Pilatus (Berg)
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Der Pilatus ist ein Bergmassiv der Emmentaler Alpen in der Schweiz bei Luzern, im Grenzbereich der Kantone Luzern, Nidwalden und Obwalden. Der höchste Gipfel ist das 2'128,5 m hohe Tomlishorn. Ferner gehören dazu die Gipfel Esel (2'118,7 m), Klimsenhorn (1'907,2 m), Matthorn (2'041,3 m) und Widderfeld (2'075,2 m).
Weitere geographische Bezeichnungen von Bedeutung sind: Kulm, Oberhaupt (2'106 m), Chriesiloch, Fräkmüntegg (1'416 m), Krienseregg (1'026 m), Chastelendossen (1'883 m), Gemsmättli, ehemaliger Pilatussee, Mondmilchloch, Galtigen, Krummhorn (1'254 m), Renggpass (886 m), Lopper.
Im Westen setzt sich die Kette vom Mittaggüpfi (1'916,6 m, auch Gnepfstein) über die Stäfeliflue (1'922,2 m) bis zum Risetenstock fort.
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[Bearbeiten] Touristik
Der Pilatus ist ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Die Pilatusbahn (PB), die steilste Zahnradbahn der Welt, führt mit einer maximalen Steigung von 48 % von Alpnachstad auf 2'106 m ü. M. Von Luzern her ist der Berg mit einer Panorama-Gondelbahn (Kriens-Krienseregg-Fräkmüntegg) und einer Luftseilbahn (Fräkmüntegg-Pilatus) erschlossen.
Dies ermöglicht eine wunderbare Rundreise von Luzern auf den Pilatus (Seilbahn oder Wanderung), danach mit der Zahnradbahn nach Alpnach und via Dampfschiff aus der Jahrhundertwende zurück nach Luzern. Beliebt ist auch der Zustieg vom Eigenthal und die Überschreitung der Kette. Dabei können im Gebiet der 1961 wieder angesiedelten Steinböcke z. B. die sagenumwobenen Orte des ehemaligen Pilatussees oder das Mondmilchloch besichtigt werden.
Dem Besucher bietet sich auf der Spitze eine fantastische Rundsicht über den Vierwaldstättersee. Ebenso bietet er verschiedene Sportmöglichkeiten: Gleitschirmfliegen, Schlitteln, Wandern, Klettern, Mountainbiken, Rodeln auf der Sommer-Rodelbahn Fräkigaudi und Klettern im Pilatus-Seilpark auf der Fräkmüntegg. Außerdem befindet sich auf dem Pilatus das längste spielbare Alphorn der Welt (12 Meter lang).
Die Spitze des Berges wird während einigen Nächten beleuchtet und wird so zu einer Attraktion hoch über der Leuchtenstadt Luzern.
[Bearbeiten] Etymologie
Im Mittelalter hieß das Pilatusmassiv noch Mons fractus („gebrochener Berg“), Frakmont oder Fräkmünd. Der älteste Bezug auf den Pilatus stammt um 1100 unter dem Namen „fractus mons“. Zwei Alpen auf beiden Seiten des Massivs waren dabei namensgebend. Sie tragen heute noch den Namen „Fräkmünt“. Das Pilatusmassiv wurde aber schon bald auch Mons pileatus, d. h. der mit Felspfeilern durchsetzte Berg (lat. mons „Berg“ und lat. pila „Pfeiler, Strebe“), Pylatus (1480), Mons Pilati (1555), Pilatusberg genannt.
Er verdankt diesen Namen dem Statthalter Roms in Jerusalem, Pontius Pilatus, der sich bekanntlich sehr zwielichtig für die Unschuld Jesu (in der christl. Überlieferung) eingesetzt habe. Der Sage nach fand er im inzwischen verlandeten Gipfelsee (dem Pilatussee bei der Oberalp) seine letzte Ruhestätte. Überall, wo man seine Leiche zuvor bestatten wollte, traten heftige Stürme auf. Deshalb wurde ein hoher Berg wie der Frakmont ausgewählt, auf dem ohnehin fortwährend Unwetter toben. An jedem Karfreitag soll der römische Statthalter von Judäa aus seinem nassen Grab steigen und in vollem Ornat zu Gericht sitzen. Bis ins 16. Jahrhundert hatte der Stadtrat von Luzern das Besteigen des Berges unter Androhung von Strafen verboten. Pilatus sollte im Gipfelsee nicht gestört – und keine Unwetter heraufbeschworen – werden. Aber wehe, wenn es jemand wagte, etwa durch den Wurf eines Steines in das stille Wässerchen, den Pilatusgeist zu erzürnen. Dann habe es furchtbare Unwetterschläge mit schweren Verwüstungen bis nach Kriens hinunter abgesetzt.
Diese Sage war schon im christlichen Altertum bekannt und im Mittelalter allgemein verbreitet. Ihre Popularität trug viel dazu bei, dass der herkömmliche Name „Fräkmünt“ im 15. Jahrhundert allmählich verdrängt und durch den Namen „Pilatus“ ersetzt wurde. Erstmalige Verurkundung 1475. Seither trägt der Luzerner Hausberg diesen Namen.
Eine weitere sprachwissenschaftliche Deutung wäre die Ableitung von „pilleus“ (lat.: Filzkappe). „Pilleatus“ wäre dann „der mit einer Kappe Versehene“.
[Bearbeiten] Sagen und Geschichten
Die Sagenwelt im und um das Pilatusmassiv ist sehr vielfältig und auch gut dokumentiert (siehe Literaturhinweise). Der Pilatus war früheren Geschlechtern, die unter ihm wohnten, nicht der erhabene Hausberg der Fremdenstadt, sondern düsterer Sitz tückischer Unwetter und Wasserstürze, die sich zur Stadt hin wälzten. Er wurde zum Sitz von Drachen und Gewürm, von Hexen und Zauberern, aber auch zur Wohnung der kleinen guten Bergleute, die den Menschen wohl gesinnt waren, die Gämsen beschützten, aber Frevler und Hartherzige bestraften.
Die bekanntesten Sagen und Geschichten im Pilatusgebiet sind wohl:
- Die Sage vom unseligen Landpfleger (Pontius Pilatus) und wie er in den Pilatussee kam
- Der Luzerner Drachenstein (siehe Der Drachenstein)
- Mondmilch vom Mondmilchloch
- Das Geheimnis der Domini(k)höhle
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- In der steil aufragenden Nordwand des Widderfeldes kann man eine Felshöhle mit dem Namen Dominiloch (auch: Dominikhöhle) erkennen. Ein mit Kalk überzogener, freistehender Felsblock am Eingang der Höhle wurde als Mann gedeutet, der, dorthin verzaubert, mit gekreuzten Armen und Beinen an einem Tisch steht. Um diese erstarrte Figur bildeten sich ganze Reihe von Sagen:
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- Vor Jahren soll auf der Bründlen eine Kapelle gestanden haben, die durch einen Bergsturz verschüttet worden sei. Dabei sei die Statue des heiligen Dominikus durch ein Wunder in diese Höhle versetzt worden. Drei junge Burschen hätten einst der Figur verschiedene Namen zugerufen, sie habe aber nur auf den Namen Domini Antwort gegeben. Wer ihr jedoch einen anderen Namen zurufe, der sterbe noch im gleichen Jahr ...
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- Nach einer anderen Sage habe einst in der Dominihöhle ein Riese gewohnt, der ein treuer Wächter über Land und Leute war. Als er aber einmal schlief und aufwachend sah, dass Schweizer gegen Schweizer kriegten, erstarrte sein Leib und wurde zu Stein ...
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[Bearbeiten] Fauna
Im Jahre 1961 hatte man mit der Wiederansiedlung des Alpensteinbockes begonnen, welcher heute zu den großen Attraktionen des Pilatus gehören. Die Tiere wurden am Piz Albris eingefangen und dann auf der Mattalp ausgesetzt. Man begann mit drei Böcken (5- bis 8-jährig) und drei Steingeissen (3- bis 4-jährig). Bis 1969 wurden 19 Stück Steinwild ausgesetzt. Bei der letzten Zählung (2004) des Wildbestandes zählte man 30 Böcke, 28 Geissen und 32 Jungtiere.
[Bearbeiten] Geologie
Das Pilatusmassiv gehört zur helvetischen Randkette und bildet den Stirnbereich der Axen-Decke, einer Teildecke des helvetischen Deckensystems. Nach Norden zu ruht der Pilatus mit einer Überschiebungsfläche (anormaler tektonischer Kontakt) auf dem subalpinen Flysch, der seinerseits die subalpine Molasse überfuhr.
Seine Gesteinsserie verteilt sich auf Bildungen der Kreide und der älteren Tertiärformationen. Die Kreideserie des Pilatus weist als Ältestes Ablagerungen aus dem Valanginium (Valangien) auf. Die drei erkennbaren Glieder sind Valang(in)ienmergel bzw. Valendis-Mergel („Vitznaumergel“), Valang(in)ienkalk bzw. Valendis-Kalk („Betliskalk“) und der abschließende Valangienglaukonit („Gemsmättlischicht“). Die nächstjüngere Stufe, das Hauterivium, umfasst den mächtigen Kieselkalk, dessen basale Schichten meist schiefrig ausgebildet sind. Den oberen Abschluss des Hauterivium bildet eine weitverbreitete, grobspätige Echinodermen-Brekzie. Das darüberliegende Barremium gliedert sich in wenig mächtige, grünsandige (glaukonitführende) Altmannschichten, mergelige Drusbergschichten und unterem Schrattenkalk. Die Drusbergschichten stellen eine Wechsellagerung von schiefrigen, dunkelgrauen Mergeln mit kalkigeren, kompakten Lagen dar. Aufgrund ihrer relativen Weichheit sind sie entweder vorwiegend von Vegetation bedeckt oder aber an steilen Halden zwischen den Felswänden des Kiesel- und Schrattenkalks aufgeschlossen. Die nächstjüngere Stufe, das Aptium, gliedert sich in die Orbitolinenschichten (dunkle, mergelige Zone mit zahlreichen Orbitolinen), den oberen Schrattenkalk und als Abschluss der Kreideserie den Gault (Garschella-Formation).
Die Eozänbildungen sind vertreten durch Sandsteine und Nummulitenkalk (Lutetium), Pectinitenschiefer (unteres Bartonium bzw. Auversien - darin eingeschaltet der Hogantsandstein) und die Stadschiefer (Priabonium).
Eine Gedächtnisplatte zwischen Pilatus Kulm und Esel erinnert an den großen Geologen Franz Joseph Kaufmann, der von 1863 bis 1866 das Pilatusmassiv grundlegend untersuchte. 1867 erschienen seine Beobachtungen als „Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz“.
[Bearbeiten] Der Pilatus als Wettermacher
Die weit zurückreichende Berggeschichte des Pilatus begründet sich in seinem Charakter als berüchtigter Wettermacher, der nach allen Seiten verheerende Wildbäche aussandte. Ein schlimmer, übler Ruf ging zuerst lange Zeit von ihm aus. Wie an vielen alleinstehenden Bergen sammeln sich an seinen Hängen gerne Wolken. So vermochte er von jeher bei den Umwohnern eine Rolle als Wetterprophet spielen. Die Wetterregel lautet:
Hat der Pilatus einen Hut
bleibt im Land das Wetter gut.
Hat er einen Nebelkragen
darf man eine Tour wohl wagen.
Trägt er aber einen Degen,
bringt er uns gewiss bald Regen.
Mit dem „Degen“ ist dabei eine lange Wolkenfahne gemeint. Hintergrund ist, dass das am Berg sichtbare Kondensationsniveau auf den Feuchtegehalt der Luft und damit auf die Niederschlagswahrscheinlichkeit schließen lässt.
Aktuelles Wetter auf dem Pilatus: Pilatus-Wetterstation
[Bearbeiten] Trivia
Eine musikalische Beschreibung des Pilatus als Sitz von Drachen veröffentlichte im Jahre 2002 der US-amerikanische Komponist Steven Reineke mit der Komposition Pilatus – Mountain of Dragons für symphonisches Blasorchester.
Der Schweizer Künstler Hansjürg Buchmeier machte zwischen 1995 und 2005 über 35'000 Fotos des Pilatus. 100 Ansichten davon sind im 2005 erschienenen Werk "Pilatus. Ein Berg. Hundert Ansichten." wiedergegeben. Buchmeier bezeichnet sein Buch als eine Hommage an den japanischen Maler Hokusai und dessen "36 Ansichten des Berges Fuji".
[Bearbeiten] Literatur
- Aregger, Dr. J., Der Pilatus – Geschichtliches, Naturwissenschaftliches, Separatdruck aus den "Verhandlungen der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, Luzern 1972
- Buxtorf, A., Geologie des Pilatus, Vortrag gehalten an der 105. Jahresversammlung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Luzern am 1. Oktober 1924, Buchdruckerei Büchler & Co., Bern 1924
- Cappeller, Maur. Antonii: Pilati Montis Historia, Figuris aeneis illustrata, Basilae 1767. (Deutsche Übersetzung: M. A. Kappeler: Naturgeschichte des Pilatusberges, Verlag Eugen Haag, Luzern 1960)
- Gurtner, Verena, Pilatus via Luzern, Orell Füssli, Zürich 1975
- Helfenstein, Dr. A., Das Namensgut des Pilatusgebietes, Keller & Co AG, Luzern 1982 ISBN 3-85766-004-x
- Meyer, Peter A., Der Pilatus zwischen Mystik und Tourismus – Festschrift, LIGRA-Verlag, Luzern 1995
- Müller-Ermensee, Anton, Sagenhaftes aus der Stadt Luzern und dem Pilatusgebiet, Comenius Verlag, Hitzkirch 2002, ISBN 3-905286-46-7
- Pfister, Hans, Pilatus, Sagen und Geschichten, Verlag Eugen Haag, Luzern 1991
- Pfister, Hans, Pilatusalpen - Sömmerungsbetriebe rund um den Berg, Verlag Eugen Haag, Luzern 1982
- Pro Pilatus, Der Pilatus, Mons Fractus, 50 Jahre Pro Pilatus, Vereinigung zum Schutze des Pilatusgebietes, Pro Pilatus, Luzern 1999, ISBN 3-9521831-0-5
- Weber, P.X. Der Pilatus und seine Geschichte, Verlag Eugen Haag, Luzern 1913
- Zimmermann, Bernhard, Pilatus – Der weltbekannte Berg in der Schweiz, Alpnachstad 1949
- Buchmeier, Hansjürg, "Pilatus. Ein Berg. Hundert Ansichten.", Fotobuch mit einem Essay von Peter von Matt, Brunner Verlag, Kriens/Luzern, 2005, Deutsch/Englisch/Chinesisch ISBN 3-03727-004-7, Deutsch/Englisch/Japanisch ISBN 3-03727-009-8
[Bearbeiten] Weblinks
- Webseite des Pilatus
- Artikel Pilatus im Historischen Lexikon der Schweiz
- Bildgalerie mit Pilatus-Fotos
- Sommer-Rodelbahn auf der Fräkmüntegg
- Fotos und alte Postkarten des Pilatus
46.9738888888898.24111111111112132Koordinaten: 46° 58′ N, 8° 14′ O; CH1903: (661062 / 202847)

