Rheinauhafen

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Dieser Artikel behandelt den Kölner Rheinauhafen. Für den gleichnamigen Hafen in Mannheim siehe Hafen Mannheim.
Rheinauhafen mit den drei Kranhäusern, März 2011
Geschäftsstelle der Microsoft Deutschland im Rheinauhafen

Der 1898 eröffnete Rheinauhafen in der Kölner Südstadt ist eine ehemalige Hafenanlage, die gegenwärtig in ein neues Wohn-, Büro-, Dienstleistungs- und Gewerbegebiet umgebaut wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit Beginn der Dampfschifffahrt um 1820 und dem Bau der Eisenbahnen stieg in Köln das Handelsaufkommen, weshalb Pläne zum Bau eines neuen Hafenbeckens erforderlich wurden.

Luftbild des Rheinauhafens, Juli 2010
Rheinauhafen kurz vor Vollendung um 1898
Hafenansicht von 1921

Die neue Zeit kündigte sich 1816 mit dem ersten Dampfschiff auf dem Rhein an. Es war die The Defiance („Die Herausforderung“) von James Watt, die am 12. Juni 1816 von London kommend in Köln festmachte. Im Herbst 1817 befuhr James Watt mit der Caledonia den Rhein und erreichte im Oktober von Rotterdam kommend Köln. 1830 lief das erste in Deutschland gebaute Dampfschiff auf der Werft von Jacobi, Haniel & Huyssen in Duisburg-Ruhrort vom Stapel. Seit 1840 errang Köln große Bedeutung als Getreidehandelsplatz, 1843 wurde der Börsenterminhandel für Roggen und Weizen an der Kölner Börse aufgenommen. Köln wurde zentraler Getreidemarkt für das mittlere Deutschland. Ebenso wichtig wurde der Ölhandel. Die Arbeiten am Sicherheitshafen Rheinau begannen 1847 und wurden 1850 abgeschlossen. Der Hafen entstand unter Nutzung des sogenannten „Werthchens“, einer durch Stromverlagerung entstandenen Rheininsel. Die schmale Flussrinne zwischen Festland und Insel wurde am südlichen Ende mit dem Festland verbunden, die Landzunge nach Norden verlängert und das dadurch entstehende Becken an der Stadtseite mit einer Kaimauer befestigt. Korrespondierend zum Bayenturm entstand 1855 an der Spitze der Halbinsel zur besseren Überwachung des Rheinauhafens ein weiterer Turmbau, der „Malakoffturm“. Der Turm ist wegen seiner massiven Bauweise nach dem Fort Malakow benannt, einer während des Krim-Krieges belagerten Festung. Gleichzeitig entsteht durch eine Verbindung der Rheinau-Insel mit dem Ufer ein geschlossenes Hafenbecken mit Hafeneinfahrt, die durch den Malakoff-Turm gesichert wird. Die Insel selbst wurde ab 1855 nach Plänen des Stadtgärtners Anton Strauß parkähnlich gestaltet. 1885 begann der Linienverkehr zwischen Köln und London, ab 1890 wurde Köln auch von Schiffen aus anderen Nord- und Ostseehäfen angelaufen.

Im Wettbewerbsentwurf von Josef Stübben und Karl Henrici war 1880 auch ein Vorschlag für den Bau des Rheinauhafens enthalten. Als 1881 Stübben zum Kölner Stadtbaumeister berufen wurde, konzentrierte er sich zunächst auf andere Bauprojekte. Die erst 1884 gegründete „Hafenreform-Commission“ wurde von Stübben geleitet und unterstützte die Pläne für den Hafenbau. Das von Stübben und Henrici geplante Südprojekt stieß bei der Eisenbahn zunächst auf Widerstand, doch nach langwierigen Verhandlungen stimmte sie dem Südprojekt zu. Erst 1891 konnte der von Stübben ausgearbeitete Gesamtplan gebilligt werden.

Zwischen 1886 und 1891 wurde die Werftmauer am Leystapel und am Zollhafen (heute Teil der Frankenwerft) sowie am heutigen Konrad-Adenauer-Ufer bis zur Machabäerstraße erneuert, dann folgte 1891 bis 1898 der eigentliche Rheinauhafen. Der Ratsbeschluss hierzu vom 3. Juli 1891 sah Investitionskosten von 20 Millionen Mark vor. Bebaut wurden auch das Oberländer Ufer bis zur Stadtgrenze, die noch fehlenden Bereiche der Frankenwerft und das Niederländer Ufer bis zur Schiffsbrücke nach Mülheim. Die Uferlinie wurde dabei durch Anschüttung teilweise deutlich in den Rhein hinein verschoben: am stärksten an der Agrippinawerft in einer Breite von 105 Metern, an der Oberländerwerft 40 bis 90 Meter, am Leystapel und Frankenwerft bis 9,5 Meter, am Konrad-Adenauer-Ufer zwischen 25 und 35 Meter. Der mittelalterliche Hafen war damit vollständig verschwunden. Zur Überquerung der engen Hafeneinfahrt wurde 1888 eine 18 m lange Drehbrücke errichtet, die mit Wasserdruck bewegt wurde. Dieser Wasserdruck wurde über eine elektrisch betriebene Pumpe erzeugt, die sich im Malakoffturm befand. Die langandauernden Anschlussbauarbeiten verzögerten die Eröffnung bis 1898. Am 14. Mai 1898 fand die feierliche Eröffnung des Rheinauhafens statt.

Im Norden befand sich der Zollhafen mit dem Hauptdienstgebäude an der Spitze der Halbinsel (heute Schokoladenmuseum). Entlang der Hansawerft lagen das kleine Dienstgebäude sowie drei Lagerhallen. In den Hafenbereichen auf der Halbinsel befanden sich Lagerhallen privater Handelsgesellschaften sowie Gleisanschlüsse und Kranbahnen.

„Siebengebirge“

Am Südende des Hafenbeckens entstand das städtische Hafenamt, das Krafthaus zum Betrieb der hydraulischen Anlagen und ein Lokschuppen – südlich davon der Hafenbahnhof. Der Bayenturm befindet sich auf dem Hafengelände, stammt aber aus dem Mittelalter und übernahm nie Hafenfunktionen. In den Jahren 1909/1910 entstand im Süden des Hafengeländes ein 170 m langes Lagergebäude, wegen seiner äußeren Form mit sieben Giebeln im Volksmund auch „Siebengebirge“ genannt und im Anschluss noch weitere Silos und Lagerhallengebäude bis in den Einzugsbereich der Südbrücke. Dadurch, dass die Hafenfunktionen in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg auf andere Standorte im Stadtgebiet verlagert wurden, verlor der Hafen seine ursprüngliche Bedeutung als Wirtschaftshafen.

Am 24. Mai 1902 wurde die erste Hafenfeuerwache im Rheinauhafen eröffnet. Im Jahre 1992 wurde die Löschstation wegen des Baus des Schokoladenmuseums an das gegenüberliegende Ufer in den Deutzer Hafen verlagert.

Gegenwart[Bearbeiten]

Gebäude von links nach rechts: Kap am Südkai, ECR Offices, Silo 23, Siebengebirge, Rheinkontor

Seit 1998 wird der Rheinauhafen von der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) und der Stadt Köln neu erschlossen und umgestaltet. Dabei entstanden bzw. entstehen einerseits architektonisch anspruchsvolle Neubauten auf bisherigen Brachflächen, gleichzeitig werden aber auch Altbauten wie das „Siebengebirge“ oder das ehemalige Hafenamt aufwändig restauriert und neuer Nutzung – in der Regel als Büro- oder Wohngebäude – zugeführt. Weitere Nutzung des Standortes wird im kulturellen und gastronomischen Bereich liegen.

Die Umstrukturierung des Rheinauhafens ist das zurzeit größte, der Innenstadt zugeordnete Stadtentwicklungsvorhaben in Köln. Die Fertigstellung des Projektes war für 2009 vorgesehen. Seit 2010 ist ein Großteil der Gebäude errichtet. Blickfang des Rheinauhafens sind die drei sogenannten „Kranhäuser“. Der Name spielt auf die Form der jeweils 60 Meter hohen Gebäude an, die an die ehemaligen Lastkräne im alten Rheinauhafen erinnert. Das mittlere Kranhaus ist am 12. März 2009 auf der weltweit wichtigsten internationalen Immobilienmesse MIPIM in Cannes mit dem „MIPIM-Award 2009“ ausgezeichnet worden.

Das gesamte Areal ist im Bebauungsplan als Kerngebiet ausgewiesen, was die Nutzungsarten ermöglicht, wie sie auch in einem Innenstadtgebiet vorkommen. Es entstehen ca. 210.000 m² Bruttogeschossfläche. Der Anteil an Wohnungen wird etwa 30 Prozent betragen. Der Schwerpunkt Wohnen ist im mittleren Bereich, auf der Fläche gegenüber dem Bayenturm vorgesehen. Insgesamt zeichnet sich das Großbauprojekt durch ein Wechselspiel von moderner Architektur und denkmalgeschützter Gebäude aus.

Europas längste Tiefgarage

Auf 1,6 km Länge und 41.000 Quadratmetern[1] befindet sich im Rheinauhafen, mit rund 1400 Stellplätzen Europas längste und zweitlängste Tiefgarage der Welt[2]. Die auf 6,7 Metern Kölner Pegel tief gelegene Garagenanlage gilt bis zu einem Rheinpegel von 11,3 Meter als hochwassersicher. 2013 wurde Die Tiefgarage offiziell als das beste Parkhaus der Stadt gekührt[3].

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Kuschek: 686,4. Der Rheinauhafen Köln, mit einer Einführung von Hajo Steinert, Greven-Verlag, Köln 2012, ISBN 978-3-7743-0605-9
  • Joseph Stübben u.a.: Neue Werft- und Hafenanlagen zu Köln. Festschrift zum 14. Mai 1898
  • Ines Waschkau: Der Rheinauhafen – Kölns neue In-Meile. J. P. Bachem Verlag, Köln 2008, ISBN 978-3-7616-2188-2
  • Architekten- und Ingenieurverein Köln-Bonn e.V. von 1875 (Hrsg.): Köln – seine Bauten. Der Rheinauhafen. J. P. Bachem Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-7616-2231-5

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. koeln.de - Die Rheinau-Tiefgarage: Der Alpentunnel der Domstadt abgerufen am 23. Juni 2014
  2. n-tv.de - Attraktion Rheinauhafen Köln hat ein neues Vorzeigeviertel abgerufen am 23. Juni 2014
  3. rundschau-online.de - Tiefgarage am Rheinauhafen Bestes Parkhaus gekürt abgerufen am 23. Juni 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rheinauhafen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.928556.96422Koordinaten: 50° 55′ 43″ N, 6° 57′ 51″ O