Paul Kruger

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Stephanus Johannes Paulus Kruger

Stephanus Johannes Paulus Kruger (* 10. Oktober 1825 in Vaalbank bei Colesberg, Kapkolonie; † 14. Juli 1904 in Clarens in der Schweiz; auch Oom Paul (Afrikaans für „Onkel Paul“), ursprünglich und deutsch meist Krüger geschrieben, auch Ohm Krüger genannt) war ein südafrikanischer Politiker und von 1882 bis 1902 Präsident der Südafrikanischen Republik.

Leben[Bearbeiten]

Paul Kruger stammte von deutschen Einwanderern ab. Als erster seiner Vorfahren war der Berliner Jacobus Krüger 1713 als Söldner der niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) nach Südafrika gekommen. Die Familie Kruger war calvinistisch geprägt.

Schon als Heranwachsender musste Paul Kruger die Folgen der Auseinandersetzungen zwischen den Buren, zu denen sich seine Familie nun zählte, und den Briten miterleben. Im Alter von zehn Jahren machte er den strapaziösen und leidvollen Zug der Buren aus der Kapkolonie nach Norden, den „Großen Treck“ mit. Die Familie ließ sich nördlich des Flusses Vaal nieder, wo die Stadt Potchefstroom gegründet wurde. Sie liegt heute etwa 80 Kilometer westlich von Johannesburg. Paul Kruger brachte sich als Autodidakt Lesen und Schreiben bei, und mit 16 Jahren erwarb er 100 Kilometer nördlich vom elterlichen Sitz eine eigene Farm, die er Waterkloof nannte. 1842 heiratete er seine erste Frau Maria, doch sie und ihr Kind starben schon vier Jahre später an Malaria. Ein Jahr danach ging er mit Gezina du Plessis, einer Cousine seiner ersten Frau, eine neue Ehe ein, in der 16 Kinder geboren wurden.

Kruger-Denkmal auf dem Church Square in Pretoria
Erinnerung an die Europareise 1900

Gezwungen, sich immer wieder an den Abwehrkämpfen gegen die schwarze Bevölkerung, die die Burensiedlungen ständig angriff, zu beteiligen, gewann Kruger reichlich militärische Erfahrung. In der Schlacht von Vegkop, bei der ein Voortrekkerlager von Ndebele-Kriegern angegriffen wurde, tat sich Kruger als Kämpfer besonders hervor. 1854 wurde er zum Kommandanten der Stadt Rustenburg gewählt. Zehn Jahre später war Kruger auf dem Höhepunkt seiner militärischen Karriere angelangt. Die inzwischen selbstständige Burenrepublik Transvaal ernannte ihn 1864 zum Generalkommandanten ihrer Truppen. Als Großbritannien 1877 Transvaal annektierte, versuchte Kruger zunächst durch Verhandlungen in London einen Rückzug der Briten zu erreichen. Als er dort auf taube Ohren stieß, stellte er zusammen mit den Burenführern Pretorius und Joubert ein Heer auf, das die Briten im Februar 1881 in der Schlacht am Amajuba besiegte. Nachdem Transvaal daraufhin im August 1881 die Unabhängigkeit zugesichert worden war, wurde Kruger 1882 zum Präsidenten des Burenstaates gewählt.

1886 fand man am Witwatersrand in Transvaal Gold, ein Ereignis, das vorwiegend britische Goldsucher und Abenteurer ins Land lockte, die sogenannten Uitlanders. Dieser Umstand veranlasste Cecil Rhodes, seit 1890 Premier der britischen Kapkolonie, die Eroberung der Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Transvaal voranzutreiben. Zu diesem Zweck stachelte er 1895 die britischen Einwanderer in Transvaal, denen bisher das Wahlrecht verweigert worden war, zu einem Aufstand an. Von britischer Seite sollte die Rebellion von einer 600 Mann starken Truppe unter der Führung des Rhodes-Vertrauten Jameson unterstützt werden. Es gelang jedoch Kruger, die Erhebung niederzuschlagen und die Invasoren zur Aufgabe zu zwingen. Die Rebellen wurden gefangen genommen und zum Teil getötet. Sehr zum Missfallen der Briten gratulierte der deutsche Kaiser Wilhelm II. Kruger mit der in die Geschichte eingegangenen „Krüger-Depesche“ zu seinem Erfolg.

Neben seiner Rolle als Politiker und Militärführer war Kruger zeitlebens auch ein großer Naturliebhaber. Zum Schutze der einheimischen Tierwelt gründete er 1898 das Sabie-Naturschutzgebiet, aus dem sich später der Kruger-Nationalpark entwickelte. Zugleich strebte er den ökonomischen Ausbau des Landes v. a. mit deutscher Hilfe an. Erster Direktor der neuen Nationalbank wurde 1891-1894 der Deutsche Wilhelm Knappe.

Trotz der Niederlage von 1895 ließ sich Großbritannien nicht von seinen Eroberungsplänen abbringen. Begleitet von einer scharfen antiburischen Kampagne zugunsten des Ausländerwahlrechts wurden erneut britische Truppen an die Grenzen der Burenrepubliken entsandt. Kruger bot daraufhin der britischen Regierung Verhandlungen an, diese reagierte jedoch weder auf dieses Angebot noch auf Krugers Ultimatum vom 9. Oktober 1899, die Truppen innerhalb von 48 Stunden von den Grenzen zurückzuziehen. Daraufhin erklärte Kruger am 11. Oktober 1899 Großbritannien den Krieg.

Schon bald musste Kruger erkennen, dass die Buren gegen die übermächtige britische Streitmacht auf eine Niederlage zusteuerten. Er brach daher im Oktober 1900 mit dem Schlachtschiff „De Gelderland“, das von der niederländischen Königin Wilhelmina gesandt worden war, nach Europa auf, wo er unter anderem die Niederlande und den deutschen Kaiser um Unterstützung bat. Es fand sich jedoch in Europa niemand, der wegen der Buren einen Krieg mit Großbritannien riskieren wollte. Angesichts der aussichtslosen Situation brachte es Kruger nicht über sich, in seine Heimat zurückzukehren: „Ich vermag mir Transvaal in englischen Händen nicht vorzustellen, wie sollte ich es mir dann ansehen können“. Krugers Frau, die bereits krank in Südafrika geblieben war, starb am 20. Juli 1901. Von der endgültigen Niederlage der Burenrepubliken Transvaal und Oranje im Jahre 1902 erfuhr Kruger in seinem Schweizer Exil Clarens, wo er zwei Jahre später 78-jährig verstarb. Seine sterblichen Überreste wurden am 16. Dezember 1904 im südafrikanischen Pretoria beigesetzt. Sein ehemaliger Amtssitz, das Krugerhaus, ist heute ein Museum.

Sonstiges[Bearbeiten]

Paul Kruger ist auf der südafrikanischen Goldmünze Krugerrand abgebildet, die nach ihm benannt ist. Auch die Form der Tabakspfeife „Oom Paul“ wurde nach der Pfeife benannt, die Kruger häufig rauchte. Das von Kruger 1898 gegründete Schutzgebiet Sabie Game Reserve wurde 1926 zum Kruger-Nationalpark. Im antibritischen NS-Propagandafilm Ohm Krüger aus dem Jahre 1941 wurde er von Emil Jannings dargestellt.

Mahatma Gandhi beschrieb Krugers Rassismus gegenüber der indischstämmigen Bevölkerung, die aus Krugers Sicht „geschaffen worden war, um den Weißen zu dienen“. [1]

Der US-amerikanische Schauspieler Otto Kruger war sein Großneffe.

Heute[Bearbeiten]

Eine Straße in St. Gallen, Schweiz – Krügerstrasse – war nach Paul Kruger benannt, vermutlich weil er im späten 19. Jahrhundert als Freiheitskämpfer galt.[2] Infolge der wiederholten rassistischen Äußerungen Krugers bezüglich der indigenen Bevölkerung Afrikas (die in jener Zeit nicht aus dem Rahmen fielen) entstanden Kontroversen um den Straßennamen. [2] Die Straße wurde 2009 auf den Namen des Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt benannt; ein Diplomat aus Südafrika wohnte der Zeremonie bei.[3] In den Niederlanden ist der Name Paul Krugers als Straßenname noch stets in fast allen Städten, etwa in Amsterdam, Den Haag, Rotterdam, Leiden, Groningen, Haarlem, Arnhem und Nijmegen, gebräuchlich. Eine kritische Diskussion über die Verwendung des Namens auch für öffentliche Einrichtungen fand bisher nicht statt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Kruger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ‘The Jews’, By Gandhi - From Harijan. Abgerufen am 29. Januar 2012.
  2. a b St. Gallen ehrt seit 100 Jahren einen Rassisten, Berner Zeitung. 3. Februar 2009. 
  3. Furgler und Dürrenmatt verdrängen Kruger. In: Neue Zürcher Zeitung, 9. Juni 2009, S. 16.