Rohingya

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Flagge der Rohingya
Lage des Rakhaing-Staates in Myanmar

Die Rohingya sind eine muslimische Volksgruppe in Myanmar (Birma). Sie leben dort hauptsächlich im nördlichen Teil des an Bangladesch grenzenden Rakhaing-Staates (ehemals Arakan). In Myanmar leben heute etwa eine Million Rohingya.

Gemäß dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1982 gelten die Rohingya nicht als eine der 135 einheimischen Bevölkerungsgruppen und haben damit keinen Anspruch auf die myanmarische Staatsbürgerschaft.[1] Aufgrund von Repressionen und Verfolgungen leben mindestens eine Million Rohingya als Flüchtlinge in Bangladesch und weiteren Ländern Asiens.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Herkunft der Rohingya ist heftig umstritten. Die Rohingya bezeichnen sich selbst als schon lange dort ansässige Bevölkerung Rakhaings, die vor bis zu 1000 Jahren zum Islam konvertierte. Die Region wird seit antiker Zeit von arabischen Händlern besucht, und einige kulturelle Eigenschaften der Rohingya scheinen diese Theorie des Ursprungs zu unterstützen. Die myanmarische Regierung stellt sich hingegen auf den Standpunkt, dass die Rohingya erst in jüngerer Zeit aus Bengalen eingewandert seien und damit illegale Einwanderer aus Bangladesch oder deren Nachfahren seien.

Die Rohingya bildeten während der britischen Kolonialzeit die Bevölkerungsmehrheit im Rakhaing-Staat. In den 1940er Jahren und vor allem nach der Unabhängigkeit Birmas kam es aber zu Spannungen zwischen den buddhistischen Arakanesen (Rakhaing) und den muslimischen Rohingya.

Siehe auch: Geschichte Birmas#Unabhängigkeit

Situation der Flüchtlinge[Bearbeiten]

Besonders schwere Zwischenfälle gab es 1942, 1962, 1978 und 1991. 1978 suchten etwa 200.000 Rohingya-Flüchtlinge Schutz im benachbarten Bangladesch, 1991 weitere 250.000.

Obwohl später einige zurückkehrten, blieben doch viele in den Flüchtlingscamps im Distrikt Cox’s Bazar. Es wird geschätzt, dass seit der Unabhängigkeit Birmas etwa eine bis anderthalb Millionen Rohingya ins Exil gingen. Diese leben hauptsächlich in Bangladesch (insbesondere Chittagong), Pakistan und Saudi-Arabien, eine kleinere Anzahl in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Thailand, und Malaysia. Seit 2005 hilft das UNHCR bei der Rückführung von Rohingya aus Bangladesch, doch Berichte von Menschenrechtsverletzungen in den Flüchtlingslagern bedrohen diese Bemühungen.[2]

Anfang des Jahres 2009 kamen Rohingya als Bootsflüchtlinge in die Schlagzeilen, nachdem Thailand ihnen eine Aufenthaltserlaubnis verweigert und etwa eintausend in einfachen motorlosen Booten auf die offene See abgeschoben hatte.[3][4] Rund 250 von ihnen wurden später vor den zu Indien gehörenden Andamanen gerettet und etwa 200 vor der Küste Acehs in Indonesien.[5] Etwa 500 ertranken vermutlich.[3] Der myanmarische Generalkonsul in Hongkong äußerte sich dazu in einem Brief an die „lieben Kollegen“ (des Diplomatischen Corps), in dem er den Rohingya mit Verweis auf deren dunkle Hautfarbe die Zugehörigkeit zu Myanmar absprach. Er bezeichnete sie als „hässlich wie Kobolde“ im Gegensatz zu den hellhäutigeren Birmanen.[6]

Nachdem es ab Juni 2012 im Rakhaing-Staat zu ethnischen Unruhen kam, äußerte der myanmarische Präsident Thein Sein gegenüber dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen den Vorschlag, dass die Rohingya sich entweder in UNHCR-Camps begeben oder das Land verlassen sollten. Weiterhin erklärte er, dass die Rohingya „illegale Einwanderer“ seien und man bereit wäre, sie in jedes Land zu deportieren, das sie aufnehmen würde. [7][8]

Ende Oktober 2012 kam es abermals zu schweren Unruhen.[9]

Situation in Myanmar[Bearbeiten]

Die Rohingya werden von den Vereinten Nationen als die „am meisten verfolgte Minderheit der Welt“ eingestuft.[10] Rohingya-Aktivisten werfen der myanmarischen Regierung vor, dass sie den Rakhaing-Staat in eine rein buddhistische Region umwandeln und die Muslime zu einer bedeutungslosen oder überschaubaren Minderheit machen wollen. Deswegen seien mehr als ein Viertel des gesamten Ackerlandes dem Dschungel überlassen worden. Die Regierung habe damit begonnen, beschlagnahmtes Rohingyaland an Arakanesen innerhalb und außerhalb des Rakhaing-Staats zur Besiedlung zu übergeben. Es wird behauptet, dass Pagoden und buddhistische Klöster vor allem an Stellen errichtet werden, wo zuvor islamische Gebäude niedergerissen wurden, um Rakhaings Erscheinungsbild in ein buddhistisches umzuwandeln.

Seit der Unabhängigkeit Birmas am 4. Januar 1948 sind die Rohingya – unter Druck des Regimes – bisher mit 19 groß angelegten Militäroperationen konfrontiert gewesen. Diese massiven Militäroperationen führten zum Tod vieler Rohingya, zur Verwüstung ihrer Siedlungsgebiete und Heiligtümer sowie der systematischen Zerstörung ihrer Infrastrukturen.

Große Militäroperationen waren unter anderem:

  1. Militäroperation (5. Birmanische Regierung), November 1948
  2. Operation der Birmanischen Regionalkräfte (BTF), 1949–1950
  3. Militäroperation (2. Chinesische Regierung), März 1951–1952
  4. Mayu-Operation, Oktober 1952–1953
  5. Mone-Thone-Operation, Oktober 1954
  6. Gemeinsame Operation des Militärs und der Vereinten Siedler, Januar 1955
  7. Operation der Vereinigten Militärpolizei (UMP), 1955–1958
  8. Kapitän Htin-Kway-Operation, 1959
  9. Shwe-Kyi-Operation, Oktober 1966
  10. KyiGan-Operation, Oktober – Dezember 1966
  11. Ngazinka-Operation, 1967–1969
  12. Myat-Mon-Operation, Februar 1969–1971
  13. Major-Aung-Than-Operation, 1973
  14. Sabe-Operation, Februar 1974–1978
  15. Nagamin-Operation, Februar 1978–1979
  16. Shwe-Hintha-Operation, August 1978–1979
  17. Galone-Operation, 1979
  18. Pyi-Thaya-Operation, 1991–1992
  19. Na-Sa-Ka-Operationen, seit 1992

Liste von schweren Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen des Militärregimes:

  1. Verweigerung der Staatsbürgerschaft und Ausstellung entsprechender persönlicher Dokumente mit dem Gesetz aus dem Jahre 1982
  2. Reisebeschränkungen innerhalb der Landesgrenzen, in die Stadt, in andere Dörfer
  3. Zwangsarbeit
  4. Konfiszierung privaten Bodens, Nötigung zum Exil und der Zerstörung Privateigentums
  5. Heiratsbeschränkungen für Rohingya
  6. Illegale Besteuerung und Diebstahl
  7. Illegale Machenschaften bei der Registrierung von Geburten und Todesfällen
  8. Beschränkungen der schulischen Erziehung
  9. Illegale İnhaftierungen, Folter und illegale Tötungen
  10. Vergewaltigung von Frauen und Misshandlungen älterer Menschen
  11. Systematische Dezimierung der Einwohnerzahl der Rohingya
  12. Schätzungsweise 1,5 Millionen Rohingya leben staatenlos im Exil.
  13. Illegale Inhaftierungen von Exil-Rohingya in den Nachbarstaaten (Bangladesch, Indien, Pakistan, Saudi Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Thailand, Malaysia)
  14. Die Rohingya werden offiziell nicht als eigenständige Bevölkerungsgruppe anerkannt.[11][12][13]

Kultur[Bearbeiten]

Münzen von den Königen von Arakan

Obwohl sie von der myanmarischen Regierung als „bengalische Muslime“ bezeichnet werden und ihnen der Status als anerkannte einheimische Volksgruppe verwehrt wird, haben die Rohingya eine eigene Kultur und Sprache.

Die Sprache der Rohingya steht dem Bengali nahe und gehört zu den indoarischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie. Rohingya-Sprecher können sich mit Sprechern des Chittagong-Dialekts des Bengali verständigen, der im nahen Südosten Bangladeschs gesprochen wird. Die Sprache hat viele Lehn- und Fremdwörter aus Urdu, Hindi, Bengali und Arabisch, aber auch einige Wörter aus Birmanisch und Englisch sind eingegliedert. Die Sprache wurde ursprünglich in arabischer Schrift geschrieben, jedoch gibt es seit kurzem Bemühungen, die Sprache in lateinischer Schrift zu schreiben. Das Ergebnis daraus nennt man Rohingyalisch.

Ihre Religion – mehrheitlich der Islam – ist für die Rohingya von großer Bedeutung. Es gibt Moscheen und religiöse Schulen in jedem Stadtviertel und Dorf.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jonathan Head: BBC News: What drives the Rohingya to sea? In: BBC News. 5. Februar 2009
  2. BDNews: News from Bangladesh: UNHCR threatens to wind up Bangladesh operations. In: Burmanet. 23. Mai 2005
  3. a b Bernd Musch-Borowska: In den Tod geschickt. In: Deutschlandfunk. 7. Februar 2009
  4. Videobeweise: Thailands Militär überlässt Bootsflüchtlinge sich selbst. In: Der Tagesspiegel. 27. Januar 2009
  5. Boat people rescued off Indonesia. In: BBC News. 3. Februar 2009
  6. Myanmar’s Outrageous Racism Excused. In: Asia Sentinel. 12. Februar 2009
  7. Rohingya in Myanmar: Präsident Sein droht 800.000 mit Ausweisung. In: zenith – Zeitschrift für den Orient. 12. Juli 2012
  8. Myanmar moots camps or deportation for Rohingyas. In: AFP. 12. Juli 2012
  9. Ethnische Unruhen: Tausende Menschen in Burma auf der Flucht. In: Spiegel Online. 27. Oktober 2012
  10. Kim Son Hoang: Die am meisten verfolgte Minderheit der Welt. In: Der Standard. 30. Juli 2012 (Interview mit Ulrich Delius)
  11. Siehe Myanmar Travel Information: Myanmar People
  12. Burmese consular says Rohingya do not belong to Burma. In: Mizzima. 13. Februar 2009
  13. Zensus in Birma: Das Volk zählen, die Ethnien spalten. In: taz. 31. März 2014