René Girard (Fußballspieler)

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René Girard (2012)

René Girard (* 4. April 1954 in Vauvert, Département Gard) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler und heutiger -trainer.

Der Spieler[Bearbeiten]

Die Vereinskarriere[Bearbeiten]

René Girard stammt aus dem Languedoc. Er spielte als Jugendlicher bei Nîmes Olympique, dessen Trainer Kader Firoud den 18-jährigen Mittelfeldspieler erstmals in der Saison 1972/73 in der Erstligaelf einsetzte. Unter Firoud, der schon bald nicht mehr auf Girards Mitwirkung verzichten wollte, „entwickelte er sein fußballerisches Rüstzeug“.[1] Der Klub gehörte in dieser Zeit allerdings nicht mehr zu den Spitzenteams der Division 1 und belegte durchgehend nur noch einen Platz in der Tabellenmitte.

1980 unterschrieb Girard einen Vertrag bei den Girondins Bordeaux. Dort etablierte er sich als „Wasserträger“ mit großem Aktionsradius an der Seite des Mittelfeldregisseurs Jean Tigana ebenfalls in der Stammelf, allerdings mit dem Unterschied, dass er in Bordeaux auch maßgeblich dazu beitragen konnte, in Meisterschaft und Pokal die Titel zu gewinnen, die ihm in Nîmes versagt geblieben waren. Girard, „athletisch, technisch gut ausgestattet und immer auf das mannschaftliche Zusammenwirken bedacht“,[1] wurde schnell fester Bestandteil des Teams, zu dem in der Abwehr Marius Trésor, Patrick Battiston und Gernot Rohr, im Mittelfeld neben Tigana auch Alain Giresse gehörten. Sein Trainer Aimé Jacquet verzichtete ab 1981 nur noch dann auf Girard, wenn dieser verletzt war. Dazu zählten auch die regelmäßigen Auftritte in den Europapokalwettbewerben, in denen die Bordelais ab 1981 alljährlich vertreten waren.

Nur gut ein Jahr nach seinem Wechsel wurde er auch erstmals in die Nationalelf berufen. Im Verein wurde er nach einer Vizemeisterschaft 1983 mit seinem Team 1984 und 1985 französischer Meister, gewann 1986 den Landespokal und schaffte 1987 den Doublé, also den Gewinn beider großer Wettbewerbe. Ein Jahr später beendete er, noch einmal Vizemeister geworden, seine Zeit bei Girondins Bordeaux und kehrte nach 16 Erstligaspielzeiten zum inzwischen zweitklassigen Nîmes Olympique zurück, für das er noch drei Jahre spielte. Girard war auch noch an dessen Aufstieg in die Division 1 (1991) beteiligt, bevor er, 37-jährig, auf die Trainerbank wechselte.

Spielerstationen[Bearbeiten]

  • Nîmes Olympique (1972–1980)
  • Girondins de Bordeaux (1980–1988)
  • Nîmes Olympique (1988–1991, in der D2)

Der Nationalspieler[Bearbeiten]

René Girard hat zwischen Oktober 1981 und Juli 1982 sieben Länderspiele für die Équipe tricolore bestritten. Bei der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien gehörte er zum französischen Aufgebot und bestritt fünf der sieben französischen Begegnungen; allerdings wurde er dreimal (darunter das Zwischenrundenspiel gegen Österreich) erst in den allerletzten Minuten eingewechselt und fehlte beim Halbfinale gegen Deutschland ganz. Sein einziges Länderspieltor gelang ihm dann im Spiel um Platz 3; dieser frühe Führungstreffer konnte die 2:3-Niederlage gegen Polen aber auch nicht verhindern.

Der Trainer[Bearbeiten]

Schon ein halbes Jahr nach seinem letzten Spiel in der Ligaelf sprang René Girard im Januar 1992 als Cheftrainer bei Olympique ein und half entscheidend beim Klassenerhalt mit. Anschließend schien er sich aus dem Ballsport zurückziehen zu wollen und eröffnete einen kleinen Laden für Zeitungen und Tabakwaren in Nîmes. 1996 wurde er dann allerdings Cheftrainer beim Amateurclub FC Pau (bis Dezember 1997), anschließend beim Erstligisten Racing Strasbourg (Rückrunde der Saison 1997/98), wo er erneut den Klassenerhalt sichern half.

Nach dem WM-Gewinn der Bleus wurde er 1998 Co-Trainer der französischen A-Elf (bis 2002), hatte sich nach Roger Lemerres Rücktritt wohl auch Hoffnungen auf den Chefsessel gemacht, übernahm dann aber die Leitung der französischen U19- (2002/03), anschließend der U16- (2003/04) und danach der U21-Nationalmannschaft (Espoirs). Mit Letzterer stieß er im Sommer 2006 bei der Europameisterschaft in Portugal nach Zu-Null-Siegen über den Gastgeber, die deutschen und die serbischen Junioren bis ins Halbfinale vor, in dem die Niederlande das bessere Ende für sich hatten (2:3 nach Verlängerung).

Als er im April 2008 von der Fédération Française de Football durch Erick Mombaerts ersetzt und stattdessen mit der U-18 betraut werden sollte, beendete er sein Engagement für den Fußballverband. Nach einem Jahr der Suche[2] übernahm er die Erstligaelf des Aufsteigers HSC Montpellier. Diese führte er 2011 in das dann verlorene Endspiel des Ligapokals und im Mai 2012, zur großen Überraschung der Fachwelt, zum Gewinn des französischen Meistertitels.[3]

Seit 2013 trainiert er den OSC Lille,[4] den er in der Saison 2013/14 hinter den deutlich finanzstärkeren Paris SG und AS Monaco auf den dritten Rang im Endklassement und damit erneut in die Champions League führte. Dennoch musste er sich jüngst mit der Kritik auseinandersetzen, gerade der LOSC spiele extrem defensiv und unattraktiv; so gab es häufige 1:0-Siege. Girard entgegnete, dass Lille „in England Beifall für seine Spielweise“ erhielte.[5] – Zum Ende der Spielzeit 2014/15 löste Lille den Vertrag mit Girard „im Einvernehmen mit dem 61-jährigen Coach“ auf.[6]

Girards Temperament und Engagement bringen ihn wiederholt mit Schiedsrichtern in Konflikt. So wurde er seit 2009 bereits in sieben Punktspielen auf die Tribüne verbannt.[7]

Palmarès[Bearbeiten]

als Spieler[Bearbeiten]

als Trainer[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Denis Chaumier: Les Bleus. Tous les joueurs de l’équipe de France de 1904 à nos jours. Larousse, o.O. 2004, ISBN 2-03-505420-6, S. 140
  2. France Football vom 19. August 2008, S. 39
  3. France Football vom 15. Mai 2012, S. 11 und 17f.
  4. René Girard, nouvel entraîneur du LOSC. Mitteilung des OSC Lille, 14. Juni 2013, abgerufen am 15. Juni 2013 (französisch).
  5. Interview mit René Girard in France Football vom 14. Oktober 2014, S. 37
  6. Ligue 1: OSC Lille trennt sich von Trainer Rene Girard. Sport1.de, 19. Mai 2015.
  7. France Football vom 4. März 2015, S. 14