Richard Engelmann (Bildhauer)

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Richard Engelmann (* 5. Dezember 1868 in Bayreuth; † 11. September 1966 in Kirchzarten) war ein deutsch-jüdischer Bildhauer.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Studium und nachfolgenden Studienaufenthalten wurde er 1913 mit Unterstützung des Worpsweder Künstlers Fritz Mackensen als Professor an die Hochschule für bildende Kunst in Weimar berufen als Leiter der Bildhauerabteilung. Im Jahre 1930 wurde er von dem völkischen Architekten und Akademiedirektor Paul Schultze-Naumburg von seinem Amt entfernt. Seit 1935 wurde Engelmann durch die Reichskammer der bildenden Künste ein Berufsverbot erteilt.[1]

… da Sie Nichtarier sind und als solcher die für die Schaffung von deutschen Kulturgütern erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung nicht besitzen.

Er verbrachte die folgenden Jahre des Nationalsozialismus ab 1936 in der Zurückgezogenheit des badischen Kirchzarten bei Freiburg.[2] Wegen seiner Mischehe wurde er im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion nicht in das französische Camp de Gurs deportiert.[3]

Zu seinen damaligen Unterstützern gehörten Walter Eucken, Heinrich Brenzinger und Wolfgang Hoffmann, ein Gegner der Nationalsozialisten und späterer Oberbürgermeister.[2] In diesem Amt war Hoffmann auch dafür mitverantwortlich, dass Engelmann nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen seiner Rehabilitierung verschiedene Aufträge der Stadt Freiburg erhielt. Um die Gestaltung des Marienbrunnens entstand eine Diskussion, in deren Verlauf Engelmann erneut die Eignung zur Schaffung eines Werkes abgesprochen wurde:[4]

…als außerhalb der katholischen Kirche stehend nicht für die Ausführung einer solchen Figur geeignet.

Er starb 1966 im Alter von 98 Jahren und wurde mit seiner Frau Frieda Engelmann (1890–1973), die sieben Jahre später verstarb, auf dem Friedhof Freiburg Günterstal bestattet. Sein Nachlass, den die Freiburger Museen abgelehnt hatten, wird seit 1997 von der Bauhaus-Universität Weimar verwaltet.[2] Ein Teil davon ist seit 1995 im Besitz des Landesarchivs Baden-Württemberg.[5]

Werke[Bearbeiten]

Zu den frühen Werken Engelmanns gehört das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Apolda, das eine bronzene Pietà enthielt, sowie jenes in Vacha von 1929. Das Denkmal in Apolda wurde 1941 allerdings von den nationalsozialistischen Stadträten über Nacht demontiert und der Verschrottung preisgegeben, während das in Vacha noch bis heute existent ist. Es stellt die eindrucksvolle Bronzefigur eines sterbenden Jünglings dar, ein für die damalige Zeit sehr seltenes Motiv.[6]

Um 1914 schuf er im Auftrag eines Vereins in Weimar ein Brunnendenkmal für den Dichter Ernst von Wildenbruch. Wegen der Aufschrift „Ich kämpfe nicht um anzugreifen, sondern um zu verteidigen““ wurde es aber 1976 entfernt. Mittlerweile befindet sich der Brunnen allerdings wieder in der Nähe der Fürstengruft.[7]

Sein Relief der Kreuztragung Christi an der Grabstätte der Familie Wieman-Grothaus auf dem Osnabrücker Johannisfriedhof sowie einen Putto dafür schuf er 1919. Auf diesem Friedhof wurden unter anderem der Schriftsteller Bernard Wieman sowie der Schauspieler Mathias Wieman beigesetzt.

Die meisten seiner Werke finden sich jedoch in Freiburg im Breisgau. Einige davon wurden bereits vor den Weltkriegen gefertigt, darunter Kauerndes Mädchen (um 1913/14), dessen Kopie sich im Innenhof der Alten Universität befindet, während sich das Original im Garten der von Henry van de Velde erbauten Villa Schulenburg in Gera befindet.[8] Auch Flora bzw. Mädchen mit Schwamm wurde bereits 1906 geschaffen, befindet sich jedoch erst seit 1946 auf dem Freiburger Ludwig-Aschoff-Platz.

Ein Jahr später entdeckte Hoffmann im Atelier Engelmanns eine kleine Madonnenstatue, die ihn sehr beeindruckte. Er setzte sich im Gemeinderat dafür ein, eine große Kopie davon auf dem Platz vor der Stühlinger Herz-Jesu-Kirche aufzustellen. Trotz heftiger Diskussionen konnte der Brunnen am 17. Oktober 1954 im Beisein des Künstlers eröffnet werden.[2]

Neben zweier Büsten (An die Kunst und Max Reger) im Foyer des Freiburger Theaters, das Hoffmann sehr schnell nach dem Krieg wiederherstellen ließ, finden sich Engelmanns Werke auf einigen Freiburger Friedhöfen: Die Trauernde erinnert seit 1951 auf dem Hauptfriedhof an die Opfer der Luftangriffe in Freiburg. Auf dem Friedhof St.-Georgen befindet sich ein Ehrenmal für Alexander Gumprecht, auf dem Kappeler Friedhof ein Grabmal für Engelmanns Enkel Matthias Pieske, das eine kleine Ausführung der Trauernden enthält. 1953 schuf Engelmann jene Büste, die das einfassungsfreie Grab von ihm und seiner Frau auf dem Friedhof Günterstal ziert.

Weitere Freiburger Werke sind die Wartende aus dem Jahr 1926, die sich seit 1950 im Stadtgarten befindet, sowie Die alte Gelehrte beim Regierungspräsidium.

Zu seinen Werken in anderen Städten gehören die Plastik Mädchen bei den Berliner Kunststeinwerken in Berlin-Tempelhof sowie eine Brunnenplastik Liegende mit Harfe in Görlitz.

Von 1913 bis 1930 erstellte Engelmann eine Reihe von Porträtbüsten u.a. von Admiral Reinhard Scheer, Felix Graf Luckner, er porträtierte den Maler Arnold Böcklin, Ernst Haeckel sowie seinen Freund Walter Eucken.

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckart Pieske: Der tötende Alltag. Dargestellt am Schicksal des Bildhauers Richard Engelmann und seiner Familie. In: Lehren und Lernen 6 (1980) H.12, S. 20-50
  • Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Weimar 1998, ISBN 3-7400-0807-5
  • Michael Klant: Richard Engelmann. Die Würde des Menschen. In: Skulptur in Freiburg. Kunst des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Raum, hg. v. Michael Klant, Freiburg 1998, S. 56–59. ISBN 3-922675-76-X
  • Silke Opitz: Ein Gentlemankünstler. Leben und Werk des Bildhauers Richard Engelmann. Weimar 2000 (zugleich Diss. Bauhaus Universität 2000) ISBN 3-89739-141-4
  • Silke Opitz: Die beiden 'kauernden Mädchen' des Bildhauers Richard Engelmann. Zum Original im Garten der von Henry van de Velde erbauten Villa Schulenburg in Gera und dessen Freiburger Replik., in: Badische Heimat. Zeitschrift für Landes- und Volkskunde, Natur-, Umwelt- und Denkmalschutz. 76. Jahrgang, 1996 S. 565-571
  • Peter Franz: Der gewöhnliche Faschismus. Über die alltägliche Herrschaft der "Nationalsozialisten" in einer deutschen Mittelstadt (Apolda). Reihe: gesucht 4 Die Vergangenheit für die Zukunft retten!, Weimar 2001, ISBN 3-935275-00-5
  • Ute Scherb: "Wir bekommen die Denkmäler, die wir verdienen". Freiburger Monumente im 19. und 20. Jahrhundert. Freiburg 2005, S. 201-205 ISBN 3-923272-31-6
  • Karsten Weber: Ein Franke in Thüringen und Baden., in: Badische Heimat. Zeitschrift für Landes- und Volkskunde, Natur-, Umwelt- und Denkmalschutz. 68. Jahrgang, 1988 S. 611-615

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karsten Weber: Ein Franke in Thüringen und Baden., in: Badische Heimat. Zeitschrift für Landes- und Volkskunde, Natur-, Umwelt- und Denkmalschutz. 68. Jahrgang, 1988 S. 611
  2. a b c d Ursula Grässlin: Viel Wirbel um die Madonna vom Marienbrunnen, in: Bürgerverein Stühlinger: Leben im Stühlinger 2008
  3. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 52, ISBN 3-89331-208-0
  4. So Stadtrat Franz Schneller (Freie Wählergruppe) in der Gemeinderatssitzung am 9. Juni 1954, vgl. Opitz, S. 571
  5. T 1 Nachlass Engelmann, Richard II im Landesarchiv Baden-Württemberg, Zugriff am 28. Mai 2010
  6. Olaf Ditzel: Die Johanneskirche Stadtpfarrkirche zu Vacha, 2004
  7. Denkmäler in Weimar. weimar.de, archiviert vom Original am 14. Februar 2008, abgerufen am 21. November 2012.
  8. Opitz, S. 569.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Richard Engelmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien