gartens der Universität Breslau genutzt wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1740 1150
1787 1256
1825 2182
1905 2216
1939 3523 (16,24 km²)
1961 3557 (19,25 km²)
1970 3772
2011 3144

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Gmina[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Niemcza umfasst ein Gebiet von 72 km² mit 5.999 Einwohnern (2007). Dazu gehören folgende Orte:

  • Gilów (Girlachsdorf)
  • Gola Dzierżoniowska (Guhlau)
  • Kietlin (Kittelau)
  • Niemcza (Nimptsch) – Stadt, mit
    • Gumin (Gaumitz), 2 km südwestlich der Stadt gelegene Ortschaft
    • Jasin (Johannisthal), 2 km nordwestlich der Stadt gelegene Ortschaft
    • Mieczniki (Vogelgesang), 1,5 km nördlich der Stadt befindliche und 1262 als Meznikovo erstmals erwähnte Wasserburg
    • Piotrkówek (Petrikau, 1937–45: Petersrode (Schlesien)), 2,5 km östlich der Stadt gelegen Ortschaft
    • Stare Miasto (Altstadt), im Nordwesten der Stadt am Schlossteich angrenzendes ehemaliges Dorf
    • Stasin (Pangel), 0,75 km östlich der Stadt gelegenes Dominium, das eigene Patrimonialgerichtsbarkeit besaß
    • Wojsławice (Woislowitz, 1936–1945: Eibenhof), 1,5 km südöstlich der Stadt gelegenes und erstmals 1366 als Wyselicz genanntes Gut mit Rhododendronpark
  • Przerzeczyn-Zdrój (Bad Dirsdorf) mit
    • Ligota Mała (Klein Ellguth)
    • Nowa Wieś Niemczańska (Neudorf b. Bad Dirsdorf)
    • Podlesie (Kunsdorf)
    • Ruszkowice (Ruschkowitz, 1936–45: Lohenstein)
  • Wilków Wielkie (Groß Wilkau) mit
    • Chwalęcin (Quanzendorf)

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Schlesien. Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 116–123 (Kröners Taschenausgabe 316), S.361–365.
  • Historische Kommission für Schlesien (Hrsg.): Geschichte Schlesiens. Band 1. Sigmaringen 1988, ISBN 3-7995-6341-5, S. 68, 70, 76, 152 und 167.
  • Martin Illig: Der Kreis Nimptsch im Laufe der Geschichte. Ein Beitrag zur Heimatkunde. 1922
  • Ernst Rauch: Geschichte der Bergstadt Nimptsch. 1936
  • Jürgen Schölzel: Nimptsch in Schlesien. Vorzeit, Frühzeit, Mittelalter. 1974
  • Jürgen Schölzel: Nimptsch in Schlesien 1282-1982. Fundsachen zum Jubiläum. 1982

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niemcza – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Aus diesem Anlass übernahm Bolesławs III. Sohn und Nachfolger Władysław II. die Patenschaft über den jüngsten Sohn des Herzogs Soběslav I., Wenzel II.. S. hierzu Rudolf Žáček: Dějiny Slezska v datech. Praha 2004, ISBN 80-7277-172-8, S. 26.
  3. Landkreis Nimptsch
  4. Erwin Stieglitz: Das Ende der deutschen Stadt Nimptsch – Die Rote Armee besetzt die Stadt