Pendolino

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Portugiesischer 'Alfa Pendular' oder Serie 4000
ETR 450, die zweite Generation
ETR 610 von Cisalpino in Biel, Schweiz

Pendolino (von italienisch pèndolo = Pendel) ist der Markenname für Triebzüge mit auf mehrere Wagen verteiltem elektrischem Antrieb und aktiver Neigetechnik nach dem System der ehemaligen Eisenbahnabteilung von Fiat in Savigliano, die heute zum Alstom-Konzern gehört. Die Neigetechnik ermöglicht es den Zügen, in Kurven schneller zu fahren als herkömmliche Züge. Die von Fiat entwickelte Neigetechnik „TILTRONIX“ arbeitet elektro-hydraulisch.

Die erste Pendolino-Generation ist der ETR 401, die zweite Generation vertritt alleine der ETR 450, die dritte Generation stellt der ETR 460 dar und die von diesem abgeleiteten Varianten ETR 470 für die Schweiz, der Dreisystemversion ETR 480 und ETR 485 sowie die Versionen für die Tschechische und die Finnische Eisenbahngesellschaft. Die Zählung der Generationen ist von dem Hersteller der Züge übernommen, der ETR 600/610 als die vierte Generation bezeichnet.

ETR ist die Abkürzung von „ElettroTreno Rapido“ oder „Elektrischer Schnellzug“.

Im Volksmund werden auch Neigetechnikzüge, die nicht von Fiat stammen, als „Pendolinos“ bezeichnet (siehe Abschnitt unten).

Anfänge[Bearbeiten]

Die Geschichte der Pendolinozüge begann 1969 mit der Entwicklung des ETR 401, der als reiner Versuchszug mit zwei Triebköpfen und zwei Zwischenwagen der Erprobung der aktiven Neigetechnik diente und, 1978 mit Fahrgastplätzen ausgerüstet, noch bis 1983 zwischen Rom und Ancona in Betrieb blieb.

Zweite Generation[Bearbeiten]

Nach diesen erfolgreichen Versuchen wurde 1984 der ETR 450 in einer Serie bestellt, von der 1985 die ersten Exemplare ausgeliefert wurden und den Betrieb auf der italienischen Neubaustrecke von Rom nach Rimini 1988 aufnahmen und noch bis 1992 nachgebaut wurden. Der ETR 450 ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zugelassen und kann technisch in der Ebene bis zu 280 km/h erreichen.

Dritte Generation[Bearbeiten]

Sein Nachfolger ETR 460 wurde zum international verkauften Erfolgsmodell, dem der ETR 470 sowie als neueste Varianten ETR 480 und ETR 485 folgten. Der ETR 470 wird für den alpenquerenden Verkehr nach Mailand eingesetzt, bis 2009 betrieben vom italienisch-schweizerischen Gemeinschaftsunternehmen Cisalpino. Zeitweise wurden diese Züge auch auf der Strecke ZürichStuttgart eingesetzt. Die Energiezufuhr kann neben dem italienischen Stromsystem auch das in der Schweiz übliche (15 kV bei 16,7 Hz) übernehmen. Der ETR 480 ist für die Aufrüstung für 25 kV bei 50 Hz und ETCS-2 vorbereitet, das auf den neueren Hochgeschwindigkeitsstrecken in Italien verwendete Stromsystem. Der ETR 485 ist von vornherein für dieses Stromsystem ausgerüstet.

Drei der zehn ETR 460 sind nicht nur für die italienische Bahnstromversorgung mit 3.000 Volt Gleichstrom eingerichtet, sondern auch für 1.500 Volt Gleichstrom für den internationalen Verkehr nach Südfrankreich.

Der ETR 460 wurde auch nach Tschechien als ČD-Baureihe 680, nach Slowenien als SZ-Baureihe 310 und nach Finnland als Sm3 verkauft. Die finnische Variante weist eine breitere Spurweite auf. Für die spanische RENFE wurden zehn Exemplare dieses Triebzuges mit der breiteren iberischen Spurweite in den spanischen Werken von Alstom und FIAT Ferroviario als Baureihe 490 gebaut. Sie werden als Zugkategorie Alaris eingesetzt. Für dieselbe Spurweite wurden von Alstom im portugiesischen Amadora zehn Züge für die portugiesische Bahngesellschaft als Alfa Pendular (Serie 4000) gebaut, die ab 1999 in Dienst gestellt werden.

Vierte Generation[Bearbeiten]

Die vierte Generation des Pendolino ist der ETR 600 und dessen Variante mit drei Stromsystemen, der CIS ETR 610.

Am 30. Mai 2011 hat Alstom den Kauf von 20 New Pendolino-Zügen durch die polnische PKP Intercity bekanntgegeben. Diese Züge werden ohne Neigetechnik gebaut.[1] Der Auftrag hat einen Wert von 665 Millionen Euro und umfasst neben der Lieferung der Züge auch den Bau eines neuen Depots in Warschau und die Wartung der Züge für 17 Jahre. Die ersten Züge sollen im Jahr 2014 in Betrieb gehen. Das erste Fahrzeug wurde am 17. Juni 2013 vorgestellt. [2]

Übersicht[Bearbeiten]

Typ Generation Baujahre Bahn Anzahl Hersteller Wagen Vmax Länge Leermasse Dauerleistung Bemerkung
ETR 401 1 1969 FS 1 FIAT Ferroviaria 4 250 km/h 105,9 m 161 t 1.800 kW Versuchszug
ETR 450 2 1985 - 1992 FS 15 FIAT Ferroviaria 8 bzw. 9 250 km/h 234 m 435 t 5.008 kW nachträglich Speisewagen eingebaut
ETR 460 3 1993 - 1995 FS 10 FIAT Ferroviaria 8 250 km/h 236 m 440 t 5.880 kW 3 Stück zusätzl. mit 1500 V Gleichstrom
ETR 470 3 1993 - 1996 Cisalpino 9 Alstom Ferroviaria, Alstom Sesto 9 200 km/h 236,6 m 451 t 5.880 kW zusätzl. für 15 kV, 16,7 Hz ausgerüstet;
2009 nach Auflösung Cisalpino AG:
5 Trenitalia
4 SBB
Sm3 3 1995 - 2006 VR 18 Fiat Ferroviaria
Rautaruukki-Transtech
6 220 km/h 158,9 m 328,0 t 4.000 kW basiert auf ETR 460
ETR 480
ETR 485
3 1997 - 1998 Trenitalia 15 FIAT Ferroviaria 9 250 km/h 236,6 m 409 t 5.880 kW Umzeichnung in ETR 485 nach zusätzl. Ausrüstung für 25 kV, 50 Hz
Baureihe 490 3 1998 - 1999 RENFE 10 GEC Alsthom, Fiat-SIG, Parizzi 3 220 km/h 81,2 m 171,0 t 1.960 kW basiert auf ETR 460
Baureihe 4000 3 1999 - 2000 CP 10 Fiat, ADtranz, Siemens 6 220 km/h 158 m 298 t basiert auf ETR 460
Baureihe 310 3 2000 SZ 3 FIAT 3 200 km/h 81,2 m 171 t 1.960 kW basiert auf ETR 460
Baureihe 680 3 2003 - 2005 ČD 7 Alstom Ferroviaria 7 230 km/h 185,3 m 384,0 t 3.920 kW basiert auf ETR 470
ETR 600 4 2007 - Trenitalia 12 Alstom 7 250 km/h 187,4 m 387 t 5.500 kW zusätzl. für 25 kV, 50 Hz ausgerüstet
ETR 610 4 2007 - Cisalpino 14 Alstom 7 250 km/h 187,4 m 387 t 5.500 kW zusätzl. für 25 kV, 50 Hz und 15 kV, 16,7 Hz ausgerüstet;
2009 nach Auflösung Cisalpino AG:
7 Trenitalia
7 SBB
4 2014 - PKP Intercity 20 Alstom 7 250 km/h 187,4 m ohne Neigetechnik, Spannungsysteme:
3000V DC, für 25 kV, 50 Hz und 15 kV, 16,7 Hz [3]

Sonderformen[Bearbeiten]

Britische Klasse 390 mit Virgin-Farbgebung

Für den Intercity-Verkehr auf der West Coast Main Line in Großbritannien wurde ein „Pendolino Britannico“ entwickelt, dessen Wagenkasten sich deutlich von allen anderen unterscheidet, weil er an das kleinere britische Lichtraumprofil angepasst werden musste. Diese Triebzüge werden als britische Klasse 390 geführt.

Dem ETR 600 sehr ähnlich, aber mit breiterem Wagenkasten und ohne Neigetechnik ist der CRH5 der chinesischen Bahn.

Züge anderer Hersteller mit Fiat-Neigetechnik[Bearbeiten]

Triebzug der DB mit Fiat-Neigetechnik in Sulzbach-Rosenberg

Im Volksmund werden auch Neigetechnikzüge, die nicht von Fiat bzw. Alstom stammen, als „Pendolinos“ bezeichnet:

Ein anderes weit verbreitetes System mit Neigetechnik, die nicht von Fiat bzw. Alstom stammt, ist der spanische Talgo Pendular.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alstom Press Release, 30. Mai 2011: Alstom to supply and maintain a fleet of 20 New Pendolino trains for PKP Intercity
  2. Railway Gazette International, 20. Juni 2013: First Polish Pendolino presented to PKP Intercity
  3. http://www.railwaygazette.com/news/passenger/single-view/view/pkp-intercity-signs-pendolino-contract.html
  4. http://www.lokifahrer.ch/Lokomotiven/Loks-SBB/RABDe_500/SBB-ICN.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pendolino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien