SMS Schlesien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
SMS Schlesien
SMS Schlesien BainNews.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge) Deutsches Reich
Schiffstyp Linienschiff
Klasse Deutschland-Klasse
Bauwerft Schichau, Danzig
Baunummer 751
Baukosten 24.920.000 Mark
Stapellauf 28. Mai 1906
Indienststellung 5. Mai 1908
Verbleib Am 5. Mai 1945 versenkt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
127,6 m (Lüa)
125,9 m (KWL)
Breite 22,2 m
Tiefgang max. 8,25 m
Verdrängung Konstruktion: 13.191 t
Maximal: 14.218 t
 
Besatzung 743 bis 802 Mann
Maschine
Maschine 12 Marinekessel
3 3-Zyl.-Verbundmaschinen
Maschinen-
leistung
18.923 PS (13.918 kW)
Geschwindigkeit max. 18,5 kn (34 km/h)
Propeller 2 dreiflügelig ∅ 4,8 m
1 vierflügelig ∅ 4,5 m
Bewaffnung
  • 4 × Sk 28,0 cm L/40 (340 Schuss)
  • 14 × Sk 17,0 cm L/40 (1.820 Schuss)
  • 20 × Sk 8,8 cm L/35 (2.800 Schuss)
  • 6 × Torpedorohr ∅ 45,0 cm (unter Wasser, 16 Schuss)

1939:

  • 4 × Sk 28,0 cm L/40
  • 6 × Flak 10,5 cm (1.800 Schuss)
  • 4 × Flak 3,7 cm
  • 4 × Flak 2,0 cm
Panzerung
  • Gürtel: 100–240 mm auf 80 mm Teak
  • Zitadelle: 170 mm
  • Panzerdeck: 40–97 mm
  • Kommandoturm: 30–300 mm
  • Türme: 50–280 mm
  • Kasematten: 170 mm
  • Schilde: 70 mm

Die SMS Schlesien war ein Linienschiff der Deutschland-Klasse. Sie wurde 1908 für die Kaiserliche Marine in Dienst gestellt und im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Nach dem Krieg war das Schiff Teil der Reichsmarine (ab 1935 Kriegsmarine) und vom 1. März 1927 bis zum 4. Mai 1945 im Dienst.

Geschichte[Bearbeiten]

Kaiserliche Marine[Bearbeiten]

Die Inbaugabe der Schlesien erfolgte als Linienschiff R, wobei ihre Schwesterschiffe die Baubezeichnungen N (SMS Deutschland), P (SMS Hannover), O (SMS Pommern) und Q (SMS Schleswig-Holstein) erhielten.

Der Bauauftrag für die Schlesien erfolgte am 11. Juni 1904 an die Werft F.. Schichau in Danzig. Die Kiellegung fand am 19. November 1904 statt. Der Stapellauf am 28. Mai 1906 erfolgte in Anwesenheit des Kaisers, im März des Jahres 1908 erfolgte die Endausrüstung in Kiel. Am 5. Mai 1908 wurde die Schlesien in Dienst gestellt. Inzwischen hatte die Royal Navy mit der HMS Dreadnought das erste Schlachtschiff mit einheitlichem Kaliber der Hauptartillerie in den Dienst übernommen. Schiffe wie die Schlesien waren damit bereits bei ihrer Indienststellung veraltet.

Mit Kriegsausbruch 1914 war die Schlesien im Sicherungsdienst in der Deutschen Bucht eingesetzt, später als Zielschiff für Unterseeboote. 1916 nahm sie an der Skagerrakschlacht teil. Anschließend wurde sie mit verringerter artilleristischer Ausstattung als Schulschiff verwendet. Bei Ausbruch der Novemberrevolution 1918 verließ die Schlesien am 5. November Kiel, ehe sich der Kieler Matrosenaufstand an Bord ausbreiten konnte. Als das Schiff vor Flensburg ankerte, erlaubte der Kommandant den Besatzungsangehörigen, die sich zur Revolution bekannten, das Schiff zu verlassen. Es blieb weniger als die Hälfte der Besatzung und nur wenig Maschinenpersonal. Zwischen dem 6. und 9. November legte die Schlesien eine Irrfahrt durch die Ostsee zurück, um den revolutionären Kräften zu entgehen. Die an Bord befindlichen Seekadetten der Offiziercrew VII/18 ersetzten das Maschinenpersonal und bezeichneten ihre Crew fortan als „Schlesien-Crew“.[1]

Am 10. November 1918 bzw. am 1. Dezember 1918 wurde die Schlesien außer Dienst gestellt.

Reichs- und Kriegsmarine[Bearbeiten]

Die Schlesien wurde am 1. März 1927 als Ersatz für die Hannover in die Reichsmarine übernommen und wieder in Dienst gestellt und war folgend im Flottendienst aktiv. In den Jahren 1938/1939 wurde die Antriebsanlage ganz auf Ölfeuerung umgestellt.

Schlesien, 1937

Im Zweiten Weltkrieg war sie als Kadettenschulschiff im Einsatz. 1940 nahm die Schlesien an der Besetzung Dänemarks während des Unternehmens Weserübung teil. Die Mittelartillerie wurde an verschiedene Hilfskreuzer abgegeben, anschließend erfolgte der Einsatz wieder als Schul- und Ausbildungsschiff sowie für Eisbrecherdienste. Im April 1942 verlegte das Schiff zusammen mit dem beschädigten Schlachtschiff Gneisenau nach Gotenhafen. Gegen Ende des Krieges beschoss die Schlesien Landziele an der pommerschen Küste. Am 3. Mai 1945, 3.01 Uhr, lief sie südöstlich der Greifswalder Oie auf eine britische Grundmine. Der Minentreffer ereignete sich im Bereich des Vorschiffs und beschädigte das Schiff schwer.[2]

Verbleib[Bearbeiten]

Am 4. Mai 1945 wurde die Schlesien in der Nähe von Swinemünde bei einem Luftangriff von Bomben getroffen. Um das Sinken des Schiffs zu verhindern, wurde es mit dem Heck voran gestrandet und aufgegeben. Anschließend wurde die Schlesien gesprengt und das Wrack durch Torpedoschüsse des Flottentorpedoboots T 36 weiter zerstört.[3]

Mit der Verschrottung wurde vier Jahre nach Kriegsende begonnen. Die Arbeiten zogen sich sehr in die Länge, und erst 1970 waren die Überreste des Schiffs größtenteils abgewrackt. Noch im Jahre 1980 waren Reste zu sehen, welche in den folgenden Jahren abgebrochen wurden.

Technische Beschreibung[Bearbeiten]

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Vermessung 8048 BRT, 4145 NRT
  • Konstruktionsverdrängung 13.191 t
  • Einsatzverdrängung 14.218 t
  • Panzerung : Deck 40 mm, Panzerdeckböschungen 97 mm bzw. 67 mm, Kommandoturm vorn 30 mm - 300 mm, achtern 140 mm, Gürtelpanzer bis zu 240 mm auf 80-mm-Teakholzhinterlage. Kasematten 170 mm, Schilde 70 mm, Zitadelle 170 mm, Türme der Schweren Artillerie sowie der Barbetten bis zu 280 mm.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die Bewaffnung bestand aus vier 28-cm-Schnelladekanonen L/40, 14 17-cm-Schnelladekanonen L/40, 20 8,8-cm-Schnelladekanonen L/35 sowie zeitweise vier Maschinenkanonen. Weiterhin waren sechs Unterwassertorpedorohre mit einem Durchmesser von 45 cm vorhanden. Im weiteren Verlauf wurde die Bewaffnung, abgesehen von der Hauptbewaffnung, mehrfach geändert.

Antrieb und Besatzung[Bearbeiten]

Die Antriebsleistung betrug 18.923 PSi, der Fahrbereich betrug 4.800 Seemeilen bei 10 Knoten Geschwindigkeit. Es konnten maximal 1.750 t Kohle mitgeführt werden, nach dem Einbau der Öl-Zusatzfeuerung 1.380 t Kohle und 180 t Heizöl. Die Konstruktionsgeschwindigkeit betrug 18,5 kn.

Die Besatzungsstärke lag bei 35 Offizieren und 708 Mann, wobei die Besatzung bei Sonderverwendung (Flotten- oder Geschwaderflaggschiff) verstärkt wurde.

Kommandanten[Bearbeiten]

5. Mai bis Juli 1908 Kapitän zur See Franz von Holleben
Juli bis September 1908 Kapitän zur See Friedrich Schultz
September 1908 bis 30. September 1909 Kapitän zur See Reinhard Koch
1. Oktober 1909 bis Februar 1911 Kapitän zur See Hugo Louran
Februar bis Oktober 1911 Kapitän zur See Hugo Langemak
4. Oktober 1911 bis 30. September 1912 Kapitän zur See Carl Schaumann
1. Oktober 1912 bis März 1915 Kapitän zur See Carl Hollweg
März bis April 1915 Korvettenkapitän Maximilian Becker (in Vertretung)
April 1915 bis September 1916 Kapitän zur See Friedrich Behncke
September 1916 bis Juni 1917 Kapitän zur See Ernst Ewers
Juni bis August 1917 Korvettenkapitän Paul Globig (in Vertretung)
August bis Oktober 1917 Korvettenkapitän Günter Paschen
Oktober bis November 1917 Kapitänleutnant der Reserve Franz Wilde (in Vertretung)
November 1917 bis April 1918 Korvettenkapitän/Fregattenkapitän Hans Pochhammer
April 1918 Fregattenkapitän Max Lutter
April bis Mai 1918 Kapitän zur See Gustav Luppe
Mai bis September 1918 Fregattenkapitän Otto Döhring
September bis 10. November 1918[1] Fregattenkapitän Hugo von Waldeyer-Hartz
November 1918 Kapitänleutnant der Seewehr Heinrich Dau
November bis 1. Dezember 1918 Kapitänleutnant Hermann Brunswik
1. März bis 27. September 1927 Kapitän zur See Werner Tillessen
28. September 1927 bis 30. September 1928 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Alfred Saalwächter
1. Oktober 1928 bis 22. September 1929 Fregattenkapitän/Kapitän zur See Max Bastian
23. September 1929 bis 23. September 1932 Kapitän zur See Kurt Aßmann
1. Oktober 1932 bis 28. September 1934 Kapitän zur See Wilhelm Canaris
27. September 1934 bis 24. September 1936 Kapitän zur See Heinrich Ancker
25. September 1936 bis 29. September 1937 Kapitän zur See Thilo von Seebach
1. Oktober 1937 bis 3. August 1938 Kapitän zur See Friedrich-Wilhelm Fleischer
4. August 1938 bis 4. April 1939 Kapitän zur See Werner Lindenau
20. April bis 16. November 1939 Kapitän zur See Kurt Utke
17. November 1939 bis 30. Juli 1940 Kapitän zur See Günther Horstmann
Juli bis August 1940 Fregattenkapitän Arnold Oehrl
Januar bis Mai 1941 Fregattenkapitän Johannes Isenlar (m.d.W.d.G.b.)
Mai 1941 bis Oktober 1941 Kapitän zur See Werner Lindenau
15. Januar bis 30. Juni 1942 Kapitän zur See Ernst von Studnitz
Juni bis September 1942 Fregattenkapitän Walter Hauser (m.d.W.d.G.b.)
September 1942 bis Februar 1943 Kapitän zur See Franz Frerichs
Februar bis März 1943 Korvettenkapitän d. Res. Oscar Brödermann (m.d.W.d.G.b.)
März bis Juni 1943 Korvettenkapitän Helmut von Oechelhaeuser (m.d.W.d.G.b.)
Juni 1943 bis November 1944 Kapitän zur See Alfred Roegglen
November 1944 bis 4. Mai 1945 Kapitän zur See Hans-Eberhard Busch

Literatur[Bearbeiten]

  •  Gröner, Erich / Dieter Jung / Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 1: Panzerschiffe, Linienschiffe, Schlachtschiffe, Flugzeugträger, Kreuzer, Kanonenboote, Bernard & Graefe Verlag, München 1982, ISBN 3-7637-4800-8, S. 44–46.
  •  Hildebrand, Hans H. / Albert Röhr / Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 7: Schiffsbiographien von Preußischer Adler bis Ulan, Mundus Verlag, Ratingen o. J. (Genehmigte Lizenzausgabe Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg, ca. 1990).
  •  Koop, Gerhard / Klaus-Peter Schmolke: Schiffsklassen und Schiffstypen der deutschen Marine. Band 10: Die Panzer- und Linienschiffe der Brandenburg-, Kaiser Friedrich III-, Wittelsbach-, Braunschweig- und Deutschland-Klasse, Bernard & Graefe Verlag, Bonn 2001, ISBN 3-7637-6211-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: SMS Schlesien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Rolf Johannesson: Offizier in kritischer Zeit. Herford und Bonn 1989, ISBN 3-8132-0301-8, S. 17 ff.
  2. Wolfgang Harnack: Die deutschen Flottentorpedoboote von 1942 bis 1945. Verlag E.S. Mittler & Sohn GmbH, Hamburg/Berlin/Bonn 2004, ISBN 3-8132-0825-7, S.197
  3. Erich Gröner, Dieter Jung und Martin Maass: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945 Band 1. Bernard & Graefe Verlag, München 1982, ISBN 3-7637-4800-8, S. 46