Reich der Göktürken
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Das Reich der Göktürken (auch: erstes und zweites türkisches Reich) bestand von 552 bis 742 als Verbindung nomadischer Stämme mit einer ca. 50-jährigen Unterbrechung zwischen dem ersten und dem zweiten Göktürken-Reich, in der die Türken vom China der T'ang-Dynastie abhängig waren.[1] Das Reich der Göktürken erstreckte sich zeitweise von Kaspischen Meer bis zur Mandschurei und war der erste Staat in der Geschichte der zentralasiatischen Nomadenstaaten, dessen Staatssprache (hier: türkisch) aufgrund entdeckter Stelen zweifelsfrei identifiziert werden konnte.[2]
[Bearbeiten] Umfeld und Vorgeschichte
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Der am weitesten verbreitete Abstammungsmythos der Türken sah laut der chinesischen Schriftwerke Zhou shu und Pei shih eine Wölfin als Vorfahren an, die einen Jungen rettete, der der einzige Überlebende seines Stammes war. Aus der Vereinigung mit der Wölfin (Asena) gingen der Legende nach zehn Jungen hervor. Wissenschaftler brachten die Zahl „zehn“ mit den zehn Stämmen in Verbindung, aus denen das westtürkische Reich (der westliche Teil des ersten Göktürkenreichs) bestand.[3] (siehe dazu den Artikel über die Asena-Legende)
Die politische Struktur des Göktürken-Reiches war weit komplexer als die einer primitiven Stammesdemokratie. Um eine Schicht von militärischen Führern sammelten sich junge Männer, die unter der Führung des Kagans Beutezüge unternahmen. Dadurch war die föderal-demokratische Struktur eines Stammeszusammenschlusses unterlaufen. Der als heilig gehaltene Hakan war der religiöse, geistliche und legitime Führer des Verbands. Die Macht in dieser Gesellschaft wurde von einer Art Kriegerklasse getragen. Wie auch in anderen nomadischen Gesellschaften existierten im Göktürken-Reich Spuren älterer sozialer Formen. Klane konnten weiter existieren und die Frau spielte eine wesentlich bedeutendere Rolle als zum Beispiel in der islamischen Welt.[4]
[Bearbeiten] Das erste Göktürken-Reich
[Bearbeiten] Gründung
Im sechsten Jahrhundert erschien der von den Chinesen als „t'u-chüeh“ umschriebene und in der Eigenbezeichnung „türk“ genannte türkische Stamm in den chinesischen Annalen. Die Türk waren ursprünglich in Ost-Turkestan und dem Altai ansässig und übernahmen die Tradition und verwaltungstechnische Erfahrung ihrer Vorgänger. Die Türk waren geschickte Eisenschmiede und kontrollierten den wirtschaftlich strategischen Punkt, die Kreuzung zweier Handelswege: der eine führte am Altai vorbei und verband das Orchon-Tal im Osten mit dem Ili-Tal im Westen, der andere führte vom oberen Jenissei nach Süden zum Altai und Tianshan.[5]
Die Türk lebten unter der Oberhoheit der Juan-Juan (eine vorwiegend vermutlich altaische Großkonföderation). 520 kam es zu Thronstreit bei den Juan-Juan, der dazu führte, dass zuerst der unterlegene A-na-kuei später auch der überlegene Po-lo-men aufgrund eines Angriffs der vermutlich türkischen Gaoche Zuflucht bei den Chinesen suchten. Die Chinesen verhalfen mit der Strategie Divide et impera beiden Juan-Juan-Herrschern zur Macht. Po-lo-men war mit dem ihm zugewiesenen Gebiet nicht zufrieden und suchte nach Unterstützung bei den Hephtaliten. Er starb unter ungeklärten Umständen nach Gefangennahme durch die Wei (einem Nachfolgestaat der Tabgatsch). Unter Ausnutzung der Streitigkeiten versuchten die Gaoche 546 erneut, sich von der Oberherrschaft der Juan-Juan zu befreien. Die Türk benachrichtigten allerdings A-na-kuei und verhinderten somit einen Erfolg der Gaoche. Der Führer der Türk Bumin forderte nun den Juan-Juan-Herrscher A-na-kuei auf, eine seiner Töchter ihm zur Frau zu geben, was A-na-kuei allerdings ablehnte mit der Begründung, es sei unangemessen, dem Stamm, der der Großkonföderation als Schmiedesklaven diente, eine Prinzessin auszuliefern. Bumin fasste dies vermutlich als Beleidigung auf, er heiratete eine Prinzessin der West-Wei (ein Nachfolgestaat der Nord-Wei, die wiederum Nachfolger der Tabgatsch waren) und revoltierte gegen die Juan-Juan.[6]
Im Jahre 552 schlug Bumin das Herrscherhaus der Juan-Juan vernichtend und schaffte somit die Voraussetzung zur Gründung eines neuen Reiches. Bumin entstammte wie fast alle (Gök-)Türk-Herrscher dem Adelsgeschlecht der A-shih-na. Bumins Reich bestand von 552 bis 742.[7]
[Bearbeiten] Die Teilung in zwei Verwaltungseinheiten
Staatsgründer Bumin wurde zum ersten Regierenden (Khan) des gegründeten türkischen Reichs. Das türkische Reich wurde sehr bald nach seiner Gründung in zwei Verwaltungseinheiten geteilt (im Jahr 552 entweder bereits unter Bumin Kaghan oder unter seinem Nachfolger Kuo-lo Kaghan, dessen Name nur in seiner Umschreibung in chinesischen Quellen bekannt ist). Bei vorherigen zentralasiatischen Nomadenstaaten war eine sofortige Zweiteilung nach der Gründung der Fall gewesen. Der Westteil unterstand politisch dem Ostteil. Faktisch jedoch regierte der Herrscher des Westteils als unabhängiger Herrscher. Keine Quelle unterrichtet über die kurze Regierungszeit Bumins, der noch im Jahr der Reichsgründung - also 552 - starb. (Vgl. türkische Inschriften über Bumins und Iştämis Herrschaft)[8]
Kuo-lo regierte das Reich nur eine kurze Zeit (nur bis 553), sein Nachfolger war Bumins ältester Sohn Muhan. Muhan regierte also den Ostteil, sein Vertreter im Westteil, also der Yabghu des Göktürkenreichs, war Bumins jüngerer Bruder Iştämi. Den Westteil bildete das Gebiet westlich des Altai. Muhan regierte bis 572, Iştämi regierte bis 575.[8]
[Bearbeiten] Ereignisse im Ostteil (552 - 630)
Die Ereignisse im Ostteil haben zur Regierungszeit Muhans und der seines Nachfolgers Taspar nicht die gleiche welthistorische Dimension wie die Ereignisse im westtürkischen Reich erreicht. Muhans Möglichkeiten zur Expansion seines Staates wären im Westen nur auf Kosten des Bruderstaates der Westtürken zu realisieren gewesen.[8]
Im Süden des osttürkischen Reichs von Muhan befanden sich die Dynastien Nord-Qi und Nord-Zhou (ab 550 bzw. 557 waren beide Dynastien aus der Spaltung der Tabgatsch hervorgegangen), die in gegenseitige Kämpfe verwickelt und deshalb keine starken Gegner waren, im Osten befanden sich die offenbar mongolischen Kitan und im Norden befanden sich die Kirgisen. Muhan verheiratete eine seiner Töchter offenbar als diplomatische Geste an die Nord-Zhou und hatte damit die Hände frei für die Bekämpfung der Kitan und der Kirgisen. Die Kitan besiegte er im Jahr 560.[9]
Die 1956 entdeckte und 1971 entzifferte Bugut-Stele wirft Fragezeichen über den Nachfolger Muhans auf. Vermutlich hat einige Jahre Mahan Tegin regiert, bevor Taspar die Herrschaft über das Ostreich übernahm. Das Tegin bezeichnet einerseits einen Angehörigen der Familie des Khans und andererseits ist es die Bezeichnung für den ständigen Vertreter des Khans und für den vom Khan selbst eingesetzten Nachfolger. Vermutlich war Mahan Tegin nach der Herrschaft Muhans und vor der Herrschaft Taspars einige Jahre Khan über das Göktürkenreich.[9]
[Bearbeiten] Die Herrschaft Taspar Khans / Der Buddhismus
Nach Einsetzen von Religionsverfolgungen im Jahr 574 unter Kaiser Wu-ti in Nord-Zhou verließ der buddhistische Mönch Jinagupta Nord-Zhou. Er folgte einer Einladung Taspar Khans in das Osttürkische Reich und war damit wahrscheinlich der Mensch, der die buddhistische Gemeinde bei den Türken gründete. Auf Wunsch von Taspar Khan wurde zwischen 572 und 581 ein samgha (eine buddhistische Mönchsgemeinde) begründet, womit Taspar Khan offiziell den Buddhismus angenommen hatte.[10]
Zur Regierungszeit Taspars war das Göktürken-Reich nach innen wie nach außen noch stabil. Die beiden Nachfolgestaaten der Tabgatsch - Nord-Qi und Nord-Zhou - waren wahrscheinlich tributär abhängig vom Göktürken-Reich. Die Annalen der Sui-Dynastie - das Sui Shu - schreiben:
- In dieser Zeit (Taspars Regierungszeit) verfügte T'a-po (Taspars Name in chinesischen Quellen) über einige 100 000 Soldaten, und China fürchtete sich vor ihm. Sowohl die Nord-Zhou als auch die Nord-Qi wetteiferten, sich mit der Herrscherfamilie der T'u-küe durch eine Heirat zu verbinden; sie entleerten ihre Schatzkammern, um mit (den Kostbarkeiten) den T'u-küe zu dienern. T'a-po wurde immer anmaßender und pflegte zu seinen Untertanen zu sagen: Wenn nur meine beiden Söhne im Süden (die Kaiser von Nord-Zhou und von den Nord-Qi) weiter pietätvoll und gehorsam bleiben, brauche ich dann noch Armut zu befürchten?[11]
Nach Taspars Tod im Jahr 581 und dem Machtantritt seines Bruders Nivar sollte die Macht des ersten Göktürkenreichs zerbrechen. Zu den Gründen zählten Rivalitäten zwischen dem Ost- und dem Westteil des türkischen Reichs, Rivalitäten auch innerhalb des Ostteils, das ja die Hegemonialmacht über das Gesamtreich bildete. Zu den Gründen der Streitereien innerhalb des Ostteils zählten die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern und den Gegnern des Buddhismus im Herrscherklan. Ähnliche Spannungen waren auch Mitgrund der Spaltung der Tabgatsch. Zwischen 582 und 584 löste sich der Westteil unter dem Yabghu Tardu von der Vorherrschaft des Ostteils, was für die Osttürken ein psychologisches Moment war.[12]
[Bearbeiten] Niedergang des Osttürkischen Reichs
Tardu war zu seinem Schritt wohl durch den chinesischen Kaiser Wen ermuntert worden. Kaiser Wen hatte weite Teile Nordchinas in der Sui-Dynastie vereinigt und sah in der Schwächung der Türken eine wichtige Bedingung für das eigene Überleben. Anfänglich hatten beide Teile des türkischen Khaganats ein Bündnis mit China, doch nach der Vernichtung des Nord-Zhou-Reiches (ein Nachfolger der Tabgatschen) durch Kaiser Wen waren einige Tabgatschen an den Hof des Khans in das osttürkische Reich geflohen und versuchten die Türken zu überreden, ihnen bei der Rückeroberung ihrer Macht in Nordchina zu helfen.[12]
Die Sui griffen zum Trick des Zwietrachtsähens zwischen dem Ost- und dem Westtürkischen Reich, versuchten aber auch die Türken gegen die Tabgatsch aufzuhetzen. Die Auseinandersetzungen bei den Osttürken erreichten ein Ausmaß, dass Nivar Khan, der von 581 bis 587 regierte, die Macht von zweien seiner Vettern streitig gemacht wurde. Im Westen des osttürkischen Reichs kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Westtürken, im Osten zu Kämpfen mit den Kitan.[12] Nach Schwächung des östlichen Khaganats unterstützten die Chinesen nun Nivar Khan, denn Tardu im Westen könnte nach Schwächung des Ostteils zu stark werden und ein neues gesamttürkisches Reich - diesmal mit dem Westteil als Hegemonialmacht - gründen.[13]
Nivars Nachfolger war ab 587 Mu-ho-tua (Name nur aus chinesischer Überlieferung bekannt). Er tötete seinen Rivalen, aber starb selbst im selben Jahr seines Regierungsantritts. Auch sein Nachfolger T'u-lan (Name nur aus chinesischer Überlieferung bekannt), der von 587 bis 600 regierte, war mit einem Rivalen (namens T'u-lin) konfrontiert, der von China unterstützt wurde.[13]
Die Chinesen nahmen den unterlegenen T'u-lin und seine Anhänger auf, da diese Lostrennung T'u-lins und seiner Anhänger vom osttürkischen Reich eine mehrjährige Spaltung des osttürkischen Reichs zur Folge hatte. Im Jahr 600 schaffte es T'u-lin an die Macht über das gesamte osttürkische Reich. Unter seinem Sohn Shih-pi (609 - 619) kam es zur kurzlebigen Wiedererstarkung des osttürkischen Reichs - die Sui-Dynastie war mittlerweile selbst in dynastische Streitigkeiten verwickelt und sah sich erneut einer osttürkischen Gefahr ausgesetzt.[14]
624 kam es zu einem neuen Angriff der Osttürken gegen die Chinesen unter dem neuen Khan Hsieh-li. In China hatte mittlerweile die T'ang-Dynastie die Macht an sich gerissen, die den Angriff Hsieh-lis erfolgreich abwehrte. Schon sechs Jahre später griff Hsieh-li erneut China an. Die T'ang-Dynastie war unter Kaiser T'ai-tsung mittlerweile allerdings sehr stark geworden. Hsieh-li musste sich 630 nach seinem erfolglosen Angriff endgültig den Chinesen unterwerfen.[14]
[Bearbeiten] Inschriften über den Niedergang des osttürkischen Reichs
Die Köl-Tegin-Inschrift erzählt von der Größe und der Weisheit der ersten Kaghane und erwähnt, dass zur Bestattung der ersten Kaghane Gesandte der Chinesen, der Tibeter, der Awaren, aus Byzanz, von den Kirgisen kamen. Im Anschluss werden die späteren Kaghane kritisiert:
- Dann bestiegen die jüngeren Brüder den Thron, und die Söhne bestiegen den Thron. Aber offensichtlich ähnelten die jüngeren Brüder nicht ihren älteren Brüdern und die Söhne nicht ihren Vätern. So bestiegen Kaghane ohne Weisheit den Thron, schlechte Kaghane bestiegen den Thron. Und auch ihre Berater waren ohne Weisheit und schlecht. Da zwischen den Noblen und dem Volk keine Einigkeit herrschte und weil das chinesische Volk listig und falsch war, denn sie waren hinterhältig und spalteten jüngere und ältere Brüder und veranlassten die Noblen und das Volk, sich gegenseitig zu verunglimpfen. So ließ das türkische Volk seinen Staat, den es gegründet hatte, untergehen und ließ den Kaghan, den es auf den Thron gesetzt hatte, zusammenbrechen. Ihre Söhne, die Noble hätten werden sollen, wurden Sklaven und ihre Töchter, die noble Frauen hätten werden sollen, wurden Sklavinnen des chinesischen Volkes. Die türkischen Noblen gaben ihren türkischen Titel auf.[14]
[Bearbeiten] Ereignisse im Westteil (552 - 659)
Der erste Yabghu des Westteils war Iştämi, der von 552 bis 575 regierte. Ungefähr zehn Jahre nach seinem Amtsantritt kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Hephtaliten. In der Folge kam es zu einer Allianz zwischen dem sassanidischen Persien und den Westtürken: infolge dieser Allianz wurden die Hephtaliten von verschiedenen Seiten angegriffen und geschlagen. Anschließend flohen sie aus dem Gebiet (Badakhshan in Nordost-Afghanistan war ihr Zentrum), ihr Gebiet wurde zwischen den Türken und den Sassaniden aufgeteilt. Die Sassaniden bekamen Baktrien, das ihnen von den Türken aber wieder weggenommen wurde.[15]
Die Hinzugewinnung des hephtalitischen Gebiets bedeutete für die Türken den Zugewinn eines außerordentlich wichtigen wirtschaftlichen Faktors: die Kontrolle über einen signifikanten Teil der Seidenstraße.[15]
Die Seidenstraße führte von Kansu ca. 7000 km bis zum Schwarzen Meer. Südlich der Gobi ging es 2000 km bis Kumul, wo sich der Weg teilte. Einer der Wege führte nach Westen zum Tarim-Becken und den alten Stadtstaaten, der andere Weg führte nach Nordwesten (nördlich des Tianshan), dann nach Südwesten bis nach Samarkand, Buchara und Marw. Von Samarkand gab es Wege nach Baktrien und Indien, in die Reiche der Parther und Sassaniden, nach Anatolien und Syrien, nach Chwarezm, also östlich des Kaspischen Meer, nördlich des Schwarzen Meeres, also ein Weg, der nach Byzanz führte. Auf der Seidenstraße wurden Seide, Baumwolle, Gewürze und Drogen transportiert.[15]
Der Transport von Rohseide aus China und Textilverarbeitungen aus der Seide bildeten einen wichtigen Faktor im sassanidisch-byzantinischen Handel. Allerdings waren Persien und Byzanz seit 527 verfeindet und hatten mehrmals Krieg geführt. Das türkische Reich spielte nun eine wichtige strategische und wirtschaftliche Rolle: es könnte nach Gutdünken die Seidenstraße sperren und es könnte Byzanz helfen, das sassanidische Persien zu umzingeln. Das Byzantinische Reich versuchte also die Türken als Bündnispartner zu gewinnen.[16]
[Bearbeiten] Byzantinisch-türkisches Bündnis
Die Sassaniden waren sich dieser Gefahr bewusst und versuchten durch drastische Aktionen, den Türken zu demonstrieren, dass sie sich den Zwischenhandel nicht aus den Händen nehmen lassen wollten. Bei einer Aktion kauften die Perser die Waren sogdischer Kaufleute, die im Namen des türkischen Khans kamen, auf, verbrannten sie aber öffentlich demonstrativ. Eine andere türkische Handelsdelegation nach Persien war genauso erfolglos: mehrere Delegationsmitglieder wurden offenbar sogar getötet. Die Türken sahen sich nun veranlasst, direkten Kontakt zum Byzantinischen Reich herzustellen.[16]
Im Jahr 567 wurde im Namen des Khans eine Gesandtschaft nach Konstantinopel geschickt. Die Delegation wurde durch den Sogder Maniakh geleitet. Der byzantinische Kaiser Justin II. empfing Maniakh freundlich.[16]
In Byzanz wurde der türkischen Delegation zu ihrem Erstaunen chinesische Seidenraupe gezeigt - vermutlich wollten die Byzantiner damit ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit von den Türken demonstrieren. Andererseits ist das byzantinische Interesse an einem guten Kontakt mit den Türken dadurch besiegelt, dass mit der türkischen Delegation - die nach einem Jahr am byzantinischen Hof die Rückkehr antrat - ein Diplomat namens Zemarchos gesandt wurde, der 568 Gast am Hofe Iştämis war. In der Sommerresidenz Iştämis kam das türkisch-byzantinische Bündnis gegen das sassanidische Persien zustande.[17]
Zemarchos war beeindruckt von seinem Empfang und dem Prunk am türkischen Hof. Die wohl auf seinen Bericht beruhenden Schilderungen byzantinischer Autoren (Menander Protektor, Johannes von Ephesos) erzählen von einem goldenen Thron auf Rädern, auf dem der türkische Yabghu saß, über vergoldete Holzsäulen, Mengen von Silbergeschirr, einem goldenen Bett.[17]
Zwischen Byzanz und dem türkischen Kaghanat kam es bis 576 zu mehreren diplomatischen Kontakten, die beweisen, wie wichtig es den Byzantinern war, einen Verbündeten gegen die Sassaniden zu haben. Kaiser Tiberios entsandte Valentinos als Botschafter, der aber nicht mehr auf den 575 verstorbenen Iştämi sondern auf dessen Nachfolger, seinen Sohn Tardu, traf. Valentinos nahm an den Bestattungsfeierlichkeiten für Iştämi teil und berichtet über den Brauch, die Lieblingspferde des Khans zu töten und sich das Gesicht zu zerschneiden, was auch Valentinos mitmachen musste.[17] Insgesamt wurden die byzantinischen Hoffnungen aber enttäuscht, der Krieg gegen Persien zog sich bis 591 hin (siehe Römisch-Persische Kriege).
[Bearbeiten] Niedergang des Westtürkischen Reichs
Tardu zeigte sich verstimmt über das Bündnis der Byzantiner mit den Awaren, die er als unter dem türkischen Machtbereich stehend ansah. Die Auseinandersetzungen mit Byzanz unter Tardu nahmen bald kriegerische Formen an, die Türken pflegten aber auch ihre Feindseligkeiten gegen die Sassaniden. Tardu stieß 588/589 bis nach Herat vor, er konnte Herat nicht einnehmen, doch geriet das heutige Nordafghanistan mit den wichtigen Städten Kunduz und Balkh in türkische Abhängigkeit.[18]
Tardu gilt als Staatsmann ohne diplomatisches Geschick. Sein Wille zur Ausdehnung seines Machtbereichs führte zu Auseinandersetzungen mit Byzanz, den Sassaniden und sogar mit dem osttürkischen Khan: 584 sagte er sich vom osttürkischen Reich los, gegen die Osttürken ging er ein Bündnis mit Sui-China ein.[19]
Bei einem Aufstand der Töliş-Stämme kam Tardu ums Leben. Sein Reich wurde im folgenden Opfer innerdynastischer Rivalitäten. Tardus Enkel Shih-kuei erhielt den Westen des Westtürkischen Reichs, Ch'u-lo bekam den Osten. Da Ch'u-lo ähnliche Machtbestrebungen wie Tardu zeigte, entzogen die Chinesen ihre Unterstützung, so dass sich Shih-kuei durchsetzte.[19]
Shih-kueis Nachfolger T'ung shih-hu (618 - 630) schaffte es, den Machtbereich der Türken bis über den Oxus hinaus zu erweitern. Zu dieser Zeit erstreckte sich der Westteil vom Altai über den Hindukusch bis zum Kaspischen Meer. Nach dem Bericht des chinesischen Pilgerers Xuanzang bekundete T'ung shih-hu großes Interesse am Buddhismus. Xuanzang beschreibt das Leben am Hof des Khans T'ung shih-hu: der Khan bekleidete sich mit einem Mantel aus grünem Satin, ein langes Seidenband hatte er um den Kopf gewickelt, 200 Offiziere umgaben ihn, die Brokatmäntel trugen, der Khan hatte mehrere Pferde, Kamele und war mit Truppen gut ausgestattet.[19] Xuanzang beschreibt seinen Empfang als eine eindrucksvolle Zeremonie. T'ung- shih-hu starb 630 während eines Aufstands der Karluk. Es kam zu Machtkämpfen zwischen den zehn westtürkischen Stämmen, in deren Folge es den Chinesen 657 gelang, das westtürkische Gebiet in zwei chinesische Protektorate aufzuteilen.[20] 659 wird das westtürkische Reich von China endgültig einverleibt.[21]
[Bearbeiten] Westwanderung verschiedener Stämme
Im Zuge der Auflösung des westtürkischen Reichs wanderten verschiedene Stämme Richtung Westen - zu den bedeutendsten gehören die Chasaren, die am Asowschen Meer einen Staat errichteten.[21]
[Bearbeiten] Das zweite Göktürken-Reich (682–742)
Die Rückgewinnung der türkischen Souveränität ab 682 kam nach mehreren Hürden zustande: chinesische Quellen berichten von mehreren Aufständen türkischer Stämme - Überfälle, Plünderungen, die aber immer wieder erfolgreich niedergeschlagen werden konnten. Verschiedene Faktoren führten zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit:
- mit Kutluğ (Ku-tuo-lu chinesischer Quellen) trat ein türkischer Stammesführer hervor, der sich innerhalb seiner Föderation durchsetzen konnte
- die T'ang waren mittlerweile geschwächt; die Tibeter hatten 670 das Tarim-Becken in ihre Gewalt gebracht und dabei den Chinesen schwere Niederlagen zugefügt; dynastische Streitigkeiten hatten begonnen[22]
Kutluğ wurde unter dem Ehrennamen Eltäriş Khan (der Reichssammler) vom Heerführer Tonjukuk eingesetzt.[23][22] Tonjukuk war der Berater von Eltäriş. Eltäriş entstammte dem Adelsgeschlecht der A-shih-na,[22] während Tonjukuk dem Clan der A-shih-te entstammte.[24]
Für die staatliche oder nationale Bewusstseinswerdung der Türken hatten vermutlich die verschiedenen Kontakte mit Menschen unterschiedlichen ethnischen Ursprungs oder unterschiedlicher Religionen im T'ang-China Einfluss: vertreten war der Manichäismus, der Mazdaismus, das nestorianische Christentum. Die ersten Juden und die ersten Muslime waren da und natürlich die Sogder.[25]
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Ab 681 tat sich Karakhan Türgesh-Khan Idat Shad, ein Führer des Aschina-Klans, hervor, den die Geschichte heute als „Kutluk Ilteris“ kennt. Dieser war einst Söldner in chinesischen Diensten gewesen und stand dem Stamm der Schwarzen Türgesch vor. Er und dessen Bruder Bökö Chor gründeten nun das zweite Göktürkenreich, das in der türkischen Turkologie meist nur als „Karluken-Herrschaft“ (türkisch: Karluk Devleti) bezeichnet wird und das in der westlichen Geschichtsschreibung als „Reich der Ilig-Khane“ bekannt ist. In diesem Reich spielte in der Tat der Karluken-Stamm die tragende Rolle, da sich auch die übrigen Türgesch ihnen schnell unterwarfen. Dieses neue Türkenreich kontrollierte nach zahlreichen Kriegszügen die Steppen von der Großen Mauer bis zu den Außenposten der (seit 705 nach Transoxanien vordringenden) Araber. Das Zentrum war die Gegend des Changai-Gebirges.
Zwar musste Ilteris 681 eine herbe Niederlage gegen die Chinesen einstecken, doch seinem persönlichen Erfolg tat diese keinen Abbruch. Ab 682 begann er mit 16 verbündeten Stämmen die Göktürken zu vereinen. Einen Verbündeten hatte er in Tonyukuk, der dem verwandten „Ashite-Klan“ vorstand und den er zum „Apatar-Khan“ ernannte – zum obersten Befehlshaber seiner Truppen.
In der Zeitspanne zwischen 683 und 687 unterwarf er die meisten Stämme des alten Ostreiches, nur der Tolu Herrscher Hushile Khagan konnte sich mit einigen Stammesangehörigen nach China flüchten.
Als Ilteris 691 verstarb, wurde sein Bruder Bökö (reg. 692-716) auf einer Kuriltai der Stämme zum Oberhaupt des Reiches ernannt und er nahm nun den Namen „Kapagan Khan“ an. Dieser hatte unter anderem eine chinesische Erziehung genossen und war dem entsprechend dort als „Moch’o“ bekannt. In dessen Regierungszeit gedieh noch einmal das erneutere Göktürken-Reich.
Er stand dem Reich nur als Vormund seines Neffen Kül-Tegin vor, der damals sechs Jahre alt war. Nur deshalb kann man sich erklären, das Kapgan nicht den Khagan-Titel annahm. Ihm unterstellten sich unter anderem die Stämme der Karluken und Oghusen freiwillig und 699 war das Westreich wieder mit dem Ostreich vereinigt. Aber auch nichttürkische Völker wie die Kitan wurden unterworfen.
Zwar führte Kapagan ein hartes Regiment über die Völker seines Reiches. So kam es erneut 711/12 zu Unruhen unter den Völkerschaften der Basmilen und Teilen der On-Oq. Doch im Großen und Ganzen blühte nun im Göktürkenreich der Wohlstand.
Im Kampf gegen die muslimischen Araber, die ab 705 Mittelasien überrannten, war er weniger erfolgreich, Kül-Tegin wurde hier bei Buchara blutig zurückgeschlagen. Um 715 kam es auch zum endgültigen politischen Bruch zwischen den beiden Türkenreichen. Unter der Führung der „Karachane“ und der Türgesch sagte sich das Westreich erneut vom Ostreich los und ging nun eigene politische Wege. Ihr erster Führer war Sulu Khan (reg. 717-734), der erneut Kämpfe gegen die Araber führte.
Dabei kam es nun zu einer folgenschweren Entwicklung: Im Ostreich begannen die Oghusen langsam westwärts zu wandern und sich im Gebiet der alten Oguren nieder zu lassen. Dort kam es zur Vermischung beider verwandter turkstämmigen Völkerschaften. Im Ostreich blieb nur noch eine kleine oghusische Minderheit als Herrscherschicht über die mongolischen und tungusischen Völker.
Auf einer Strafexpedition gegen jene Stämme, die von den Tang-Chinesen gegen ihn aufgehetzt worden waren, verlor Kapagan sein Leben: 716 wurde er nördlich des Tula heimtückisch von Angehörigen des Bayırqu-Stammes ermordet.
Mit dem plötzlichen Tode Kapagans drohten neue Wirren. Besonders tat sich da Ilteris’ Sohn Kül-Tegin hervor. Fugiuy-bogiu Kuchuk-Khan ernannte sich 716 zum Herrscher der Göktürken. Doch wurde auf einem Friedens-Kuriltai nicht er oder Kül-Tegin, sondern Kutluq Bilge-Kül (ein anderer Sohn Ilteris’) zum Khagan ausgerufen. Dieser holte sich jedoch Tonyukuk Apartar-Khan und Kül-Tegin als Berater an seine Seite, damit war der Frieden im Reich wieder formal hergestellt. (Mit diesem Herrscher begann auch der eigentliche politische Aufstieg der späteren Uyghuren.)
Kutluq Bilge-Kül veränderte erfolgreich die Kriegstechnik: Die erfolgreichste Kriegstruppe stellten die berittenen Bogenschützen. Die besten Schützen durften weiße Falkenfedern an ihren Helmen tragen. Entschlossen und hoch diszipliniert griffen sie in einer Pfeilformation ihre Gegner an. Dabei trugen sie Rüstungen aus hartem Leder oder aus Metall. Kutluq Bilge-Kül warb darüber hinaus Söldner aus anderen Völkerschaften an, so dass in seinen Reihen sowohl Türken als auch Mongolen, Tanguten und zahlreiche Chinesen kämpften.
Kutluq Bilge-Kül dehnte ab 717 den Machtbereich des Göktürkenreiches immer weiter aus: Er unterwarf nun alle Gebiete bis zum Syr-Darja im Westen, im Osten reichte sein Machtbereich bis in die chinesische Provinz Shandong und im Süden bis Tibet. Auch die Stämme der Tula-Region konnte er schließlich unterwerfen, was seinen Vorgängern Idat und Kapagan nicht gelungen war.
Kutluq Bilge-Küls Reich umfasste nun wieder um die 18 Millionen km² und hatte im Wesentlichen jene Ausmaße erreicht, die das Reich der Xiongnu aufgewiesen hatte. Er führte nun jenes Banner ein, das heute als Sinnbild der Göktürkenherrschaft gilt: ein blaues Tuch, dem mittig ein Wolfskopf aufgelegt war. (Bei den Göktürken im Ostreich war der Wolfskopf in gold-gelber und bei denen im Westreich in mattgrüner Farbe gehalten. Gerade die letztere Variante ist heute zum Sinnbild des Göktürken-Reiches geworden.)
Das Reich der Göktürken umfasste nun die Gebiete vom Schwarzen Meer bis China und vom Altai bis zum Hindukusch. Es bestand also nicht nur aus Steppe, sondern auch aus Wüste.
Der Rang des Khagan hatte sich nun verändert: Ursprünglich nur ein untergeordneter Führertitel (der weit unter dem alten Titel des „Shanyu beziehungsweise des „Tanhu“ stand), war er nun für die späten Göktürken ein Halbgott. Sein Zelt, die Jurte, bestand aus reich bestickter roter Seide.
Im Sommer zog nun der Herrscher Kutluq Bilge-Kül mit seinem Hofgefolge in die üppigen Weidegebiete des Nordens und im Herbst wieder nach Süden.
731 verstarb nun Kül-Tegin und so stieg Tonyukuk zum alleinigen Ratgeber Kutluq Bilge-Küls auf. Diese Tatsache ist in den Inschriften des Tonyukuk belegt. Doch war Kutluq Bilge-Kül kein langes Herrscherdasein beschieden, denn bereits 734 wurde er vergiftet. Aber er konnte noch auf dem Totenbett die Hinrichtung seiner Mörder und deren Anstifter miterleben. Es waren Angehörige des Basmil-Stammes, der dadurch in Ungnade fiel.
Auf der Kuriltai setzten 734 die Anhänger Bilge-Küls die Wahl seines Sohnes Yiran durch. Doch dieser verstarb noch im selben Jahr, so dass dessen minderjähriger Sohn Bilge Kutluq-Tengri zum Herrscher bestimmt wurde. Als dessen Vormünder wurden ihm zwei seiner Onkel zur Seite gestellt, in deren Händen die wahre Macht lag. Der „linke Schad“, Il-Itmysh Bilge-Khan, herrschte über den Westen, der „rechte Schad“, Ozmysh Khan, über die Gebiete des Ostens; das Göktürkenreich drohte erneut in zwei unabhängige Teilreiche zu zerfallen.
Als 740 Tang-China die Herrschaft Tengris über die Osttürken anerkannt hatte, lud dessen Mutter Pofu Il-Itmysh Bilge, den „linken Schad“ der Westtürken, zu einer Kuriltai ein. Dort kaum eingetroffen, wurde dieser von der Leibgarde der Mutter ergriffen und enthauptet. Die Westtürken unterstellten sich darauf hin Tengri, der sich nun den Namen des „Oghus Khan“ zulegte. Doch dieser Verrat der Mutter brachte eine schreckliche Folge mit sich: Der andere Onkel, Ozmysh Khan, der „linke Schad“ der Ostgebiete, sah sich mit der Namensgebung Tengris in seiner Macht bedroht und er griff nun 741 Tengri an und ermordete diesen.
Ozmysh Khan gedachte nun, die Nachfolge Tengris anzutreten. Unter dem Namen „Wusumishi“ nahm er den Khagan-Titel an, doch er war ein unbeliebter Herrscher. Vor allem die Stämme des Westens verabscheuten ihn, und die Basmil galten als dessen ärgste Feinde. 744 einigten nun die Karluken die Stämme der Basmil und Oghusen und griffen Ozmysh an. Dieser wurde bei den Kämpfen getötet und mit dessen Tod ging das zweite Göktürkenreich zu Ende.
Bomei-Tegin Khan, der Bruder des 744 ermordeten Ozmysh Khagan, versuchte zwar noch als „Bomei Khagan“ die Macht im Ostreich an sich zu reißen, doch konnte er bereits 745 von Angehörigen der Uyghuren ermordet werden.
Karluken, Oghusen und Basmilen gründeten nun auf dem Boden des Ostreiches das Uyghurische Reich.
Erster Herrscher aus dem „Uyghuren-Geschlecht“ war der chinesische Söldner Gulipeiluo. Dieses Reich sollte von 744 bis 840 bestehen. Gulipeiluo nahm nun den Titel „Kutluq Bilge-Kül Khagan“ an und machte die Stadt Kara Balgasun (am oberen Orchon, das alte Ordu Balyk und spätere Karakorum, zum Zentrum seines Reiches. Die Karluken hatten schließlich in Kuz Ordu, dem heutigen Balasagun, ihren Hauptsitz.
Die Karluken schufen als erstes türkisches Volk in der Geschichte eine einheitliche Amtssprache, die bis zum persischen Choresm-Reich ausstrahlte und heute entweder als „Karluk-Choresmisch“ oder als „Karluk-Uigurisch“ bezeichnet wird.
[Bearbeiten] Nachgeschichte
Die Kriterien, die nach Ethnologen eine Ethnie ausmachen, trafen auf die Bevölkerung des Göktürkenreichs weitgehend zu. Nach dem Zusammenbruch des Göktürkenreichs zerstreuten sich die türkischen Stämme. Verschiedene ethnische Gemeinschaften entwickelten sich oder wiedererschienen auf der Geschichtsbühne, z.B. die Oghusen oder die Kiptschaken. Sie bewahrten Elemente der göktürkischen Kultur auf, aber wuchsen in neue Richtungen. Diese Prozesse werden in Mahmud al-Kashgharis Darstellung der türkischen Welt reflektiert. Nach Zusammenbruch des Reichs Dschingis Khans geschah ein ähnlicher Prozess. Dieses Mal lösten sich etablierte Stammesgemeinschaften aber auf und bildeten neue Konföderationen, welche mit der Zeit zu den modernen Völkern wurden.[26]
[Bearbeiten] Fürstenliste der göktürkischen Herrscher
[Bearbeiten] Erstes Göktürken-Reich
Anmerkung: Kursiv notiert sind die Namen der Herrscher (Khans), mit denen sie in chinesischen Quellen benannt wurden. Die türkischen Originalnamen sind seit der Auffindung verschiedener türkischer Stelen bekannt (Orchon-Runen, Bugut-Stele etc.) Wenn der türkische Name nicht aufgeführt ist, ist er bis heute unbekannt. (Stand: Scharlipp 1992)
[Bearbeiten] Ostteil des ersten Reichs (552 - 630)
- Kuo-lo (552 - 553)[8]
- Muhan (553 - 572)[8]
- evtl. Mahan Tegin (vermutlich eine kurze Zeit als Khan, später Stellvertreter von Taspar Khan)[9]
- Taspar (T'a-po, 572 - 581)[11]
- Nivar (Sha-po-liu, 581 - 587)[12]
- Mu-ho-tua (587 - 587)[13]
- T'u-lan (587 - 600)[13]
- T'u-lin (600 - 609)[14]
- Shih-pi (609 - 619)[14]
- Hsieh-li (619 - 630)[14]
- Einverleibung durch China (630)
[Bearbeiten] Westteil des ersten Reichs (552 - 659)
Die Verwalter des Westteils trugen bis Taspars Tod 581 den Titel Yabgu.
- Iştämi (552 - 575) [8]
- Tardu (575 - 603)[28]
- Shih-kuei (603 - 618, regiert den Westen des Westteils) / Ch'u-lo (regiert kurze Zeit den Osten des Westteils)[19]
- T'ung shih-hu (618 - 630)[19]
- Machtkämpfe zwischen den zehn Stämmen des Westtürkischen Reichs (630 - 657)[21]
- Tu-lu (633 - 634)[29]
- Tu-lu (638 - 653, nicht zu verwechseln mit vorhergehendem Tu-lu)[30]
- Aufteilung des Westtürkischen Reichs in zwei chinesische Protektorate (657 - 659)[21]
- Einverleibung durch China (659)
[Bearbeiten] Zweites Göktürken-Reich
- Kutluğ; erhielt später den Ehrennamen Eltäriş (Ku-tuo-lu)[22]
- Kapağan (Mo-ch'uo)[31]
- Fugiuy-bogiu Kuchuk-Khan (716)
- Kutluk Bilge-Kül Khan <=> Mogilian Bilge-Kül (716-34; ermord.)
- Yollyg-Tegin Izhan-Khan (734-39)
- Bilge Kutluk Tengri-Khan (739-41)
- ??
- Siuan Khan (741)
- Il-Itmysh Bilge-Khan (741-42)
- Ozmysh Khan (742-43)
- Bomei-Tegin Khan (743-45)
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Quellen und Belege
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S. 30
- ↑ Denis Sinor The legendary Origin of the Türks, in Egle Victoria Zygas, Peter Voorheis Folklorica: Festschrift for Felix J. Oinas, S. 223
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S. 18
- ↑ Michael Neumann-Adrian/Christoph K. Neumann: Die Türkei. Ein Land und 9000 Jahre Geschichte, München 1990, S. 152
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S. 12, S. 18
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S. 11f.
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S. 18f., S. 30, S. 133
- ↑ a b c d e f Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.19
- ↑ a b c Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.20
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S. 20f.
- ↑ a b Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.21f.
- ↑ a b c d Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.22
- ↑ a b c d Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.23
- ↑ a b c d e f Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.24
- ↑ a b c Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.25
- ↑ a b c Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.26
- ↑ a b c Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.27
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.27f.: Der chinesische Pilgerer Xuanzang berichtet, dass in diesem Gebiet ein Angehöriger des westtürkischen Herrscherhauses regierte.
- ↑ a b c d e Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.28
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.28, S. 29
- ↑ a b c d Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S. 29
- ↑ a b c d Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.30
- ↑ Edith G. Ambros/P. A. Andrews/Çiğdem Balim/L. Bazin/J. Cler/Peter B. Golden/Altan Gökalp/Barbara Flemming/G. Hazai/A. T. Karamustafa/Sigrid Kleinmichel/P. Zieme/Erik Jan Zürcher, Artikel Turks, in Encyclopaedia of Islam, Brill, digitale Edition, Abschnitt 1.1 The pre-Islamic period: the first Turks in history and their languages
- ↑ Denis Sinor The legendary Origin of the Türks, in Egle Victoria Zygas, Peter Voorheis Folklorica: Festschrift for Felix J. Oinas, S. 231
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.31
- ↑ Peter B. Golden An Introduction to the History of the Turkic Peoples: Ethnogenesis and State-Formation in Medieval and Early Modern Eurasia and the Middle East, S. 2
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.18f.
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.27
- ↑ Denis Sinor The legendary Origin of the Türks, in Egle Victoria Zygas, Peter Voorheis Folklorica: Festschrift for Felix J. Oinas, S. 228; Édouard Chavannes Documents sur les Tou-kiue (Turcs) occidentaux, 1903, S. 27
- ↑ Denis Sinor The legendary Origin of the Türks, in Egle Victoria Zygas, Peter Voorheis Folklorica: Festschrift for Felix J. Oinas, S. 227
- ↑ Wolfgang-Ekkehard Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien, S.38
[Bearbeiten] Literatur
- Édouard Chavannes Documents sur les Tou-kiue (Turcs) occidentaux, St. Petersburg 1903 (Nachdruck Paris 1941)
- René Giraud L'Empire des Turcs Célestes. Les Règnes d'Elterich, Qapghan et Bilgä (680-734), Paris 1960
- René Grousset Die Steppenvölker. Attila, Dschingis Khan, Tamerlan, Magnus-Verlag, Essen 1975
- Elcin Kürsat-Ahlers Zur frühen Staatenbildung von Steppenvölkern. Über die Sozio- und Psychogenese der eurasischen Nomadenreiche am Beispiel der Xiongnu und Göktürken, mit einem Exkurs über die Skythen, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-07761-X
- Ali Kemal Meram Göktürk İmparatorluğu, Istanbul 1974
- Edward H. Parker A thousand years of the Tartars, Routledge, London 1996, ISBN 0-415-15589-4
- Wolfgang E. Scharlipp Die frühen Türken in Zentralasien. Eine Einführung in ihre Geschichte und Kultur. Darmstadt 1992, ISBN 3-534-11689-5
- Wolfgang Scharlipp Kurzer Überblick über die buddhistische Literatur der Türken, in Materialia Turcica 6, 1980, S. 37-53
- Denis Sinor Inner Asia. History - Civilisation - Language. A syllabus, Bloomington 1969
- Denis Sinor (Hrsg.) The Cambridge History of Early Inner Asia, CUP, Cambridge
- 1. - From the earliest times to the rise of the Mongols, 1990, 1994, ISBN 0-521-24304-1 (bis jetzt nur dieser Bd. erschienen)

