Okavangodelta

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Okawangobecken)
Wechseln zu: Navigation, Suche

-19.523Koordinaten: 19° 30′ S, 23° 0′ O

Karte: Botswana
marker
Okavangodelta
Magnify-clip.png
Botswana
Karte des Deltas

Das Okavangodelta ist das im Nordwesten Botswanas gelegene Binnendelta des Okavangos. Es wird im Süden durch die Kunyere- und Thamalakane-Spalte begrenzt, die als hydrologische Barriere quer zum Okavango verlaufen und eine südliche Fortsetzung des Afrikanischen Grabenbruchs (Rift Valley) darstellen. Der Okavango fächert sich dabei auf und versickert im Kalaharibecken bzw. verdunstet zu großen Teilen. Dabei bildet er inmitten der semi-ariden Kalahari mit über 20.000 Quadratkilometern eines der größten und tierreichsten Feuchtgebiete Afrikas. Seit 2014 gehört das Okavango Delta zum UNESCO-Welterbe.

Geographie und Hydrologie[Bearbeiten]

Das Okavangodelta auf einem Satellitenfoto der NASA
Typischer Bereich im Inneren des Deltas, mit einem Flickenteppich aus freien Kanälen und Seen, Sumpfflächen und Inseln

Das Delta (eigentlich ein Schwemmkegel) gliedert sich in vier Bereiche, die sich hinsichtlich ihrer Ökologie deutlich unterscheiden: den sogenannten Pfannenstiel (Panhandle), den permanent wasserführenden Unterlauf des Okavangos, die dauerhaften Sumpfflächen am Ende des Pfannenstiels, die zeitweilig trocken fallenden Bereiche an der Peripherie des Deltas sowie die größeren Inselbereiche im Inneren des Deltas (Chiefs Island, Chitabe Island) und die Sandveld-Zungen, die sich von Süden her in das Delta erstrecken.

Der Höhenunterschied zwischen dem Beginn des Pfannenstiels und dem Fuß des Deltas in Maun beträgt bei einer Entfernung von ca. 250 km nur 60 m. Die Trockenbereiche und Inseln erheben sich nur maximal 3 m über die Umgebung und haben eine Größe von wenigen Quadratmetern bis zu vielen Quadratkilometern. Der Ursprung dieser Trockenbereiche ist unterschiedlich und geht auf die Kanalsysteme, die Aktivität von Termiten oder geologische Strukturen zurück. Für die großen Inselbereiche nimmt man tektonische Ursachen an.

Auf eine lange Trockenzeit von April bis November folgt eine kürzere, nasse Regenzeit zwischen Dezember und April. Der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt am Nordende des Pfannenstiels bei Shakawe 550 mm und nimmt nach Südosten hin bis auf rund 450 mm in Maun ab.

Während der Okavango bei den Popa-Wasserfällen am Anfang des Pfannenstiels seinen Höchststand bereits im März erreicht, dauert es etwa vier Monate, bis die Flut den Thamalakane bei Maun am anderen Ende des Deltas erreicht und dadurch eine Wasserfläche von etwa 12.000 Quadratkilometer schafft. Bei entsprechend starker Flut wird das noch verbleibende Wasser über den Thamalakane im Südosten des Deltas abgeleitet. Ein kleinerer Teil des Wassers wird über den Nhabe und Kunyere zum Lake Ngami übergeleitet, der größere Teil fließt über den Boteti weiter in die Kalahari zum Lake Xau und in seltenen Fällen sogar weiter zur Makgadikgadi-Pfanne.

Insbesondere diese massive Verzögerung der Flut, die wahrscheinlich auf die starke Vegetationsdichte im Delta zurückzuführen ist, hat enorme Bedeutung für die Tierwelt in der Region, da dadurch die Flut genau zum Höhepunkt der Trockenzeit am Ende des Deltas ankommt und damit erst die Grundlage für das reiche Tierleben schafft.

Von besonderer ökologischer Bedeutung ist, dass das Wasser des Deltas Trinkwasserqualität besitzt und keinerlei erhöhte Salzkonzentration auftritt. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil über den Okavango jährlich etwa 500.000 t gelöster Salze eingetragen werden und 95 % des Wassers verdunsten, sodass normalerweise deutliche Versalzung zu erwarten wäre. Für die fehlende Versalzung des Wasserkörpers werden zwei ökologische Prozesse verantwortlich gemacht: Zum einen überwiegt die Transpiration (Verdunstung durch Pflanzen) gegenüber der Evaporation (Verdunstung von den freien Wasserflächen), sodass es zu einer Akkumulation der Salze im Bereich der Inseln kommt, zum anderen spielt die sich kontinuierlich ändernde Überflutung eine Rolle, die den Böden Gelegenheit gibt, sich zu regenerieren. Eine weitere Erklärung bieten Torffeuer, durch die die Salze in tiefere Lagen gelangen.

Flora[Bearbeiten]

Im gesamten Delta wurden etwa 1300 Pflanzenarten identifiziert. Entsprechend den vier ökologischen Bereichen kann man vier unterschiedliche Vegetationstypen unterscheiden.

Dauernd wasserführender Kanal
Trockenes, überflutungsfreies Gebiet (nahe Xakanaxa)

Entlang der Kanäle im Delta finden sich im Wesentlichen große Papyrus-Bestände (Cyperus papyrus), im Bereich der Panhandle auch lokale Bestände von Pennisetum glaucocladum. Die Vegetation entlang der Kanäle kann sich lokal stark unterscheiden.

Die dauerhaft überfluteten Bereiche des Deltas außerhalb der Kanäle bilden ein Mosaik aus offenen Wasserflächen, schwimmenden Inseln aus Vegetation und stabilen Bereichen. Entsprechend unterschiedlich ist die Vegetation.

Im Bereich der zeitweilig überschwemmten Flächen zeigt sich je nach Dauer und Höhe der Überflutung unterschiedliche Vegetation. In den am höchsten und am längsten überfluteten Bereichen ähnelt die Vegetation der der dauerhaft überfluteten Gebiete, je trockener das jeweilige Gebiet ist, desto mehr Büsche und Bäume sind vertreten.

Die Inseln und Sandzungen des Deltas sind von Grasland umgeben, das in den seltener überfluteten Bereichen zunehmend Büschen und Bäumen weicht. Darunter sind die Makalani-Palme (Hyphaene petersiana), Phoenix reclinata, eine Reihe von Ficus-Arten (Ficus natalensis, F. sycomorus, F. veruculosa), Syzygium cordatum, Acacia nigrescens und der Leberwurstbaum (Kigelia africana). Im Zentrum der Inseln kommt es zu einer verstärkten Versalzung der Böden aufgrund der hohen Verdunstung, sodass hier auch überwiegend salztolerante Pflanzen zu finden sind, oftmals sind jedoch auch die zentralen Bereiche der Inseln vollkommen baumfrei.

Fauna[Bearbeiten]

Die Größe des Deltas und die Besonderheit, dass der Wasserstand im Delta genau dann seinen Höhepunkt erreicht, wenn im Umland Trockenzeit herrscht, haben zur Folge, dass sich im Umfeld des Okavangodeltas eine extrem vielseitige und dichte Tierwelt angesiedelt hat. Bisher wurden 71 Fischarten, 33 Amphibienarten, 64 Arten von Reptilien, 444 Vogelarten und 122 Säugetierarten identifiziert. Der seltene Braunkehlreiher kommt fast nur im Okavangodelta vor.[1]

Dabei bietet das Delta Raum für wasserlebende Arten wie Flusspferd (Hippopotamus amphibius) oder Nilkrokodil (Crocodilus niloticus), sumpflebende Arten wie Sitatunga, Letschwe, Wasserbock, aber auch nur Tiere, die auf Wasser zum Trinken angewiesen sind. Sogar Arten, die längere Zeit ohne Wasser auskommen, sind im Delta anzutreffen wie z. B. Gemsbok (Oryx gazella).

Viele Arten, die vom Wasser abhängen, wandern während der Trockenzeit, wenn das Delta seinen Höchststand hat, verstärkt vom Umland ins Delta ein, darunter zum Beispiel Elefanten (Loxodonta africana), Büffel (Syncerus caffer), Gnus (Connochaetes taurinus). Der Tierreichtum hat auch eine hohe Populationsdichte von Raubtieren, darunter Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus), Hyänen (Crocuta crocuta ...), Löwen (Panthera leo), Leoparden (Panthera pardus) und anderer Raubkatzen zur Folge. Die Sumpf- und Wasserflächen sind außerdem die Heimat hunderter zum Teil sehr seltener Vogelarten.

Geschichte[Bearbeiten]

Mokoros im Okavangodelta: Einbaum-Boote aus dem Stamm von Kigelia africana, dem Leberwurstbaum
Karte der grenzüberschreitenden Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area

Die Fülle an Wasser in einer sonst ariden Umgebung hat nicht nur Attraktivität für die Tierwelt. Steinzeitliche Funde weisen auf menschliche Besiedlung des Gebiets vor über 100.000 Jahren hin. Das Gebiet war früher Teil des Makgadikgadisees, der aber schon vor ca. 4000 Jahren versiegt ist. Das Okavangodelta gilt auch als erster Ort der Sesshaftigkeit von Menschen im südlichen Afrika und als Ausgangspunkt der Viehzucht. Beides wird von der Archäologie um 200 v. Chr. in diesem Gebiet datiert. Im frühen 17. Jahrhundert gab es erste Berichte über Fluss-Buschleute. Im 18. Jahrhundert wanderten einige Stämme von Norden, sowie von Süden verschiedene Gruppen der Batawana in das Delta und ließen sich entlang des Deltas nieder. Trotz dieser Zuwanderung weist das Delta jedoch kaum permanente Besiedlung auf. Ursachen dafür dürften die abgelegene Lage des Gebietes sowie das häufige Auftreten von Krankheiten wie Malaria und Schlafkrankheit sein.

Tourismus[Bearbeiten]

Aufgrund seines Tierreichtums und der spektakulären Sumpflandschaft stellt das Okavangodelta eine begehrtes Ziel für Safari-Touristen, Angler und Jäger dar. Fast alle der wenigen stark reglementierten Unterkünfte liegen als Luxus-Lodges im Hochpreis-Segment. Oft sind sie nur per Flugzeug zu erreichen. Während in den Zentralbereichen des Deltas und im Süden der Safari-Tourismus überwiegt, finden sich am Nord-Ost-Rand des Deltas mehrere Jagdkonzessionen. Das Okavangodelta ist Teil des grenzüberschreitenden Schutzgebiets Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area.

Literatur[Bearbeiten]

  • T. S. McCarthy, A. Bloem, P. A. Larkin: Observations on the hydrology and geohydrology of the Okavango Delta. In: South African Journal of Geology. V101-2, Juni 1998
  • L. Ramberg, P. Hancock, M. Lindholm, T. Meyer, S. Ringrose, J. Sliva, J. Van As, C. Van der Post: Species diversity of the Okavango Delta, Botswana. In: Aquatic Sciences – Research Across Boundaries. V68-3, Oktober 2006

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. James A. Kushlan & James A. Hancock: Herons. Oxford University Press, 2005, ISBN 0-19-854981-4, S. 160