Robert Mapplethorpe

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Robert Mapplethorpe (* 4. November 1946 in Floral Park; † 9. März 1989 in Boston) war ein US-amerikanischer Fotograf und bildender Künstler.

Biografie[Bearbeiten]

Robert Mapplethorpe wurde 1946 als drittes von sechs Kindern einer katholischen Arbeiterfamilie geboren. Nach dem Abschluss der Schule ging er auf Wunsch seiner Eltern an das Pratt Institute. Dort kam er mit der 68er-Bewegung in Kontakt. Während des Studiums lernte er auch Patti Smith kennen und verliebte sich in die damals unbekannte Musikerin und Poetin. Die beiden zogen zusammen, und Mapplethorpe vertiefte seine Arbeit an eigenen Kunstwerken.

Das Studium schloss er schließlich mit einem Bachelor of Fine Arts ab. Seine ersten Werke enthielten noch keine eigenen Fotos, aber oft Bilder, die er aus Büchern oder Zeitschriften entnommen hatte. Bald darauf begann er auch mit ersten eigenen Bildern zu arbeiten, die er mit einer Polaroid-Kamera aufnahm. Später sagte er über diese Zeit: „Ich fing an zu verstehen, dass Fotografie Kunst sein könnte.“

Ab Anfang der 1980er-Jahre wurde Mapplethorpe, zunächst vor allem in New York, von einem größeren Publikum wahrgenommen. Viele Persönlichkeiten ließen sich von ihm porträtieren, unter anderem Andy Warhol, Deborah Harry, Richard Gere, Peter Gabriel, Grace Jones, Paloma Picasso und Patti Smith. Es wurde „in“, sich von Mapplethorpe fotografieren zu lassen. Gemeinsam mit der Bodybuilderin Lisa Lyon produzierte er eine Bilderserie von 1980 bis 1982, die er unter dem Titel Lady Lisa Lyon 1983 veröffentlichte. Die Mehrzahl seiner Aufnahmen entstand in seinem eigenen Studio oder in einem der unzähligen New Yorker Lofts. Dabei waren seine Aufnahmen stets schlicht, vor weißem oder schwarzem Hintergrund fotografiert.

Im Gegensatz zu seinen Bildern, auf denen er Stillleben mit Blumen oder Porträts gesellschaftlich anerkannter Schauspieler und Künstler zeigt, wählte Mapplethorpe auch oder gerade kontroverse Themen.

Seine Nacktarbeiten zeigten häufig homoerotische Motive, die von eher klassischen Posen bis hin zu BDSM-Szenen reichten. Mapplethorpe wurde insbesondere durch seine Portfolio X-Serie bekannt. Insbesondere im angelsächsischen Raum führte die durch die US-amerikanische National Endowment for the Arts (nationale Stiftung zur Kunst- und Kulturförderung) finanzierte Wanderausstellung The Perfect Moment (1988–1990) zu einer Kontroverse, nachdem bekannt wurde, dass der Künstler ein Selbstporträt angefertigt hatte, das ihn mit einer in seinen Anus eingeführten Bullenpeitsche zeigt.[1]

Mapplethorpes Arbeiten wurden in den USA häufig in öffentlich finanzierten Ausstellungen gezeigt. Viele konservative und religiöse Gruppen, wie z. B. die American Family Association, protestierten regelmäßig dagegen, derartige Kunstwerke zu fördern. Der Künstler rückte in diesem Bereich, stellvertretend für die Gesamtthematik, in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion in den USA zum Thema Kunstförderung.

Mapplethorpe lebte ein sehr exzessives Leben, das von Drogen und zahlreichen homosexuellen und heterosexuellen Beziehungen geprägt war. Als bekannt wurde, dass sich Mapplethorpe mit dem HI-Virus infiziert hatte, schnellten die Preise für seine Fotos in die Höhe. Im Dezember 1988 verkaufte er Fotos im Wert von 500.000 US-Dollar.

Im März 1989 starb Mapplethorpe in einem Bostoner Krankenhaus an den Folgen seiner HIV-Infektion.

1990, nur ein Jahr nach Mapplethorpes Tod, führte eine Ausstellung seiner sieben sadomasochistischen Porträts unter dem Titel The Perfect Moment in Cincinnati zu einer Kontroverse über die Darstellungen. Infolge der Ausstellung kam es zu dem vergeblichen Versuch, das Cincinnati Contemporary Arts Center und seinen Direktor Dennis Barrie wegen der Ausstellung obszönen Materials (pandering obscenity) in einem Gerichtsverfahren zu verurteilen. Die Ereignisse wurden mit James Woods in der Rolle des Museumsdirektors unter dem Titel Dirty Pictures im Jahr 2000 verfilmt.

In Japan stellte der Oberste Gerichtshof erst 2008 fest, dass Mapplethorpes erotische Bilder nicht gegen das Pornografieverbot verstießen und gab einen acht Jahre lang beschlagnahmten Band mit Mapplethorpe-Fotografien frei.[2]

Einzelwerke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Patricia Morrisroe: Mapplethorpe: A Biography. Da Capo Press, 1997, ISBN 0-306-80766-1.
  • Arthur C. Danto: Playing with the Edge: the Photographic Achievement of Robert Mapplethorpe. University of California Press, 1996
  • Gary Banham: Mapplethorpe, Duchamp and the Ends of Photography. 2002
  • Mark Jarzombek: The Mapplethorpe Trial and the Paradox of its Formalist and Liberal Defense: Sights of Contention. AppendX, No. 2, Spring 1994, S. 58–81
  • Allen Ellenzweig: The Homoerotic Photograph: Male Images from Durieu/Delacroix to Mapplethorpe. Columbia University Press, 1992, ISBN 0-231-07536-7.
  • Gordon Baldwin: Robert Mapplethorpe: Portraits. Palm Springs Art Museum, Palm Springs, Kalifornien, USA 2009, ISBN 978-0-981674315.
  • Robert Mapplethorpe – The Black Book. Neuauflage in englischer/deutscher Sprache. Schirmer/Mosel Verlag, München 2010 ISBN 978-3-8296-0460-4.
  • Patti Smith: Just Kids. Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010. Patti Smiths autobiographischer Bericht über ihr Leben mit Robert Mapplethorpe. ISBN 978-3-462-04228-3.

Film[Bearbeiten]

  • 2000: Dirty Pictures (nur Englisch) (Der Film beruht auf dem Verfahren in Cincinnati)

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2009: Robert Mapplethorpe: Portraits, Palm Springs Art Museum, Palm Springs, Kalifornien, USA.
  • 2010: Robert Mapplethorpe, NRW-Forum, Düsseldorf
  • 2011: "Robert Mapplethorpe. Retrospektive" C/O Berlin, Berlin

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abbildung unter uscb.edu
  2. Japan erlaubt Mapplethorpe-Bilder. Queer.de, 20. Februar 2008