Armida (Rossini)

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Werkdaten
Titel: Armida
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gioachino Rossini
Libretto: Giovanni Schmidt
Uraufführung: 11. November 1817
Ort der Uraufführung: Teatro San Carlo, Neapel
Spieldauer: ca. 2 Stunden 30 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Jerusalem zur Zeit der Kreuzzüge
Personen
  • Armida, (Sopran), Zauberin
  • Rinaldo (Tenor), Ritter
  • Gernando (Tenor), Ritter
  • Ublado (Tenor), Ritter
  • Carlo (Tenor), Ritter
  • Goffredo (Tenor) – Gottfried von Bouillon, Anführer der Ritter
  • Eustazio (Tenor), Goffredos Bruder
  • Idraote (Bass), König von Damaskus
  • Astarotte (Bass), Anführer von Armidas Geistern
  • Ritter, Soldaten, Dämonen (Chor)

Armida ist eine romantische Oper („Dramma per musica“) von Gioachino Rossini. Das Libretto schrieb Giovanni Schmidt nach Episoden aus dem 1574 vollendeten Epos Das befreite Jerusalem von Torquato Tasso.

Aufführungsgeschichte[Bearbeiten]

Rossinis Oper wurde am 11. November 1817 im Teatro San Carlo, in Neapel, uraufgeführt, mit Isabella Colbran in der Titelpartie.

Rossini hatte sich bei der Instrumentierung zum Teil von der französischen Oper des frühen 19. Jahrhunderts inspirieren lassen, etwa an Spontinis La Vestale (1807), die bis 1815 am San Carlo gespielt wurde. „Dies wird vor allem in der Finalarie deutlich, wenn Rossini Armidas Kampf zwischen Liebesempfinden und Rachegefühlen über einen motivischen und klanglichen Kontrast vergegenwärtigt.“[1] Rossini räumte in Armida den Chören und Ensembleszenen relativ großen Raum ein, reduzierte die Rezitative und integrierte längere Balletteinlagen. Rossini-Biograf Osborne hört eine „leidenschaftliche, bedingungslos erotische Musik“, die er nicht zuletzt auf Rossinis Beziehung zu Isabella Colbran zurückführt.[2].

Das Werk hatte es von Anfang an schwer, nicht zuletzt, weil es die Theater vor große Besetzungsprobleme stellt: Rossinis Armida ist sängerisch überaus anspruchsvoll, nicht nur in der auf die Möglichkeiten der Colbran zugeschnittene Titelpartie, sondern auch weil die Partitur sechs (!) Tenöre vorschreibt, davon immerhin drei fordernde Hauptrollen (wobei die Partitur Doppelbesetzungen möglich macht). 1818 wurde in Venedig eine gekürzte Fassung gespielt, 1819 und 1823 gab es weitere Aufführungen in Neapel. 1821 kam das Werk in deutscher Fassung in Wien heraus, weitere Aufführungen fanden 1827 und 1836 in Hamburg, sowie 1832 in Berlin statt, dann verschwand das Werk auch schon aus den Spielplänen.

Erst 1952 wurde die Oper beim Maggio Musicale in Florenz in einer mittlerweile legendären Aufführung mit Maria Callas in der Titelpartie wiederentdeckt. Aber auch hier konnten die anderen Rollen nicht adäquat besetzt werden, so dass die Aufführung ein „bewundertes Einzelereignis“[3] blieb. Erst seit den 1980er-Jahren ist die Oper häufiger zu hören, so etwa 1985 mit Katia Ricciarelli in der Titelpartie in Venedig, 1988 mit June Anderson in Aix-en-Provence, sowie 1992 mit Cecilia Gasdia und den Tenören Chris Merritt, William Matteuzzi und Bruce Ford. 1993 sang Renée Fleming die Armida beim Rossini Opera Festival Pesaro, sie war auch 2010 die Armida an der Metropolitan Opera mit Lawrence Brownlee als Rinaldo. Von dieser Produktion ist auch eine DVD verfügbar. Die Besetzung ist noch immer das große Problem dieser Oper: „Eine Aufführung von Armida ist auch noch heute das, was sie schon zu Lebzeiten Rossinis war: ein besonderes Wagnis.“[4]

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1952 - Tullio Serafin; Maria Callas, Francesco Albanese, Alessandro Zilliani, Gianni Raimondi, Mario Filippeschi, Antonio Salvarezza, Mario Frosini, Marco Stefanoni; Cetra
  • 1970 - Carlo Franci; Cristina Deutekom, Pietro Bottazzo, Ottavio Garaventa, Edoardo Gimenez, Berardino Trotta, Alessandro Maddalena, Giovanni Antonini; CD foyer (live Mitschnitt)
  • 1988 - Gian-Franco Masin, June Anderson, Rockwell Blake, Raúl Giménez, Yoshihisa Yamaj, Christer Bladin, Giorgio Surjan, The Opera Lovers ARMR
  • 1991 - Claudio Scimone, Cecilia Gasdia, Chris Merritt, William Matteuzzi, Charles Workman, Bruce Ford, Ferruccio Furlanetto; Europa Musica
  • 1993 - Daniele Gatti, Renée Fleming, Gregory Kunde, Bruce Fowler, Donald Kaasch, Carlo Bosi, Jeffrey Francis, Iorio Zennaro, Ildebrando D’Arcangelo, Sergey Zadvorny; Sony
  • 2011 - Riccardo Frizza; Renée Fleming, Lawrence Brownlee, Yeghishe Manucharyan, Barry Banks, Peter Volpe, Kobie van Rendsburg; Decca (DVD)

Literatur[Bearbeiten]

  • Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters. München, Zürich 1986, Band 5, S. 406–409.
  • Richard Osborne: Rossini. Leben und Werk. München 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sabine Heinz-Döhring, Armida, in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986, Band 5 S. 406-409
  2. Richard Osborne, Rossini. Leben und Werk. München 1988, S.231
  3. Sabine Heinz-Döhring, Armida, in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986, Band 5 S. 408
  4. Sabine Heinz-Döhring, Armida, in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, München, Zürich 1986, Band 5 S.409