Protestlied

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Woody Guthrie

Ein Protestlied oder auch Protestsong ist ein Lied, das sich gegen eine Autorität richtet und meist soziale oder politische Missstände thematisiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem zweiten Weltkrieg entstand der moderne Protestsong in der Bürgerrechtsbewegung für die gesellschaftliche Gleichstellung von Schwarzen und Weißen in den USA. Sie wurden, vor allem in der Demonstrationswelle in den 60er und 70er Jahren zum Ausdrucksmittel von gewaltlosem Widerstand. [1]

Arbeiterbewegung[Bearbeiten]

In der Arbeiterbewegung waren dies meistens schlichte Lieder, die oft auf der Basis traditioneller Lieder umgedichtet wurden oder von zumeist sozialistisch oder kommunistisch orientierten klassisch gebildeten Komponisten wie zum Beispiel Hanns Eisler, oder Songwritern wie zum Beispiel Pete Seeger für die kämpfenden Arbeiter geschrieben. Auch einfache Arbeiter wie Sarah Ogun Gunning oder Molly Jackson aus den USA schrieben unter dem Eindruck des Klassenkampfes eigene Lieder. Auch Arbeiterchöre sangen Protestsongs (siehe auch: Arbeiterlied).

Folk Revival[Bearbeiten]

In den 1950er Jahren gab es besonders in den USA ein verstärktes Interesse an Folkmusik. Im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Umbrüchen in den 1960er Jahren (Emanzipationsbewegung, später die Anti-Vietnamkriegsproteste) war die Folkbewegung, die aus der weißen Mittelklasse kam, zum Teil sehr stark politisiert. Hauptsächlicher Bezugspunkt war die Tradition Woody Guthries, und die radikale Zeit der Popular Front der 1930er Jahre hallte in ihnen noch nach. Sie richteten sich vor allem gegen Rassendiskriminierung und Krieg. Wichtige Vertreter waren der junge Bob Dylan, Phil Ochs und Joan Baez. Auch Lieder gegen nukleare Waffen drangen in den Vordergrund, so zum Beispiel Eve of Destruction von Barry McGuire, It’s Good News Week von den Hedgehoppers Anonymous oder Morning Dew von Tim Rose.

Nueva canción[Bearbeiten]

Durch die Kombination traditioneller Volksmusik mit neueren sozialkritischen Elementen entstand in Lateinamerika (zuerst in Chile), die Nueva canción, die in ganz Lateinamerika, zum Teil auch in Europa Verbreitung fand.

Politische Musik in Afrika[Bearbeiten]

Der bisher wohl bedeutendste Protestmusiker Afrikas ist Fela Kuti, der mit seiner schonungslosen Kritik der Militärdiktatur weit über sein Heimatland Nigeria in ganz Afrika bekannt wurde.

Punk[Bearbeiten]

Die Ideologie des Punks ist die Ablehnung sämtlicher gesellschaftlicher Normen, was sich nicht nur in Musik und Liedtexten niederschlägt, sondern auch in Kleidung und Sozialverhalten. Die Texte sind häufig gesellschaftskritisch. Jedoch sind sie zumeist auf die eigene Erfahrungswelt in einer modernen kapitalistischen Gesellschaft bezogen und oft nihilistisch, das heißt sie bieten keine Lösungsmöglichkeiten für die Probleme an, aber auch explizit politische Texte mit Kritik an Kapitalismus, Krieg oder Rechtsextremismus kommen häufig vor. (siehe auch: Punk (Musik)).

Die feministische Variante des Punk wurde unter dem Namen Riot Grrrl bekannt.

Hip-Hop[Bearbeiten]

Hip-Hop stammt ursprünglich aus schwarzen Ghettos der USA und wurde deshalb hauptsächlich von ärmeren Leuten praktiziert, die damit teilweise auch Missstände aufzeigen wollten. Auch heute noch existiert neben dem Mainstream-Hip-Hop eine Szene mit gesellschaftskritischem oder politischem Rap.

Kennzeichen[Bearbeiten]

Kennzeichen eines Protestlieds oder -songs sind einprägsame Melodien und volkstümliche Texte. [2]

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Trivia[Bearbeiten]

Die Ärzte schrieben mit dem Grotesksong vom Album 13 einen Protestsong „gegen Protestsongs“. Das Lied setzt sich auf ironische Art mit dem Phänomen „Protestsong“ auseinander.

Seit 2004 findet alljährlich am 12. Februar der Protestsongcontest im Wiener Rabenhof Theater statt.

Kritik[Bearbeiten]

Insofern Protestlieder, um verbreitet zu werden, ihrerseits den Verwertungsmechanismen der Kulturindustrie ausgesetzt sind, sind sie der Gefahr der Vereinnahmung ausgesetzt; im Extremfall ist der Protest bloßes Vehikel der Vermarktung („rebel image“). Selbst wenn es anders gemeint ist, kann das Protestlied zur Ergänzung der Welt werden, gegen die es protestiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Habicht, Wolf-Dieter Lange, Brockhaus-Redaktion (Hrsg.):Der Literatur Brockhaus. Band 6. B.-I.-Taschenbuchverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 1995, ISBN 3-411-11861-X.
  2. Werner Habicht, Wolf-Dieter Lange, Brockhaus-Redaktion (Hrsg.):Der Literatur Brockhaus. Band 6. B.-I.-Taschenbuchverlag, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 1995, ISBN 3-411-11861-X.