Il viaggio a Reims

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Werkdaten
Titel: Die Reise nach Reims
Originaltitel: Il viaggio a Reims
Originalsprache: Italienisch
Musik: Gioachino Rossini
Libretto: Giuseppe Luigi Balocchi
Uraufführung: 19. Juni 1825
Ort der Uraufführung: Théàtre Italien, Paris
Spieldauer: ca. 2 1/4 Stunden
Ort und Zeit der Handlung: ein Badehotel in Plombières-les-Bains, 1824
Personen
  • Corinna, eine berühmte römische Improvisationskünstlerin (Sopran)
  • Marquise Melibea, eine polnische Edelfrau, Witwe eines italienischen Generals, der am Hochzeitstag bei einem feindlichen Überraschungsangriff starb (Mezzosopran)
  • Gräfin von Folleville, eine junge Witwe, voll Anmut und Temperament, modenärrisch (Sopran)
  • Madame Cortese, eine geistvolle, liebenswerte Dame aus Tirol, Frau eines französischen reisenden Kaufmanns und Besitzerin des Badehotels (Sopran)
  • Chevalier Belfiore, ein junger, fröhlicher und eleganter französischer Offizier, der allen Damen, besonders die Gräfin von Folleville, den Hof macht und sich als Amateurmaler betätigt (Tenor)
  • Graf von Libenskof, ein russischer General von ungestümem Wesen, verliebt in die Marquise Melibea und außerordentlich eifersüchtig (Tenor)
  • Lord Sidney, ein englischer Oberst, heimlich verliebt in Corinna (Bass)
  • Don Profondo, Literat, Freund von Corinna, Mitglied verschiedener Akademien und besessener Sammler von Altertümern (Basso Cantabile)
  • Baron von Trombonok, ein deutscher Major, Musikfanatiker (Bassbuffo)
  • Don Alvaro, ein spanischer Grandem Admiral, verliebt in die Marquise Melibea (Bass)
  • Don Prudenzio, Arzt des Badehotels (Bass)
  • Don Luigino, Gräfin von Follevilles Cousin (Tenor)
  • Delia, eine junge griechische Waise in der Obhut Corinnas, deren Reisebegleiterin (Sopran)
  • Maddalena, gebürtig aus Caux, Normandie, Hausdame des Badehotels (Sopran)
  • Modestina, ein zerstreutes Mädchen, schüchtern und langsam, Zofe Gräfin von Follevilles (Sopran)
  • Zefirino, Bote (Tenor)
  • Antonio, Haushofmeister (Bass)
  • Gelsomino, Hausdiener (Tenor)
  • Vier Wanderkünstler (2 Soprane, 2 Tenöre)

Chor der Bauern, Gärtner und Gärtnerinnen (gemischter Chor)

Il viaggio a Reims ossia L'Albergo del Giglio d'Oro (Die Reise nach Reims oder Das Hotel zur goldenen Lilie) ist eine komische Oper von Gioachino Rossini (Musik) und Giuseppe Luigi Balocchi (Libretto). Rossinis komponierte seine letzte italienischsprachige Oper zur Krönung des französischen Königs Karls X.; sie wurde am 19. Juni 1825 im Théàtre Italien in Paris uraufgeführt. Die Musik verwendete Rossini später auch für seine letzte komische Oper Le Comte Ory.

Geschichte[Bearbeiten]

Rossini war seit Ende 1824 künstlerischer Leiter des Théâtre Italien und hatte Solisten-Ensemble, Chor und Orchester des Theaters erheblich vergrößert, was die Aufführung dieses Stückes mit ungewöhnlich vielen Solisten erst möglich machte. Einige der Figuren sind von Madame de Staëls Roman Corinne ou l'Italie (1807) inspiriert, die Handlung ist jedoch eine freie Erfindung des Librettisten. Die Premiere fand im Beisein des neuen Königs sowie der Besitzer der Logen statt, es folgten noch zwei Aufführungen im Juni und eine Benefizaufführung im September, danach zog Rossini das Stück zurück, offenbar, um die Musik in einem anderen Werk wiederzuverwenden. Bearbeitungen des Werkes kamen noch einmal 1848 in Paris und 1854 in Wien – anlässlich der Hochzeit Kaiser Franz Josephs I. mit Elisabeth (unter dem Titel Il viaggio a Vienna) – zur Aufführung. Danach geriet das Werk in Vergessenheit. 1951 fand man in Rom Teile des rossinischen Autographs, in den siebziger Jahren wurde auch in Wien Aufführungsmaterial gefunden, das Janet L. Johnson neu herausgab. Das Werk wurde bei den Rossini-Festspielen 1984 in Pesaro unter dem Dirigat von Claudio Abbado in der Inszenierung Luca Ronconis wieder aufgeführt, die ein Jahr später an die Mailänder Scala übertragen wurde. Das Werk wurde dann recht schnell bekannt und sicherte sich einen Platz im internationalen Repertoire. Auch zu den Krönungsfeierlichkeiten Fürst Alberts II. von Monaco 2007 wurde die Oper aufgeführt.

Orchester[Bearbeiten]

Piccoloflöte, 3 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte
4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen
Pauken, Schlagzeug (große Trommel, Becken, Triangel)
Harfe
Streicher
Für die Rezitative: Klavier, Violoncello und Kontrabass

Handlung[Bearbeiten]

Eine bunte Schar eigenwilliger Gäste aus aller Herren Länder ist auf dem Weg zu den Krönungsfeierlichkeiten Karls X., die am folgenden Tag in Reims stattfinden sollen. Die Gesellschaft steigt in Plombières in Madame Corteses Badehotel „Zur goldenen Lilie“ ab, wo die verschiedenen Charaktere sich begegnen, begehren, beäugen, vor allem aber jeden denkbaren Anlass zu einer musikalischen virtuosen Gefühlsäußerung nutzen. Mitten in die Vorbereitungen zur Weiterreise platzt die Nachricht, dass in ganz Plombières keine Pferde mehr zu bekommen sind. Alle sind wie vom Schlag getroffen. Madame Cortese jedoch hat von ihrem reisenden Gemahl einen Brief erhalten, der berichtet, dass anlässlich des Königs Rückkehr in Paris ein großes Fest gefeiert werden soll, was alle tröstet. Ein Fest wird gefeiert, bei dem jeder der Gäste eine musikalische Kostprobe aus seiner Heimat vorträgt. Am Ende lost man Karl X. als Thema aus, über das die Improvisationskünstlerin Corinna zur Lyra aus dem Stegreif eine Arie vorträgt. Lob und Preis Frankreichs und seines neuen Königs beenden den Abend.

Musik[Bearbeiten]

Die Dramma giocoso untertitelte, einaktige Oper besteht aus neun Gesangsnummern, die durch Secco-Rezitative miteinander verbunden sind. Rossini nutzte die Fähigkeiten seines großen Ensembles voll aus und schrieb den virtuosen Sängern hochvirtuose Arien und Ensembles auf den Leib. Dabei erklingen verschiedene Arientypen aus den komischen Opern Rossinis. Höhepunkt bildet im großen Betroffenheits-Finale (Nr. 7) ein Gran pezzo concertato a 14 voci, ein Finale für 14 Stimmen, das mit einer langen A-cappella-Einleitung beginnt. Das Schlussstück (Nr. 9) zieht seinen Reiz aus der unterschiedlichen Herkunft der Figuren, die alle ein kurzes Liedchen anstimmen; neben einer Tyrolienne, russischen und spanischen Liedern werden hier Haydns Hymne Gott erhalte Franz, den Kaiser (als Hymne auf die Harmonie) und God Save The King (durch Lord Sidney, der leider nur dieses einzige Lied kennt) zitiert.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Janet L. Johnson [Hrsg.]: Il Viaggio a Reims, Ossia L'Albergo del Giglio D'Oro (Edizione critica delle opere di Gioachino Rossini, Sezione I: Opere teatrali, Vol. 35. Fondazione Rossini, Pesaro 1999, ISBN 0-226-72860-9, Vertrieb bei Ricordi Musikverlag, Nr. RICMI02934 (Partitur))

Aufnahmen[Bearbeiten]

CDs
  • 1984 Claudio Abbado, Chamber Orchestra of Europe (Ersteinspielung), Fonitcetra
  • 1985 Claudio Abbado, Chamber Orchestra of Europe, Deutsche Grammophon - Preis der deutschen Schallplattenkritik 1985
  • 1993 Claudio Abbado, Berliner Philharmoniker; McNair, Sony
DVDs
  • 2004, Jesús Lopez-Cobos, Gran Teatre del Liceu Barcelona, Inszenierung: Sergi Belbel, Naxos
  • 2007, Valery Gergiev, Marinksi-Theater St. Petersburg, Inszenierung: Alain Maratrat

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]