Otello (Rossini)

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Werkdaten
Titel: Othello oder Der Mohr von Venedig
Originaltitel: Otello ossia Il moro di Venezia
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gioachino Rossini
Libretto: Franceso Maria Berio Marchese di Salza
Uraufführung: 4. Dezember 1816
Ort der Uraufführung: Teatro del Fondo, Neapel
Spieldauer: 3 Stunden 30 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Venedig, 16. Jahrhundert
Personen
  • Otello, venezianischer Feldherr, (Tenor)
  • Desdemona, Tochter Elmiros und heimliche Gattin Otellos, (Sopran)
  • Rodrigo, Sohn des Dogen, (Tenor)
  • Jago, (Tenor)
  • Elmiro, Vater Desdemonas, (Bass)
  • Emilia, Vertraute Desdemonas (Sopran)
  • Lucio, Freund Otellos, (Tenor)
  • Doge (Tenor)
  • Gondoliere (Tenor)
  • Senatoren, Volk, Freunde und Gefolgsleute (Chor)

Otello ist ein Dramma per musica in drei Akten von Gioachino Rossini. Das Libretto verfasste Franceso Maria Berio nach Othello ou Le More du Venise von Jean François Ducis (1792) und Giovanni Carlo Baron Cosenzas Othello von 1813 sowie Shakespeares The Tragedy of Othello, the Moore of Venice von 1603.

Handlung[Bearbeiten]

Erster Akt[Bearbeiten]

Der Feldherr Otello kehrt siegreich aus Zypern nach Venedig zurück. Er ist heimlich mit Desdemona, der Tochter Elmiros, verheiratet und hofft, diese Verbindung durch seinen Erfolg sanktionieren zu können. Rodrigo, der Sohn des Dogen, will Desdemona seinerseits heiraten und spinnt mit Jago, der in den Besitz eines kompromittierenden Brief Desdemonas gelangt ist, eine Intrige gegen Otello. Desdemona wartet mit ihrer Vertrauten Emilia auf Otello. Sie ist in Sorge um dessen Zuneigung, weil ihr Vater einen Brief an Otello abgefangen hat und sie keine Briefe von Otello mehr erhalten hat. Elmiro hat unterdessen beschlossen, Desdemona mit Rodrigo zu verheiraten. Die Hochzeitsfeierlichkeiten beginnen, aber Desdemona, weigert sich, Rodrigo zu heiraten. Otello unterbricht die Feier und verkündet, dass er Desdemona liebt, der wütende Elmiro führt seine Tochter fort und es kommt zu einer ersten Konfrontation zwischen Otello und Rodrigo.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Rodrigo trifft Desdemona im Garten, sie gesteht ihm, bereits mit Otello verheiratet zu sein und bittet ihn, ihren Vater zu besänftigen, aber Rodrigo droht, Otello zu bestrafen. Desdemona bekennt Emilia, dass sie ihr Geheimnis enthüllt hat, sie befürchtet Otellos Liebe zu verlieren. Emilia ahnt das Verhängnis und beschließt, Freunde von Desdemona zu holen. Otello vertraut sich Jago an und verlangt von diesem Beweise für Desdemonas Untreue. Jago gibt ihm Desdemonas Brief, und Otello meint, dieser sei für Rodrigo bestimmt und er schwört Rache. Rodrigo will sich mit Otello aussöhnen, doch dieser weist ihn zurück. Desdemona kommt dazu und nun bezichtigen sie sowohl Otello als auch Rodrigo der Untreue. Desdemona ist verzweifelt, weil sie sich das Verhalten Otellos nicht erklären kann; als die beiden Männer fortgehen, um sich zu duellieren, wird sie ohnmächtig. Emilia findet sie und warnt sie vergeblich vor der drohenden Katastrophe. Freunde berichten Desdemona, dass Otello das Duell mit Rodrigo überlebt hat. Elmiro kommt dazu; er sieht seine Ehre verletzt und verstößt Desdemona.

Dritter Akt[Bearbeiten]

Desdemona ist mit Emilia alleine in ihrem Schlafzimmer in Elvinos Haus. Während Emilia versucht, Desdemona zu trösten, ertönt draußen das Lied eines Gondolieres, was Desdemona erneut an ihr Unglück erinnert. Sie singt zur Harfe als Klagelied das Weidenlied. Nachdem Desdemona Emilia weggeschickt und sich zum Schlafen gelegt hat, kommt Otello durch eine Geheimtüre ins Zimmer, um Desdemona zu ermorden. Beim Anblick der Schlafenden wird er zwar unsicher, aber als Desdemona im Schlaf von ihrem Geliebten spricht, glaubt er, dass Rodrigo gemeint sei. Desdemona erwacht, sie erkennt die Intrige Jagos, aber Otello deutet ihre Reaktion erneut falsch und er ersticht sie. Lucio, ein Anhänger Otellos berichtet diesem, dass Rodrigo unterdessen Jago getötet und dass dieser vor seinem Tod seine Intrige gestanden habe. Der Doge, Elmiro und Rodrigo kommen dazu. Rodrigo zieht seine Ansprüche auf Desdemona zurück und Elvino will Otello jetzt die Hand seiner Tochter geben. Da endlich erkennt Otello seinen Irrtum und er tötet sich selbst.

Entstehung und Rezeption[Bearbeiten]

Isabella Colbran, die Desdemona der Uraufführung von 1816

Rossini schrieb seinen Otello unmittelbar nach den Opern Il barbiere di Siviglia (Uraufführung 20. Februar 1816) und La gazzetta (26. September 1816) und kurz vor La Cenerentola (25. Januar 1817). Die Oper war ursprünglich für das Theater San Carlo in Neapel vorgesehen, da dieses jedoch in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1816 abgebrannt war, wurde die Uraufführung des Otello in das Teatro del Fondo verlegt. In der Uraufführung sangen Isabella Colbran die Desdemona, Andrea Nozzari den Otello und Giovanni Davide den Rodrigo. Ungewöhnlich - insbesondere für heutige Hörgewohnheiten - ist, dass Rossini alle männlichen Hauptrollen (Otello, Rodrigo und Jago) für Tenor geschrieben hat, entsprechend den in Neapel verfügbaren Sängern.

Berios Libretto weicht deutlich von Shakespeares Othello ab, die Handlung wurde verändert, der Ort von Zypern nach Venedig verlegt und "die Charaktere Shakespeares behalten kaum mehr als ihre Namen"[1]. Dieses Vorgehen war zwar damals nicht unüblich, führte hier aber schon bei Zeitgenossen zu teilweise scharfer Kritik, so beispielsweise bei Byron, der über eine Aufführung von 1818 schreibt: "Sie haben Othello zu einer Oper (Otello von Rossini) verunstaltet … Musik gut, aber unheilvoll – doch was den Text betrifft! – alle echten Szenen mit Jago gestrichen – und stattdessen der größte Unsinn: das Taschentuch hat sich in einen Liebesbrief verwandelt wurde … Bühnenbild, Kostüme und Musik sehr gut …"[2]

Giuditta Pasta, die Desdemona in Paris von 1826

Das Werk war zunächst ein großer Erfolg und verbreitete sich rasch zunächst an italienischen Opernhäusern von Venedig (1818) bis Rom (1820), dann auch im übrigen Europa, beispielsweise Lyon (1823), Brüssel (1824), London (1824) und Paris (1826), wo Giuditta Pasta die Desdemona sang. Sehr bald wurde die Oper – wiederum durchaus zeittypisch – mehr oder weniger stark verändert, es wurde Nummern aus anderen Rossini-Opern (zum Beispiel aus Armida und La donna del lago) entlehnt und Transponierungen vorgenommen. "Von der sukzessiven Anpassung der Partien jeweils an den Gesangsstil der Zeit bis zu Bearbeitungen, die im Druck erschienen, war es nur ein Schritt. … In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, zumal als der veristische Gesang aufkam, kann, so läßt sich ohne Übertreibung sagen, von Rossinis Werk nicht mehr viel übrig geblieben sein."[3] Bis in die 1880er-Jahre wurde Rossinis Otello jedenfalls in ganz Europa kontinuierlich gespielt, aber nach dem Erscheinen von Verdis Otello (1887) geriet das Werk allmählich in Vergessenheit. Ab 1960 kam es wieder vereinzelt zu Aufführungen, aber erst ab den 1980er-Jahren standen im Zuge der Rossini-Renaissance auch für diese Oper wieder geeignete Sänger zur Verfügung, so etwa 1988 beim Festival von Pesaro mit Chris Merritt als Otello, Rockwell Blake als Rodrigo und June Anderson als Desdemona.[4] Die Oper ist wiederholt beim Rossini Opera Festival in Pesaro gegeben worden. Aufführungen jenseits des Festivals haben u. a. in am Royal Opera House in London, am Opernhaus Zürich, an der Vlaamse Opera (Antwerpen, Gent) und bei den Salzburger Pfingstfestpielen stattgefunden. Eine Neuproduktion am Teatro alla Scala in Mailand ist für 2015 geplant.

Diskographie (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986.
  • Philip Gosset: Rossinis Otello. In: Rossini Otello, Beiheft zur CD-Einspielung von 1978
  • Richard Osborne, Rossini. Leben und Werk. Droemer Knaur, München 1988

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Otello – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Osborne, Rossini. Leben und Werk. München 1988, S.205
  2. zitiert nach Philip Gosset, Rossinis Otello; in: Rossini Otello, Beiheft zur CD-Einspielung von 1978, S. 18
  3. Sabine Heinz-Döhring, Otello, in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986, Band 5 S. 397
  4. Sabine Heinz-Döhring, Otello, in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986, Band 5 S. 397