La gazza ladra

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Oper. Für den gleichnamigen Kurzfilm siehe La gazza ladra (Kurzfilm).
Gioachino Rossini, Porträt 1820
Bologna, Internationales Museum und Bibliothek der Musik.
Werkdaten
Titel: Die diebische Elster
Originaltitel: La gazza ladra
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gioachino Rossini
Libretto: Giovanni Gherardini
Literarische Vorlage: La Pie voleuse, ou la Servante de Palaiseau von Louis-Charles Caigniez u. Jean-Marie-Théodore Baudouin d’Aubigny
Uraufführung: 31. Mai 1817
Ort der Uraufführung: Mailand, Scala
Spieldauer: ca. 3 Stunden
Personen
  • Fabrizio Vingradito, reicher Pächter (Bass)
  • Lucia Vingradito, seine Frau (Mezzo-Sopran)
  • Gianetto, Sohn der Vingraditos u. Soldat (Tenor)
  • Ninetta, Dienstmädchen Fabrizios (Sopran)
  • Fernando Villabella, Vater von Ninetta u. Soldat (Bass)
  • Gottardo, Bürgermeister (Bass)
  • Pippo, Bauernbursche (Alt)
  • Isacco, Händler (Tenor)
  • Antonio, Kerkermeister (Tenor)
  • Giorgio, Diener des Bürgermeisters (Bass)
  • Ernesto, Soldat, Freund von Fernando Villabella
  • Amtsrichter (Bass)

La gazza ladra (Die diebische Elster) ist eine Opera semiseria[1] in zwei Akten des italienischen Komponisten Gioachino Rossini (1792–1868).

Libretto[Bearbeiten]

Das Libretto, das der italienische Arzt und Dichter Giovanni Gherardini (* 1778 in Mailand; † 1861) für Rossini verfasste, bezog sich auf das Melodram La Pie voleuse, ou la Servante de Palaiseau, das der erfolgreiche französische Theaterschriftsteller Louis-Charles Caigniez gemeinsam mit seinem Kollegen Jean-Marie-Théodore Baudouin d’Aubigny geschrieben hatte. Das Schauspiel gehörte seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1815 einige Jahrzehnte lang zum Repertoire europäischer Theaterhäuser. Für Gherardini blieb es jedoch das einzige Libretto, das er für Rossini schrieb.

Handlung[Bearbeiten]

Der Ort der Handlung ist ein Dorf in Piemont zwischen den Jahren 1796 und 1797 während des napoleonischen Italienfeldzugs, der im ersten Koalitionskrieg geführt wurde.

Erster Akt[Bearbeiten]

Der Pächter Fabrizio Vingradito und seine Frau Lucia bereiten eine Feier für ihren Sohn Gianetto vor, der als ein Kriegsheld heimkehren wird. Auch Fabrizios Dienstmädchen Ninetta erwartet die Rückkehr ihres Geliebten Gianetto und die ihres Vaters Fernando, der jedoch wegen Desertion steckbrieflich gesucht wird. Als Ninetta dem Bürgermeister Gottardo den Steckbrief vorliest, fälscht sie beim Lesen die Personalien des Fahnenflüchtigen.

Fernando hatte seiner Tochter Ninetta einen Silberlöffel zukommen lassen, den sie zu Geld machen soll. Deswegen verkauft sie den Löffel dem Händler Isacco. Bei den Verkaufsverhandlungen werden die beiden von Pippo beobachtet. Fälschlicherweise wird Ninetta des Diebstahls bezichtigt, nachdem Lucia den Verlust eines Silberlöffels feststellen musste. Der Bürgermeister lässt die Beschuldigte in einen Kerker sperren. Weil in dem Dorf das Kriegsrecht gilt, droht ihr wegen des Diebstahls die Todesstrafe.

Zweiter Akt[Bearbeiten]

Fernando will Ninetta unter Einsatz seines Lebens befreien, wogegen sie von Gianetto zum Geständnis der von ihm vermuteten Tat gedrängt wird. Doch die Verdächtigte bleibt unbeugsam. Sie wendet sich an Pippo, der ihr Eigentum zugunsten von Fernando verkaufen soll. Auch ihr Schmuckkreuz händigt sie ihm aus.

Das Gericht verurteilt Ninetta zum Tode; und als Deliquentin wird sie zur Exekution durch Erschießen geführt.

Eine Elster stiehlt dem Pippo das Kreuz. Im Nest der Elster kann er daraufhin nicht nur das Kreuz, sondern auch den Silberlöffel aus dem Haushalt der Fabrizios finden. Im letzten Moment kann durch den Unschuldsbeweis die Exekution verhindert und Ninetta rehabilitiert werden.

Ouvertüre[Bearbeiten]

Heute wird meist nur noch die sehr eingängige und spritzige Ouvertüre dieser Oper gespielt. In welch höchster Eile diese entstand, schildert Rossini selbst: „Das Vorspiel zur Diebischen Elster habe ich am Tag der Uraufführung unter dem Dach der Scala geschrieben, wo mich der Direktor gefangengesetzt hatte. Ich wurde von vier Maschinisten bewacht, die die Anweisung hatten, meinen Originaltext Blatt für Blatt den Kopisten aus dem Fenster zuzuwerfen, die ihn unten zur Abschrift erwarteten. Falls das Notenpapier ausbleiben sollte, hatten sie die Anweisung, mich selbst aus dem Fenster zu werfen.“[2]

Die britische Rockband Marillion verwendete die Ouvertüre als Intro für die Konzerte ihrer Clutching At Straws-Tour und das daraus resultierende 1988er Live-Album The Thieving Magpie. Der Regisseur Stanley Kubrick inszenierte einige Szenen seines Films Clockwork Orange ebenfalls zur Ouvertüre.

Die Ouvertüre wird ebenfalls im Vor- und Abspann von Kamikaze 1989 von Wolf Gremm[3], sowie von der Fährgesellschaft Corsica Ferries beim Ein- und Auslaufen in Häfen verwendet.

Außerdem in der Serie Sherlock im Fall Reichenbach, als Moriarty die Kronjuwelen stehlen will.

Aufführungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • La Gazza ladra. Melodramma in due Atti. Die diebische Elster. Oper in zwei Aufzügen. Italienischer u. deutscher Text. Klavierauszug. Breitkopf & Härtel, Leipzig (1820)
  • Die diebische Elster. Klavierauszug für Sänger. Übersetzt, textlich und musikalisch bearbeitet von A. Treumann-Mette. Bühnenverlag Ahn & Simrock, Berlin 1937

Diskographie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1978; Alberto Zedda; Rosetta Pizzo, Pietro Bottazzo, Alberto Rinaldi, Angelo Romero, Nucci Condò, Francesco Signor, Helga Müller; Fonit
  • 1989; Gianluigi Gelmetti; Katia Ricciarelli, William Matteuzzi, Samuel Ramey, Ferruccio Furlanetto, Luciana D’Intino, Roberto Coviello, Bernadette Manca di Nissa; Sony
  • 2003; David Parry; Majella Cullagh, Barry Banks, Prunella Scales, Jeremy White, Susan Bickley, Christopher Purves, Russell Smythe; Chandos (in Englisch: The Thieving Magpie)
  • 2007; Lü Jia; Paolo Bordogna, Mariola Cantarero, Kleopatra Papatheologou, Dmitry Korchak, Alex Esposito, Michele Pertusi; Dynamic (DVD)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker Scherliess: Gioacchino Rossini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 5. Aufl., 2009, S. 145.
  2. Sam Morgenstern (Hrsg.): Komponisten über Musik. Langen, Müller, München, 1. Aufl., 1956, S. 114.
  3. [1]
  4. Volker Scherliess: Gioacchino Rossini. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 5. Aufl., 2009, S. 136.