Quelle GmbH

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Quelle GmbH i. L.
Logo der Quelle GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 26. Oktober 1927
Auflösung 19. Oktober 2009
Auflösungsgrund Insolvenz
Sitz Fürth, Deutschland

Leitung

  • Konrad Hilbers,
    Vorsitzender
  • Wolfgang Binder
Mitarbeiter 3385 (2007/2008)[1]
Umsatz 2,45 Mrd. Euro (2007/2008)[2]
Branche Versandhandel
Website www.quelle.de

Die Quelle GmbH (Name ab 2006) war ein deutsches Versandhaus. Das ehemalige Familienunternehmen fusionierte als Quelle Schickedanz AG & Co 1999 mit dem Warenhauskonzern Karstadt. Im Zusammenhang mit der Insolvenz der Arcandor AG (bis 2007 KarstadtQuelle AG) wurde das Versandunternehmen Quelle aufgelöst und in Teilen verkauft. Die Marke „Quelle“ gehört heute der Otto Group. Von 2011 bis 2013 existierte eine Quelle GmbH mit Sitz in Hamburg. Seit dem 2. Mai 2013 befindet sich der Sitz der Quelle GmbH in Burgkunstadt und ist eine Tochtergesellschaft der Otto Group.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Ehemalige Quelle-Hauptverwaltung in Fürth

Das Unternehmen wurde am 26. Oktober 1927 von Gustav Schickedanz (1895–1977) in Fürth gegründet. Seine Frau Anna Schickedanz arbeitete ebenfalls in der Unternehmensleitung, bis sie am 13. Juli 1929 zusammen mit ihrem Sohn Leo (5) und Gustav Schickedanz’ Vater Leo Schickedanz (72) bei einem Autounfall verstarb. Gustav Schickedanz wurde schwer verletzt, während seine Tochter Louise (4) unverletzt blieb.[4]

Verpackungsaufkleber des Versandhauses Quelle aus den 1930er oder 1940er Jahren mit dem Hinweis „Christliches Unternehmen – arische Inhaber“
Historisches Quelle-Logo
Quelle Einkaufszentrum bei Nacht 2007
Quelle-Großversandhaus, Quelle-Kaufhaus und Quelleturm an der Fürther Straße in Nürnberg, 2009. Architekt: Ernst Neufert.
Quelle-Großversandhaus in Nürnberg, Südfassade und Quelleturm, 2011

Im November 1932 trat Schickedanz der NSDAP bei.[5] 1935 wurde er Ratsherr seiner Heimatstadt Fürth. 1935 erwarb Schickedanz die Rechte an der Marke Tempo, die Vereinigten Papierwerke in Nürnberg, die Brauerei Geismann und weitere Firmen unter Wert von ihren ehemaligen jüdischen Eigentümern, was ihm im Zuge der sogenannten Arisierung aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft möglich war.[6] 1938 konnte das Versandhaus Quelle zwei Millionen Stammkunden zählen und erreichte 1939 einen Umsatz von 40 Millionen Reichsmark. Im Juni 1942 heiratete Gustav Schickedanz Grete Lachner (1911–1994), die bereits 1927 im Alter von 15 Jahren von Schickedanz’ erster Ehefrau Anna als Lehrmädchen bei Quelle angestellt worden war. Grete Schickedanz brachte an ihrem 32. Geburtstag, dem 20. Oktober 1943, im Luftschutzbunker der Nürnberger Frauenklinik Tochter Madeleine zur Welt.[7]

Im Jahr 1943 wurde das Lager des Fürther Unternehmens durch alliierte Bombenangriffe zerstört und der Versandhandel eingestellt.[8] 1945 wurde gegen Gustav Schickedanz von den Alliierten ein Berufsverbot verhängt, sein Eigentum beschlagnahmt und er wurde zu Haft mit Zwangsarbeit verurteilt, aus der er 1948 entlassen wurde. Die treuhänderische Verwaltung des Unternehmens Quelle übernahm Schickedanz’ Schwester Liesl Kießling. Seine Ehefrau Grete Schickedanz eröffnete bereits 1946 in Hersbruck das erste Quelle-Verkaufsgeschäft der Nachkriegszeit für Textilien. Der Umsatz lag bei etwa 315.000 Mark. Ab 1948 wurde das Versandgeschäft von Quelle wieder aufgebaut.

Gustav Schickedanz wurde im Entnazifizierungsverfahren durch die Hauptspruchkammer Nürnberg im März 1949 als „Mitläufer“ eingestuft. In der Anklage war davon die Rede, dass von seinem damaligen Vermögen von 9,3 Millionen DM über 7 Millionen aus jüdischem Besitz stammten. Zwar hatte Schickedanz insbesondere Grundstücke in den Jahren 1943 bis 1945 in großem Umfang an seine Frau und seine Tochter überschrieben, darunter auch die ehemals jüdischen Camelia-Werke (Besitzer ehemals Gebr. Rosenfelder) in Heroldsberg und die Textilfabrik Ignaz Mayer in Fürth. Doch nachweisbar blieben die „hervorragenden Beziehungen“ von Schickedanz zur örtlichen NS-Gauleitung. Bereits 1949 wurde Schickedanz jedoch freigesprochen, insbesondere aufgrund wirtschaftlicher Erwägungen.[9]

Gustav Schickedanz wurde 1949 rehabilitiert und bekam die Vollmacht über seine Unternehmen zurück. Grete Schickedanz wurde Generalbevollmächtigte und Mitglied des Konzernbeirats. 1952 von der Stadt Fürth geehrt, wurde Gustav Schickedanz 1959 Fürther Ehrenbürger.[10] 1961 wurde er mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet. 1954 betrug der Umsatz von Quelle 260 Millionen Mark, nach zahlreichen Eingliederungen weiterer Unternehmen in den Konzern betrug der Umsatz 1972 fünf Milliarden Mark. Zwei Jahre später betrug der Umsatz bereits 6,4 Milliarden Mark bei 36.000 Mitarbeitern.

Anfang 1975 trat Grete Schickedanz als persönlich haftende Gesellschafterin in die neugebildete Gustav und Grete Schickedanz Holding KG ein. Sie engagierte sich für soziale Verbesserungen in ihrem Unternehmen. Auf ihre Initiative gehen unter anderem der Bau eines Altenheims und eines Kindergartens in Fürth zurück. Außerdem setzte sie für die Quelle-Mitarbeiter eine fortschrittliche Altersruhegeldregelung durch, wie sie erst Jahre später gesetzlich verankert wurde. Für ihre Leistungen wurde Grete Schickedanz unter anderem mit dem Großen Bundesverdienstkreuz (1976) mit Stern (1981) und Schulterband (1991), dem Bayerischen Verdienstorden (1979), der Ehrensenatorwürde der Universität Tübingen (1978), der Professorenwürde der Republik Österreich (1981), der Goldenen Bürgermedaille von Fürth (1978) sowie der Ehrenbürgerwürde von Fürth (1981) und Hersbruck (1981) geehrt.

Als Gustav Schickedanz am 27. März 1977 gestorben war, übernahm seine Witwe die Leitung des Versandhauses Quelle. Im Frühjahr 1983 legte Grete Schickedanz ihre Führungs- und Aufsichtsämter nieder. Die unternehmerischen Interessen ihrer Tochter Madeleine Schickedanz wurden in der Folge durch deren ersten Ehemann Hans-Georg Mangold, den sie 1965 geheiratet hatte, übernommen, später vom zweiten Ehemann Wolfgang Bühler, der bis zur Scheidung im Jahre 1997 in der Unternehmensleitung tätig war. Ebenfalls in der Unternehmensleitung war von 1977 bis 1989 der Ehemann der Tochter Louise, Hans Dedi[11]. 1999 wurde Quelle in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Quelle Schickedanz AG & Co) und fusionierte mit dem Warenhauskonzern Karstadt AG zur KarstadtQuelle AG, ab 2007 Arcandor AG.

Nach Angaben des Arcandor-Konzerns wurde zum 1. Januar 2006 aus der Quelle AG die Quelle GmbH. Konrad Hilbers führte das Unternehmen als Vorsitzender der Geschäftsführung, ihm zur Seite stand der zweite Geschäftsführer Wolfgang Binder. Quelle war das größte Unternehmen der Arcandor-Versandhandelsgruppe Primondo, die seit März 2007 alle Versandhandelsaktivitäten des Konzerns bündelte.

Am 9. Juni 2009 reichte die Quelle GmbH Deutschland den Insolvenzantrag ein; am 16. November 2009 meldete die größte Auslandstochter, die Quelle AG Österreich, den Konkurs an. Die Namensrechte an Quelle wurden vom ehemaligen Konkurrenten, der Otto Group, gekauft.

Im August 2011 wurde unter der Webadresse www.quelle.de ein Online-Marktplatz eingerichtet, auf dem Händler ihre Waren anbieten konnten.[12] Wegen mangelnden Erfolgs wurde der Online-Marktplatz zum 1. Mai 2013 eingestellt. Seit 2. Mai 2013 ist www.quelle.de ein Universalversandhaus.

Standorte und Vertriebskanäle[Bearbeiten]

Das ehemalige Quelle-Versandzentrum in Leipzig-Mockau, 2008
Der 90 m hohe Quelleturm in Nürnberg, 2011

Das Unternehmen Quelle war zu weiten Teilen in Fürth und Nürnberg (Bayern) sowie in Leipzig (Sachsen) angesiedelt und beschäftigte europaweit etwa 8000 Mitarbeiter.[13] Dazu zählten die Mitarbeiter der Inlandstöchter (z. B. Profectis, Foto Quelle, SB–Gross Handels–GmbH) sowie die Töchter im Ausland (Estland, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Österreich, Rumänien, Russland, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Türkei, Ukraine und Ungarn).

Bis in die 1980er Jahre gehörte Quelle zu den damals fünf großen deutschen Warenhausketten. Standorte waren u. a. Fürth, Nürnberg, Berlin (Wilmersdorfer Straße und Karl-Marx-Straße), Hamburg (Elbe-Einkaufszentrum) und Bielefeld. Ein Teil der Häuser wurde ab Anfang der 1990er Jahre von der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH weitergeführt. Daneben wurden in rund 120 Städten Technikgeschäfte („Quelle-Technorama“) entwickelt, die später auch Teile aufgelöster Warenhäuser übernahmen. In den Warenhäusern und Technikgeschäften konnte das volle Sortiment aus den Katalogen bestellt und die Ware anschließend versandkostenfrei abgeholt werden (Bestellannahmen). Für den Vertrieb von mangelhaften und/oder Umtauschwaren aus dem Versandhandel wurden spezielle Ladenketten („Quelle-Fundgrube“) eröffnet.

Ein Großteil des Versandgeschäfts wurde über sogenannte Sammelbesteller abgewickelt. Quelle gab Rabatte, wenn sich mehrere Kunden oder Familien für die Versandbestellung zusammenschlossen. Daraus entwickelte sich ein stark vom Unternehmen geförderter besonderer Vertriebsweg, der schließlich zu privat geführten kleinen Ladengeschäften führte. Hohe Bedeutung hatte auch der Verkauf auf Kredit. Kleinkredite wurden von der angeschlossenen Bank (zunächst Noris Kaufhilfe, später Norisbank bzw. Noris Verbraucherbank GmbH) ohne größere Formalitäten und Sicherheiten gewährt.

Die Quelle GmbH unterhielt 18 Landesgesellschaften (inklusive Deutschland). Drei Töchter (Profectis, Foto Quelle und die SB–Gross Handels–GmbH) unterstützten das Kerngeschäft. Die Quelle GmbH war einer der größten Kunden der Deutschen Post AG, denn sie verfügte (im Gegensatz zu Hermes des Versandhauses Otto) über kein eigenes Lieferunternehmen für Pakete. Große Artikel, die nicht per Post verschickt werden konnten, wurden über Speditionen zum Kunden gebracht.

Quelle sah sich als Multi-Channel-Unternehmen mit den Vertriebskanälen E-Commerce, Katalog, Ladengeschäften, Mobiltelefon und dem Teleshopping-Kanal HSE24.

Ladengeschäfte[Bearbeiten]

Bekannt waren vor allem die Quelle-Partnerfilialen, ehemals als „Quelle-Agenturen“ bezeichnet. Ihre Zahl wurde seit 2004 von 6000 auf 1600 (Stand 06/2009) reduziert. Sie waren rechtlich selbständige Ladengeschäfte auf Provisionsbasis.

Kataloge[Bearbeiten]

Der Quelle-Hauptkatalog hatte in der Herbst/Winter-Saison 1999 eine Auflage von rund acht Millionen Exemplaren und kostete in der Herstellung 20 Millionen Euro.[14] Außerdem gab Quelle Deutschland über 20 Spezialkataloge heraus.

  • Foto-Quelle (Revue)[15]: einstmals laut Eigenwerbung das „größte Fotohaus der Welt“
  • Gesünder leben mit Medizin- und Pflegehilfsprodukten
  • Blumensträuße, ähnlich wie Fleurop, jedoch als Bestelldienst
  • Die neue Küche, Küchenkatalog und separater Einbaugerätekatalog
  • Mein Möbel-Discounter
  • Spiel mit, Spielwaren-Katalog
  • Meine Größe
  • Men’s Style
  • Madeleine (benannt nach Madeleine_Schickedanz, der Tochter der Inhaber)
  • Schmuck und Uhren
  • Mein Baby & ich

Dazu kamen neben Monatskatalogen unregelmäßig versandte Aktionskataloge mit reduzierten Preisen, Auslaufwaren und Restbeständen.

Stammkunden bekamen von Zeit zu Zeit Kataloge, die einen festen Einband (Hardcover) besaßen.

E-Commerce und Teleshopping[Bearbeiten]

Neben ihrem Katalog setzte die Quelle GmbH als eines der ersten deutschen Versandhäuser auf das Medium Internet. Im E-Commerce befand sich das Unternehmen im Wettbewerb mit Unternehmen wie Amazon.com oder Ebay. Zuletzt war im Internet ein deutlich breiteres und tieferes Sortiment als im Katalog erhältlich. Laut einer comScore-Untersuchung von 2007 lag Quelle im Internethandel in Deutschland auf dem dritten Platz, hinter Otto-Versand und Amazon.[16]

Auch über Mobiltelefon konnten Kunden auf quelle.de einkaufen und die Produkte direkt bestellen.

Über den Teleshopping-Kanal HSE24 vertrieb Quelle seit 2008 insbesondere Küchen. HSE24 gehörte – ebenso wie Quelle – zur Primondo-Gruppe.

Nahestehende Unternehmen[Bearbeiten]

Unter der Bezeichnung „Quelle“ firmierten neben der Quelle GmbH weitere Unternehmen, u. a. die in Linz ansässige Quelle AG, die in St. Gallen ansässige Quelle Versand AG, die in Essen ansässige Karstadt Quelle Information Services GmbH sowie weitere Unternehmen in der Dienstleistungs- und Immobilienbranche.[1]

Die Arcandor-Quelle-Insolvenz[Bearbeiten]

Geschlossene und geräumte Quelle-Filiale in Lübeck, November 2009

Am 9. Juni 2009 stellte Arcandor für sich und Quelle beim Amtsgericht Essen den Insolvenzantrag und beantragte Gläubigerschutz.[17] Für die Mitarbeiter galt eine dreimonatige Gehaltsweiterzahlung durch die Arbeitsagentur. Die Geschäfte sollten wie gewohnt weitergeführt werden.

Am 29. Juni 2009 vereinbarten hochrangige Vertreter der Bundesregierung und der Bundesländer Bayern und Sachsen, entgegen den Empfehlungen des Bundeswirtschaftsministers zu Guttenberg,[18] einen dringenden Massekredit für das Versandhaus in Höhe von 50 Millionen Euro. Den Kredit teilten sich zur Hälfte mit 25 Millionen Euro der Bund, das Land Bayern mit 20,5 Millionen und das Land Sachsen mit 4,5 Millionen Euro.[19] Dieser Kredit lief bis zum 31. Dezember 2009.[20] Der staatliche Kredit war notwendig geworden, um die Geschäfte fortführen zu können[21] und insbesondere den Druck des Herbst-Winter-Kataloges 2009 sicherzustellen, dessen Druck und Auslieferung von den Druckereien Schlott und Prinovis aufgrund Zahlungsunfähigkeit seitens Quelle zeitweilig ruhte.[22]

Am 1. September 2009 wurde das Insolvenzverfahren über der Quelle GmbH eröffnet und der Kölner Rechtsanwalt Klaus Hubert Görg zum Insolvenzverwalter bestellt. Am 19. Oktober 2009 teilte der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg nach Angaben der Financial Times Deutschland mit, dass das Versandhaus Quelle abgewickelt werden sollte. Als Grund nannte Görg, dass nach ergebnislosen Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren „Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr“ sähen. Für den Nachmittag des 20. Oktober 2009 kündigte Görg eine Mitarbeiterversammlung in Nürnberg an.[23][24] Formal wurde der Beschluss zur Liquidation auf einer Gläubigerversammlung am 11. November 2009 bestätigt.[25]

Folgen der Insolvenz[Bearbeiten]

Mit der Abwicklung des Unternehmens wurde durch einen vom 1. November bis kurz vor Weihnachten 2009 laufenden Ausverkauf der Lagerbestände durch Gewährung von großen Rabatten auf den Katalogpreis begonnen.[26][27] Der Verkauf über das Internetportal quelle.de wurde bereits am 30. November 2009 aufgrund angeblich zu hoher Kosten eingestellt, daraufhin wurden zum 1. Dezember 2009 1.300 Mitarbeiter arbeitslos.[28] Die im Zuge der Insolvenz verbliebenen ca. 30 Technikfilialen wurden nach deren Beteiligung am Ausverkauf kurz vor Weihnachten 2009 geschlossen.[29]

Das Versandhaus Otto bekundete im Oktober 2009 Interesse an den Primondo-Spezialversendern Baby-Walz, Elégance, Hess Natur und den Auslandstöchtern der Quelle GmbH.[30]

Da in der Region Nürnberg/Fürth in der Vergangenheit schon eine Vielzahl von größeren Unternehmen wie Grundig und AEG aufgegeben werden mussten, stand die Region vor einem neuen strukturellen Problem.[31][32] Als Folge der Firmenpleite rechnete die Stadt Fürth mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um mehr als fünf Prozent,[33] während Rainer Bomba, damals Leiter der Arbeitsagentur Bayern, einen Anstieg der Arbeitslosenquote in Nürnberg um über drei Prozentpunkte (von 8,8 auf 12 Prozent/ +36 Prozent) Anfang November prophezeite.[34] Zum 1. November mussten sich etwa 4000 Mitarbeiter bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos melden; für die Bewältigung dieses Ansturms auf die Bundesagentur wurde im Quelle-Versandhaus in Nürnberg eigens eine provisorische Außenstelle der Agentur für Arbeit eingerichtet.[35] Die Quelle GmbH hatte insgesamt zuletzt ca. 3300 Mitarbeiter. Die 4000 Mitarbeiter, welche im Raum Nürnberg ab Anfang November arbeitslos wurden, waren zu großen Teilen auch Mitarbeiter anderer Tochterfirmen von Primondo.

Auswirkungen bei DHL

Der Logistikpartner DHL der Deutschen Post AG kündigte an, als Konsequenz die Standorte in Bochum, Lehrte und Nürnberg vollständig zu schließen und Stellen in der Verwaltung in Frankfurt am Main abzubauen. Insgesamt waren etwa 960 Mitarbeiter betroffen.[36]

Auswirkungen bei ausländischen Firmen

Betroffen von der Insolvenz der Quelle GmbH war auch das österreichische Tochterunternehmen mit rund 1100 Mitarbeitern. Nachdem sich kein Investor für Quelle Österreich gefunden hatte, wurde am 16. November 2009 ein Konkursverfahren eröffnet.[37] Die ehemalige Landesgesellschaft wurde zerschlagen, das Onlineportal wurde von der Otto Group, die die Markenrechte an Quelle besitzt, mit Beginn des Jahres 2011 wiederbelebt.[38]

Infolge der Insolvenzen und der folgenden Verkäufe einiger Auslandsgesellschaften des Versandhauses sind viele ehemalige Quelle-Webseiten nicht mehr aufrufbar. Unter dem Namen Quelle hat die Otto Group neben dem österreichischen Onlineportal auch das schweizerische wiederbelebt, daneben führt der Konzern auch das russische Portal weiter. Die rumänische Adresse leitet auf Quick24 (S.C. Quick 24 Mail Order Services S.R.L.) weiter, die umbenannte ehemalige Landesgesellschaft von Quelle, die von einer rumänischen Investmentgesellschaft aufgekauft wurde.[39] Das Portal in Ungarn verweist auf Onlineportale der Otto Group in diesem Land.[40]

Auswirkungen bei Privileg

Am 3. November wurde der Verkauf von Waschmaschinen und Kühlschränken der Quelle-Eigenmarke Privileg eingestellt, da Lieferanten Eigentumsvorbehalte angemeldet und die an Quelle bereits gelieferten Geräte teilweise wieder abgeholt hatten. Insolvenzverwalter Görg sah sich gezwungen, beim Amtsgericht Essen drohende Masseunzulänglichkeit anzumelden.[41] Gegen den Insolvenzverwalter Görg wurde am 6. November von mehreren Quellelieferanten Strafanzeige erstattet, da er zugesicherte Zahlungen nicht getätigt haben sollte.[42] Ab 1. Dezember 2009 sollte in den Technik-Centern wieder weiße Ware unter den Markennamen verkauft werden, weil entsprechende Absprachen mit den Lieferanten getroffen werden konnten.

Verkauf von Unternehmensteilen[Bearbeiten]

Anfang November 2009 wurde bekannt, dass der Markenname Quelle mitsamt der Kundendaten für Deutschland und die mittelosteuropäischen Auslandsmärkte an die Otto Group verkauft wird. Als einzige Auslandstochter wird das Russlandgeschäft von Quelle ebenfalls an Otto verkauft und unter altem Namen weiterbetrieben.[43][44] Als Auflage für die kartellrechtliche Zustimmung wurde am 17. Februar 2010 verfügt, dass die mit übernommenen Quelle-Marken wie Universum, Webschatz oder Casamaxx weiterverkauft werden müssen und deren Käufer ebenfalls Zugriff auf die Kundendaten von Quelle erhalten. Davon ausgenommen ist nur die Marke Privileg.[45] Am 19. März 2010 hat die Otto Group mit der Wiederbelebung der deutschen Quelle-Internetpräsenz begonnen, die übergangsweise auf die unterschiedlichen Otto-Marken und deren Onlineportale verweist.[46]

Am 10. November teilte die Insolvenzverwaltung von Arcandor mit, dass der Teleshopping-Kanal HSE24 an den französischen Finanzinvestor Axa Private Equity verkauft wurde.[47] Die Callcenter in Cottbus und Emden, die auch für HSE24 das Geschäft betreuen, werden durch den Outsourcing-Dienstleister walter services aus Ettlingen übernommen.[48]

Die Marke Küchen-QUELLE wird mit dem vollständigen Geschäftsbetrieb, 150 Mitarbeitern und den dazugehörigen Küchenstudios mit Ausnahme von Hamburg[49] durch das Investorenkonsortium Franken der Unternehmer Alexander Fackelmann, Hannes Streng (BU) und zwei weiteren Gesellschaftern übernommen. Seit 20. November 2009 agiert der inzwischen deutschlandweit auf Küchenverkauf spezialisierte Betrieb als selbständige Küchen-Quelle GmbH.[50] [51]

Privileg, die Handelsmarke für Haushaltsgeräte, wird von der Otto Group an den US-amerikanischen Haushaltsgerätehersteller Whirlpool verkauft. Die exklusiven Vertriebsrechte für Deutschland und Österreich verbleiben allerdings bei Otto.[52]

Foto Quelle wurde Ende November 2009 von ORWO Net aus Wolfen übernommen.[53]

Am 18. Dezember 2009 wurde bekannt gegeben, dass der Service- und Reparaturanbieter Profectis, der den technischen Kundendienst bei Quelle gewährleistete, vom Servicedienstleister RTS Elektronik Systeme GmbH mit Sitz in Wolnzach in Oberbayern übernommen wird. Der Hauptsitz von Profectis verbleibt in Fürth.[54]

Die vier ausländischen Quelle-Gesellschaften in Polen, Tschechien, der Slowakei und dem Baltikum mit Estland und Lettland wurden am 21. Januar 2010 an den schwedischen Versandhändler Halens verkauft.[55] Der Versandhandel dort wird mittlerweile unter dem Namen Halens weitergeführt, die ehemaligen Onlineportale von Quelle sind nicht mehr aktiv.[56] Der rumänische Quelle-Versandhandel wurde an die Panatek Investment Group verkauft, die den Online-Versandhandel seit Oktober 2010 unter dem neuen Namen Quick24[39] fortführt. Quelle hatte in Rumänien die führende Position im Versandhandel inne.[57]

Im Februar 2010 wird bekannt, dass die Firma Dr. Hein aus Nürnberg beabsichtigt, den Quelle Spezialkatalog Gesünder leben weiter zu führen.[58] Der Start des Bereiches erfolgt in einem Stufenkonzept unter dem Namen Dr.Hein Gesundheitswelt offiziell am 30. November 2010 in Nürnberg.[59]

Nachdem schon die Markenrechte am Namen Quelle an die Otto Group verkauft wurden, übernimmt das Versandhaus auch die Schweizer Quelle-Gesellschaft nebst ihrer Schwestermarke Ackermann. Beide Portale sind seit Juli 2010 wieder aktiv und werden über das österreichische Tochterunternehmen von Otto, der Unito Versand & Dienstleistungen GmbH, geführt.[60] Die österreichische Tochter hat außerdem zum 1. Januar 2011 in Österreich mit einer neuen Quelle-Internetpräsenz den Versandhandel unter dem Markennamen Quelle wieder aufgenommen.[61] Der Neustart für quelle.de erfolgte am 10. August 2011 als Online-Marktplatz.[62] Dieser Marktplatz wurde zum 1. Mai 2013 mangels Erfolg eingestellt. Seit dem 2. Mai 2013 ist Quelle.de wieder ein Universalversandhändler mit dem Kernsortiment Technik und Möbel und wird ebenfalls, nach dem Erfolg in der Schweiz, von der "Unito Versand & Dienstleistungen GmbH" betrieben.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen und Belege[Bearbeiten]

  1. a b Arcandor Konzerngeschäftsbericht 2007/2008 (Seite 112) (pdf; 1,8 MB)
  2. http://www.excitingcommerce.de/2008/12/arcandor-versch.html
  3. Impressum der Website
  4. http://www.zeit.de/2003/24/Schickedanz_2fQuelle?page=all, abgerufen am 24. Oktober 2009
  5. Süddeutsche Zeitung vom 24. Juli 2009, S. 12
  6. Klaus-Dietmar Henke, Johannes Bähr, Dieter Ziegler, Harald Wixforth: Die Dresdner Bank im Dritten Reich. Band 2: Die Dresdner Bank und die deutschen Juden. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2006, ISBN 3-486-57781-6
  7. http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/06/14/madeleine-schickedanz-arcandor/hg-familie-schickedanz/mit-dem-quelle-katalog-wurde-sie-steinreich.html, abgerufen am 24. Oktober 2009
  8. http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=1242&RID=1, abgerufen am 19. Mai 2010
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPeter Zinke: „Er drohte wieder mit der Gauleitung“ – Gustav Schickedanz und die Arisierungen. In: nurinst 2008, ISBN 978-3-938286-34-0. S. 63-80, abgerufen am 24. Oktober 2009 (PDF; 145 kB).
  10. http://www.handelsblatt.com/quelle-wollen-waegen-wagen;1058340;3, abgerufen am 24. Oktober 2009
  11. Hans Dedi: Ein Quelle-Chef aus Murg. In: suedkurier.de, 23. Oktober 2009, abgerufen 18. Dezember 2012
  12. http://www.unternehmer.de/quelle-wird-von-otto-zum-leben-erweckt-120458
  13. quelle.com, abgerufen am 27. März 2009
  14. http://druck-medien.net/aktuell/newsdetail/article/9931-prinovis-druck-des-quelle-katalogs-angelaufen/home
  15. Archiv von Foto-Quelle-Katalogen, abgerufen am 6. August 2011
  16. IT Times: Deutschland liegt beim Internethandel zurück
  17. Arcandor stellt Insolvenzantrag
  18. http://www.bild.de/BILD/politik/wirtschaft/2009/10/20/versandhaus-quelle-pleite/gruende-fuer-den-ploetzlichen-tod.html, abgerufen am 24. Oktober 2009
  19. http://www.focus.de/finanzen/news/versandhandel-der-kredit-fuer-quelle-kann-fliessen_aid_415007.html, abgerufen am 24. Oktober 2009
  20. vgl. Notkredit für Quelle beschlossen (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung bei tagesschau.de, 29. Juni 2009
  21. http://www.focus.de/finanzen/news/versandhaus-massekredit-fuer-quelle-wird-ausgezahlt_aid_415825.html, abgerufen am 24. Oktober 2009
  22. http://www.focus.de/finanzen/news/versand-der-quelle-katalog-kommt_aid_416590.html, abgerufen am 24. Oktober 2009
  23. Financial Times Deutschland: Insolvenz – Quelle ist am Ende (Version vom 20. Oktober 2009 im Internet Archive)
  24. diepresse.com: Versandhaus Quelle vor dem Ende
  25. http://www.unternehmer.de/engultige-liquidation-des-traditionshauses-quelle-16134
  26. AD HOC NEWS: Lagerräumung» - (Aktualisierter ddp.djn-Infokasten) Quelle räumt die Lager - Kundenbestellungen werden ausgeführt
  27. merkur-online.de:Schnäppchen-Jäger aufgepasst: Am Sonntag beginnt Quelle-Ausverkauf
  28. stern.de vom 26. November 2009: Zu hohe Kosten: Quelle stellt den Internet-Ausverkauf ein
  29. http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:arcandor-pleite-bei-quelle-gehen-die-lichter-fuer-immer-aus/50052144.html (Version vom 31. Juli 2012 im Webarchiv Archive.today)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  30. Abwicklung trotz Staatshilfe – Bei Quelle ist vor Weihnachten Schluss (Version vom 24. Oktober 2009 im Internet Archive) - Financial Times Deutschland vom 19. Okt. 2009
  31. Unter Schock
  32. [3]
  33. http://www.welt.de/wirtschaft/article4925953/Bei-Quelle-laechelt-nur-noch-Madeleine-Schickedanz.html, abgerufen am 24. Oktober 2009
  34. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,656672,00.html, abgerufen am 24. Oktober 2009
  35. http://www.welt.de/wirtschaft/article4924428/Arbeitsagentur-richtet-Aussenstelle-bei-Quelle-ein.html, abgerufen am 24. Oktober 2009
  36. Deutsche Post: Nach Quelle-Aus drohen Stellenstreichungen bei DHL, abgerufen am 24. Oktober 2009
  37. http://www.konsument.at/cs/Satellite?pagename=Konsument%2FArtikel%2FDetail&cid=318866598080
  38. Kurier: Quelle-Packerln wandern ins Otto-Reich (Version vom 8. März 2010 im Internet Archive)
  39. a b Vorstellung der Umbenennung der Quelle Rumänien in Quick24. Abgerufen am 19. Oktober 2010.
  40. Homepage von Quelle in Ungarn. Abgerufen am 19. Oktober 2010.
  41. http://www.welt.de/wirtschaft/article5068548/Bei-Quelle-gibt-es-keine-Waschmaschinen-mehr.html, abgerufen am 6. November 2009
  42. http://www.welt.de/wirtschaft/article5111099/Quelle-Lieferanten-fuehlen-sich-von-Goerg-betrogen.html, abgerufen am 6. November 2009
  43. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,659484,00.html
  44. http://www.ottogroup.com/845.html?&L=1
  45. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/eu-kommission-otto-darf-quelle-marken-mit-einschraenkungen-nutzen;2530982
  46. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/zwischenloesung-otto-reaktiviert-quelle-website;2548930
  47. http://www.arcandor.de/de/presse/6666.asp
  48. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/insolvenzverwaltung-quelle-call-center-werden-uebernommen;2484929
  49. http://www.moebelkultur.de/index.php/news/10760
  50. http://www.arcandor.de/de/presse/6668.asp
  51. http://www.kuechen-quelle.de/Service/Wir-ueber-uns/
  52. http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:neustart-fuer-website-und-privileg-quelle-lebt/50093069.html#utm_source=rss&utm_medium=rss_feed&utm_campaign=/unternehmen (Version vom 27. März 2010 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  53. Pressemitteilung der ORWO Net GmbH, 27. November 2009 (PDF-Datei; 122 kB)
  54. http://www.profectis.de/Aktuelles.125.0.html#c512
  55. http://www.textilwirtschaft.de/news/topnews/pages/show.php?id=61507
  56. http://derstandard.at/1263705729886/Halens-Schwedischer-Versandhaendler-kauft-CEE-Quelle
  57. http://www.rumaenienwirtschaft.ro/u01042010.html
  58. Nürnberger Nachrichten vom 6. Februar 2010: Investor für Quelle-Spezialkatalog gefunden - Mittelständler will Versand von Gesundheitsprodukten fortführen
  59. http://www.dr-hein.com/
  60. http://www.textilwirtschaft.de/news/topnews/pages/Unito-fuehrt-Quelle-und-Ackermann-in-der-Schweiz-weiter_63613.html
  61. http://www.nachrichten.at/nachrichten/wirtschaft/art15,400290
  62. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Quelle-ist-wieder-da-als-Online-Marktplatz-1321207.html