Robert Uhrig

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Robert (Robby) Uhrig (* 8. März 1903 in Leipzig; † 21. August 1944 in Brandenburg) war ein deutscher Kommunist. Als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus wurde er 1944 ermordet.

Leben[Bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Wartburgstraße 4, in Berlin-Schöneberg

Der gelernte Werkzeugmacher war seit 1920 Mitglied der KPD[1]. Verheiratet war er mit Charlotte Uhrig.

Robert Uhrig arbeitete bei der Firma Osram in Berlin-Moabit, wo er Mitglied der KPD-Betriebsorganisation war und seit 1933 die illegale Betriebszelle leitete. Schon 1934 wurde er von der Gestapo verhaftet und musste bis 1936 eine Strafe im Zuchthaus Luckau verbüßen. Nach seiner Entlassung im Sommer 1936 nahm er die Untergrundtätigkeit wieder auf und gehörte der Berliner KPD-Leitung an.

Bildung der Uhrig-Gruppe[Bearbeiten]

Ab 1938 baute Robert Uhrig ein Netz verschiedener Widerstandsgruppen in vielen Berliner Betrieben auf und leitete damit eine der größten antifaschistischen Widerstandsorganisationen in Berlin. Die Organisation kooperierte mit Gruppen in Essen, Hannover, Hildesheim, München, Dortmund und Hamburg. Internationale Kontakte gab es bis nach Prag und Kopenhagen sowie den Niederlanden. Dieser Aufbau eines reichsweiten illegalen Netzwerkes unter strengster Konspiration trotz Gestapo und Werkschutz war eine große Leistung der Gruppe um Uhrig. Die Arbeit in bzw. mit der Gruppe war nicht von Parteizugehörigkeit oder sozialer Herkunft abhängig. Sozialdemokraten wie Kommunisten, Arbeiter, Ingenieure, Intellektuelle, Beamte und OKH-Offiziere wirkten hier gemeinsam[2].

Über Uhrigs Kontakte zu Wilhelm Guddorf, John Sieg und anderen bestanden intensive Verbindungen zur Roten Kapelle. Ab 1940/1941 gab es eine enge Zusammenarbeit mit Beppo Römer. Die 1941 mit einem Frachtschiff illegal nach Deutschland eingereiste Charlotte Bischoff überbrachte Instruktionen aus der Abteilung Internationale Verbindungen der Kommunistischen Internationale und übernahm wichtige Kurierdienste.

Uhrig und Römer brachten das Untergrund-Blatt Informationsdienst in regelmäßigen Abständen heraus. Die Gruppe „rief zu Sabotageakten auf und bemühte sich um Informationen zur wirtschaftlichen und militärischen Lage. Ziel der Gruppe war die Errichtung eines sozialistischen Staates nach dem Sturz der Hitler-Diktatur.“[3] Werner Seelenbinder arbeitete zeitweise mit der Gruppe Uhrig zusammen. Auch Ernst Knaack, Paul Schultz-Liebisch und Charlotte Eisenblätter waren Mitglieder von Uhrigs Gruppe.

Im Februar 1942 wurden Robert Uhrig und 200 weitere Mitglieder der Gruppe verhaftet. Uhrig und etwa 40 seiner Gefährten kamen als Häftlinge in das KZ Sachsenhausen bei Oranienburg. Am 7. Juni 1944 wurde Uhrig vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 21. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg durch Enthauptung vollstreckt.[4]

Betriebe mit Betriebszellen der Uhrig-Gruppe (Auswahl)[Bearbeiten]

  • AEG: Werk Hennigsdorf, Kabelwerk Oberspree, Turbine Moabit, Typograph
  • Auer (Weißensee), Alkett, Argus
  • Bamag-Meguin, Bergmann, BMW (Spandau), Borsig, Bucharski
  • Daimler-Benz, Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik (DWM), Dürener Metallwerke
  • Gaubschat (Neukölln), Dr. Klaus Gfettwart, Grau
  • Heinkel (Oranienburg)
  • Knorrbremse,
  • Lindner, Lorenz (Tempelhof), Löwe
  • Mauser
  • Nileswerke (Weißensee)
  • Osram (Moabit)
  • Bootswerft Pirsch (Oberschöneweide), Prometheus (Reinickendorf)
  • Siemens-Schuckert
  • Dr. Thiedig
  • Zahnradfabrik Friedrichshafen

Ehrungen[Bearbeiten]

Bis zur politischen Wende in der DDR waren nach Robert Uhrig benannt:

Außerdem wurde am 1. März 1970 das in Bad Frankenhausen stationierte Mot.-Schützenregiment 16 in der 11. motorisierten Schützendivision der NVA nach Uhrig benannt.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Zweite, überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Karl Dietz Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6 (Online, abgerufen am 6. Januar 2013).
  • Gert Rosiejka: Die Rote Kapelle. „Landesverrat“ als antifaschistischer Widerstand. Ergebnisse Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3925622160.
  • Luise Kraushaar: Berliner Kommunisten im Kampf gegen den Faschismus 1936–1942. Robert Uhrig und Genossen. Dietz-Verlag, Berlin 1980.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Kommunisten, siehe Literatur
  2. Aus unserem illegalen Kampf, in: Neues Deutschland vom 27. August 1947, Seite 3
  3. Wolfgang Benz: Opposition und Widerstand der Arbeiterbewegung Bundeszentrale für politische Bildung
  4. Hans-Joachim Fieber: Widerstand in Berlin gegen das NS-Regime 1933 bis 1945. Band IV. Trafo Verlag, Berlin 2002, ISBN 3896263501, s.v. Uhrig, Robert.
  5. Chronik des MSR 16, abgerufen am 16. Juli 2013

Weblinks[Bearbeiten]