Renierit

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Renierit
Renierit.JPG
Renierit als derbe Masse
Andere Namen

ehemals Reniérit

Chemische Formel

(Cu,Zn)11Fe4(Ge,As)2S16

Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze - Metall : Schwefel (Selen, Tellur) = 1 : 1
2.CB.35 (8. Auflage: II/C.10) nach Strunz
02.09.04.01 nach Dana
Kristallsystem tetragonal, pseudokubisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin skalenoedrisch 42m[1]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P42c (Raumgruppen-Nr. 112)
Farbe bronzebraun, orangebraun
Strichfarbe dunkelgrau
Mohshärte 3,5 bis 4,5
Dichte (g/cm3) 4,38 bis 4,4
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Spaltbarkeit keine
Bruch uneben
Habitus scheinbare Tetraeder
Häufige Kristallflächen {111}
Zwillingsbildung ausgeprägt
Kristalloptik
Doppelbrechung schwach[2]
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Colusit, Germanit, Bornit
Magnetismus moderat bis deutlich, teilweise polar[3]
Besondere Kennzeichen polierte Oberfläche zeigt häufig Zwillinge und Anisotropie

Renierit (ehemals Reniérit) ist ein relativ selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Cu,Zn)11Fe4(Ge,As)2S16[4] und entwickelt meist massige Aggregate, selten auch kleine Kristalle von bronzebrauner bis orangebrauner metallisch glänzender Farbe.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Renierit-Kristalle täuschen durch polysynthetische Verzwillingung (wiederholte lamellare Aneinanderreihung) die höhere Symmetrie des kubischen Kristallsystems vor. Man nennt solche Kristalle daher pseudokubisch. Die bis zu 3 mm großen Kristalle, normalerweise aber könerer im sub mm-Bereich, erscheinen so als Tetraeder.[3]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Benannt wurde das Mineral nach dem belgischen Geologen Armand Marie Vincent Joseph Renier (1876–1951).

Der erste Fund wurde 1928 als kleine, auffällige Körner in einen sulfidischen Erz von G. Thorreau[5] beschrieben und falsch interpretiert. Er verglich das Material mit "orangem Bornit"[6]. Spätere Fehldeutungen folgten und erstmals korrekt beschrieben wurde der Renierit 1948 durch Johannes Franciscus Vaes (1902–1978)[7].

Die ursprünglich von Vaes gewählte Schreibweise Reniérite ist seit 2008 diskreditiert, da sich der Namensgeber ohne Akut über dem ‚e‘ schreibt und es sich daher um ein überflüssiges diakritisches Zeichen handelt.[8]

Als Typlokalität gilt die Kipushi Mine (Koordinaten-11.76944444444427.235555555556), ehemals Prince Léopold Mine, Kipushi, Provinz Haut-Katanga, in der Demokratischen Republik Kongo.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Renierit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur ≈ 1 : 1“, wo er zusammen mit Colusit, Germanit, Germanocolusit, Maikainit, Morozeviczit, Nekrasovit, Ovamboit, Polkovicit, Stibiocolusit, Sulvanit und Vinciennit die „Colusitgruppe“ mit der System-Nr. II/C.10 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Renierit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Metallsulfide, Metall : Schwefel = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Zink (Zn), Eisen (Fe), Kupfer (Cu), Silber (Ag)“ zu finden ist, wo es zusammen mit Catamarcait, Hemusit, Kiddcreekit, Morozeviczit, Polkovicit und Vinciennit die „Hemusitgruppe“ mit der System-Nr. 2.CB.35.a bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Renierit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er zusammen mit Germanit, Maikainit und Ovamboit in der „Germanitgruppe“ mit der System-Nr. 02.09.04 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Selenide und Telluride – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Renierit aus Tsumeb, Namibia (Größe: 3,4 x 2,4 x 1,7 cm)

Renierit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in germaniumhaltigen Lagerstätten. Begleitminerale sind Bornit, Chalcopyrit, Digenit, Enargit, Germanit Sphalerit und Tennantit.

Fundorte sind unter anderem Catamarca in Argentinien; Tasmanien in Australien; Dobritsch (ehemals Hadschilogu Pasardschik) in Bulgarien; Provence-Alpes-Côte d’Azur in Frankreich; auf Sardinien in Italien; auf Honshū in Japan; Katanga in der Demokratischen Republik Kongo; am Otjikotosee und in der Region Otjozondjupa in Namibia; Salzburg und die Steiermark in Österreich; in der nördlichen Kaukasus-Region in Russland; in der Zentralprovinz von Sambia; Asturien in Spanien; sowie Colorado in den USA.[9]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

vereinfachte Struktur von Renierit, die c-Achse zeigt nach oben,
__ S __ Zn __ Cu __ Fe __ Ge[10]

Renierit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P42c mit den Gitterparametern a = 10,62 Å und c = 10,55 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1] Dabei sind aber nicht alle Metallionenplätze vollständig besetzt und Kupfer kann Zink substituieren.[10]. Die Struktur lässt sich als Mischkristallreihe zwischen den Endgliedern Cu10ZnGe2Fe4S16 und Cu11GeAsFe4S16 schreiben. Dabei wird Zn(II)+Ge(IV) durch Cu(I)+As(V) ersetzt.

Verwendung[Bearbeiten]

Renierit besitzt auf Grund seines Germaniumgehaltes von etwa 6 % eine Bedeutung als Rohstoff für die Gewinnung dieses Elementes.[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Renièrite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 62 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Renierite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Webmineral - Renierite (engl.)
  2. L. Bernstein: Renierite, Cu10ZnGe2Fe4S16-Cu11GeAsFe4S16: a coupled solid solution series. In: American Mineralogist. Band 71 (1986), S. 210–221 (PDF 1,4 MB)
  3. a b Joseph Murdoch: X-Ray Investigation of Colusite, Germanite and Renierite. In: American Mineralogist, Band 24 (1953), S. 794–801 (PDF 461 kB)
  4.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6.
  5. G. Thorreau: Le Giement Prince Leopold, Kipushi, Katanga. In: Mem. de l'Inst. Geol. de l'Université de Louvain. Band 4, Ausgabe 3, S. 273
  6. J. Murdoch, "Microscopical Determination of the Opaque Minerals, John Wiley & Sons, N.Y.
  7. J. F. Vaes: La reniérite (anciennement applelée «Bornite orange») Un sulfure germanifère provenant de la Mine Prince-Léopold, Kipushi (Congo Belge). In: Annales de la Société Géologique de Belgique. Band 72 (1948), S. 19–32
  8. Ernst A. J. Burke: Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks, In: Mineralogical Record, Band 39, Nr. 2 (März–April 2008); PDF 2,7 MB
  9. Fundortliste für beim Mineralienatlas und bei Mindat
  10. a b L. Bernstein, D. Reichel, S. Merlino: Renierite crystal structure refined from Rietveld analysis of powder neutron-diffrection data. In: American Mineralogist. Band 74 (1989), S. 1177–1181 (PDF 599 kB)
  11.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 433.