Świnoujście

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt mit deutschen Namen Swinemünde. Das nach ihr benannte Schiff findet sich unter Swinemünde (Schiff).
Świnoujście (Swinemünde)
POL Świnoujście COA.svg
Świnoujście (Swinemünde) (Polen)
Świnoujście (Swinemünde)
Świnoujście (Swinemünde)
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 197,23 km²
Geographische Lage: 53° 55′ N, 14° 15′ O53.91666666666714.25Koordinaten: 53° 55′ 0″ N, 14° 15′ 0″ O
Höhe: 5 m n.p.m
Einwohner: 41.479
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 72-600 bis 72-612
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZSW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 3 Świnoujście ↔ Jakuszyce
DK 93 Świnoujście ↔ Deutschland
Schienenweg: Świnoujście–Stettin
Świnoujście–Wolgast
Nächster int. Flughafen: Heringsdorf
Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 197,00 km²
Einwohner: 41.479
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 211 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3263011
Verwaltung (Stand: 2013)
Stadtpräsident: Janusz Żmurkiewicz
Adresse: ul. Wojska Polskiego 1/5
72-600 Świnoujście
Webpräsenz: www.swinoujscie.pl
Luftbild der gesamten Stadt

Świnoujście?/i [ɕfinɔˈujɕʨɛ] (deutsch Swinemünde) ist eine Stadt mit über 41.000 Einwohnern auf den Inseln Usedom (Uznam), Wollin (Wolin) und Kaseburg (Karsibór) am Stettiner Haff und am Südufer der Ostsee, und ist Vorhafen von Stettin. Świnoujście bildet einen eigenen Stadtkreis in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Swinemünde war bis zum Zweiten Weltkrieg das drittgrößte deutsche Ostseebad, seit dem 6. Oktober 1945 gehört der Ort zu Polen.

Bekannt wurde das Seebad vor allem durch die regelmäßigen Besuche von Kaiser Wilhelm II. während der Kaisertage seit 1882 (jährlich am ersten Augustwochenende).[3] Deshalb wird Swinemünde mitunter neben Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck auch als Das Vierte Kaiserbad bezeichnet. Mit diesen ist Swinemünde über die längste Strandpromenade Europas verbunden, welche sich auf einer Länge von über 12 km über die vier Seebäder erstreckt.[4]

Der 12 km lange feine Sandstrand von Swinemünde bis Bansin zieht sich, durchschnittlich 40 m breit, im weiteren Verlauf 42 km bis nach Peenemünde.

Der Tourismus und die Hafenwirtschaft sind heute die Hauptwirtschaftszweige in Swinemünde.

Geographie[Bearbeiten]

Lage der Stadt auf den Inseln Usedom und Wolin

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt nimmt den östlichen etwa drei Kilometer breiten Landstreifen der Insel Usedom, der 1945 polnisches Staatsgebiet wurde, sowie den Westzipfel der Insel Wollin ein. Der Stadtkern wird im Osten von der Swine begrenzt, die die Inseln Usedom und Wollin voneinander trennt. Am Ostufer befindet sich der Stadtteil Warszów (deutsch Osternothafen und Ostswine).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadtgemeinde Świnoujście umfasst ein Gebiet von 197,2 km² und gliedert sich in folgende Stadtteile (dzielnica):

  • Świnoujście (Swinemünde)
  • Wydrzany (Friedrichsthal)
  • Warszów (Ostswine)
  • Chorzelin (Osternothafen)

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Swinemünde ist als eine der jüngsten Städte Preußens an der Swinemündung neben dem (später eingemeindeten) kleinen Dorf Westswine entstanden. In diesem Dorf betrieben etwa sechs Bauern als Kossäten sowohl Fischfang als auch recht kümmerlich Landwirtschaft. Fernerhin hatten sie zur Verbesserung ihrer Einnahmen gemeinsam die Fähre über die Swine gepachtet. Auch eine kleine hölzerne Dorfkirche war vorhanden. Sie gehörte allerdings zum Kirchspiel Caseburg. An der Stelle des späteren Swinemünde befand sich bereits Ende des 12. Jahrhunderts eine Schutzburg. 1230 ließ der Herzog Barnim I. von Pommern eine Fährverbindung über die Swine einrichten. 1297 wird erstmals im Zusammenhang mit der Einrichtung einer herzoglichen Zoll- und Lotsenstation der Swinemünder Hafen erwähnt. 1457 zerstörten die Stettiner eine herzogliche Burg an der Swine.[5]

17. und 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Swinemünde 1759

Bei der Teilung Pommerns zwischen Brandenburg und Schweden im Westfälischen Frieden 1648 fiel Vorpommern mit Usedom und Wollin an Schweden. Um aus strategischen Gründen den Schiffsverkehr von und nach Stettin durch den Peenestrom zu leiten, ließ Schweden die Swine versanden. Noch am Anfang des 18. Jahrhunderts war die Swine ganz ohne Bedeutung gegenüber dem Peenestrom, der durch die Verbindungen der Handelsstadt Wolgast die gesamte Oderschifffahrt beherrschte. In Wolgast wurden vom schwedischen Fiskus hohe Zölle erhoben.

Nach dem Nordischen Krieg trat Schweden im Frieden von Stockholm 1720 Stettin und Usedom-Wollin an Preußen ab, während es Rügen, das nördliche Vorpommern, Stralsund und Wismar behielt. 1729 begann der preußische König Friedrich Wilhelm I. zur Umgehung der Zölle und Abgaben, die im schwedischen Wolgast anfielen, die Swine wieder schiffbar zu machen. Sie wurde ausgebaggert und in der Nähe des kleinen Dorfes Westswine stand ein beschränkt nutzbarer Kleinhafen zur Verfügung. Das Projekt blieb unvollendet, denn wegen ungenügender Befestigungen versandete die Swine während der Herbststürme häufig wieder. Außerdem fehlte in den kleinen Orten Westswine und Ostswine die für einen Leichterhafen unverzichtbare Infrastruktur.

Der Nachfolger Friedrich der Große setzte das Werk bei seinem Regierungsantritt 1740 energisch fort und 1746 konnte ein mit Pfahlwerk befestigter Hafen offiziell unter dem Namen „Swinemünde“ dem Seehandel geöffnet werden.

Der mit dem Bau und dem Betrieb des neuen Hafens entstandene Ort Swinemünde bekam bald einen Bebauungsplan und wuchs durch den Zuzug von Händlern, Handwerkern und Gastwirten rasch an. Er erhielt 1753 einen Magistrat und wurde 1765 unter Einbeziehung Westswines zur Immediatstadt erklärt. 1779 erhielt die Stadt eine Lateinschule und 1792 eine neue Kirche.

Swinemünde im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Als Ergebnis des Wiener Kongresses kam Wolgast 1815 zu Preußen, wodurch die bisherige Konkurrenzsituation gegenüber Schweden in der Seeschifffahrt wegfiel. Es war jedoch erkannt worden, dass die Swine als Schifffahrtsweg zwischen den Ostseehäfen wegen der kürzeren Fahrtzeiten Vorteile hatte. Um weitere Siedler anzulocken, wurden bis 1840 Bauplätze und Bauholz unentgeltlich zur Verfügung gestellt; auch wurde weitgehende Steuerfreiheit gewährt.

Der Hafen bildete das Zentrum der Aktivitäten: Leichter holten die Waren von den auf Reede oder im Hafen liegenden Schiffen und beförderten sie u. a. nach Stettin. Auf dem Rückwege von Stettin nahmen sie wiederum Güter für die Schiffe mit. Seefahrt, Gütertransport, Handel, Handwerk und Gewerbe erlebten so die erste Blüte. Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg in den Jahren 1773 bis 1784 und der Dritte Koalitionskrieg 1801–1805 ließen den Hafen weiter expandieren, er wurde in diesen Jahren weiter ausgebaut. Um die Versandung in Bereich der Hafeneinfahrt an der Ostsee aufzuhalten, wurde 1818 mit dem Bau der Molen begonnen. Als Baumaterial dienten auch Findlinge vom Vinetariff vor Zinnowitz.

Darstellung des historischen Leuchtturms aus der Zeit um 1900

In Swinemünde lebten zu diesem Zeitpunkt bereits bis zu 2000 Menschen. Die 1020 m lange Westmole und die 1372 m lange Ostmole wurden 1823 im Rohbau und 1829 endgültig fertiggestellt, eine wasserbautechnische Glanzleistung. An der Spitze der Ostmole wurde 1828, vermutlich nach einem Entwurf Karl Friedrich Schinkels, eine Laternenbake errichtet, die zeitgenössisch auch als „Leuchtturm“ bezeichnet wurde (die Bake wurde um 1910 entfernt).[6] 1848 verfügten die Reeder von Swinemünde über 16 Handelsschiffe.[7] 1859 wurde der Leuchtturm am Ostufer der Swine errichtet. Um das Problem der Versandung der Swine im Hinterland zu umgehen, wurde zwischen 1875 und 1880 ein Kanal gebaut. Dieser besteht aus zwei Hauptabschnitten, der Mellinfahrt und der Kaiserfahrt. Eine auf der Westmole installierte weiße Bake von der Form einer Windmühle, die so genannte Mühlenbake, ist ein Wahrzeichen des Swinemünder Hafens.

Ab 1857 gab es Dampfschiffverbindungen nach Ostpreußen, Bornholm und Kopenhagen. Die meisten Schiffe fuhren nach der Fertigstellung der Kaiserfahrt, eröffnet 1881, nach Stettin durch, für den Seehafen Swinemünde ein wirtschaftlicher Nachteil. Mit der Gründung des See- und Solbades Swinemünde wurde im Juli 1824 die erste offizielle Badesaison eröffnet, und ein neuer Erwerbszweig mit weit reichenden Folgen für die Entwicklung der Stadt war geboren. Von Beginn an stammte die Hälfte aller Badegäste aus Berlin.

Garnisonsstadt[Bearbeiten]

Stadtplan von Swinemünde (ca. 1908) und die Nachbargemeinden der Stadt auf den Inseln Usedom-Wollin

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann die preußische Armee mit der Anlage von Küstenforts rechts und links der Swine und an der Mündung der Peene. Swinemünde war fortan Festung III. Ranges mit einem Bataillon Fußartillerie. Nach der Entfestigung Stettins 1870 wurden die Festungswerke modernisiert und vergrößert.

Die Festung Swinemünde (erbaut 1854 bis 1880) ist noch heute gut erhalten und ein touristischer Höhepunkt.

Wehrmachts- und U-Boot-Flottenstützpunkt[Bearbeiten]

Nach 1933 wurde auf der Insel Kaseburg, die erst ein halbes Jahrhundert zuvor durch den Bau des Kanalabschnitts Kaiserfahrt eine Insel geworden war, ein U-Boot-Hafen angelegt, und in Swinemünde selbst wurden Torpedoboote stationiert. Noch heute sieht man bei der Überfahrt mit der Fähre die U-Boot-Entmagnetisierungsanlage an der Insel Kaseburg.

Die alten Festungsanlagen wurden auch im Zweiten Weltkrieg ausgebaut und genutzt. Besonders das Westfort wurde intensiv genutzt, am westlichen Ende entstand der Hochbunker mit Messanlagen und Flakplattform. An der östlichen Swineseite ca. 1,5 km vom Leuchtturm entfernt, entstand die Küstenbatterie „Goeben“. Weitere 2 km östlich davon entstand ein Hochbunker als Messstation für die Batterie „Goeben“. Dieser wurde nach dem Krieg nicht gesprengt, er dient noch heute mit einem Stahlaufbau als Feuerwachturm. Dieser Turm (Hochbunker) heißt wegen seiner eigentümlichen Form „Glocke“. In Ausnahmefällen ist er besteigbar.[8]

Weitere Entwicklung bis 1945[Bearbeiten]

Nachdem im Jahr 1826 insgesamt 626 Badegäste gezählt worden waren, waren es 1913 bereits 40.247. Swinemünde war vor dem Zweiten Weltkrieg hinter Kühlungsborn und Kolberg das drittgrößte deutsche Ostseebad. Einhergehend mit dieser Entwicklung vergrößerte sich die Zahl der Einwohner: 1850 waren es 4719, um sich bis 1910 auf 13.916 zu verdreifachen.

Um das Jahr 1930 hatte die Gemarkung der Stadt Swinemünde eine Flächengröße von 10,8 km², und es standen zusammen 1534 Wohnhäuser an dreizehn verschiedenen Wohnorten:[9]

  • Eichstaden
  • Forsthaus Torfhaus
  • Forstsekretärgehöft Chausseehaus am Golm
  • Grüne Fläche
  • Kaserne Westbatterie
  • Marine-Sperrdepot
  • Restaurant Torfhaus
  • Rütgerswerke
  • Schießstandwache
  • Siedlung Pommernwerft
  • Swinemünde-Hafengrund
  • Swinemünde
  • Wasserwerk

Im Jahr 1925 wurden 19.787 Einwohner, darunter 907 Katholiken und 129 Juden, gezählt, die auf 5.301 Haushaltungen verteilt waren.[9]

Bis 1945 gehörte Swinemünde zum Landkreis Usedom-Wollin im Regierungsbezirk Stettin der Provinz Pommern.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Swinemünde überfüllt mit Flüchtlingen und deren Wagen, auf denen sie aus dem Osten Deutschlands vor der heranrückenden Roten Armee geflohen waren und hier auf einen Weitertransport warteten. Die Gesamtzahl der sich in der Stadt aufhaltenden Menschen soll dadurch ein Vielfaches der in der Stadt gemeldeten Einwohner betragen haben.

Am 12. März 1945 führte die 8. US-Luftflotte mit 671 Bombern und 412 Begleitjägern einen verheerenden Luftangriff auf Swinemünde aus, der dem Marinehafen galt und bei dem die Stadt zum großen Teil zerstört wurde. Die Angaben über die Anzahl der Todesopfer variieren stark. Die publizierten Opferzahlen reichen von 4000[10] bis zu 23.000[11][12]. Die meisten Opfer wurden auf dem nahen Golm in Massengräbern beigesetzt. Am 16. April 1945 erfolgte ein weiterer Angriff britischer Bomber auf das in der Kaiserfahrt südlich Swinemünde liegende Panzerschiff Lützow, das durch einen Nahtreffer mit speziellen Bomben zum Sinken gebracht wurde.

Am 5. Mai 1945 wurde Swinemünde von der sowjetischen Armee besetzt. Nach den Festlegungen der Potsdamer Konferenz vom August 1945 sollte die deutsche Ostgrenze auf der Linie von Oder und Neiße verlaufen. Entgegen diesen Festlegungen verfügte Stalin eigenmächtig, dass auch die Gebiete westlich der Oderlinie mit Stettin und Swinemünde, sowie deren Umfeld den polnischen Verwaltungsgebieten zuzuschlagen sind. Der alliierte Kontrollrat wandte aber nichts gegen diese Eigenmächtigkeit ein. Am 6. Oktober des gleichen Jahres übergaben die sowjetischen Behörden die Stadt an Polen, eine polnische Verwaltung wurde eingesetzt und bald darauf die Stadt in Świnoujście umbenannt.

Swinemünde blieb aber eine große Garnison der Roten Armee, die noch bis in die 1990er Jahre hier präsent war. Von Swinemünde aus wurden bis 1947/48 alle technischen Überreste der HVA Peenemünde, einschließlich der Raketenreste und später auch die internierten Techniker und Ingenieure aus Peenemünde nach Russland abtransportiert.

Zu dieser Zeit lebten in Swinemünde und auf Wollin noch etwa 30.000 Deutsche. Es begann nun die Zuwanderung von Polen und Ukrainern aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die an ihren Heimatorten von der zuständigen lokalen Sowjetkommandantur im Allgemeinen vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine neue Staatsangehörigkeit anzunehmen oder auswandern zu müssen. Die Deutschen in Swinemünde wurden ab 1945 von der polnischen Verwaltung vertrieben. Im Winter 1945/46 kam es zu zahlreichen Übergriffen, Vergewaltigungen und Ermordungen deutscher Einwohner durch polnische Sicherheitskräfte.[13]

Geschichte der Stadt seit 1945[Bearbeiten]

Ortseingangsschild von Świnoujście an der Grenze
Polnische Braut begrüßt erste deutsche KFZ am Torfgraben (Dezember 2007)

Anfang 1950 lebten in Swinemünde noch 500 bis 600 Deutsche. Sie arbeiteten vorwiegend auf dem sowjetischen Marinestützpunkt in Świnoujście als Spezialisten, einige bei der Stadt und beim Hafenamt. Allerdings hatten sie bei der eingewanderten polnischen Bevölkerung keinen leichten Stand. Ab 1950 durften nur noch solche Deutschen in ihrer alten Heimat bleiben, die eine slawische oder polnische Abstammung nachzuweisen vermochten. Den Einwohnern erschwerte die ständige Anwesenheit der großen sowjetischen und polnischen Garnisonen die Bewegungsfreiheit. Die gesamten Hafenanlagen, die älteren und neueren Festungsanlagen östlich und westlich der Swine, sowie das gesamte Kurviertel blieben der alleinigen Nutzung der sowjetischen Truppen vorbehalten.

1948 begann der Aufbau einer Hochseefischereibasis am östlichen Swine-Ufer (das Fischkombinat Odra). Ab 1958 wurde der Wiederaufbau der Stadt intensiviert. Der Ausbau des Hochseehafens (Hafenkomplex Szczecin–Świnoujście) folgte. Nachdem im Jahre 1958 die sowjetischen Streitkräfte das Kurviertel geräumt hatten, entwickelte sich Świnoujście neben Kołobrzeg (Kolberg) und Sopot (Zoppot) zu einem der bekanntesten polnischen Ostseebäder. 1989/90 fiel der Eiserne Vorhang. 1990/91 zerfiel die Sowjetunion. Im Dezember 1992 wurden die letzten Einheiten der sowjetischen Armee aus den Kasernen am westlichen Stadtrand und dem Fort "Engelsburg" abgezogen. Die seit 1989 zu verzeichnende, oft mit harten Einschnitten verbundene Umstrukturierung der Wirtschaft in Polen spiegelt sich auch im Antlitz der Stadt wider. Die Stadt und ihre Wirtschaft profitieren von ihrer Nähe zur Grenze und den jetzt zahlreich anströmenden deutschen Touristen.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1782: 1.804[14]
  • 1812: 2.798, davon 11 Katholiken, keine Juden[15]
  • 1816: 3.191, davon 12 Katholiken und zwei Juden[15]
  • 1831: 3.536, davon sechs Katholiken und 32 Juden[15]
  • 1843: 4.012, davon drei Katholiken und 39 Juden[15]
  • 1852: 4.752, davon 24 Katholiken und 50 Juden[15]
  • 1861: 5.591, davon 22 Katholiken 74 Juden[15]
  • 1900: 10.300
  • 1905: 13.272 (einschließlich der Garnison), davon 402 Katholiken und 122 Juden[16]
  • 1925: 19.787, davon 907 Katholiken und 129 Juden[9]
  • 1933: 20.521, meist Evangelische[17]
  • 1938: 30.100
  • 1939: 21.000, u. 2.500 Ostswine[18]
  • 1947: 5.800
  • 1960: 17.000
  • 1970: 28.100
  • 1975: 42.400
  • 1980: 47.100
  • 1990: 43.300
  • 1995: 43.361
  • 2005: 40.993

Die Einwohnerschaft Swinemündes bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs aus Deutschen mit überwiegend evangelischer Religionszugehörigkeit. Die nach Kriegsende zugewanderte polnische Bevölkerung ist überwiegend katholisch.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gebäude des historischen Rathauses. Es beherbergt heute ein Fischereimuseum.
Christuskirche aus dem 19. Jahrhundert
Turm der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Lutherkirche

Im Stadtzentrum westlich der Swine auf der Usedomer Seite sind noch einige Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten.

  • Historisches Rathaus: Das alte Rathaus wurde 1805-1806 nach einem Entwurf von Maner erbaut.[19] Den Turm mit Uhr erhielt das Gebäude, das das erste Rathaus der Stadt und Sitz mehrerer Behörden war, im Jahr 1836. Von 1932 bis 1945 waren in dem Gebäude ein Regionalmuseum und die Stadtsparkasse untergebracht. Gegenwärtig dient es als Museum für Hochseefischerei.
  • Christuskirche: Das Kirchengebäude wurde 1788–1792 nach einem Entwurf von David Gilly als erste evangelische Pfarrkirche der Stadt Swinemünde erbaut. Die Stadtkirche wurde 1881 nach einem Entwurf von Carl Schäfer vollständig neugotisch umgebaut und erhielt einen Turm und eine neue Innenausstattung. 1906, nach dem Bau der Lutherkirche, erhielt die Kirche den Namen Christuskirche. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche nur gering beschädigt, sie diente bis 1951 der deutschen evangelischen Gemeinde. 1951 eignete sich die polnische katholische Kirche das Kirchengebäude an, gab ihr den Namen Kościół Chrystusa Króla (Christ-König-Kirche) und gestaltete die Inneneinrichtung entsprechend ihrem Ritus um. Die Kirche enthält eine imposante Orgelanlage von 1927, deren besondere Klangfülle allgemein gerühmt wird. Im Inneren hängt über dem Mittelgang in etwa drei Metern Höhe eine einige Meter langes Schiffsmodell herab, das ein Hamburger Kapitän 1814 der Kirche, in der er geheiratet hatte, schenkte.[20]
  • Katholische Kirche Ave Maris Stella: Neugotischer Backsteinbau, geweiht am 22. Juli 1896.
  • Lutherkirchturm: Der restaurierte Turm der 1905-1906 im Stil der Backsteingotik nach Entwurf des Berliner Architekten Fritz Gottlob (1859–1920)[21] erbauten, bei dem Luftangriff am 12. März 1945 leicht beschädigten, dann verfallenen und 1962 bis auf den ehemals 67 Meter hohen Turm abgetragenen Martin-Luther-Kirche dient seit 2007 als Aussichtsturm mit einem Rundblick über Stadt und Umgebung und als Café.[22]
  • Kurpark: An das Zentrum schließt sich der Kurpark mit dem Kurviertel und der Strandpromenade an.
  • Leuchtturm: Der östlich der Swine (auf der Insel Wollin) gelegene, in preußischer Zeit im Jahre 1857 fertiggestellte Leuchtturm ist mit 64,8 Metern (68 m über See) der höchste an der Ostseeküste. Er wurde nach 1990 aufwendig saniert und kann seitdem bestiegen werden (308 Stufen) und bietet einen weiten Blick über Stadt und Hafen, sowie entlang der Ostseeküste nach West und Ost.[23]
  • Festungsanlagen: Die gut erhaltene Befestigungsanlagen aus der Preußenzeit: Westfort, Ostfort (am Leuchtturm) und die Engelsburg – alle sind zu besichtigen mit Ausstellungen

→ Siehe dazu Hauptartikel: Festung Swinemünde

  • Mühlenbake: Wahrzeichen Swinemündes auf der 1818 bis 1823 erbauten Westmole. Das Seezeichen wurde 1874 erbaut, die Flügel drehten sich anfänglich noch, sie erzeugten damit das blinkende Leuchtfeuer.[24]
  • Die Ostmole wurde 1818 bis 1823 erbaut. Sie ist 1500 m lang und besitzt eine Promenade. Neben ihr befindet sich der moderne Lotsenturm. Wegen des Umbaus für das benachbarte Gasterminal ist sie derzeit nur begrenzt begehbar.[25]
  • Stadtapotheke: Gegenüber der Christuskirche (heute an der ul. Marynarzy 7) befand sich einst die Stadtapotheke, die Theodor Fontanes[26] Vater von 1827 bis 1832 geführt hatte[27][28]. Zwar hat der Originalbau die Zeit nicht überstanden, doch befindet sich an der Stelle eine Gedenktafel.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der neue "Gazoport" Swinemünde im Aufbau 2013
Die neue Mole für den Gazoport bei Swinemünde 2013

2010 wurde das Projekt Gazoport auf der Insel Wollin ca. 1,3 km östlich der alten Ostmole begonnen, um große Mengen verflüssigtes Erdgas aus Katar und Algerien importieren zu können. Die geplanten Investitionen betragen 700 Millionen Euro.[29] Das Projekt führte zu einem Rechtsstreit mit dem Betreiber der Pipeline Nord Stream. Die polnische Seite fordert, die Pipeline vor Świnoujście im Meeresboden zu versenken, um die Hafenzufahrt für die Erdgastanker zu ermöglichen.[30]

Für das Anlegen der großen Gastanker wurde eine neue Mole errichtet, sowie große Speichertanks und Leitungsbrücken vom Schiffsanleger zu den Tanks. Auch eine große Verarbeitungs- und Verteileranlage ist im Bau.

Im Luftbild der gesamten Stadt ist im linken oberen Teil der helle Fleck zu erkennen, der 2011 (Bilddatum) den Beginn der Bebauung des neuen Gazoport und den Baubeginn der Mole zeigt.

Verkehr[Bearbeiten]

Zwischen den beiden Stadthälften besteht eine kostenfreie Fährverbindung über die Swine mit dichter Taktfolge, die für alle Fußgänger und Radfahrer, aber nur für polnische Kraftfahrzeuge (Ausnahme – Wochenende) nutzbar ist. Bei Kaseburg befindet sich die zweite kostenfreie Fährverbindung für den Schwerlastverkehr, sowie für die ausländischen Kraftfahrzeuge. Auch diese Fähre verkehrt in kurzer Taktfolge. Über Wollin führen eine Fernverkehrsstraße und eine Eisenbahnlinie in das rund 100 Kilometer entfernte Stettin. Für Norddeutschland ist die Verbindung über Swinemünde mit der Kaseburg-Fähre die kürzeste Verbindung in Richtung ehemaliges Hinterpommern und Danzig, sowie Ostpreußen.

Über das Stettiner Haff und die Oder besteht von April bis Oktober eine Verbindung mit einem Tragflügelboot nach Stettin, das die rund 65 km lange Strecke in ca. 75 Minuten bewältigt.

Zum deutschen Nachbarort Ahlbeck besteht ein Grenzübergang an der Bundesstraße 111, der von 1990 bis 2007 nur von Fußgängern und Radfahrern passiert werden konnte. Ein weiterer Straßengrenzübergang nur für Reisebusse und Radfahrer wurde im April 2007 im Verlauf der Bundesstraße 110 im Süden der Stadt am Torfgraben – nahe dem Golm in Richtung Garz/Zirchow geöffnet. Am 21. Dezember 2007 wurde im Rahmen von Polens Beitritt zum Schengener Abkommen auch die „grüne Grenze“ zum deutschen Teil der Insel Usedom geöffnet und die Kontrollen an den Grenzübergängen eingestellt. Seitdem sind auch beide Grenzübergänge für den allgemeinen Straßenverkehr (ausgenommen LKW über 3,5 t) freigegeben.

Zusätzlich wurde bis Juni 2008 die UBB-Strecke Züssow-Wolgast-Ahlbeck von der bisherigen Endstation Ahlbeck Grenze zum neuerrichteten Bahnhof Świnoujście Centrum verlängert[31], die seit dem 20. September 2008 regulär befahren wird.

2011 wurde Europas längste Promenade (12 km) von Bansin bis Swinemünde durchgehend für Fußgänger und Radfahrer eröffnet. Sie war zwischen Ahlbeck und Swinemünde neu und modern mit Grenzdenkmal gestaltet worden.

Vom Stadtteil Warszów auf Wollin aus bestehen Fährverbindungen der Unity Line nach Ystad und Trelleborg in Schweden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die am Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Świnoujście – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Świnoujście – Reiseführer

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  3. Kaiser Wilhelm und Zar Nikolaus in Swinemünde„So besuchte seit 1882 der deutsche Kaiser Wilhelm II. an den so genannten Kaisertagen regelmäßig die Stadt.“ (http://swinemuende.eu)
  4. Usedoms Europapromenade: Insel eröffnet grenzüberschreitende, klimaneutrale längste Strandpromenade Europas
  5. Helge bei der Wieden (Hg.): Mecklenburg. Pommern, Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd. 12, Stuttgart 1996, S. 299 f.
  6. Helmut Hannes: Der Swinemünder Leuchtturm – ein Schinkel-Bau? In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 2/2011, ISSN 0032-4167, S. 2–7.
  7. Übersicht der Preußischen Handelsmarine (E. Wendt & Co., Hrsg.), Berlin 1848, S. 27.
  8. Touristenkarte – Insel Wollin und Umgebung, Warschau 2012.
  9. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Swinemünde im ehemaligen Kreis Usedom-Wollin in Pommern (2011).
  10. Helmut Schnatz, Dresden des Nordens? Der Luftangriff auf Swinemünde am 12. März 1945.
  11. Stern Axel Büssem/DPA Inferno am Ostseestrand, 11. März 2005
  12. Die Anzahl von 23 000 Toten wird auch in dem neuen Buch Feuersturm von Christoph Kucklick, Hamburg 2003, vertreten, der sonst im Zweifel niedrige Zahlen nennt: für Dresden „über 30.000“.
  13. Adam Zadworny: They Were Killing Germans in Revenge (Sie töteten Deutsche aus Rache). In: Gazeta Wyborcza, 18. Januar 2008.
  14. Gustav Kratz: Dire Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 504
  15. a b c d e f Kratz, l. c.
  16. Meyers Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19. Leipzig und Wien 1909, S. 229.
  17. Der Große Brockhaus. 15. Auflage, Band 18, Leipzig 1934, S. 370-371
  18. Karl Baedeker, Autoführer Deutsches Reich, 2.Auflage, Leipzig 1939
  19. Angaben sind einer Hinweistafel entnommen, die neben der Eingangstür des heute als Fischereimuseum dienenden Gebäudes angebracht ist.
  20. Hellmut Hannes: Aus der Geschichte der Christuskirche in Swinemünde. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 4/2011, ISSN 0032-4167, S. 24–29.
  21. Gottlob, Fritz. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 14, E. A. Seemann, Leipzig 1921, S. 424. (mit Erwähnung der Luther-Kirche)
  22. http://www.swinoujscie.pl/de/contents/content/53/18
  23. Touristenkarte – Insel Wollin und Umgebung, Warschau 2012.
  24. Touristenkarte – Insel Wollin und Umgebung, Warschau 2012.
  25. Touristenkarte – Insel Wollin und Umgebung, Warschau 2012.
  26. Ein authentisches Bild der damaligen Stadt enthält Fontanes Roman Meine Kinderjahre; auch die Statt Kessin in Effi Briest ist nach Swinemünde gestaltet.
  27. DuMont-Reisetaschenbuch Usedom, 2. Auflage, DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2006, ISBN 3-7701-5978-0, S. 175–176.
  28. Meyers Reisebuch Deutsche Ostseeküste, Teil II: Rügen und die pommersche Küste mit ihrem Hinterland, 2. Auflage, Bibliographische Institut, Leipzig 1924, S. 42–46.
  29. Angaben auf der Seite der Germany Trade and Invest, abgerufen am 8. November 2011
  30. Meldung auf ostsee-zeitung.de vom 8. November 2011, abgerufen am 8. November 2011
  31. 1. Spatenstich für Bahnverlängerung nach Swinemünde, Presseinformation der Deutschen Bahn.
  32. DuMont-Reisetaschenbuch Polnische Ostseeküste, DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7701-7204-7, S. 73.