Patti Smith

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Dieser Artikel befasst sich mit der Rockmusikerin Patti Smith; für die ähnlich klingende Sängerin von Scandal siehe Patty Smyth.
Patti Smith (2011)

Patti Lee Smith (* 30. Dezember 1946 in Chicago, Illinois, USA) ist eine US-amerikanische Punk- und Rockmusikerin, Singer-Songwriterin, Fotografin, Malerin und Lyrikerin. Sie gilt als "Godmother of Punk".[1][2]

Biografie[Bearbeiten]

Patti Smith stammt aus einem ärmeren Elternhaus, beendete mit 16 Jahren ihre Schulausbildung und begann danach in einer Fabrik zu arbeiten. Im Alter von 18 Jahren brachte sie eine Tochter zur Welt, die sie zur Adoption freigab.[3] Sie zog nach New York City, lernte dort im Sommer 1967 den Künstler und später als Fotografen berühmt gewordenen Robert Mapplethorpe kennen und lebte mehrere Jahre mit ihm zusammen. Von ihm stammen zahlreiche Fotografien, die teilweise für ihre späteren Plattencover verwendet wurden. 1969 begann sie, ihre von der Beat Generation beeinflusste Poesie in Zeitschriften wie Rock und Creem zu veröffentlichen. Reisen führten sie nach Frankreich, wo sie u. a. die Grabstätten ihrer Idole Jim Morrison und Arthur Rimbaud besuchte.[4] Ihre Freundschaft mit Lenny Kaye, Sam Shepard, Todd Rundgren und Tom Verlaine (damals bei der Punk-Gruppe Television) ermutigten sie 1974 zu ihrer ersten Single, Hey Joe, in der Patti Smith die damals gerade aktuelle Entführung von Patty Hearst, der Enkelin des Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst, verarbeitete.

1975 erschien Horses, die erste LP der späteren Patti Smith Group mit Lenny Kaye, Ivan Kral, Richard Sohl und Jay Dee Daugherty. Die Band wurde Vorläufer und Vorbild der englischen und amerikanischen Punk- und New-Wave-Bewegung. Patti Smith etablierte sich zudem als Ikone der neuen Frauenbewegung.

Die frei assoziierende Lyrik, die Patti Smith halb atemlos, halb synkopisch über nur scheinbar primitive Rockakkorde legte, gab ihren Songs und auch den von ihr gewählten Coverversionen (Gloria (Them), My Generation (The Who)) einen aufbegehrenden und nervösen Reiz.

1976 folgte das Album Radio Ethiopia. 1977 brach sich Smith bei einem schweren Unfall auf der Bühne zwei Rückenwirbel und musste einige Zeit aussetzen. Im Jahr darauf veröffentlichte sie mit Easter ihr einziges Album, das auch kommerziell ein Erfolg wurde. Die daraus ausgekoppelte Single Because The Night stammt aus einer Zusammenarbeit mit Bruce Springsteen und erreichte in Großbritannien Platz 5.[5] 1979 erschien mit Wave ihre für lange Zeit letzte LP.

Im Gitarristen Fred „Sonic“ Smith (MC5) fand Smith schließlich ihren Lebensgefährten, den sie 1980 heiratete und mit dem sie zwei weitere Kinder hat. Sie zog nach Detroit und konzentrierte sich auf ihre Familie. Ein Comeback-Anlauf mit dem Album Dream Of Life (1988) wurde durch die Tode Richard Sohls (1990) und ihres Mannes (1994) gebremst. Erst 1996 ging Patti Smith mit dem Album Gone Again wieder an die Öffentlichkeit und liefert seitdem regelmäßig neue Werke ab. Auf ihrer im April 2004 erschienenen CD Trampin’ ist die Horses-Besetzung mit Lenny Kaye und Jay Dee Daugherty zu hören. Im April 2007 erschien ihr Album Twelve mit zwölf Neuaufnahmen von Rockklassikern wie Smells Like Teen Spirit der Band Nirvana und Gimme Shelter der Rolling Stones.

Auf der Berlinale 2008 wurde der Doku-Spielfilm Dream Of Life (2007) über Patti Smiths Leben uraufgeführt, mit dem sie sich mehr als zehn Jahre beschäftigt hatte.

Patti Smith begegnete Papst Franziskus im April 2013 am Rande einer Generalaudienz auf dem Petersplatz. Damit löste sie ein Versprechen ein, das sie bei der Wahl des Papstes gegeben hat.[6]

Für den im November erscheinenden zweiten Film der Die Tribute von Panem-Reihe Die Tribute von Panem: Catching Fire nahm Smith den eigens verfassten Song Capital Letter auf.[7]

Muse[Bearbeiten]

Der Schweizer Maler Franz Gertsch widmete Patti Smith einen fünfteiligen Bilderzyklus von großformatigen, fotorealistischen Porträts. Gertsch lernte Smith indirekt auf einer Vernissage seines Kölner Galeristen kennen. Hier fotografierte er sie so lange, bis sie wütend das Papier zusammenknüllte, von dem sie ein Gedicht ablas und es ihm entgegenwarf. Die Versöhnung erfolgte durch eine spätere Einladung in sein Atelier. Dort meinte sie, dass es schon immer ihr Traum gewesen sei, einmal die Muse für einen Maler sein zu können.[8]

Patti Smith, 2007

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werk[Bearbeiten]

Patti Smith, 1976 in Kopenhagen

Diskografie[Bearbeiten]

Studio-Alben
  • Horses (1975)
  • Radio Ethiopia (1976)
  • Easter (1978)
  • Wave (1979)
  • Dream of Life (1988)
  • Gone Again (1996)
  • Peace and Noise (1997)
  • Gung Ho (2000)
  • Trampin' (2004)
  • Twelve (2007)
  • The Coral Sea (2008), Lesung mit Musik
  • Banga (2012)
Livealben und EPs
  • Hey Joe/Radio Ethiopia (1977)
  • Set Free (1978)
  • Live aux Vieilles Charrues (2004)
  • Horses/Horses (2005)
  • Easter Rising Live The Place Eugene Oregon 09/05/1978 (2011)
Kompilationen
  • The Patti Smith Masters (1996)
  • Land (1975-2002) (2002)
  • Outside Society (2011)
DVD
  • Patti Smith - Under Review (2007)
  • Patti Smith: Dream Of Life (2008)
  • Patti Smith: Live At Montreux 2005 (2012)

Bücher[Bearbeiten]

  • Seventh heaven, Gedichtband, 1972
  • A Useless Death, New York 1972
  • Kodak, Philadelphia 1972
  • Early Morning Dream ? 1973 (limitiert auf 100 Kopien)
  • Witt, Gedichtband, 1973
  • Big Mouth, in: Sam Shepard, Angel City, Curse of the Starving Class & Other Plays, New York 1976 (zusammen mit Sam Shepard)
  • The Night, London 1976 (mit Tom Verlaine)
  • Ha! Ha! Houdini!, Gedicht, 1977
  • Babel, Sammlung von Gedichten, Prosa, Liedtexten und Zeichnungen, 1978
  • Robert Mapplethorpe, New York 1987 (Herausgeber: Patti Smith)
  • Flowers Mapplethorpe, Boston 1990 (Herausgeber: Patti Smith)
  • Woolgathering, 1992
  • Early Work, Gedichtsammlung (1970-1979), 1994
  • The Coral Sea, 1996
  • Complete, Sammlung von Liedtexten, 1998
  • Auguries Of Innocence, Gedichtsammlung, 2005
  • Just Kids. Die Geschichte einer Freundschaft, Autobiografie, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010 ISBN 978-3-462-04228-3. Der Buchtitel bezieht sich auf die Freundschaft zwischen Smith und ihrem Lebensgefährten Robert Mapplethorpe und beschreibt darüber hinaus die frühen Jahre ihrer Karriere als bildende Künstlerin.

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Leben und Werk
  • Patti Smith – American Artist. Fotografien von Frank Stefanko, Vorwort von Patti Smith. Großformatiger Bildband, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-89602-729-0
  • Michael Stipe: Two Times Intro: On The Road With Patti Smith. Little, Brown and Company, 1998
  • Nick Johnstone: Patti Smith. Palmyra, Heidelberg 1999, ISBN 3-930378-26-4
  • Victor Bockris: Patti Smith. Krüger, Frankfurt 2000, ISBN 3-8105-0435-1
  • Martin C. Strong: The Great Rock Discography. Canongate Books Ltd., Edinburgh, 6. Aufl. 2002
  • Simon Reynolds, Joy Press: The Sex Revolts, 1995. (Standardwerk über Gender, Rebellion and Rock ‘n’ Roll)
Interview/ Gespräch
  • Gero von Boehm: Patti Smith. 9. April 2010. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S.712-721

Presse[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Patti Smith – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manohla Dargis: Patti Smith: Dream of Life. In: The New York Times, The New York Times Company, 6. August 2008. Abgerufen am 19. Juli 2012.  „Godmother of Punk, Celebrator of Life“ 
  2. Kate Davy: Lady dicks and lesbian brothers : staging the unimaginable at the WOW Café Theatre. University of Michigan Press, Ann Arbor 2010, ISBN 978-0-472-07122-7, S. 98.
  3. Mark Paytress, Patti Smith's Horses and the Remaking of Rock and Roll, erweiterte Taschenbuchausgabe 2010
  4. Patti Smith: Just Kids. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2010
  5. http://everyhit.com/
  6. Punksängerin Patti Smith trifft Papst Franziskus
  7. Capital Letter/
  8. Gemälde: [1], [2], [3]
  9. Börsenblatt des Deutschen Buchhandels 47/2010 vom 25. November 2010, Seite 12